Nur ein paar Memos

31.05.2007 um 16:33 Uhr

Zwischen-Doppel-Zwischenwelten

Komischer Title, was?
Hatte ich schon irgendwann einmal erwähnt, daß ich sie liebe, diese Zwischenwelten?
Wenn sich zwei Menschen verbinden und verbünden, aber gleichzeitig das, was man landläufig als Beziehung ansehen würde, gar nicht existiert. Wenn das Schwingen zwischen realen Kontakten und virtuellen Mindgames mal an diesem, mal an jenem Ufer aneckt, sich jedoch nie eindeutig für eine Seite entscheidet... und sich auch gar nicht entscheiden muß, weil es ein undefinierbares Medium gibt, das diese Menschen so eng miteinander verbindet, als stünde nicht das Geringste zwischen ihnen. Eine Seelenverwandtschaft als Stand-alone-Lösung, die den physischen Kontakt selten braucht, ihn aber auch nicht scheut. Kennt das jemand, dieses Zwischenwelt-Feeling?
Oh nein, ich leide ganz bestimmt nicht unter akutem Realitätsverlust, aber für mich verdichten sich die Anzeichen, daß diese meine Zwischenwelten - die ich anfangs selbst für Spinnerei hielt - eine Komponente enthalten, die ein enormes Bindungspotential besitzt. Ja mehr noch, die eine Kommunikation auf unbewußter Ebene ermöglicht - gänzlich ohne dieses intensive Ich-denk-an-dich, ohne versteckte Nachrichten in Blogs, und überhaupt ohne SMS und Telefon. Nette Ergänzung, all diese Technik. Sie stärkt den Eindruck von Realität. Zwingend notwendig ist sie dafür jedoch nicht.

Wie ich darauf komme?
Stellt Euch vor, da sind zwei Menschen mit eben jener Zwischenweltverbindung. Und beide von ihnen haben ein menschlich-zwischenmenschliches Problem. Nein, nicht miteinander, sondern jeder für sich und völlig losgelöst in ihrer jeweils eigenen realen Welt. Daß jeder von beiden ein vergleichbares Problem hat, wissen sie, jedoch ohne die Details zu kennen und ohne sich per realer Kommunikation darüber auszutauschen. Sie haben in Bezug auf diese Sache vergleichbar negative Gefühle, obwohl sie ansonsten durchaus sehr positive Menschen sind. Von diesem einen Problem kommen sie einfach nicht los.
Und dann passiert folgendes: Praktisch zeitgleich haben beide verschiedene Begegnungen, Erlebnisse, Eingebungen und Ideen, die dieses Problem auf emotionaler und gedanklicher Ebene auflösen. Unabhängig voneinander kommen sie auf eine einfache Formel, die sich mit ganzen vier Worten beschreiben läßt. Sie erleben eine emotionale Befreiung.

Interessant, oder?
Für mich zumindest Anlaß genug, mal wieder ein bißchen an meinem Weltbild zu basteln. ;-)

30.05.2007 um 17:06 Uhr

Nicht-Blog

Eigentlich wollte ich heute mal wieder einen kleinen Eintrag schreiben.. bissl was von Pfingsten erzählen.. ein, zwei Fotos reinstellen und so. Aber das geht einfach nicht.
Keine Zeit oder keine Inspiration?
Nun, von beidem etwas..  Mir fehlt die Zeit, um nach Inspiration zu suchen. Und freihaus wurde sie heute leider nicht geliefert.
Statt dessen werde ich jetzt etwas tun, was für diese Jahreszeit (und für mich zumindest) eher untypisch ist. Ich gehe jetzt in die Sauna, werde ein Ohmmmm durch die Hallen hallen lassen und suche meine innere Mitte...
Tschüssikowsky, bis demnächst.  ;)
 

21.05.2007 um 11:09 Uhr

Wind um die Nase

Den letzten Donnerstag habe ich in einem Anflug akuter Unmännlichkeit völlig ohne Fahrrad und Alkohol verbracht. Statt dessen folgte ich einer Einladung zum Segeln auf einem der neuen Binnenseen, die in diesem Jahrhundert in Kleinserie, jedoch mit stetig wachsenden Ausmaßen in meiner Umgebung entstehen.

