Wie erträgt man es, wenn der Geliebte mit anderen Frauen
schläft? Warum erträgt man es?
Ich habe immer von mir behauptet, nicht zur Eifersucht zu
neigen. Nur hatte ich nie Gelegenheit, es zu beweisen. Ich hatte, wenn auch
nicht immer langjährige, so doch meist sehr intensive Beziehungen. Und für
meine Freunde war ich „the one and only“, vielleicht oft mehr noch als sie für
mich. Bin ich die One-and-only-Frau oder habe ich mir unbewusst genau die
Männer gesucht, die sich mit allem, was sie waren, an mich hängen wollten?
Vielleicht letzteres. Jedenfalls hat mir keiner je die Veranlassung gegeben,
eifersüchtig zu sein. Big gab mir die Gelegenheit, zu prüfen, ob ich eifersüchtig
sein kann, beziehungsweise zu beweisen, dass ich es nicht bin. Das hat mich
gereizt.
War ich eifersüchtig auf die anderen Frauen? Ich möchte
behaupten: nein. Ich habe es in der Tat so empfunden, dass sie „ältere Rechte“
haben, und ich hätte es fast als Ungerechtigkeit empfunden, ihre Beziehung zu
Big unterbinden zu wollen. Big hat immer argumentiert, dass das, was er mit
anderen Frauen hat, nichts tangiert von dem, was er mit mir hat. Und was seine
langjährigen Geliebten angeht, hatte er Recht. (Jetzt beim Schreiben fällt mir
gerade ein, dass er zu mir meinte, dass Alexa auf mich eifersüchtig sei. Ich
fand, sie hatte allen Grund dazu. Ich hatte Big fast jeden Tag, na ja, jede
Nacht. Ich konnte an seiner Seite aufwachen und musste nicht um Mitternacht das
Feld räumen. Ich musste keine Geheimnisse vor Big haben. Ich hätte es ihm sogar
erzählen können, wenn ich eine Nacht mit einem anderen verbracht hätte.)
Ich denke, das eigentliche Drama spielt sich ja immer nur im
Kopf desjenigen ab, der eifersüchtig ist. Und dieses Drama ist quasi ein
Pflichtprogramm: Also in so einer Situation muss man sich verletzt fühlen, das
geht ja gar nicht anders!
Ich habe mich hingegen gefragt: Stört es mich tatsächlich,
dass Big mit anderen Frauen schläft? Also, wenn ich meine Fantasien darüber
ausschalte, gibt es dann überhaupt irgendwas, an dem ich mich stören könnte? Es
hat sein Verhalten mir gegenüber nicht verändert. Es hat seine Lust auf mich
nicht geschmälert. Also wäre es wirklich nur Hirnkino gewesen, wenn ich unter
dieser Situation gelitten hätte.
Aber ich bin natürlich nicht so rational, wie das jetzt klingt. Natürlich war ich nicht
glücklich darüber. Aber das hatte viel mit gekränkter Eitelkeit zu tun. Warum
bin ich nicht die einzige für ihn? Warum kann er noch andere Frauen wahrnehmen,
wenn es doch jetzt mich gibt in seinem Leben? Oh, war ich verwöhnt, the one and
only zu sein! Aber ein Teil von mir war auch erleichtert, es nicht zu sein. Ich
hätte mich gleich wieder verantwortlich fühlen müssen.