Hundstage
Am Samstag war es endlich so weit: Ich machte mich gemeinsam mit Max auf den Weg nach Bad Goisern, um meinen Welpen abzuholen. Natürlich hatte ich nicht besonders viel geschlafen in der Nacht auf Samstag, weil ich so aufgeregt war. Schon seit Tagen träume ich nur noch von Hunden. Das Aufstehen fiel mir am Samstagmorgen überhaupt nicht schwer, ich hatte ja auch kaum geschlafen.
Vergeblich habe ich versucht, Max schon um halb sieben dazu zu bringen, sich mit mir auf den Weg ins Salzkammergut zu machen. Der hat aber nur einen Schnarcher mehr getan, sich auf die andere Seite gerollt und mich ansonsten komplett ignoriert. Na gut, ich hab mich dann halt mal geduscht, gewaschen und Haare gefönt, schließlich soll der neue Hund nicht gleich einen Schock bekommen. Dann startete ich den zweiten Weckversuch. Er war vergebens. Ok, also was tun, um nicht verrückt zu werden? Gut, mal Geld abheben fahren. 900,- musste der Bankomat ausspucken. Und ich bin immer noch erstaunt, dass er nicht in schallendes Gelächter ausgebrochen ist. Dann der dritte Weckversuch. Immer noch mit dem ernüchternden Ergebnis, dass Max sich klinisch tot stellt. Hm... na eigentlich könnte ich eh ein wenig aufräumen. Und nach dem vierten vergeblichen Weckversuch war auch das Geschirr abgewaschen, die Wäsche erledigt und der Kühlschrank abgetaut. Der fünfte Weckversuch.
Endlich. Max rollt sich aus dem Bett und ins Bad, dann noch schnell Kaffee getrunken und ab gehts. Dachte ich. Max musste noch tanken. Und wo wir schon in der Nähe seiner Eltern sind auch noch bei denen vorbei schauen. Es war also zehn, bis wir losfuhren. Irgendwann nach Linz bemerkte ich dann ein wenig Schnee neben der Autobahn. Schnee im Oktober, faszinierend. Also musste ich gleich ein Foto machen.
Ich bin ja bekennender Schnee-Narr. Aber dann wurde der Schnee plötzlich immer mehr, so lange, bis wir zwischen Bad Goisern und Ebensee im Stau standen - wegen des Schneefalls und eines dadurch verursachten Unfalls.

Um Punkt zwölf waren wir dann endlich beim Züchter, Karl-Heinz Atzlinger. Der Zwingername meiner Welpin ist Obrella Gräfin von Burg Wildenstein. Die Gräfin hat sich, als wir kamen, sehr ungräflich benommen und ist wie verrückt herumgehüpft. Sie hat meine Gefühle damit auf den Punkt gebracht. Nach einem wirklich netten Kaffeetratscherl, bei dem uns Famlie Atzlinger noch viele nützliche Tipps mit auf den Weg gaben, machten wir uns mit unserer Gräfin auf denselben. Eigentlich wollte ich sie ja nach meiner verstorbenen Freundin Meggie taufen, aber da es im Oktober zu solchem Schneegestöber gekommen ist, nahm ich das als Zeichen und taufte sie "Niva" nach dem lateinischen Wort "nivis" für Schnee. Ich setzte mich also mit unserer Schneeflocke auf die Rückbank und die Fahrt in ihre neue Heimat begann.
Die Autofahrt hat sie wunderbar verkraftet, sie hat während der ersten Zeit versucht, ihr wunderschönes Körbchen zu töten und dann, meine Hand wegzulecken. Sie hat weder gewinselt noch ins Auto gemacht oder sich übergeben. Ein Traumhund, das wusste ich sowieso von Anfang an!
