Nur ein paar Memos

26.04.2007 um 10:09 Uhr

Alte Muster im neuen Kleid

Mein neues fachliches Projekt hat Besitz von mir ergriffen. Kreativität ist gefordert. Das hatte ich in dieser Intensität lange nicht mehr. Und es tut gut, mal wieder zeigen zu können, was so alles in mir steckt. Der Fachmann ist gefordert, der Praktiker und Querdenker - und nicht nur der Administrator, wie es in letzter Zeit meist der Fall war.
Die Termine sind knapp gesteckt, was meine eher lasche Selbstdisziplin kitzelt. Auch wenn ich es nicht gerne zugebe, aber unter Druck arbeite ich am produktivsten - ja, mehr noch: unter Druck entwickle ich oftmals eine Kreativität, die mir sonst nicht möglich ist. Es macht einfach Spaß, auch wenn ich zwischendurch kaum noch zum Luftholen komme.
Im Grund ist es fast wie früher, als ich meine Arbeit ganz und gar gelebt habe. Und ich sollte ernsthaft aufpassen, nicht wieder in die alten Workaholic-Muster abzugleiten. Aber solange mir diese Gefahr bewußt ist - solange ich mir mit innerer Überzeugung sagen kann: So soll es nie wieder sein! - solange bin ich auch vor einem Rückfall relativ sicher. Denn neben der Selbstbeobachtung diesbezüglich gibt es inzwischen eine Reihe von Menschen, die sich um mich sorgen und diese Gefahr kennen - Menschen, die mich, wenn es darauf ankommt, einzufangen vermögen. Es ist ein gutes Gefühl, sich an der Sicherungsleine zu wissen.
Ich möchte aber versuchen, es gar nicht erst darauf ankommen zu lassen, in einer dieser Leinen zu landen. Deshalb habe ich mir Grenzen gesetzt, die meinen Arbeitseifer zumindest quantitativ im Zaume halten. Herzensdinge haben Vorrang, und auch die täglichen Entspannungsphasen (aktive und passive) haben ihren festen Platz gefunden. Und dazu gehört für mich auch, in möglichst regelmäßigen Abständen für gewisse Highlights zu sorgen, die mich, wenn möglich, vollständig vom Gewohnten abheben lassen. Solche Konzerte, wie das von letzter Woche, sind da nur eine Möglichkeit - eine andere, mir noch viel wichtigere Möglichkeit ist, Zeit mit Menschen zu verbringen, die mir nahestehen und mich inspirieren.
Vor diesem Hintergrund habe ich meiner liebsten "Sicherungsleine" eine kleine Überraschung bereitet - nicht wissend aber wohl ahnend, daß ich damit für eine gewisse Aufregung sorge. Die Aufregung blieb mir dann auch für einige Zeit verborgen, um gestern dann mit einer Gegenüberraschung beantwortet zu werden. Wahnsinn! Ich habe mich sooo sehr darüber gefreut, daß es mir glatt die Sprache verschlagen hat.
Um es mal im Sportjargon auszudrücken: Es war ein Steilpaß vom Feinsten - und das obwohl ich doch den Ball eher flach halten wollte. Nun steht uns ein Freundschaftsspiel bevor, das weder Gewinner noch Verlieren kennen wird, aber an Spannung kaum zu übertreffen sein dürfte.

Und wieder einmal mußte ich erkennen, wie schwer es mir fällt, meine Freude in Worte zu kleiden. Mein Gesicht hätte mich sicher verraten, aber am Telefon ist es wohl nicht ganz einfach, meine Sprachlosigkeit zu deuten...
Also, liebe Zwischenwelttelefonierer, wenn ich schweige, kann das durchaus bedeuten, daß ich mir gerade ein Loch in den Bauch freue. ;)

