Nur ein paar Memos

12.10.2017 um 12:51 Uhr

Apfelmännchen

Neulich saß ich mal wieder mit meinem alten Freund beisammen und wir haben ein wenig über das Leben sinniert. Irgendwie kamen wir dabei auf den Unterschied zwischen gewöhnlichen Erwachsenen und wahrhaft Weisen zu sprechen.
Mein Freund versuchte mir den Unterschied in etwa so zu erklären:

Du kennst doch diese Apfelmännchen, auch Mandelbrot-Fraktale genannt. Es dürfte kaum einen Menschen geben, der davon nicht fasziniert ist.
Ein Kind schaut darauf und ist von der Vielfalt der Farben und Formen fasziniert, ohne sich etwas dabei zu denken.
Ein Erwachsener jedoch wird die Selbstähnlichkeit erkennen und versuchen, dahinter zu kommen, wie diese Bilder im Inneren aufgebaut sind. Immer wieder zoomt er hinein und sucht nach dem Schema. Er will der Sache auf den Grund gehen und zu den Wurzeln gelangen. Dabei versteift er sich auf sein Weltbild, verlässt sich auf seine Intelligenz und wird doch immer wieder enttäuscht. Denn immer wenn er glaubt, ein Schema zu erkennen, tun sich neue und unerwartete Formen und Strukturen auf, und das Spiel beginnt von neuem. Er verbrennt all seine geistige Energie und kommt doch keinen einzigen Schritt weiter.
Der Weise jedoch ist ebenso fasziniert von diesen Bilder, genau wie ein Kind. Und ganz sicher hat er in früheren Jahren ebenso versucht, das Schema zu erkennen, denn auch er war einmal erwachsen. Doch nun lehnt er sich zurück, genießt das Formen- und Farbenspiel und lässt das Universum sein, was es ist: nichts als ein mikroskopisch kleiner Ausschnitt aus einem Apfelmännchen.

Für alle, die sowas noch nie gesehen haben oder sich gerne noch mal daran erinnern lassen, hier ein kleines Video:




14.09.2017 um 15:03 Uhr

Türen

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Türen besitzen eine besondere Symbolik im Labyrinth des Lebens. Da kann man vor verschlossen Türen stehen oder aber offene Türen einrennen. Man kann in Falltüren stolpern oder anderswo einen Fuß in die Tür bekommen. Man kann ganze Tore aufreißen oder durch einen Türspalt schlüpfen und ab und zu muss man durch Hintertürchen fliehen. An manchen Türen sollte man läuten, andere werden uns von alleine geöffnet. Und es gibt Türen, die ihr Geheimnis niemals  preisgeben...

Und immer wieder geht es auch darum, Türen zu schließen. Man kann sie zuschlagen oder leise ins Schloss fallen lassen. Andere kann man anlehnen oder so sachte zuklinken, dass sie sich später wieder öffnen lassen. Wieder andere bleiben für immer geschlossen - der Schlüssel verbogen oder weggeworfen.

Türen öffnen und schließen sich - Türen trennen und verbinden. Sie können uns Wege und Perspektiven öffnen, ebenso wie sie uns von diesen abschneiden können. Türen bieten uns Schutz und Geborgenheit, aber die können uns auch isolieren...

Ich habe auf meinem Lebensweg so manche Tür hinter mir geschlossen. Viele davon, weil mir klar war, diese Wege dahinter nie wieder gehen zu wollen. Das klackende Geräusch, wenn ihre Schlösser in die Falle schnappten, war Erleichterung und Befreiung zugleich.

Aber da waren auch einige Türen, die ich gerne offen gelassen hätte. Ich war gezwungen sie zu schließen oder der Durchzug drückte sie ins Schloss. Auch Hintertüren haben zwei Seiten und lassen sich oft nur in eine Richtung öffnen.

Am liebsten jedoch sind mir jene Türen, die sich von beiden Seiten öffnen und schließen lassen, und an denen man sich friedlich und freudig die Klinke in die Hand gibt.

Meine Welt ist ein offenes Haus - dennoch braucht es Türen aller Art.

