A gente esquece que a gente é gente
e que precisa de saúde
muito mais do que dinheiro
e de carinho muito mais do que sucesso
e de amizade e compreensão
muito mais do que a gente consegue
correndo de cá pra lá, ano apos ano
pra saldar as contas no fim de cada mes
sem se dar conta que a vida
está passando pela gente, sem a gente viver.....
então vem a depressão, o medo e o tédio,
que a gente tenta disfarçar culpando o mundo,
como se ele coubesse preencher o vazio
da falta que a gente faz para a gente mesmo.
A gente se perde da gente
tentando encontrar o que nunca perdeu:
- a liberdade de escolher
a vida que a gente quer levar
e de levar adiante essa escolha,
porque é com a vida
o primeiro compromisso de toda pessoa.
Viver é a primeira responsabilidade de cada um
e ser feliz
a recompensa de assumir-se por inteiro,
de corpo, cabeça e coração.
Petrolina, Dienstag, 22.9.09
Es ist schoen hier, fuehle mich zuhause, froh es gemacht zu haben.
Machen, aufraffen, losgehen, wagen - auch allein. Die anderen (die
Vielen, die mitwollten) wissen gar nicht, was sie verpassen. Alles hat
geklappt. Der Tagesflug ueber RECIFE war super. fliege nie wieder
nachts, die Energie hab ich nicht. Mein Zimmer im 1.Stock huebsch geraeumig, hell gestrichen. Nichts mehr
von der frueheren muffigen Aermlichkeit. Sie haben renoviert, erneuert,
gestrichen - irgendetwas ist passiert.
Mutter MARIA (80J.) jugendlich wie immer, etwas weniger geworden, und
seit einer Woche sprichwoertlich erst wieder auf den Beinen. War ueber
einen Monat im RECANTO MADRE PAULINA in Minas Gerais ( ein Abkoemmling
von diesem hier), hat sich versorgen lassen und ist mit Homoeopathie,
Akupunktur, Wassergymnastik und Physiotherapie wieder auf die Beine
gekommen. Hatte bei der Reservierung so ein Gefuehl von - "ob sie denn
auch da ist, wenn ich komme?", hab aber nichts gesagt. Der neue gruene Bademantel aus JOÃO PESSOA mit dem praktischen
Reissverschluss und meinem Namen auf der Tasche vorne sitzt stramm
ueber den Hueften und ist warm bei der Hitze (38Grad C). Sitze hier im
Anwendungsraum auf der harten Holzbank und schwenke die Beine vom Eimer
mit dem heissen Wasser in den mit kaltem und zurueck.

ZEZINHO presst Limonen aus und reicht den sauren Saft auf
nuechternen Magen. Er fuellt den Eimer mit heissem Wasser auf, roedelt
nebenan im Kraeuterraum rum, braut fuer jeden Patienten spezielle
Kraeutersuds und Tees . Fuehl mich geborgen , kenne die Menschen und den
Ablauf. Alles beim Alten. MARIA JOSÉ gibt immer noch Yogastunden, nur
DIVA, die himmlische Brotbaeckerin, kocht und backt nur noch sonntags.
Dafuer hat eine grosse, junge, strotzig strahlende Negerin das Terrain
uebernommen. Die Tuer zum Garten steht offen. Eine weisse Sitzgruppe
mit Tisch blitzt hervor. Der Garten mit Obstbaeumen, Kraeutern,
Blumen, Gemuese...gepflegt, Mauern gestrichen, auch der Anwendungsraum
strahlt neu in tuerkis-lachs. Vor der Eimergalerie ein neues
Wandgemaelde mit Palmen, Wasser, Enten, Kanus, Inseln.
Tagebuch in der Oeffentlichkeit schreiben geht nicht. Werde frueh schlafen gehen und frueh morgens im Zimmer schreiben.