19.04.2007 um 10:30 Uhr

Ausgeknipst von Mr. Roger Waters

Es ist grob leichtsinnig von mir, überhaupt ein Wort über das Konzert gestern zu schreiben. Worte gibt es dafür nicht. Weil sich aber die Wie-war's-denn-Fragen häufen, will ich mal versuchen, wenigsten zwei, drei Sätze darüber zu verlieren.
Ein Satz fällt mir ganz spontan ein: Wozu braucht es noch Pink Floyd, wenn es doch Roger Waters und diese phantastische Band gibt?!
Und um Zartgewebts Frage zu beantworten: Es wurden ganze drei Titel aus Waters Post-Pink-Floyd-Ära gespielt, unter anderem sein sehr engagiertes "Leaving Beirut". Alle anderen Titel waren ausnahmslos Klassiker - und zwar in voller Breite. Von "Atom heart mother" bis "Final cut" wurden aus nahezu jedem Album die besten Titel herausgepickt. Da blieb kaum ein Wunsch offen und kaum ein Auge trocken. Wer schon einmal erlebt hat, wie ein Schlagzeug, 28 Gitarrensaiten und etliche tausend Gesangsstimmen "Wish you were here" intonieren, kann sich das Gefühl in etwa vorstellen.
Das war der erste Teil des Konzerts...
Im zweiten gab es dann die komplette "Dark side" in einem Track - lückenlos bombastisch im Quadrosound. Ich war völlig ausgeknipst... trotz 30 Grad in der Halle, zur gänsehautüberzogenen Salzsäule erstarrt. Und offenbar ging es dem Rest der fast zehntausend Zuhörer ebenso. Nur wenige haben sich dazu verleiten lassen, das Stück mit Szenenapplaus zu zerreißen - und das, obwohl die Soli der Musiker und der Background-Sängerinnen einfach nur grandios waren. Dies jedoch war genau in Waters Sinne. Hier ging es nicht darum, Stars auf der Bühne zu feiern, sondern einzig und allein darum, Musik zu celebrieren. Massenhypnose könnte man fast sagen. Ein Publikum, wie in Blei gegossen - und genau das war gewollt.
Was auffällig war: Wenn man heute in ein Konzert der alternden Stars geht - egal, ob Clapton, Cocker oder Collins -, wundert sich niemand darüber, daß jeder von denen versucht, seine alten Titel in ein modernes Soundkleid zu stecken und sie mit beschleunigtem Tempo oder verändertem Arrangement etwas aufzupeppen. Nicht so bei Waters. Jede Note und nahezu jeder Soundeffekt entspricht heute noch dem Original. Und ich glaube auch, daß jede noch so kleine Abweichung vom Publikum mit Mißbilligung gestraft worden wäre. - Was sagt uns das? ... Perfektion kennt keine Steigerung. Was vor 34 Jahren perfekt war, ist auch heute noch einfach perfekt. Zumindest was die Musik betrifft...
An den technischen Möglichkeiten hat sich in den Jahrzehnten natürlich einiges getan, und Waters würde seinem Image nicht gerecht, hätte er nicht all diese neuen technischen Möglichkeiten gnadenlos für seine Bühnenshow ausgenutzt. Doch dazu kann ich nun wirklich nichts sagen. Das muß man gesehen und erlebt haben..
Ach ja... als Zugabe gab es dann noch etwa zwanzig Minuten aus "The Wall" - was ja kaum anders zu erwarten war. Keine Experimente mit der Musik, dafür um so mehr mit der Technik. So hat es das Publikum erwartet, und genau das hat Mr. Waters - der Mann mit der Richard-Gere-Frisur - praktiziert.
Es gab übrigens keine Vorband. Und das war gut so, denn bereits das Warten auf den Beginn war so geschickt in Szene gesetzt... einfach 'ne geniale Idee. Und bei einer Netto-Spielzeit von 140 Minuten (die ganze Show lief fast drei Stunden) hätte ich eine Vorband ganz bestimmt nur als störend empfunden.

Ups, ich wollte doch nur drei Sätze schreiben...
Na ja, es war ein perfekter Abend.
Punkt.
;)

18.04.2007 um 16:38 Uhr

...

