Ich habe heute ein neues Tool getestet für unseren Kartenverkauf zur fmx/07 und da das tool noch in arbeit ist sind auch die Text noch nicht ganz das wahre. Als ich es also so heute testete fielen mir dir AGB's auf...
Freilebende Gummibärchen gibt es nicht.
Man kauft sie in Packungen an der Kinokasse. Dieser Kauf ist der Beginn
einer fast erotischen und sehr ambivalenten Beziehung
Gummibärchen-Mensch. Zuerst genießt man. Dieser Genuß umfaßt alle
Sinne. Man wühlt in den Gummibärchen, man fühlt sie. Gummibärchen haben
eine Konsistenz wie weichgekochter Radiergummi. Die Tastempfindung geht
auch ins Sexuelle. Das bedeutet nicht unbedingt, daß das Verhältnis zum
Gummibärchen ein geschlechtliches wäre, denn prinzipiell sind diese
geschlechtsneutral. Nun sind Gummibärchen weder wabbelig noch zäh; sie
stehen genau an der Grenze. Auch das macht sie spannend. Gummibärchen
sind auf eine aufreizende Art weich. Und da sie weich sind, kann man
sie auch ziehen. Ich mache das sehr gerne. Ich sitze im dunklen Kino
und ziehe meine Gummibärchen in die Länge, ganz ganz langsam. Man will
sie nicht kaputtmachen, und dann siegt doch die Neugier, wieviel Zug so
ein Bärchen aushält. (Vorstellbar sind u.a. Gummibärchen-Expander für
Kinder und Genesende). Forscherdrang und gleichzeitig das Böse im
Menschen erreichen den Climax, wenn sich die Mitte des gezerrten
Bärchens von Millionen Mikrorissen weiß färbt und gleich darauf das
zweigeteilte Stück auf die Finger zurückschnappt. Man hat ein Gefühl
der Macht über das hilflose, nette Gummibärchen. Und wie man damit
umgeht: Mensch erkenne dich selbst! Jetzt ist es so, daß Gummibärchen
ja nicht gleich Gummibärchen ist. Ich bevorzuge das klassische
Gummibärchen, künstlich gefärbt und aromatisiert. Mag sein, daß es eine
Sentimentalität ist. Jedenfalls halte ich nichts von neuartigen
Alternativ-Gummibärchen ohne Farbstoff (»Mütter, mit viel Vitamin C«),
und auch unter den konventionellen tummeln sich schwarze Schafe: die
schwarzen Lakritz-Bärchen. Wenn ich mit Xao im Kino bin, red ich ihm so
lange ein, daß das die besten sind, bis er sie alle ißt. Sie schmecken
scheußlich und fühlen sich scheußlich an. Dagegen das schöne,
herkömmliche Gummibärchen: allein wie es neonhaft vom Leinwandleuchten
illuminiert, aber ganz ohne die Kühle der Reklameröhren! Die nächste
prickelnde Unternehmung ist das Kauen des Gummibärchens. Es ist ein
Katz-und-Maus-Spiel. Man könnte zubeißen, läßt aber die Spannung noch
steigen. Man quetscht das nasse Gummibärchen zwischen Zunge und Gaumen
und glibscht es durch den Mund. Nach einer Zeit beiße ich zu, oft bei
nervigen Filmszenen. Es ist eine animalische Lust dabei. Was das
schmecken angeht. wirken Gummibärchen in ihrer massiven Fruchtigkeit
sehr dominierend. Zigaretten auf Gummibärchen schmecken nicht gut.
Anführen sollte man auch noch: manche mögen die Grünen am liebsten,
manche die Gelben. Ich mag am liebsten die Roten. Sie glühen richtig
rot, und ihr Himbeergeschmack fährt wie Napalm über die
Geschmacksknospen. Eine meiner Lieblingsphantasien, wo es um
Gummibärchen geht, ist der Gummibär. Ich will einen riesigen
Gummibären. Jeder wahre Gummibärchen-Gourmet wird mich verstehen.
Ebenfall phantasieanregend können sie eingesetzt werden zum Aufbau
verschiedener »Orgiengruppen- Modelle« oder als »Demonstrationsobjekt
für wirbellose Tiere«. Abgesehen vom diabolischen Lustgewinn müßte man
die Bärchen gar nicht zerreißen. Sie sind ja durchscheinend. Zu
behaupten, daß sich im Gummibärchen das Wesen aller Dinge offenbart,
finde ich keinesfalls als gewagt. Wer schon einmal über einem roten
Gummibärchen meditiert hat, weiß von diesen Einsichten. Wenn ich das
Kino verlasse oder die Packung einfach leergegessen ist, habe ich meist
ein Gefühl, als hätte mir einer in den Magen getreten. Hier schläft die
gesteigerte Intensität - als deren Ursache den Gummibärchen durchaus
der Charakter einer Droge zuerkannt werden kann - ins Negative um, in
den Überdruß. In dichter und geraffter Form spiegelt sich im Verhältnis
zum Gummibärchen eine menschliche Love-Affair wider. Nie wieder
Gummibärchen, denke ich jedesmal. In der Zwischenzeit lächle ich dann
über den Absolutheitsanspruch den diese Momente erheben. Schon zu Hause
beunruhigen mich wieder Gerüchte über einen Marktvorstoß der Japaner
mit Gummireis oder Gummischweinen. Und wieder und wieder geht es mir
durch den Kopf: Gummibärchen sind Spitze.