amour fou
„Ich lebe nicht monogam.“ Dieses „Geständnis“ machte er mir
in unserer ersten Nacht, noch bevor wir die ersten Tastausflüge auf der Haut
des anderen starteten. Wenn ich irgendjemandem später von meinen
Beziehungsversuchen, von meiner amour fou mit Big erzählt habe, dann schlug
mir immer Entrüstung entgegen. Mit einem Partner zusammensein, der mit anderen
schläft, das scheint für meine Mitmännlein wie -weiblein unausdenkbar. Ich war
in diesem Punkt vermutlich wieder mal gnadenlos naiv. Ich wusste nicht, ob eine
‚offene Beziehung’ lebbar ist. Ich wusste nur, nach zwanzig Jahren intensiver
Feldforschung, dass ‚normale’ monogame Beziehungen sich nicht gerade durch
Lebbarkeit hervortun. Also empfand ich es sogar wie ein spannendes Experiment,
eine Herausforderung, eine Chance. Ich hatte (habe?) ja dazu auch noch ganz
hehre Vorstellungen von „Liebe“: nichts fordern, dem anderen seine Freiheit
lassen, bedingungsloses Geben und Nehmen eben ... Vielleicht war das das Rezept
für die wahre große Liebe: Sich über alle Eifersüchteleien und Besitzansprüche
hinwegsetzen – wenn wir dorthin gelangen konnten, dann konnten wir doch überall
miteinander hinkommen!
Zwei Bedingungen habe ich dennoch gestellt: Ich will keine
Heimlichkeiten. Und ich will die Nr. One sein. Ich war es eine Zeit lang. Als
ich es nicht mehr war, bin ich gegangen.