Anfangs war ich etwas skeptisch, wie hoch der Spaßfaktor wohl sein würde, wenn man sich bei Windstärke 3 auf einem Oval von vielleicht 5 mal 3 Kilometern mehr oder weniger im Kreise bewegt. Doch diese Skepsis verflog recht schnell, als der Skipper das alte und keinesfalls vollständig dichte Holzboot mit 30 Grad Krängung in den Wind stellte. An Ruhepuls war da schon nicht mehr zu denken - und gleich gar nicht mehr, als er mir kurzerhand das Ruder übergab und meinte, ich solle mal etwas mit dem Wind spielen. Bis 45 Grad Neigung würde nichts Kritisches passieren, außer daß wir vielleicht etwas mehr Wasser nähmen und die Füße daher keinesfalls trocken bleiben würden. Nun bin ich nicht gerade ein ausgemachter Adrenalin-Junky, aber daran fand ich dann doch recht schnell Gefallen... bis zur nächsten Wende. Da merkte ich, daß ich doch zu sehr über die physikalischen Zusammenhänge nachdenken mußte - was natürlich viel zu lange dauerte. Der Skipper mußte retten, was noch zu retten war. Nicht, daß es gefährlich gewesen wäre, nein, es war eher segeltechnisch unästhetisch, was dem Skipper vermutlich die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte, wäre er in diesem Moment selbst an der Pinne gewesen. Mir war's egal. Ich hatte meinen Spaß und nicht zu knapp... und am Ende ein gut gelüftetes Gehirn nebst einem kleinen Sonnenbrand.

Dieser Tag hat ganz eindeutig meine verschütteten maritimen Ambitionen wieder freigelegt. Und ich muß zugeben, daß ich mehr als einen Gedanken daran verschwendet habe, ob ich mir möglicherweise selbst ein Boot zulegen sollte. Nein, nichts Protziges, 'ne Motte oder bissl größer. Just for fun. Am Ende der Überlegungen stand jedoch die Erkenntnis, daß man sich mit den ganzen Nebenarbeiten (und den Nebenkosten) viel zu viel ans Bein bindet dabei. Außerdem sind meine Interessen zu breit gefächert, um mich ausschließlich aufs Segeln festzulegen.
Da lasse ich mich doch viel lieber hin und wieder einladen - ist doch viel einfacher. ;))

18.05.2007 um 17:08 Uhr

Geometrie und Geodäsie

Fünf Ecken und acht Kanten ergeben ein Gebilde, das die vorläufigen Koordinaten meiner kleinen Sehnsucht symbolisiert. Doch nicht mehr lange, dann dreht die Himmelsrichtung wieder. ;)

14.05.2007 um 11:54 Uhr

Midlife phenomenon

Da habe ich am Wochenende in größerer Runde mit Leuten zusammengesessen, die sich mit mir vor etlichen Jahren durchs Studium geschlängelt hatten. Gemeinsam trinken wie früher, gemeinsam lachen wie früher, gemeinsam diskutieren wie früher.
Und doch gab es natürlich Unterschiede - von der Zwischenzeit ausgelöst, vom persönlichen Vorwärtsgang beeinflußt und auch von der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung getrieben. Während man sich bei früheren Treffen noch Gedanken machte, ob das alte, hundertmal geflickte Auto die Anreise über wenige Kilometer unbeschadet überstehen würde, kam man diesmal mit dem Flieger und wetterte über den mangelnden Bordservice auf Inlandflügen. Ja, ja die Ansprüche wachsen, die Positionen rücken Etage für Etage nach oben, man macht Karriere. Der eine mehr, der andere weniger. Diejenigen, die damals schon zur Selbstdarstellung neigten, tun das heute um so intensiver - und diejenigen, die schon immer auf dem Teppich blieben, haben bis heute die Bodenhaftung nicht verloren. Irgendwie - so der erste Eindruck zumindest - war der Weg für viele vorbestimmt. Geradlinig und druckreif für die Regenbogenpresse.