Donnerstag, 24.9.09
5.35 Uhr. Sitze am kleinen weissen Tisch, zu niedrig, um bequem zu
sein. Es ist ein Unterschied, ob ich am Tisch sitze und schreibe oder
auf dem Bett hocke. Das Harte hat mehr Ernsthaftigkeit. Meine Schwaeche ist nicht normal. Nach dem Abendbrot (Gemuesesuppe)
schnurstracks in die Waagerechte. Die Augenraender, kein Stuhlgang, die
Leber - . Heute mit Mutter Maria sprechen. Sie sind am Modernisieren
und Verjuengen, dh der RECANTO wird weiterleben, auch ohne sie. Die
"Jugend" draengt nach (NARA und BELKISS in der Behandlung, BERENICE
im Buero), die Equipe ist dieselbe, versteht sich als Familie. Ich trinke, trinke und trinke. Seit Montag nicht genug Wasser
getrunken. Naturmedizin erzieht zur Eigenverantwortung. Lerne meinen
Koerper besser kennen.
Mann, bin ich fertig ! Voellig ueberfordert. Alle. Ausgepowert. Ruhebeduerftig.
Sollen 1,5 l Wasser, die ich mir gerade reinschuette, Wirkung zeigen?
Oder der Senna-Tee von gestern abend? Na endlich, Erleichterung.
Freitag, 25.9.09
Bin so unkonzentriert wie ich als Kind war. Ueberhaupt seh ich mehr und
mehr das Kind von damals - vertraeumt, langsam, doedelig - gehetzt,
gescheucht, angetrieben, rumkommandiert, schekaniert durch den Wind,
verstoert, veraengstigt, orientierungslos, nervoes. Diese Manie zu
vertauschen, zu verwechseln, die Unkonzentriertheit - immer schon
so.
BIRGIT hat gemailt (ich war im lanhouse). Sie hat auch Lust auf das RECANTO. Werde ihr Mai/Juni 2010 vorschlagen. Vielleicht koennen wir zusammen,
vielleicht sind wir gar nicht so verschieden, obwohl ich die Lust zur
Arbeit nicht teile, jedenfalls nicht in diesem Klima. Staendig mit meinen Vorurteilen konfrontiert. Ich, die dachte, sie
haette keine ! Von wegen, Dicke haben's schwer bei mir. Ein Blick auf
den Koerper, ein schneller, abschaetzender Blick auf Kleidung, Schuhe
und - in die Schublade gepackt.
Heute ist erst der 4.Tag und schon soviel passiert. Die eine Woche mit
mir allein in MUNDAÚ am Strand zeigt Wirkung. Soviel mehr Klarheit,
Licht und Hoffnung.
Samstag, 26.9.09
Es gab keinen Geburtstagskuchen, in der Kueche wusste niemend bescheid. Lektio: Mund aufmachen, bescheid sagen, fordern. Letzteres besonders schwer.
Dieses Indianermaedchen INALDA ! Ohne Schulbildung und was sie alles weiss!
Sonntag, 27.9.09
Heute Ausflug auf dem 'veilho chico', dem SAN FRANCISCO FLUSS. Ob die
gute, alte MS NINA noch flott ist? Ueberhaupt faehrt? INALDA
(wohnt in Petrolina) unfaehig, das auszukundschaften. Ich glaub' die
hat'n Schatten, das fing so an: diese intensiven, anstrengenden Unterhaltungen - . Ich merke, wie ich aergerlich, gnatterich, unwillig werde. Die nervoese, schnelle Sprache,
die verwaschene Aussprache - . Ich hoere solchen Leuten nicht mehr zu. Brauche die
Macke nicht zu analysieren - Energieraub bleibt Energieraub. Mit mir
nicht mehr.
Schluss mit dem Geiz, das hoert mir jetzt auf - bin in dem Alter
fuer's KUREN. Es ist nicht nur die Behandlung, es ist das fantastische
Essen, das serviert wird, der liebevolle Ton, die Gesellschaft der
anderen. Wir sind eine tolle Crew. Die beiden Schwestern aus MINAS
GERAIS , die jugendliche baianische Grossmutter aus SALVADOR ,
die heimlich rauchende Indianer mit mystischer Macke, SULEIDE aus SÃO
LUIS (Maranhão) (s. fotos rotblond mit Strohhut ) und FATIMA , die jetzt
bereits wieder in JUAZEIRO DO NORTE (Ceara) Immobilien makelt und mich
bei den anderen als Nonne, die sie von vor 2Jahren her kennt,
ausgegeben hat. Haben gut gelacht, als das rauskam und jede
preisgegeben hat, was sie sich dazu gedacht hat.
