... and the city

30.11.2005 um 00:33 Uhr

Auch ich, Tochter des Brutus ...

von: ni_ke

 ... bin in Zweisamkeit abgetaucht in der letzten Zeit. Tja, die Wege der Herrin sind unergründlich ...

Da kennt man jemanden seit geraumer Zeit, trifft sich regelmäßig und - plötzlich - nach einem Jahr funkt es. Und es war wunderschön, liebevoll, vertrauensvoll, voller Offenheit für den anderen.

Doch heute, nach drei Wochen im Liebestaumel, habe ich plötzlich Bedenken. Bin ich tatsächlich verliebt? Kann ich mich auf einen anderen richtig einlassen?
Am Morgen wusste ich, dass ich dringend mal wieder Zeit mir mir alleine brauche. Das überraschte mich. So deutlich hatte ich das noch nie gespürt.  Ich sagte ihm, dass wir mal eine Pause einlegen müssen und habe fast ein schlechtes Gewissen, dass ich keine Sehnsucht verspüre. Es ist gut, alleine zu sein.

Manchmal befürchte ich, ich werde Big immer ähnlicher.

06.11.2005 um 19:45 Uhr

Miau

von: ni_ke

Flo hat mir gemailt. Er habe sich mit seiner Ex geeinigt, dass sie es noch mal „miteinander probieren“ wollen. Er schreibt: „Das bringt es mit sich, dass ich mein Nachtleben als "streunender Schmusekater" bezüglich gewisser Aktivitäten auf "mein Revier" einschränken muss. (Ich darf zwar noch miauen, aber halt sonst nix mehr“ Er hoffe, dass ich nicht verletzt oder enttäuscht bin und sei mir weiterhin freundschaftlich verbunden.
„Herzliches Beileid“, beginne ich meine Antwortmail. (Hab’ ich schon erwähnt, dass ich immer mal wieder recht bösartige Anwandlungen habe?) Nein, ich bin nicht enttäuscht. Schließlich habe ich mit so was gerechnet. Ich empfinde sein Verhalten lediglich als etwas rückgratlos.

Lagen wir nicht noch eine Woche zuvor miteinander im Bett und tauschten uns über unsere Visionen von vertrauensvollen Liebesbeziehungen ohne Eifersucht und Besitzdenken aus? Fühlten uns gemeinsam erhaben über alle, die sich den Genuss körperlicher Nähe nur im engen Korsett einer Zweierkiste erlauben. War Flo nicht derjenige, der noch vor einer Woche ganz den moralisch Freien mimte, der auf keinen Fall eine feste Beziehung will und ganz locker und unverkrampft mit körperlicher Nähe umgehen kann?
Er werde seiner alten/neuen Freundin treu sein, weil sie es schließlich so erwarten kann. (Ich wollte das nicht: einen Freund, der mir treu ist, weil ich es so erwarten kann. Ich finde es selbstredend schön, einen Partner zu haben, der mir treu ist, weil er das so will. Wenn ich aber die Wahl hätte zwischen einem Mann, der tut, was ich erwarte und einem, der sich nicht verbiegt, dann will ich den letzteren. Auch wenn ich dann nicht weiß, was mich erwartet.)
Nein, ich bin wirklich nicht enttäuscht. Ich fühle mich nur irgendwie alleine mit meinen Visionen.

01.11.2005 um 14:36 Uhr

Vanity fair

von: ni_ke

„Nichts“ ist natürlich maßlos – was eigentlich? – übertrieben oder untertrieben? In einem meiner Lieblingsblogs meinte die Autorin kürzlich, dass Frauen ab einem gewissen Alter das Gegenteil von Taxis seien. Taxis sind entweder frei, dann ist das Licht an, und man winkt ihnen zu, oder besetzt, dann ist es aus, und es interessiert keine Sau. Ganz anders bei Frauen über 30. Wenn sie frei sind, duckt sich jeder, sobald sie vorbeikommen. Und wenn das Licht aus ist, weil sie besetzt sind, steht an jeder Ecke irgendeiner und winkt. Diese Beobachtung kann ich bestätigen: Das ist in der Tat die gemeine Logik des Singlemarkts. Bist du einsam, wirst du gemieden. Bist du Gegenstand des Interesses eines Mannes oder mehrerer Männer, will dich jeder.