Doch aus Erfahrung wußte ich, daß solche Treffen immer in drei Phasen ablaufen. Und diese erste, während der die berufliche Entwicklung im Vordergrund steht, wo Selbstbeweihräucherung und gegenseitiges Auf-die-Schulter-klopfen dominieren, habe ich wie immer mit Widerwillen aber geduldig über mich ergehen lassen. Und wenn der Lauteste von allen - seines Zeichens Kleinunternehmer mit großen Ambitionen, der Mindestlöhne am liebsten per Verfassungsklage blockieren möchte -, wenn dieser Möchtegern-Ackermann zu mir herüber brüllt, wie es denn in meiner Firma so laufe, dann sage ich nur, "Och, nicht so toll", und hülle mich in Schweigen. Dann schauen mich die wenigen, die mich wirklich ganz gut kennen und auch um den Stand meiner Firma wissen, fragend an... mit Blicken wie "Warum sagst du nichts?" .. "Weshalb gibst du dem Großmaul kein Kontra?" Aber ich winke nur ab. Ich will und kann das nicht...

Und dann kommt Phase 2: Die Retro-Phase. Da werden die alten Kamellen ausgepackt, die mehr oder weniger witzigen Stories, die intelligenten Streiche und auch die dummen. Wie das halt immer so ist. Die netten Erinnerungen werden aufgefrischt, verstärkt und manchmal auch ein bißchen verfälscht, damit sie noch außergewöhnlicher und spritziger klingen. Und alles Negative wird unter den Tisch gekehrt und mit dem Mäntelchen des Vergessens umhüllt.
Okay, ich schließe mich da nicht aus. Es war wirklich 'ne geile Zeit damals. Und solche Leuchttürme in der Vergangenheit befleckt man sich nicht gerne mit negativen oder gar beschämenden Episoden, auch wenn sie einem wieder in Erinnerung treten.
Das Widersprüchliche daran: Im Grunde ödet es mich an, auf jedem Treffen dieser Art immer wieder die gleichen Anekdoten zu hören. Manchmal hängt mir das dermaßen zum Halse raus... Und doch lasse auch ich mich an irgendeinem Punkt davon anstecken und steuere dann selbst den einen oder anderen Schwank mit bei. Die Gruppendynamik ist dann einfach stärker als mein unterschwelliges Bedürfnis, die Vergangenheit endlich mal ruhen zu lassen.

Nach Phase 2 kommt es dann unweigerlich zur Grüppchenbildung. Da rücken die Köpfe näher zusammen oder man verkrümelt sich in Ecken oder vor die Tür um Phase 3 einzuläuten: Die Offenbarungsphase. Nun zeigt man sich verlegen die Kratzer im Lack, holt die Leichen aus dem Keller und sucht nach Mitgefühl und Trost. Plötzlich steigt man vom hohen Roß, erzählt von katastrophalen Fehlinvestitionen, von Ehescheidungen, verzogenen Kindern, Seitensprüngen und untergeschobenen Bälgern daraus, und natürlich von Krankheiten und den schrecklichen Nebeneffekten des Alterns... Ja, sogar der Schreihals nimmt mich sachte beiseite und offenbart mir, daß er von den letzten zwei Jahren sieben Monate in Krankenhäusern verbracht hätte. Jeder andere hätte damit mein Mitleid geweckt, der jedoch nicht. Meinen sarkastischen Einwurf, daß es in Privatkliniken sicher erträglicher wäre, fand er alles andere als witzig.

