Horoskop vs. Persönlichkeit
Eigentlich mag ich Horoskope nicht. Das liegt zum einen daran, weil mein Glaube und meine Spiritualität eine sehr eigenständige Erscheinung aufweisen und mit landläufiger Esoterik kaum einen Berührungspunkt finden. Und zum anderen ist das wohl auch dem Umstand geschuldet, daß die meisten Horoskope so schlecht und schwammig geschrieben sind. Da läßt sich alles und nichts hinein interpretieren, und wer unbedingt möchte, findet sich in jedem dieser Pamphlete wieder.
Doch es gibt auch Ausnahmen.
Neulich bekam ich eine recht umfangreiche Schrift über ein bestimmtes Tierkreiszeichen in die Hände. Nein, es war nicht mein Sternzeichen. Es sollte eher der zwischenmenschlichen Verständigung dienen. Beim Lesen war ich dann doch einigermaßen überrascht, wie schlüssig und weitestgehend widerspruchsfrei hier das Psychogramm einer charakteristischen Persönlichkeit gezeichnet wurde. Ein Psychologe hätte es zwar anders formuliert, aber er hätte es nicht besser und treffender gekonnt.
Zwei Dinge sind mir dabei aufgefallen...
Mein Bild von diesem Menschen, der sich mir mit diesem Horoskop erklären wollte, hat sich dadurch um keinen Deut verändert. Beim Lesen hatte ich den Eindruck, diese Schrift wäre eine wohl formulierte Zusammenfassung meiner eigenen Gedanken und Gefühle.
Nun kann ich nicht von mir behaupten ein herausragender Menschenkenner zu sein. Weil aber viele dieser charakterlichen Eigenarten niemals Gesprächsthema zwischen uns waren, muß dieses stimmige Persönlichkeitsbild in mir wohl maßgeblich durch nonverbale Kommunikation gewachsen sein. Vielleicht aber spielt hier auch noch ein anderer Umstand hinein - nämlich der einer zweiten Auffälligkeit beim Lesen des Horoskops.
Es gab da nämlich gleich eine ganze Reihe von Punkten, in denen ich mich selbst wiederfand. (Wie gesagt, es war nicht mein Horoskop.) Darunter waren auch Eigenschaften und Eigenheiten, welche früher noch nicht zu meiner Persönlichkeit gehörten, sondern in die ich gewissermaßen hinein gewachsen bin, auch solche, die im Widerspruch zu meinem eigenen Tierkreiszeichen stehen müßten.
Diese Erfahrung hat mich in meiner Meinung bestärkt, daß gute Horoskope zwar sehr treffende Beschreibungen typischer Persönlichkeitsstrukturen sein können, deren Kopplung an bestimmte Geburtsdaten jedoch eher zufällig ist. Die Persönlichkeit entwickelt sich in Laufe des Lebens immer weiter, und ich selbst habe den Eindruck, in meinem Leben mindestens drei Sternzeichen durchwandert zu haben. Außerdem paßt in meine eigene Philosophie viel besser die Ansicht, daß der Grundstein einer Persönlichkeit eher durch den mentalen Status der Mutter während der Schwangerschaft gelegt wird, als durch das Geburtsdatum an sich.
Dies alles ändert aber nichts daran, daß gut geschriebene Horoskope auch einen sehr positiven Effekt haben können. Wenn sie in leicht verständlichen Worten Persönlichkeitsstrukturen erklären und deren Wechselwirkungen aufzeigen, können sie ein wertvolles Hilfsmittel zur Selbsterkenntnis sein. "Warum bin ich, wie ich bin?", diese Frage haben sich schon viele gestellt. Und wenn die Antwort darauf lautet, "Weil meine Persönlichkeit dem Sternzeichen X entspricht.", dann lasse ich das gerne gelten. Nur sollte man sich zuvor mit allen zwölf auseinandergesetzt haben, und sich auch darüber im Klaren sein, daß es durchaus Mischformen geben kann. Und dann suche man sich das Sternzeichen, das am besten zu einem paßt - egal wann man geboren wurde.
Eines sollte jedoch niemand tun: Sich hinter seinem Sternzeichen verstecken. "Ich kann dieses und jenes nicht, weil das durch meine Geburt und damit durch mein Sternzeichen so festgeschrieben ist." - Diese Erklärung lasse ich niemandem durchgehen. Eben weil Persönlichkeit in gewissen Grenzen formbar ist. Auch aus sich selbst heraus.