Nach Big habe ich ein Jahr im Niemandsland der geschlechtlichen Neutralität verbracht. Manchmal dachte ich, das ist das Alter: Mädel, die Zeiten sind einfach vorbei, wo sich Männer nach dir umdrehen. Vielleicht sind auch einfach die Zeiten vorbei, wo es in deinem Alter noch sexuell aktive Männer gibt.

Aber dann war ich von einem Tag auf den anderen wieder Gegenstand männlicher Aufmerksamkeit. Ich weiß nicht genau, was eigentlich passiert ist. Aber ich wurde wieder wahrgenommen. Ich mietete mich auf einem Schwarzwaldhof ein, um ein paar Tage für mich zu sein, und war schon am ersten Abend mitten drin in einem heißen Urlaubsflirt. Ich hatte ein Blind Date mit einem jungen, sehr gut aussehenden Banker, der nach einer Stunde bereits Zukunftspläne mit mir schmieden wollte. Das tat mir natürlich einerseits gut. Plötzlich war ich wieder im Spiel und mein Marktwert so hoch wie nie.

Andererseits stellte ich fest, dass mein Interesse an einer engeren Bindung sich in der Zwischenzeit verflüchtigt hatte. Oder sagen wir, mein Singleleben begann mir zu gefallen. Ich war 20 Jahre lang immer in irgendwelchen Beziehungskisten. Es tat mir gut, zur Abwechslung mal zu versingeln. Als der Urlaubsflirt mich in meiner Heimatstadt besuchen wollte, zog ich die Notbremse. Der gutaussehende Banker gab nach ein paar Abwimmeltelefonaten auf. Ganz verstanden hab ich mich selbst nicht: Er war durchaus sympathisch, attraktiv und sicherlich nicht uninteressant. Aber mir fiel kein Grund ein, ihn wiedersehen zu wollen. Und so ging es mir dann mit einigen folgenden Bekanntschaften.

Das scheint den Taxi-Effekt zu potenzieren: Wenn frau ausstrahlt: Jungs, ich brauche euch nicht – und zwar nicht, weil es einen anderen gibt, sondern weil ich mir selbst grad vollkommen genüge. Das ist offensichtlich die Herausforderung schlechthin an die gesamte Männerwelt. Und drum steht wohl auch die gesamte Männerwelt grad Schlange bei mir.

Also es wäre wirklich falsch zu behaupten, da wäre „nichts“.

Ich will nur nichts.

Aber zugegeben: nichts von den Männern wollen macht unter diesem Voraussetzungen bedeutend mehr Spaß.

30.10.2005 um 20:02 Uhr

Nichts

von: ni_ke

Eine E-Mail von Andy.

Andy habe ich vor über einem Jahr bei einem Kurzurlaub kennen gelernt. Ein warmer Sommerabend, Lagerfeuer, Gitarrenmusik und Most. Irgendwann saßen wir nur noch zu dritt am Feuer, alle anderen waren nach und nach schlafen gegangen. Und plötzlich befand ich mit dem Unbekannten neben mir in einem überraschend sehr persönlichen Gespräch. In Most veritas, oder wie war das?

„Ich bin völlig orientierungslos“, gestand ich ihm. Es war vier Monate nach Big. „Ich weiß so gar nicht mehr, was ich will mit den Männern. Ich sehne mich nicht nach der großen Liebe für immer und ewig. Ich habe keine Lust auf One-night-stands.“

„Also hast du genau das, was du willst“, antwortete er: „Nichts.“

Damit hatte er es eigentlich genau auf den Punkt getroffen. Das gefiel mir.

Seit diesem Abend mailen wir uns. In der ersten Zeit waren es stundenlange, seitenlange E-Mails. Im Laufe der Zeit hat das natürlich nachgelassen, aber wir schreiben uns weiterhin regelmäßig und immer sehr persönlich.

Seine Frau weiß nichts davon, dass wir Kontakt zueinander gehalten haben. Am Anfang fand ich das unschön – ich bin ja selbst keine Freundin von Heimlichkeiten. Jetzt denke ich, es ist wohl besser so. Sie ist seiner Aussage nach sehr eifersüchtig. Wozu sie natürlich keinen Grund hätte. Andy und ich haben die keuschest mögliche Beziehung, die ein Mann und eine Frau miteinander haben können. Trotzdem sind wir sehr intim miteinander. Ich bin das Ventil für seinen Ehefrust. Mir, der fernen Leserin, kann er all das schreiben, was er nicht mal dem besten Freund anvertrauen könnte. Und ich erzähle ihm relativ ungeschminkt von meinem Leben, meinen Gedanken und Gefühlen.