Ach ja...  und jetzt habe ich auch natürlich auch wieder Augen für so etwas... ;)

tulpe

18.04.2007 um 13:33 Uhr

Drei Kreuze

Uff... Jetzt erst mal ganz tief durchatmen und langsam wieder zur Ruhe kommen...
Hinter mir liegen knapp drei Tage intensivster Arbeit mit zwei jungen Leuten einer Kundenfirma, die nicht nur anspruchsvoll sind, sondern auch wissen, wovon sie sprechen. Keine Bürohengste - zum Glück -, sondern Vollbluttechniker durch und durch. Tolle Ideen, nahezu geniale Lösungsansätze, und kein bißchen kleinkariert. Es war spannend und kreativ - aber anstrengend, anstrengend, anstrengend. Sogar die abendlichen "Kultureinlagen" - sprich: Kneipenbesuche - wurden keinesfalls mit Smalltalk gefüllt, sondern weitestgehend für fachliche Gedankenspiele genutzt. Vierzehn Stunden Hochspannung am Stück - das hält man nicht länger als zwei, drei Tage aus.
Aber es hat sich gelohnt. Ein lukrativer Auftrag jenseits jeder Routine, dafür voller kreativer Entfaltungsmöglichkeiten, war die Mühe wert.
Trotzdem mache ich jetzt erst einmal drei Kreuze. Bin ganz schön kaputt...

Aber zur Selbstbelohnung gibt es heute Abend Roger Waters live. Man gönnt sich ja sonst nichts. ;)     

11.04.2007 um 11:06 Uhr

Der domestizierte Mensch

Machen wir uns nichts vor. Die gesellschaftliche Entwicklung hat die organische Evolution des Menschen schon lange überrollt. Unser Herz-Kreislauf-System kommt mit der Bewegungsarmut nicht klar, unser Verdauungsapparat weigert sich Fastfood zu akzeptieren und unsere Gelenke passen sich nicht dem erhöhten Lebendgewicht und der verlängerten Laufzeit an. Ganz zu schweigen von den Widersprüchen zwischen den menschlichen Urinstinkten und deren verkrüppelte Entfaltung in unserem System. Alleine an der aktuellen Tagespolitik läßt sich ablesen, wie dringend es ist, nach flexiblen Lösungen zu suchen, die der Tradition und der Moderne gleichermaßen gerecht werden. Momentan wird mal wieder über Kindererziehung und die Rolle der Frau in der Gesellschaft diskutiert. Aber mal ehrlich, das ist doch nur die Spitze vom Eisberg. In nahezu jedem Lebensbereich - und egal, ob Männlein oder Weiblein - nehmen wir uns die Freiheit, einer klassischen Rollenverteilung, wie sie unseren Urinstinkten entspricht, den Kampf anzusagen. Und das nicht etwa, weil uns die gesellschaftliche Lage zwingend dazu drängte. Sicher mag das hier und da der Fall sein. Aber im Wesentlichen doch deswegen, weil es als chic gilt, sein wahres Naturell mit trendigen Fassaden zu übertünchen.
Aber keine Angst, ich habe nicht die Absicht, hier eine Diskussion über Emanzipation und freie persönliche Entfaltung vom Zaume zu brechen. In der Beziehung bin ich äußerst liberal und kann jeden nur beglückwünschen, der sich von überholten Konventionen löst und einen individuellen Lebensweg wählt, ohne sich von Althergebrachten beeinflussen zu lassen.
Es läßt sich jedoch immer häufiger beobachten, daß der Trend, die menschlichen Urinstinkte in ihrer geschlechterspezifischen Ausprägung einfach zu ignorieren, in psychische Probleme mündet.
Nehmen wir zum Beispiel eine Frau, die sich für ein Kind aber gegen die klassische Familie entscheidet. Das ist okay für mich, und es ist ihr gutes Recht. Wie aber stillt diese Frau ihr ureigenstes Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit? Und wie ist ihre Psyche in der Lage, dieses Manko zu kompensieren?
Oder nehmen wir einen Mann, der sich fernab jeglicher Machoallüren zum "Frauenversteher" entwickelt - den "Family Man" in Reinkultur. Das mag nach Klischee klingen, aber diese Spezies gibt es immer häufiger, denn sie ist begehrt auf dem Markt. Ein solcher Mann wird seine elementare Aggressivität in Gefühlsatome zerlegen und säuberliche kanalisiert bestenfalls noch ins Fitneßstudio tragen. Aber wie entfaltet dieser Mann sein Durchsetzungsvermögen? Wie stillt er sein Bedürfnis nach Dominanz? Kommt seine Psyche damit klar, bereits den geringsten Anflug von Angriffslust unterdrücken zu müssen?
Der Trend ist sichtbar: Frauen werden härter und Männer weicher. Die Geschlechter nähern sich an. Die Frage ist aber, ob dieser Trend aus der gesellschaftlichen Entwicklung resultiert oder ob die gesellschaftliche Entwicklung nur diesem Trend folgt.
Ist es nicht so, daß unsere empfundenen Bedürfnisse - häufig unbewußt und unreflektiert - zwischen Urinstinkt und gesellschaftlicher Notwendigkeit hin- und herpendeln? Stehen wir uns mit unseren Empfindungen nicht oftmals selbst im Wege?
Ich glaube nicht, daß sich die Schere zwischen emotionalen Bedürfnissen und sozialen Zwängen schließen ließe, indem wir unsere Psyche immer stärker reflektieren und bei Bedarf von einem Therapeuten zurechtrücken lassen. Vielmehr denke ich, es wäre an der Zeit, endlich eine Gesellschaft zu schaffen, die den emotionalen und den sozialen Bedürfnissen ihrer Menschen folgt.
Reine Utopie? Leider...

