Nur ein paar Memos

29.03.2007 um 10:46 Uhr

Verrücktes Date

Gestern hatte ich das Haus voll hochwichtiger Kunden. Wobei "voll" relativ ist, es waren nur zwei mausgraue Herren. Diese jedoch versprachen mit dezenter Zurückhaltung, meiner Firma einen lukrativen Auftrag zu übergeben, der mich für einige Monate wieder ruhig schlafen lassen würde. Ich hasse solche Tage - ich bin überhaupt kein Krawattenmensch -, aber was tut man nicht alles für ein regelmäßiges Einkommen seiner Mitarbeiter.
Ich war gerade dabei, mir in Erwartung der Herren meinen Kultursenkel um den Hemdkragen zu würgen, als eine SMS von meiner lieben J. eintraf. Sie wäre auf einer Tagesreise und hätte mit Verwunderung festgestellt, daß ihr Zug in meiner Stadt hält. Nanu, das kam etwas plötzlich, aber in mir breitete sich ein gutes Gefühl aus. Für zehn Minuten würden wir uns so nah sein, wie noch nie zuvor. ... Ein paar SMS und ein herzliches inneres Winkewinke später saß ich in meiner Verhandlung und konnte mich kaum noch konzentrieren. Der Gedanke daran, daß sie auf dem Heimweg abermals für zehn Minuten in meiner unmittelbaren Nähe sein würde, ließ mich nicht mehr los. Mein Improvisationsgenerator lief auf Hochtouren. Nach meiner Hochrechnung würde ich die grauen Geldgeber noch rechtzeitig loswerden, um auf einen Sprung zum Bahnhof zu eilen.
Die Verhandlungen gingen gut voran, auch wenn das Ergebnis nicht so ganz meinen Vorstellungen entsprach. ... Der Abschluß wurde getätigt - shake hands - noch ein bißchen small talk - mein heimlicher Zeitplan ging auf.
Doch plötzlich sagte eine der grauen Mäuse: "Herr Z., sie haben uns ihre Stadt als eine der am meisten unterschätzten in der Region angepriesen. Und weil wir beide zum ersten Mal hier sind, haben wir beschlossen, für eine Nacht zu bleiben und wollten sie höflich fragen, ob sie uns nicht ein wenig zeigen könnten."
Hää.. wie jetzt? Höflich fragen? Das war Nötigung! Und ausgerechnet heute... Ein Blick auf die Uhr, eine schnelle innere Kalkulation... okay, das paßt. "Ich freue mich sehr, wenn ich Ihr Interesse für unsere Stadt wecken konnte", heuchle ich. "Ich würde vorschlagen, wir machen einen kleinen Stadtrundgang, bis etwa gegen sieben, halb acht. Dann können Sie sich im Hotel noch etwas erfrischen und kurz nach acht hole ich sie zum Essen ab."
Zustimmendes Nicken seitens der Schlipsträger - und ein kurzer selbstüberschätzender Gedanke meinerseits: 'Ich bin ein Genie!'
Die Herren dann herumzuführen, war gar nicht mal so unangenehm. Sie waren interessiert, und das herrliche Wetter überdeckte die verbliebenen Schandflecke der Stadt. Man war begeistert und fragte sich, weshalb man so gelange gewartet hätte, diese Stadt zu besuchen. Hach, solche Sätze hatte ich in den letzten Jahren immer wieder gehört. Vielleicht spricht es sich ja doch noch herum...
Halb acht setzte ich die beiden am Hotel ab und ging zu Bahnhof. In der Vorhalle verharrte ich kurz. Sollte ich, oder sollte ich nicht? Ich sollte wohl! Im Blumengeschäft erwarb ich eine einzelne Rose und ließ sie reisefest einpacken.
Bis zu diesem Zeitpunkt wurde ich von Adrenalin getrieben - nun kam ich langsam zur Ruhe. Und mit der Ruhe wurden die Knie ein wenig weich. Würde ich sie überhaupt erkennen? Was sollte ich sagen? Was kann man überhaupt sagen, wenn man kaum fünf, bestenfalls sieben Minuten zur Verfügung hat? ...
Der Zug fährt ein, und obwohl in fetten Lettern "DB" auf den Wagen steht, hat er kaum Verspätung. Wagen 21, Platz 42. Ich finden den Wagen. Der Zug ist voll. Aussteigen geht vor Einsteigen - und wieder sind wertvolle Sekunden verloren.
Ich eile durch den Gang, schaue nach den Platznummern. Dann entdecke ich sie. Diese Augen kann man nicht verwechseln. Ein Lächeln - und was für ein Lächeln! Sie erkennt mich. Eine herzliche Umarmung. Ein paar belanglose Sätze....

