Nach dem Peter-Gabriel-Konzert von letzter Woche hatte ich gestern nun die restlichen verbliebenen Herren von Genesis auf der Bühne. Über dreißig Jahre Musikgeschichte, die mich maßgeblich geprägt hatten, fanden damit einen Abschluß für mich - einen Abschluß der widersprüchlicher nicht sein könnte, jedoch in sich auch irgendwie logisch ist.
Ich könnte jetzt einige Seiten schreiben, wie diese Musik damals - an der Schwelle zum Erwachsenwerden - mein Leben beeinflußt hat, wie eindringlich und nachhaltig sie mein emotionales Werden durchzog, einem roten Faden gleich. Aber ich habe im Moment nicht das geringste Bedürfnis, diesen Teil meiner Vergangenheit anzufassen. Es würde mir nichts bringen.
So war dieses Konzert gestern dann auch vergleichbar mit dem Blättern in einem alten Fotoalbum, dessen Bilder man nur zu gut kennt, die entscheidenden Motive, die man irgendwie erwartet, jedoch nicht wiederfindet. Ein sentimentales, musikalisches Bilderbuch, dessen Farbenfreude mit den Jahren verblaßt ist. Daran konnte auch die gigantische Bühnentechnik und die (für meine Begriffe aufgesetzte) Spiellaune der Herren Collins & Co. nichts ändern.
Seit gestern kann ich nun endgültig verstehen, weshalb Peter Gabriel bei dieser Reunion-Tour nicht mitmischen wollte - weshalb er den genau entgegengesetzten Weg einschlug: zurück zu kleinen Bühnen, weg von der großen Show, zurück zur Musik und schließlich auch zurück zu einem Publikum, dem in erster Linie an Authentizität gelegen ist.
Ich möchte hier keinesfalls eine Wertung abgeben. Solche Konzerte erlebt jeder auf seine ganz persönliche Art.
Für mich stand am Ende jedoch die Erkenntnis, daß man auf zwei völlig unterschiedliche Weisen naß werden kann, und daß ich eine davon ganz sicher bevorzuge.