05.04.2007 um 12:28 Uhr

Kitsch?

Für die einen ist es Kitsch...

  

... für die anderen ein romantisches Backlight.
(aufgenommen am gestrigen Abend aus meinem Fenster)

04.04.2007 um 13:46 Uhr

Parkplatz im Herzen

Menschen kommen und gehen. Manche streifen uns nur, andere ergreifen uns - haken sich fest in unserer Seele. Manche möchten wir gerne für immer halten, andere wollen von uns gehalten werden. Manche reißen sich von uns los, andere werden von uns losgelassen.
Es ist Bewegung in unseren Emotionen und Bewegung in unseren Beziehungen. Diese Bewegung läßt uns das Leben spüren - macht, daß wir uns lebendig fühlen.
Doch leider ist die Bindungsenergie, die wir in der Lage sind aufzubringen, natürlich begrenzt. Wir haben nur zwei Arme und nur ein Herz, um Menschen zu halten. Und der Tag hat nur vierundzwanzig Stunden. Und wir können nicht an zwei Orten gleichzeitig sein. Und wir können nicht zwei Menschen gleichzeitig lieben... Oh doch! Das können wir!
Aber insgesamt sind unsere Möglichkeiten zu begrenzt, um mit allen Menschen, die uns einmal lieb und wichtig geworden sind, eine dauerhafte Beziehung zu pflegen.
Nun wissen wir alle, daß eine Beziehung nur dann funktioniert, wenn sich darin ein Gleichmaß aus Geben und Nehmen einstellt. Zwar kann es durchaus Phasen geben, in denen der Schwerpunkt etwas aus der Mitte rückt - schließlich ist physische und psychische Konstanz nicht gerade eine Stärke der Menschheit -, aber bei einer dauerhaften Asymmetrie wird jede Beziehung an Wert verlieren und irgendwann in die Brüche gehen. Und das betrifft nicht nur Partnerschaftsverhältnisse sondern auch Freundschaften jeder Form.
Doch was passiert eigentlich, wenn eine Beziehung zerbricht?
Die Bandbreite ist dabei sehr weit und reicht vom "Einschlafen-lassen" bis zum akuten Bruch. Sind wir selbst diejenigen, die eine Beziehung lösen, haben wir die Argumente dazu meist direkt in der Hand. Im Allgemeinen wird es so sein, daß uns die vorhandene Bindung in irgendeiner Form im Wege steht. Wir setzen andere oder völlig neue Prioritäten, entwickeln uns weiter, merken, daß da etwas nicht "paßt", fühlen uns eingeengt und am Ende spüren wir das Verlangen, unsere Bindungsenergie in etwas Neues investieren zu wollen. Das ist normal und das ist richtig. Nichts ist schlimmer, als das Gefühl, festgefahren zu sein.
Ist man jedoch selbst der Verlassene, sieht es meistens völlig anders aus. Der Schmerz des Verlustes überdeckt dann unser Verständnis für das, was da gerade passiert.
Wie oft kann man beobachten, wie bei einer Trennung Freundschaft zu Feindschaft wird und Liebe zu Haß. Verbitterung hält Einzug in die Herzen, und nicht selten kommen sogar Rachegelüste auf. Aber ist das normal?
Viele werden jetzt womöglich antworten wollen: Es ist zumindest üblich. - Und genau daran stoße ich mich. Denn Verbitterung und Haß sind nicht nur negative Gefühle, auf die man am besten gänzlich verzichten sollte, sie sind obendrein völlig destruktiv - sie blockieren uns und hindern uns am weiteren Vorwärtskommen. Anders ist es mit Schmerz und Trauer.
Schmerz und Trauer sind reinigende Gefühle, die uns helfen einen Verlust zu verarbeiten. Es tut weh, ja, aber der Blick nach vorne in die eigene Zukunft wird davon nicht beeinträchtigt. Der Schmerz wird vergehen - und zwar um so schneller, je mehr Verständnis wir für die Trennung entwickeln. Haß und Verbitterung hingegen werden den Schmerz konservieren und die Wunden immer wieder aufbrechen lassen. Wir können uns nicht für Neues öffnen damit.