In seiner E-Mail beschreibt er den ehelichen Sex. Er teilt das Ehebett nicht mit seiner Frau. Er schnarcht, sie hat Schlafstörungen – also übernachtet er im Zimmer der Söhne. Einmal im Monat darf er auf ein Stichwort von ihr zu ihr kommen. Allerdings erst, nachdem er ausführliche Reinigungsrituale hinter sich gebracht hat. Und „danach“ trollt er sich wieder ins Kinderzimmer.

Wenn ich so etwas lese ... das sind echt Momente, wo ich denke, ich bin absolut glücklich mit dem was ich habe: nichts ...

26.10.2005 um 14:50 Uhr

Eine Kuschelaffäre

von: ni_ke

Schon in dem Moment, als ich es sage, will ich mir auf die Zunge beißen. Zu spät. „Nächstes Mal“. Dabei wollte ich doch nicht damit anfangen, ein nächstes Mal zu erwarten. Weil ich von ihm gar nichts erwarten will. Weil ich von ihm nichts wollen will. Flo ist ein unerwarteter Genussbonus. Eine fantastische Nacht, beidseitig ohne Gefühlskonsequenzen. Dann eine zweite. Eine dritte. Spontane Schäferstündchen, ganz aus Leichtigkeit gemacht. „Ich kann gut verliebt tun“, warnt er mich. Ich verstehe. Ich kann das auch. Wir tun beide verliebt und entdecken eine schöne Gemeinsamkeit: eine Vorliebe für maßlose Streichelorgien. Dann trennen wir uns und vergessen uns bis zur nächsten zufälligen Begegnung. Ich entschuldige mich für meine Vorwegnahme. „Mist, damit fängt doch die ganze Scheiße wieder an. Wenn ich beginne, ganz selbstverständlich von irgendetwas auszugehen. Dabei sind wir doch ...“ Ich weiß nicht, wie ich fortfahren soll. „Was haben wir eigentlich miteinander?“, frage ich ihn. „Lauter One-Night-Stands?“, schlägt er vor. Ich lache. „Ok, das war also unser dritter One-Night-Stand …
Ich nenne dich übrigens mein ‚Kuschelaffärchen’.“

25.10.2005 um 22:31 Uhr

Gummibärchen

von: ni_ke

Ich habe Flo getroffen. Das erste Mal seit Wochen verbringen wir wieder eine Nacht miteinander – das erste Mal seit meinem Unfall. Danach hatte ich Gips und mich geschlechtlich ziemlich neutral gefühlt. Keine Flirts, keine Spielchen, kein gar nichts. Auch mal heilsam – für eine gewisse Zeit.

„Hey, das ist schon sechs Wochen her!“, sage ich. „Ist jetzt endlich die sexte Woche?“, fragt  er.

Wir liegen im Bett, lassen die Finger wandern und kauen Gummibärchen. „Eigentlich hatte ich gedacht, ich bin da völlig drüber weg“, sinniere ich mit vollem Gummibärchenmund, und füge an: „Aber es ist doch gleich wieder schön ... Also, das Gummibärchenkauen, meine ich!“

22.10.2005 um 14:49 Uhr

Warum ich Männer liebe

von: ni_ke

Seit ein paar Wochen habe ich eine E-Mail-Freundin. Kiky23*. Eine reine Internetbekanntschaft. Wir kamen über eine Ebayauktion ins virtuelle Gespräch, sie hatte ein Buch meiner und ihrer Lieblingsautorin ersteigert. Ich habe diesen Tick, dass ich denke, jede E-Mail beantworten zu müssen, und sie offensichtlich auch. Und so kam unser zunächst rein geschäftlicher Kontakt nicht zum Erliegen, wie es normal gewesen wäre, sondern wir schreiben uns seither täglich. Längst natürlich sehr persönliche Dinge.

Kiky ist Anfang 20 und hatte bisher nur eine Beziehung. Mit einer Frau. Sie sieht sich nicht als Lesbe, nicht als Hetera, nicht als Bisexuelle. So wie ich es verstanden habe, weiß sie schlicht und einfach nicht, was sie ist. Ihre Mutter meint, sie solle es doch auch mal mit einem Mann probieren. Sie selbst ist sich unsicher. Wenn ihre Freundin ein Mann gewesen wäre, dann wäre ihre erste Liebe männlich gewesen. Aber sie war halt eine Frau.