Freitag, 2.10.09
Viertel vor 6Uhr, fertig angezogen. Eine halbe Stunde kann ich
schreiben. Irgendetwas stimmt nicht mit mir. Diese tiefen Augenraender
sind nicht nur von der Erschoepfung. Oder die Erschoepfung hat
irgendwelche Koerperdepots geleert. Dienstag zur Arztin in der Stadt,
Schilddruese untersuchen und Hormonspiegel machen. Das spirituelle
Gleichgewicht herstellen, meint BELKISS. Etwas fuer andere Menschen
tun, sozialer sein.
Samstag, 3.10.09
Die Schwestern MARIA und DALILA von der Reise zurueck. Fruehmorgens
Bewegung an den Zimmertueren, Mikrofonkontrolle in der Kirche nebenan.
Die Sonne ist rotgluehnd ueber den Vorstadtdaechern aufgegangen. (hab
ich das foto geschickt?) Mikrofonstimme und Gesang aus der kleinen
Kirche. Jetzt eine maennliche Stimme. Der Oberhirte gibt den Ton an.
Fuehle mich etwas besser, habe auch seit letztem Dienstag nichts mehr
gemacht.
MARLENE ( die Frau, die die Tonpackungen macht) uebernimmt meine Waesche.
Sonntag, 4.10.09
Seit laengerer Zeit mal wieder schreibend im Bett. Werde wach, ohne an
nichts zu denken. Ausruhen, den Kopf, den Koerper. CHRISTAS TAGEBUCH
schreiben, fotografieren, viel reden is' nich'. SULEIDE redet viel,
wat'n Wunder in d e r Situation. Sieht nach 30 Ehejahren immer noch
nicht, dass er ... . Irgendetwas haben wir gemeinsam. Wie
schick sie sich zurechtmacht! Schlank, geschmackvoll, huebsch. Ich mag
die gerade, ehrliche Art, ein bisschen wie LORENA. Hoffentlich zieht
sie zuhause aus. Hoffentlich schafft sie's. Diese verdammten Schuldgefuehle! Wieso eigentlich? Woher kommen die?
Irgendwann besuch ich SÃO LUIS, aber erst, wenn sie ausgezogen ist. Der Blick, als sie das hoerte - unglaeubig, erschreckt. Gehe in die 3. Woche und moechte das Ende nicht sehen. Geniesse die
Geborgenheit. Keine Forderungen, Anforderungen, es geht nur um mich.
Jede geistige Arbeit strengt mich an, merk's schon wieder auf den Augen.
Montag, 5.10.09
Mutter MARIA bereitet sich aus Jahresende vor. Familie besuchen in SANTA CATARINA.
2kg abnehmen, Blutuntersuchung vorher und hinterher. Lerne, beobachte, registriere.
Gestern kam ein junger Mann an - Uebergewicht, Bluthochdruck,
Depression. Eltern und Tanten mit Krebs waren neulich da. Oje, eine
Krebsfamilie. SULEIDE ist happy, dass Zuwachs kommt, Alleinsein ist
eine Horrorvision fuer Brasilianer.
In den Schwesternzimmern um mich herum Geraeusche. Die Voegel auf dem
Kirchdach zwitschern, die Sonne ist aufgegangen ( foto?), die Welt
erwacht, die Wuselei auf der Erde beginnt.
Dienstag, 6.10.09
Heute geht's zur Aerztin - Schilddruese und Hormonspiegel. Bin ich
froh, solange hier zu sein, ansonsten wuerde ich jetzt schon wieder an
Zuhause denken. 3 Wochen sind wirklich Minimum. Jetzt froh, allein hier
zu sein, ohne aufputschende Begleitung. Allein entspann ich am besten.
Nur ganz allein hoer ich auf mich.
Ziehe gerade Sonnenblumenoel. Entgiftet und pflegt das Zahnfleisch.
Nebenan gehen die Tueren, Schlussel drehen sich im Schloss, es muss
gegen 5Uhr sein.
Das ausgespuckte Oel ist weiss, dh es war lange genug im Mund.
Donnerstag, 8.10.09
Schade, dass meine Zeit auslaeuft, dass Zeit auslaeuft - ein Glueck und auch nicht.
Der neue Kuli flitzt uebers Papier, nur kann's kein Mensch mehr lesen.