Doch was hat das jetzt alles mit meinem Parkplatz im Herzen zu tun? Ich möchte mal versuchen, das zu beschreiben.
Auch wenn meine interne Namensgebung "Parkplatz im Herzen" relativ neu ist - genauso neu wie die Reflexion der Vorgänge an sich -, so habe ich es doch schon immer so gehandhabt. Jeder Mensch, mit dem ich einmal eng verbunden war, hat immer noch einen Platz in meinem Herzen - egal, ob ich aktiver oder passiver Teil bei der Trennung war, oder ob die Verbindung einfach eingeschlafen ist. Die Grundidee ist wohl die, daß jede meiner Beziehungen eine Reihe positiver Aspekte hatte - sonst wäre es gewiß nie zu einer Beziehung gekommen. Und diese positiven Elemente möchte ich gerne bewahren. Also habe ich für all diese Menschen eine wohnliche Ecke in meinem Herzen eingerichtet.
Anfangs dachte ich, es wäre womöglich nur eine sentimentale Ecke, in der alte Erlebnisse und Bilder verstauben. Aber so ist es nicht, denn dazu würde ein Fotoalbum ausreichen. Schließlich habe ich jedoch bemerkt, daß auf diesem Parkplatz auch eine Reihe von Gefühlen konserviert sind. In erster Linie ist es Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, daß diese Menschen ein Stück ihres Lebens mit mir geteilt haben - ein Stück gemeinsamer Entwicklung. Aber auch Gefühle von Zuneigung und Nähe, ja sogar Liebe findet sich dort.
Und so ist mir klargeworden, daß die Liebe in mir nicht einfach stirbt, wenn eine Beziehung endet, sondern sie verwandelt sich nur. Sie verliert ihre Richtung, ihr Drängen, aber sie bleibt als warmes Gefühl in mir. Das gelingt natürlich nur, wenn zuvor Haß und Verbitterung keinen Raum gefunden haben.
Das Schöne daran ist, daß sich auf diesem Wege alte Freundschaften reaktivieren lassen, ohne einen schalen Beigeschmack zu haben. Einen Freund zu treffen, den man nur aller zig Jahre sieht, und dabei im Gespräch an einem Punkt ansetzen zu können, als wäre man erst gestern auseinandergegangen, ist etwas Wunderschönes. Oder einen Tag mit seiner Ex zu verbringen, ohne den geringsten Anflug von Befangenheit... Dies alles funktioniert, weil ich nur das Tor zum Parkplatz öffnen muß.
Und es ist schon erstaunlich, aber es gibt nicht einen einzigen dieser Parkplatzinhaber, den ich nicht auf der Stelle gerne wiedersehen möchte. Bei manchen ist dieser Wunsch durchaus realistisch, und die anderen, bei denen ich die Chance auf ein Wiedersehen für eher gering halte, bleiben ganz einfach für die nächste Zeit an ihrem warmen Plätzchen. Alles hat seine Zeit...
Apropos Timing... Auch Menschen, zu denen ich mich emotional hingezogen fühle, die aber noch nicht reif für eine Beziehung sind, verwahre ich auf diese Weise. Man weiß ja nie. Vielleicht kommt der passende Moment irgendwann...