Kiky fragte mich, warum ich Männer liebe.

Ich habe nachgedacht.

Einen Tag. Zwei Tage.

Mir ist keine Antwort eingefallen. Das hat mich ein wenig erschüttert. Ich habe seit 20 Jahren Liebesbeziehungen zu Männern. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht hätte mir ein wenig Desorientierung mit Anfang 20 auch gut getan?

Liebe ich Männer, weil mir schlicht und einfach nie eine bessere Idee kam?

*Übrigens sind alle Namen in diesem Blog mehr oder minder frei erfunden. Der Rest hat verblüffende Ähnlichkeit mit meiner Wirklichkeit.

21.10.2005 um 00:03 Uhr

The one and only

von: ni_ke

Wie erträgt man es, wenn der Geliebte mit anderen Frauen schläft? Warum erträgt man es?

Ich habe immer von mir behauptet, nicht zur Eifersucht zu neigen. Nur hatte ich nie Gelegenheit, es zu beweisen. Ich hatte, wenn auch nicht immer langjährige, so doch meist sehr intensive Beziehungen. Und für meine Freunde war ich „the one and only“, vielleicht oft mehr noch als sie für mich. Bin ich die One-and-only-Frau oder habe ich mir unbewusst genau die Männer gesucht, die sich mit allem, was sie waren, an mich hängen wollten? Vielleicht letzteres. Jedenfalls hat mir keiner je die Veranlassung gegeben, eifersüchtig zu sein. Big gab mir die Gelegenheit, zu prüfen, ob ich eifersüchtig sein kann, beziehungsweise zu beweisen, dass ich es nicht bin. Das hat mich gereizt.

War ich eifersüchtig auf die anderen Frauen? Ich möchte behaupten: nein. Ich habe es in der Tat so empfunden, dass sie „ältere Rechte“ haben, und ich hätte es fast als Ungerechtigkeit empfunden, ihre Beziehung zu Big unterbinden zu wollen. Big hat immer argumentiert, dass das, was er mit anderen Frauen hat, nichts tangiert von dem, was er mit mir hat. Und was seine langjährigen Geliebten angeht, hatte er Recht. (Jetzt beim Schreiben fällt mir gerade ein, dass er zu mir meinte, dass Alexa auf mich eifersüchtig sei. Ich fand, sie hatte allen Grund dazu. Ich hatte Big fast jeden Tag, na ja, jede Nacht. Ich konnte an seiner Seite aufwachen und musste nicht um Mitternacht das Feld räumen. Ich musste keine Geheimnisse vor Big haben. Ich hätte es ihm sogar erzählen können, wenn ich eine Nacht mit einem anderen verbracht hätte.)

Ich denke, das eigentliche Drama spielt sich ja immer nur im Kopf desjenigen ab, der eifersüchtig ist. Und dieses Drama ist quasi ein Pflichtprogramm: Also in so einer Situation muss man sich verletzt fühlen, das geht ja gar nicht anders!

Ich habe mich hingegen gefragt: Stört es mich tatsächlich, dass Big mit anderen Frauen schläft? Also, wenn ich meine Fantasien darüber ausschalte, gibt es dann überhaupt irgendwas, an dem ich mich stören könnte? Es hat sein Verhalten mir gegenüber nicht verändert. Es hat seine Lust auf mich nicht geschmälert. Also wäre es wirklich nur Hirnkino gewesen, wenn ich unter dieser Situation gelitten hätte.

Aber ich bin natürlich nicht so rational, wie das jetzt klingt. Natürlich war ich nicht glücklich darüber. Aber das hatte viel mit gekränkter Eitelkeit zu tun. Warum bin ich nicht die einzige für ihn? Warum kann er noch andere Frauen wahrnehmen, wenn es doch jetzt mich gibt in seinem Leben? Oh, war ich verwöhnt, the one and only zu sein! Aber ein Teil von mir war auch erleichtert, es nicht zu sein. Ich hätte mich gleich wieder verantwortlich fühlen müssen.

17.10.2005 um 13:25 Uhr

Blaubarts Zimmer

von: ni_ke

Es gibt viele Partnerschaften, die nach dem Motto funktionieren: Tu, was du willst, aber mach es wenigstens heimlich! Ich wollte wissen.

