Als Hitler das rosa Kaninchen stahl - Stefan
Kapitel 1 gibt einen Einblick in das unbeschwerte Leben Annas in Berlin sowie über die Anfänge des Nationalsozialismus. Das offene Ende lässt viele Fortsetzungsmöglichkeiten offen. Ziel dieser Stunde ist, dass die SchülerInnen sich über den möglichen Fortgang der Geschichte Gedanken machen und diese Vorstellungen in schriftlicher Form ausdrücken.
Papa ist fort ………………………………………………..
Vielleicht ist er nur schnell selber zum Doktor gegangen, um seine Tabletten zu holen. Aber warum schickt er keines unserer Hausmädchen? Ich studiere noch, wo er sein könnte, da ruft meine Mutter. Sie will mir etwas mitteilen: "Anna, weisst du deinem Vater geht es im Moment nicht so gut, er …". "Wo ist überhaupt mein Papa?" Meine Mutter antwortet mir: "Ich nehme an, er ist oben in seinem Zimmer, du warst doch gerade eben bei ihm." "Ja, ich wollte ihm was zeigen, doch er war weder in seinem Bett noch sonst wo in seinem Zimmer. Eigentlich wollte ich dich gerade fragen, wo er ist." Meine Mutter schaut mich erschreckt an und wird ganz blass im Gesicht: "Dein Vater ist nicht in seinem Zimmer?" "Nein. Weisst du denn, wo er ist?" "Ich habe da eine Vermutung. Anna, mein Liebes, leider kann ich dir nicht sagen, was los sein könnte, weil du noch zu jung bist. Ich muss jetzt schnell fortgehen, aber ich werde bald wieder zurückkommen. Sag deinem Bruder, dass ich ihn ganz lieb habe, genau wie dich, und sag ihm auch, dass auch er nicht der ganzen Schule sagen soll, dass dein Vater verschwunden ist." "Okay Mama, ich werde nichts sagen und May auch alles erzählen, was du mir eben gesagt hast."
So kam es, dass alles wie gehabt weiterlief. Max und mir war schon ein wenig unbehaglich zumute, weil es schon der dritte Tag war, seit unsere Mutter weggegangen war, um wahrscheinlich unseren Papa zu suchen.
Heute gehe ich wie gewohnt mit Elsbeth zur Schule. Jetzt muss ich es ihr einfach sagen, was bei uns zuhause los ist. Sie schaut mich genauso blass und erschreckt wie meine Mutter vor drei Tagen an. Sie meint: "Ihr seid doch Juden und ihr seid stolz darauf Juden zu sein. Und da jetzt gerade die Wahlen laufen um diesen Adolf Hitler, könnte es doch sein, dass er den Nazis befohlen hat, dass sie die Sozis, vor allem die Juden, wegschaffen sollen, damit sie bei den Wahlen nicht gegen ihn stimmen können. Und ich meine, dein Vater ist ja wirklich ein berühmter Schriftsteller, es wissen auch alle, dass er ein Jude ist, warum also sollte es dieser Hitler nicht wissen?" Jetzt bin ich an der Reihe mit dem erschreckten Gesicht. Das was mir Elsbeth gerade erzählt, beunruhigt mich zutiefst. "Meinst du, dass sie meinen Vater geschnappt haben, damit er bei den Wahlen nicht gegen Hitler stimmen kann? Und was ist mit meiner Mutter passiert?" "Ja, das meine ich, und ich denke, wir sollten von nun an ein wenig aufpassen, sonst kommen wir auch noch dran. Deine Mutter ging deinen Vater vermutlich suchen und wurde dabei auch geschnappt." …
"Ich habe da eine Idee. Ich weiss, wo mein Vater die Abstimmungsunterlagen hingelegt hat. Könnten wir Max nicht so verkleiden, dass er wie ein Erwachsener aussieht? Und dann füllen wir diesen Wahlzettel so aus, dass er gegen Adolf Hitler spricht, und wenn dann meine Eltern bis zum Abstimmungstag nicht aufgetaucht sind, wird Max in seiner Verkleidung den Zettel in die Urne werfen. Somit haben wir vielleicht eine Chance, dass, wenn Hitler die Wahl verliert, meine Eltern wieder freikommen." "Das ist eine super Idee. Das werden wir so durchziehen." …….
Stefan
