Alte Muster im neuen Kleid
Mein neues fachliches Projekt hat Besitz von mir ergriffen. Kreativität ist gefordert. Das hatte ich in dieser Intensität lange nicht mehr. Und es tut gut, mal wieder zeigen zu können, was so alles in mir steckt. Der Fachmann ist gefordert, der Praktiker und Querdenker - und nicht nur der Administrator, wie es in letzter Zeit meist der Fall war.
Die Termine sind knapp gesteckt, was meine eher lasche Selbstdisziplin kitzelt. Auch wenn ich es nicht gerne zugebe, aber unter Druck arbeite ich am produktivsten - ja, mehr noch: unter Druck entwickle ich oftmals eine Kreativität, die mir sonst nicht möglich ist. Es macht einfach Spaß, auch wenn ich zwischendurch kaum noch zum Luftholen komme.
Im Grund ist es fast wie früher, als ich meine Arbeit ganz und gar gelebt habe. Und ich sollte ernsthaft aufpassen, nicht wieder in die alten Workaholic-Muster abzugleiten. Aber solange mir diese Gefahr bewußt ist - solange ich mir mit innerer Überzeugung sagen kann: So soll es nie wieder sein! - solange bin ich auch vor einem Rückfall relativ sicher. Denn neben der Selbstbeobachtung diesbezüglich gibt es inzwischen eine Reihe von Menschen, die sich um mich sorgen und diese Gefahr kennen - Menschen, die mich, wenn es darauf ankommt, einzufangen vermögen. Es ist ein gutes Gefühl, sich an der Sicherungsleine zu wissen.
Ich möchte aber versuchen, es gar nicht erst darauf ankommen zu lassen, in einer dieser Leinen zu landen. Deshalb habe ich mir Grenzen gesetzt, die meinen Arbeitseifer zumindest quantitativ im Zaume halten. Herzensdinge haben Vorrang, und auch die täglichen Entspannungsphasen (aktive und passive) haben ihren festen Platz gefunden. Und dazu gehört für mich auch, in möglichst regelmäßigen Abständen für gewisse Highlights zu sorgen, die mich, wenn möglich, vollständig vom Gewohnten abheben lassen. Solche Konzerte, wie das von letzter Woche, sind da nur eine Möglichkeit - eine andere, mir noch viel wichtigere Möglichkeit ist, Zeit mit Menschen zu verbringen, die mir nahestehen und mich inspirieren.
Vor diesem Hintergrund habe ich meiner liebsten "Sicherungsleine" eine kleine Überraschung bereitet - nicht wissend aber wohl ahnend, daß ich damit für eine gewisse Aufregung sorge. Die Aufregung blieb mir dann auch für einige Zeit verborgen, um gestern dann mit einer Gegenüberraschung beantwortet zu werden. Wahnsinn! Ich habe mich sooo sehr darüber gefreut, daß es mir glatt die Sprache verschlagen hat.
Um es mal im Sportjargon auszudrücken: Es war ein Steilpaß vom Feinsten - und das obwohl ich doch den Ball eher flach halten wollte. Nun steht uns ein Freundschaftsspiel bevor, das weder Gewinner noch Verlieren kennen wird, aber an Spannung kaum zu übertreffen sein dürfte.
Und wieder einmal mußte ich erkennen, wie schwer es mir fällt, meine Freude in Worte zu kleiden. Mein Gesicht hätte mich sicher verraten, aber am Telefon ist es wohl nicht ganz einfach, meine Sprachlosigkeit zu deuten...
Also, liebe Zwischenwelttelefonierer, wenn ich schweige, kann das durchaus bedeuten, daß ich mir gerade ein Loch in den Bauch freue. ;)