12.08.2017 um 12:19 Uhr

Halbweisheit #49

von: Zwischenweltler   Kategorie: Halbweisheiten

So mancher glaubt, in dem Hamsterrad, das er tagtäglich am Laufen hält, eine Karriereleiter erkennen zu können.
 

08.08.2017 um 17:13 Uhr

Verkettung

Es ist wohl zwei oder drei Jahre her, als ich mir ein Buch kaufte – soweit ich mich erinnern kann auf eine Empfehlung eines Bloggers oder einer Bloggerin hin. Seitdem lag es in meinem Schreibtisch und wartete darauf, von mir gelesen zu werden.
Es war dann wie so häufig ein Impuls, der mich dieses Buch mit in den Urlaub nehmen ließ. Also begann ich zu lesen, und das erste, worüber ich stolperte, war die Beschreibung einer bestimmten architektonischen Eigenschaft, von der ich ganz sicher nicht die geringste Vorstellung gehabt hätte, wäre ich nicht in genau diesem Urlaub an einem vergleichbaren Ort gelandet. So sah ich, was gemeint war – hatte sofort ein Bild vor Augen. Ohne diesen Umstand hätte ich dieses Buch vermutlich nur halb verstanden, vielleicht sogar weggelegt.
Und es ging noch weiter. In der Hauptperson entdeckte ich immer mehr Ähnlichkeiten mit einem Menschen, der mein Leben eine Zeitlang begleitete – einem Menschen, den ich damals nur bruchstückhaft verstand. Dieses Buch jedoch war wie der Schlüssel zu dessen Seele, und allmählich begann ich zu verstehen. Ich sah diesen Menschen vor mir, seine Eigenheiten, seine Muster, seine kleinen liebenswerten Macken, seine Stärken und Schwächen. Und mit einem Mal wurde alles so klar. Dinge, die mir jahrzehntelang verborgen blieben – ich war blind dafür. Und dieses Verstehen tat so unglaublich gut.

Warum ich jetzt dies in meinem Blog festhalte?
Ihr solltet gelegentlich einmal Eure Regale und Schubladen durchsuchen, ob da nicht vielleicht doch ein Buch ist, das Euch entgegenspringen möchte, ein Buch, das Euch anschreit: Lies mich! Jetzt!  :)

13.07.2017 um 13:05 Uhr

Warum nur...

von: Zwischenweltler   Kategorie: Zitate

Warum nur fällt mir immer wieder der Glattauer ein?

Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen.

;)

15.06.2017 um 11:57 Uhr

Ambivalenzkiller

Achtung, dies ist keine  Konzertrezension. Dennoch sollten alle Leser, die Coldplay nicht mögen,  jetzt auf „zurück“ klicken. :)

Wer meine Blogs hier schon länger liest, kann sich vielleicht daran erinnern, dass ich vor fast fünf Jahren ein Konzert besucht hatte, das mich emotional regelrecht zweiteilte – Licht und Schatten, nachzulesen jeweils hier bzw. im Amie-Blog (17.09.2012). Es kam also quasi einem Selbstversuch gleich, wenn ich mich gestern dieser Band abermals stellte, einfach um zu testen, was sich an und in mir verändert hatte und ob das damalige Event überhaupt noch zu toppen wäre.

Zunächst war es für mich sehr interessant, festzustellen, wie wenig ich mich innerlich „betroffen“ fühlte. Vielmehr war ich dieses Mal nur der aufmerksame Beobachter. Aber auch das war spannend.

Auffällig war vor allem, wie sich in diesen fünf Jahren das Publikum gewandelt hatte. Ich war sehr erstaunt, wie viele junge Leute diesmal da waren – so um die zwanzig Jahre oder noch jünger – und wie textsicher sie sich ausgerechnet bei den alten Songs zeigten. Überhaupt ist das Mitsingen inzwischen dermaßen in Mode gekommen, dass man streckenweise die Band nicht mehr hören konnte. Ob man das mag, ist wohl eines jeden eigene Sache, ich persönlich finde es eher nervig, wobei ich eingestehen muss, dass dabei eine Atmosphäre entsteht, die sich nicht beschreiben lässt. Man muss das einfach selbst erleben.