Big hatte zwei langjährige Geliebte. Die eine war Julia. Ich habe sie nie kennen gelernt, aber mir von ihr erzählen lassen. Julia war zehn Jahre zuvor seine Nachbarin gewesen, Big und sie hatten sich ineinander verliebt und waren zwei Jahre lang ein Paar. Sie konnte es nicht ertragen, dass sie nicht die einzige war für ihn, machte ihm Szenen, litt unter der Situation und verließ ihn wegen einem anderen. Irgendwann begann sie, ihren neuen Freund zu betrügen – mit Big. Ich bin nicht sehr moralisch. Aber ich bin Waage. Das verstieß gegen mein Gerechtigkeitsgefühl! Im tiefsten Inneren hegte ich ab und zu einen Groll gegen diese Unbekannte, die ihren Nachfolgerinnen dieselbe Situation zumutete, die sie selbst nicht ertragen konnte. Und ich schwor mir und ihm: Soll geschehen, was will – in seinen Harem werde ich mich nie im Leben gesellen. Ich bin die Nr. 1 oder gar nichts. (Das klingt ziemlich erbärmlich, gelle? Aber: ich war verliebt ... Ich bin (war?) immer völlig irre, wenn ich verliebt bin ... Und wenn ich noch beten würde, wie als Kind, würde ich den lieben Gott darum bitten, mich vor Vulkanausbrüchen, Erdbeben und Verliebtsein zu schützen.)

Die andere Geliebte, damals auch schon seit sieben Jahren, war Alexa, die Heilpraktikerin. Dass Big und sie kein Paar sein können, hatte vom ersten Moment an festgestanden. Dass sie sich hin und wieder im Bett treffen mögen, ebenfalls. Als Big sie kennen lernte, war sie Single. Als Alexa irgendwann wieder liiert war, traf sie Big heimlich. Die Beziehung ging auseinander, sie lernte einen anderen Mann kennen, zog mit ihm zusammen und traf Big weiterhin. Ihr Lebensgefährte kennt Big als guten Freund Alexas. Dass sie mit ihm schläft, weiß er nicht. Sie trifft Big in seiner Wohnung und verlässt sein Bett zu den Kneipensperrzeiten.

Sind das Extreme? Oder ist das Beziehungsnormalität? Gibt es überhaupt „Treue“, oder ist Monogamie ein Euphemismus für diskretes Fremdgehen?

Für mich ist weiterhin klar: Mein Bedürfnis nach Ehrlichkeit ist größer als das nach Ausschließlichkeit. Mit einer großen Liebe will ich keine Tabus haben. Die Wahrheit ist mir zumutbar. Und wie wunderbar ist es, wenn das auf Gegenseitigkeit beruhen kann. Das habe ich an Big wirklich sehr genossen: Ich war ihm allzeit zumutbar! Quid pro quo.

16.10.2005 um 19:20 Uhr

amour fou

von: ni_ke

„Ich lebe nicht monogam.“ Dieses „Geständnis“ machte er mir in unserer ersten Nacht, noch bevor wir die ersten Tastausflüge auf der Haut des anderen starteten. Wenn ich irgendjemandem später von meinen Beziehungsversuchen, von meiner amour fou mit Big erzählt habe, dann schlug mir immer Entrüstung entgegen. Mit einem Partner zusammensein, der mit anderen schläft, das scheint für meine Mitmännlein wie -weiblein unausdenkbar. Ich war in diesem Punkt vermutlich wieder mal gnadenlos naiv. Ich wusste nicht, ob eine ‚offene Beziehung’ lebbar ist. Ich wusste nur, nach zwanzig Jahren intensiver Feldforschung, dass ‚normale’ monogame Beziehungen sich nicht gerade durch Lebbarkeit hervortun. Also empfand ich es sogar wie ein spannendes Experiment, eine Herausforderung, eine Chance. Ich hatte (habe?) ja dazu auch noch ganz hehre Vorstellungen von „Liebe“: nichts fordern, dem anderen seine Freiheit lassen, bedingungsloses Geben und Nehmen eben ... Vielleicht war das das Rezept für die wahre große Liebe: Sich über alle Eifersüchteleien und Besitzansprüche hinwegsetzen – wenn wir dorthin gelangen konnten, dann konnten wir doch überall miteinander hinkommen!
Zwei Bedingungen habe ich dennoch gestellt: Ich will keine Heimlichkeiten. Und ich will die Nr. One sein. Ich war es eine Zeit lang. Als ich es nicht mehr war, bin ich gegangen.