Und über all diesen Gesprächen schwebte etwas, das sich keiner auszusprechen traute, weil es ihrem Empfinden nach mit einem Makel behaftet war. Sie alle suchten in der Mitte ihres Lebens nach einem neuen Sinn, nach neuen Inhalten, Ideen und Herausforderungen. Keiner fragte den anderen, ob er glücklich sei, denn niemand wollte jetzt mehr eine geheuchelte Antwort hören.
Nun bin ich kein Mensch, der sich an den Leiden der anderen weidet, und doch kam ich mir ab diesem Zeitpunkt ein wenig als Außenseiter vor. Ich bin nämlich glücklich! Und diese Phase des verzweifelten Suchens, in der sich so viele jetzt befinden, habe ich lange hinter mir gelassen. Insofern war dieses Treffen eine echte Standortbestimmung für mich. Nicht weil ich den direkten Vergleich bräuchte, um das Positive an meiner Situation zu erkennen, sondern weil ich auf diese Weise sehen konnte, daß es richtig war, den komplizierten und teilweise schmerzhaften Weg der intensiven Selbstreflexion zu gehen, um an dessen Ende zu einer neuen Einfachheit und Leichtigkeit zu finden.

Schön war es, zu erleben, daß ich nicht der einzige in dieser Runde war, der diesen Weg beschritten hat bzw. noch beschreitet. Auch meine liebe J. zählt dazu und mein alter Kumpel T. Jeder von uns hat sein symbolisches Säcklein zu tragen, und obwohl wir ziemlich unterschiedlich ticken, so tun wir es doch auf eine vergleichbar positive Weise...

Dieses Wochenende war weit entfernt von Euphorie und Ausgelassenheit, doch es war gut, so wie es war. Und die Tiefe so mancher Gespräche hat Mut und Hoffnung gemacht... und Lust auf baldige Wiederholung in kleinerem Rahmen.

04.05.2007 um 10:44 Uhr

Weisheit?

Dieser Tage lief mir eine Weisheit über den Weg:

"Wenn Du Dich nicht mit den Menschen umgeben kannst, die Du liebst, dann lerne die zu lieben, die Dich umgeben."

Ist das nun eine freie Fassung der biblischen Nächstenliebe oder eher ein Gleichnis zum Berg und dem Propheten oder was?
Okay, es gibt immer wieder Situationen, in denen man die geliebten Menschen nicht bei sich haben kann, und die Gründe dafür können so vielfältig sein, wie das Leben bunt ist. Manchmal ist es eine reine Frage der Organisation, manchmal eine Frage des Auf-sich-zu-bewegens, aber manchmal auch schlicht ein Ding der Unmöglichkeit. Denn es kann ja auch vorkommen, daß man einen Menschen nicht mehr sehen kann, den man noch liebt.
Eigentlich sollte man immer die Motivation und auch eine Möglichkeit finden, diesen Zustand zu ändern. Was aber, wenn er wirklich unabänderlich ist?
"Dann lerne die zu lieben, die Dich umgeben." ... Für mich klingt das ein wenig nach dem Spatz in der Hand und der Taube auf dem Dach.  Dennoch!  Ich glaube, wir machen uns das Leben manchmal unnötig schwer, indem wir den Menschen, mit denen wir täglich zu tun haben, mit Ignoranz und Mißachtung begegnen. Es muß ja nicht gleich Liebe sein, aber etwas Freundlichkeit, etwas mehr Aufmerksamkeit und Entgegenkommen könnten eine Menge Spannungen im Alltag vermeiden. ... Und das ist nun wirklich nichts Neues. Also doch eine alte Weisheit?
Egal, denn die Antwort spielt ohnehin keine Rolle, solange die anderen solche Weisheiten nicht kennen... und nicht leben.

Aber jetzt weiß ich, was mich an diesem Spruch stört: Es ist der Kausalbezug.
Denn ein bißchen mehr Nächstenliebe würde uns allen gut zu Gesicht stehen - und zwar völlig unabhängig davon, ob wir die große Liebe gerade an unserer Seite haben oder nicht.