Und noch etwas muss ich festhalten. Kann es sein, dass wir uns gerade auf eine Neo-Flower-Power-Welle zu bewegen? So eine Art Hippie-Revival? Oder war es doch nur der manipulativen Wirkung der Musik und der Show geschuldet, wenn achtundvierzigtausend Menschen ein gemeinsames Gefühl teilen – nämlich Liebe? Fall ja, dann war das auf jeden Fall eine Form von Gruppendynamik der angenehmeren Art.  

Einen schalen Beigeschmack gab es dennoch: Coldplay haben ihren musikalischen Zenit längst überschritten, aber sie wehren sich mit Gewalt dagegen, indem sie ihre Shows, die ohnehin eher einem gigantischen Kindergeburtstag gleichen, mit immer mehr technischen Hilfsmitteln aufzupeppen versuchen. Klar, das scheint für den Moment zu gelingen, aber ein „back to the roots“ würde ihnen definitiv besser zu Gesicht stehen, zumal auch Chris Martins Stimme inzwischen sehr angegriffen und überstrapaziert klang.

Bliebe die Frage zu klären, ob ich noch einmal hingehen würde…  Nun ja, ich habe es keinesfalls bereut, aber wenn sie mich nochmals einfangen wollen, dann mit einem Clubkonzert, am besten unplugged.


03.05.2017 um 09:43 Uhr

Halbweisheit #48

von: Zwischenweltler   Kategorie: Halbweisheiten

Ein Mensch alleine ist schon ganz schön kompliziert.
Aber zwei Menschen zusammen sind nicht doppelt kompliziert
sondern gleich um eine ganze Größenordnung komplizierter.

22.02.2017 um 11:07 Uhr

Der Stein in meiner Hosentasche - Teil 2

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Über vier Jahre ist es nun her, dass ich Dir diesen kleinen Stein stibitzte und in meine Hosentasche wandern ließ. Dort ruht er noch heute, hat mit mir alle Hosen gewechselt, drei Kontinente bereist und mich Kraft- und Sehnsuchtsorte spüren lassen. Die Tage, an denen ich ihn nicht bei mir trug, könnte ich an einer Hand abzählen.
Lange habe ich mich gefragt, warum ich das tue. Die Bedeutung lag so unterschwellig in mir, dass ich sie zwar irgendwie spüren konnte aber nicht zu greifen bekam. Selbst gestern, als wir ihn gemeinsam in den Händen hielten, fehlten mir die passenden Worte dafür.
Und dennoch. Heute weiß ich um seine Funktion. In der Zeit, als sich unsere Wege scheinbar trennten, als wir meinten, uns nicht mehr spüren zu können, hat er uns wie magischer Klebstoff verbunden – er hat verhindert, dass ich Dich loslasse und unsere Zeit nur als eine schöne aber abgeschlossene Episode betrachte.

Vor vier Jahren schrieb ich hier – und es war damals nicht mehr als eine vage Vermutung:
Vielleicht nimmt er ja nur die Stellvertreterrolle für etwas ein, das sich gerade nicht leben lässt. Vielleicht mahnt er, geduldig zu sein. Vielleicht liegt er ja vor der Schwelle einer Tür, die ich nicht zuschlagen soll.  

Nein, ich habe sie nicht zugeschlagen, diese Tür. Und ich bin so unendlich dankbar dafür. Als wir gestern beieinander waren, war das so schön und so berührend, als wäre da nie etwas zwischen uns gewesen. Und doch war vieles neu. Wir haben uns beide verändert in der Zwischenzeit und dennoch einen Weg gefunden, miteinander zu fühlen und alte wie neue Themen in einer Tiefe zu berühren, die unser Verhältnis – für mich zumindest – einmalig macht.
Am Ende war der Tag mal wieder viel zu kurz. So vieles wollte ich noch mit Dir teilen, Dir erzählen und meine Gefühle spüren lassen. Ich habe es verpasst – doch das ist nicht schlimm. Manchmal glaube ich, ich habe das Reden verlernt, finde einfach nicht die passenden Sätze. Und das, obwohl es mir beim Schreiben doch meist recht gut gelingt, mich auszudrücken. Doch wie gesagt, das war nicht weiter schlimm. Wir hatten ein paar wirklich gute Stunden miteinander – wertvolle Stunden. Stunde, die wir auch dem kleinen Stein in meiner Hosentasche verdanken.