Wer sollte, ausser mir? 30 homoeopathische Tropfen auf nuechternen
Magen, Oelziehen, Zaehneputzen, Wassertrinken, 5Tropfen..... so geht
das den ganzen Tag.
Hatte gestern meine erste offizielle Sprechstunde mit Mutter MARIA.
Sie ist die Kompetente fuer Diagnose, Therapie. BELKISS fuers
Emotionale, Spirituelle, Alternative. Man lernt: was kenn ICH tun?
Heute mit BELKISS ueber URINTHERAPIE sprechen. Funktioniert nur bei
konsequenter Diaet ohne Zucker, Weissmehl, Kaffee, Alkohol etc. nehm
ich an. Der Haken an der Eigenverantwortung ist die Disziplin,
Konsequenz, das Durchhaltevermoegen, die Faehigkeit, NEIN zu sich
selbst zu sagen !
Was fuer eine fantastische Frau, die Dottora LIGIA ! Beim Mann auf
Herz und Kopf achten, ob der in Ordnung ist, den Rest koennte man sich
in Brasilien abschminken. Muss an COUSINE ANGELICA denken mit ihrem Taxichauffeur. Das geht in
die Richtung. Er weiss nichts von ihrem intellektuellen Leben. Sie
treffen sich, geniessen, reisen - und kehren zurueck in ihre eigene
Welt. Und das schon viele Jahre. Ich brauche eine starke Schulter zum
Anlehnen, einen Freund, der mich emotional unterstuetzt, den ich um Rat
fragen kann, der mir hilft. Und nun, was mach ich nun? In meiner
Schwaeche bin ich ziemlich deprimiert und nicht gerade positiv
gestimmt. Komisch, nicht komisch, wie Koerper und Psyche
zusammenspielen. Ob sie wirklich alle Faelle von Krebs heilen kann?
Bis zu 6Monaten muss man dann hierbleiben. Ich meine, speziell die
Moeglichkeit, unheilbare Krankheiten mit Natur zu heilen. BELKISS
meint in SULEIDES Fall, erst Chemo, dann hier. MARIA verspricht,
hier zu heilen. Die Entscheidung muss sie selber treffen.
Immer noch keinen Dreh, zu schreiben, rund um die Uhr abgelenkt.
Wolkenpanorama hinter Gitterfenstern ( foto?). Das Pieppiep eines
Weckers. Schabegeraeusche aus der Duschkabine nebenan. Die Tuer
gegenueber geht. Kann meine Uhr nach den beiden Schwestern stellen.
Petrolina, Montag, 12.10.2009
Verlaengertes Wochenende, Nationalfeiertag, ein zusaetzlicher Sonntag
als Geschenk. D.h. - keine heiss-kalten Fussbaeder um 6Uhr frueh, kein
aetzender
Zitronensaft auf nuechternen Magen, kein eklig schmeckender giftgruener
Kraeutersud und kein Teeschluerfen den ganzen Tag ueber. Das Personal
hat frei, Eliene allein in der Kueche. Sitze etwas unbequem gegen
Kissen gelehnt im Bett und tue, was ich mir
schon ewig nicht mehr gegoennt habe - gucke mir an, was ich so frueh
morgens, bevor der Tag beginnt, in Christas persoenliches Tagebuch
geschrieben habe. Stelle fest, dass ich mir Arbeit sparen und,
zumindest fuer die deutsche Version, Auszuege daraus fuer CHRISTAS
TAGEBUCH verwenden kann. Die Sache ist gewagt, fuer mich schreibe ich
ungefiltert, was mir so gerade einfaellt, absichtslos, unstrukturiert
drauflos.
Dienstag, 13.10.09
Diese kontrollversessene SULEIDE ! Alles wissen wollen, planen,
verplanen, reglementieren, saemtliche Essenszeiten veraendern und jetzt
auch noch die Anzahl der homoeopathischen Tropfen. Soll sie mich
verplanen, ich tu's nur nicht. Komisch, wie wir sind, jeder mit seiner
Eigenart. Bei mir setzt jetzt die Erholung ein, bei ihr kommt die
Erschoepfung. 30Jahre emotionaler Stress, dagegen bin ich ein
Pappenstiel. Wer bringt schon seinen Zucker, Bluthochdruck, Krebs oder
Schlaganfall damit in Zusammenhang ?