An dieser Stelle breche ich meine Schilderung ab. Nicht nur, um zu vermeiden, daß sie wie die Wiedergabe einer schnulzigen Filmszene wirkt, sondern weil es so nicht gewesen ist. Alles nur Kopfkino. Der Grund: Meine Verhandlungen liefen zäher als erwartet, der Stadtrundgang fand erst nach dem Abendessen statt und sie... sie hat einen Zug früher genommen.
Es sollte nicht sein - nicht so - nicht an diesem Tag.

Und das Kuriose daran: Noch am Montag hatte ich auf eigenen Wunsch den geplanten Geschäftstermin vom Donnerstag auf den Mittwoch vorverlegt. Ich wußte ja nicht, daß sie hier vorbeifliegen würde...

22.03.2007 um 12:35 Uhr

Telefone

Mein gespaltenes Verhältnis gegenüber Telefonen verschärft sich im Moment mal wieder.
Nicht, daß ich auf solcherlei Gerätschaft vollständig verzichten möchte. Im Gegenteil, zum täglichen Broterwerb sind Telefone meine schärfste Waffe.
Aber abends, wenn die Gedanken weich und anschmiegsam werden, taugen diese Dinger einfach überhaupt nichts. Ihr größter Nachteil: Sie übertragen die leisen Töne schlecht und die ganz leisen gleich gar nicht.
Vieles, was man im direkten Gespräch gar nicht sagen müßte und am Telefon bestenfalls ein Flüstern verträgt, muß man viel zu laut in das Mikro posaunen und verdirbt damit die ganze Stimmung.
Wie schön wäre es doch, könnte ich einfach den Hörer auf meine Brust legen und leise fragen: "Kannst du meinen Herzschlag hören?"

20.03.2007 um 08:58 Uhr

Für Sense

(Liebe Sense, ich weiß nicht, ob Du diesen Eintrag liest - spüren wirst Du ihn.)

Einem Menschen Liebe zu schenken, von dem man nichts zurück bekommt, ist kein Zeichen von Großmut - es ist eine Investition in die Zukunft.

15.03.2007 um 13:08 Uhr

Emotionale Wettervorhersage

Planung an sich ist ja etwas Feines. Man schaut auf den Kalender... ah ja, dann und dann ist noch ein Termin frei. Machen wir doch gleich mal ein Date...
Im Geschäftsleben alles schön und gut. Sogar im Privatleben sinnvoll und nützlich, wenn... ja, wenn es sich um Ereignisse handelt, die auch planbar sind.
Was aber, wenn die Zu- oder Absage eines bestimmten Termins von der Vorhersage einer inneren persönlichen Entwicklung abhängt - oder schlimmer noch, von der Vorhersage zweier persönlicher Entwicklungen? Wenn ein emotionales Netzwerk eine bestimmte Konstellation erreicht haben muß? So etwas läßt sich nie und nimmer planen! Aber dennoch kommt es vor, daß auch solche Termine bereits lange zuvor gemacht werden müssen.
Nett wäre es, gäbe es da einen Satelliten, der die emotionale Großwetterlage zwischen Tirol und Skandinavien scannt, und eine zuverlässige Vorhersage für die - sagen wir mal - nächsten vier bis sechs Wochen erstellt...