Eigentlich hat er ja nun seine Aufgabe erfüllt. Ich könnte ihn ablegen oder Dir wiedergeben. Doch das werde ich nicht tun. Denn auch in der kommenden Zeit werden wir nicht viele Gelegenheiten haben, uns zu sehen oder intensiv zu schreiben. Dafür darf er mich weiterhin daran erinnern, dass es Dich für mich gibt. Und er wird dafür sorgen, dass auch Du spüren kannst, wie ein Teil von mir immer bei Dir ist.

 

22.12.2016 um 10:51 Uhr

An meine treuen Leser

Das Jahr neigt sich schon wieder dem Ende zu, und irgendwie war ich dieses Jahr wohl etwas schreibfaul – zumindest was meine eigenen Blogeinträge betrifft.
Blogigo dünnt sich immer weiter aus. Etwas pathetisch könnte man sagen: Das Ende einer Ära zeichnet sich am Horizont ab.
Schade, aber das ist offenbar der Lauf der Zeit. Schade vor allem auch deshalb, weil ich immer noch gerne hier bin, weil mir manche der Schreiberlinge ganz arg ans Herz gewachsen sind und ich ernsthaft sentimental werde, wenn ich mir vorstelle, das hier irgendwann gar nicht mehr zu haben.
Ich hatte immer behauptet, ich schreibe für mich und nicht für meine Leserschaft, auch wenn ich mich über jede Diskussion – und sei sie auch noch so spinnig gewesen – gefreut habe. Heute muss ich das etwas in Frage stellen, denn offenbar fehlt es mir gerade an Motivation und wohl auch an Kreativität, was ich der immer kleiner werdenden Gemeinde hier zuschreibe. Ich sollte wohl mal mein Ego befragen, ob es nicht doch zumindest ein kleines bisschen am Publikum hängt. ;-)
Wie dem auch sei, ich versuche zumindest gelegentlich mit mehr oder (häufiger) weniger geistreichen Kommentaren hier präsent zu bleiben. Und an manchen Stellen gab und gibt es ja immer noch wirkliche schöne und auch fruchtbare Diskussionen.
Nur so etwas wie unsere Nonsens-Ping-Pong-Kommentarschlachten, wie damals mit Schnute, Wari, Q10, Mia und vielen anderen, vermisse ich einfach. Diese Leichtigkeit, diese Unbeschwertheit, ja in gewisser Weise auch das Infantile sind leider abhandengekommen. Dabei war unser Austausch doch niemals oberflächlich. Wenn ich mal so zurückblicke, haben viele Diskussionen sehr ernsthaft begonnen und erst später dann, wenn man ein paar Ergebnisse hatte und merkte, dass man eine gemeinsame Sprache spricht, begann der Spaß. Gerade so, als wäre nach der geistigen Anspannung eine kleine Blödelei zum Ausgleich nötig. … ich schweife ab! :)

Was ich eigentlich sagen wollte: Ich freue mich über jeden, der gemeinsam mit mir hier bei Blogigo bleibt, und natürlich auch über jeden, der neu hinzukommt. Für mich fühlt es sich hier immer noch nach Familie an. Und vielleicht kann ich ja doch diesen oder jenen, der in letzter Zeit hier nur noch mitliest, dazu inspirieren, mal wieder selbst etwas zu schreiben. Schreiben tut so gut!   

Ich wünsche Euch allen ein wunderschönes Weihnachtsfest mit ganz vielen verträumten Stunden, glänzenden Kinder- und Erwachsenenaugen und durchweg angenehmen Überraschungen.
Und dann kommt gut ins neue Jahr!

Man liest sich! :)

 

28.10.2016 um 17:41 Uhr

Halbweisheit #47

von: Zwischenweltler   Kategorie: Halbweisheiten

Ein guter Gedanke gewinnt an Stärke, sobald man ihn niederschreibt.