Die Geschichte des Wolfes (Nicole)
"Und Herr Wolf, wie geht es Ihnen nach dieser schlimmen Bauchverletzung? Und vor allem, was haben Sie gemacht, dass Sie eine solche Verletzung haben?"
" Wissen Sie Schwester Sabina, das ist eine lange Geschichte, aber wenn Sie unbedingt wollen, erzähle ich sie Ihnen."
"Aber, ich wollte doch gerade …"
"Also, es fing so an:
Als ich im Wald war, kam auf einmal dieser Mensch. Ich kenne mich bei diesen Kreaturen nicht so aus, aber sie ist in mein Revier eingedrungen, das ich natürlich auch verteidigen musste. Mir war von Anfang an klar, dass sie den Wald zerstören möchte und das musste ich unter allen Umständen verhindern. Sie hatte bereits etliche Blumen ausgerissen! Ich fragte sie daher, wohin sie gehe und was sie hier mache. Sie sagte bloss: " Meine Grossmutter ist krank und ich bringe ihr Blümchen und einen Kuchen."
Als ich ihr in die Augen blickte, wusste ich genau, dass sie mich angelogen hatte. Ich lief zu ihrer Grossmutter, mit der sie den Plan geschmiedet hatte, alle meine Blumen, Bäume, Pflanzen und mein Revier abzubrennen. Ich war soooooo wütend, dass ich die Grossmutter verschluckte, dann ihre Kleider anzog und so tat, als wäre ich sie.
Als es an der Türe klopfte, lag ich im Bett und hatte die Augen geschlossen. Mit einer krächzenden Stimme rief ich "Herein!". Und da stand sie. Sie trug ein rotes Käppchen, ein rotes Jäckchen und einen roten Rock mit einem weissen T-Shirt. Sie kam herein und fragte: "Grossmutter, warum hast du so grosse Ohren". Ich erwiderte, dass ich so besser hören könne. "Aber Grossmutter", fragte sie weiter, "warum hast du einen so grossen Mund?" "Damit ich dich besser fressen kann!!!", und flutsch war sie ebenfalls in meinem Magen. Es tat richtig gut, zwei Umweltschändern zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Aber nachdem ich soooo viel gefressen hatte, musste ich mich erst mal hinlegen und ein Verdauungsschläfchen machen.
Plötzlich roch es nach Chloroform und ich sah, wie der Jäger mir ein Taschentuch vor die Nase hielt und wie er eine Schere aus seiner Jackentasche zog. Dann wurde es mir schwindlig und schwarz vor den Augen und ich konnte nichts dagegen unternehmen.
Als ich wieder erwachte, hatte ich einen leeren Magen und als ich zu meinem Bauch runterschaute, war er aufgeschnitten und ich musste mich bis hierher in die Notfallstation schleppen. Ich verlor beinahe mein Leben!!!"
"Oh, das ist aber eine traurige Geschichte, Herr Wolf. Aber ich verspreche Ihnen, ich werde mich persönlich, um Ihr Wohlbefinden kümmern …"