Vor einigen Wochen stand ich vor der Entscheidung, für den heutigen Tag einen Termin zu machen, der mir sehr am Herzen liegt. Ein Blick an den Emo-Himmel sagte mir damals: "Nein, es ist noch nicht soweit. Laß den Termin sausen. Bis dahin bekommst du das nicht gebacken."
Man sollte es nicht glauben, der Zwischenweltler - der sonst niemals an mangelnder Durchblutung der unteren Extremitäten leidet - hat tatsächlich kalte Füße bekommen.
Nein, es war nicht fehlende Courage; es war auch nicht mangelndes Selbstvertrauen; es war schlicht die Angst davor, etwas kaputt zu machen, das noch gar nicht existierte damals.
Nun ist dieses "Etwas" da - steht stark und fest inmitten meiner Selbst und scheint für den Moment zumindest unzerstörbar zu sein.
Alle Zweifel unnütz - die Vorhersage verfehlt. Mit dieser Begabung könnte ich mich beim DWD bewerben. ;)

Aber nein, versteht mich nicht falsch! Ich ärgere mich nicht darüber. Es ist richtig, wie es ist. Und womöglich steht auch hier eine tiefere Bedeutung dahinter.
Was bleibt, ist ein leicht wehmütiges Gefühl, heute doch eher auf eine andere Veranstaltung zu gehören. Volleyball kann ich schließlich jede Woche spielen. ;)

12.03.2007 um 11:46 Uhr

Stimmung..

Es ist so einfach.
Es ist so schön.

Es ist einfach schön!!! ;)

07.03.2007 um 17:28 Uhr

Sooo...

... obwohl mein Schreibtisch bei weitem nicht "blank" ist - (Liebe Lady, bitte nimm Dir kein Beispiel an mir. Zum Vorbild in Sachen Selbstdisziplin tauge ich nicht ;) ) - lasse ich jetzt einfach mal das greifbare Universum links liegen, schalte mit dem großen, roten Hauptschalter die Firma aus, lege die Beine hoch und schlürfe genüßlich meinen Kaffee, während ich ein paar frisch aufgeschnappte Bilder in mir wirken lasse und meine Gedanken ihr ganz eigenes Universum durchstreifen.

Einen schönen Feierabend wünsche ich Euch allen!

05.03.2007 um 13:59 Uhr

Mystische Normalität?

Angenommen, ich glaubte daran, daß es für meine Erlebnisse, meine Kontakte und meine persönliche Entwicklung - kurz: für meinen Weg - eine vorbestimmende Instanz gäbe; und gehen wir ruhig auch davon aus, daß es mir mit dem geeigneten Feingefühl und speziellen sensorischen Fähigkeiten gelingen könnte, diese Vorbestimmung zu lesen, wo auch immer ihre Zeichen versteckt sein mögen; so müßte ich ebenfalls dem Gedanken zustimmen, daß die Übermittlung dieser Zeichen teilweise durch völlig unbeteiligte, mir fremde, dritte Personen erfolgen kann.
Ist das wirklich so? Sind diese dritten Personen, die somit ja nur als Medium auftreten, wirklich nur ein Hinweisschild am Rande meines Weges, oder werden sie mit ihrer beiläufigen Einflußnahme zum unlöschbaren Bestandteil meines Lebens selbst. Wissen sie womöglich noch mehr? Sollte man sie sogar ansprechen und nach weiteren Vorzeichen fragen?
Das glaube ich eher nicht - ich kann es mir nicht vorstellen.
Wenn diese Dritten aber wirklich nur unbeteiligte Medien sind, die von meiner Person nicht die geringste Ahnung haben, hieße das nicht gleichzeitig, daß auch ich selbst für wiederum andere Menschen als Medium auftreten könnte, ohne davon Kenntnis zu besitzen? Kann ein gedankenlos von mir ausgesprochener Satz Bestandteil des Schicksals Fremder sein?
Also so ganz wohl fühle ich mich nicht bei dem Gedanken, daß da "Etwas" durch mich hindurch sprechen könnte...