Nur ein paar Memos

26.09.2007 um 11:41 Uhr

Lückenspringer

Wer mich etwas näher kennt, weiß, daß ich die verschiedenen Etappen meines Lebens ziemlich rigoros trenne. Deshalb spreche ich auch nicht von Lebensphasen sondern lieber von getrennten Leben. Das liegt vor allem auch daran, daß die inneren Veränderungen seit meinem letzten Umbruch sehr, sehr gravierend waren, und ich mir kaum noch vorstellen kann, wie sich mein letztes Leben anfühlte und wie ich das erdulden konnte.
Wenn ich jetzt der gebräuchlichen Logik folge, müßte ich sagen: Jedes dieser Leben ist die schlüssige Weiterentwicklung des vorherigen. Und doch ist jedes dieser Leben autonom.
Weil ich ein positiver Mensch bin und neuerdings nicht mehr gerne zurück blicke, habe ich auch an diese Logik geglaubt.
Oder stimmte daran doch etwas nicht?

Letztes Wochenende - ein eher banales Ereignis: Der Maler soll demnächst kommen, und wir beginnen schon mal ein paar Schränke zu entrümpeln. Dabei fällt mir eine Schachtel in die Hände, oder besser ein Pappkarton, säuberliche mit Tesa verklebt, ja regelrecht versiegelt. Mir war nicht sofort klar, was ich da gefunden hatte, aber ich war mir bewußt, diesen Karton beim letzten Umzug - und der liegt schon verdammt lange zurück - nicht geöffnet zu haben. Es mußten also Dinge darin sein, die aus meinem vorletzten, wenn nicht sogar aus meinem vorvorletzten Leben stammten. Und so ganz allmählich kam die Erinnerung wieder. Ich ahnte zumindest, was mich unter dem Deckel erwarten würde...

Mußestunde - auf der Couch zurückgelehnt - die Schachtel langsam geöffnet. Darin das Vermutete: halb zerfledderte Hardcover-Notizbücher, Zeitungsausschnitte, jede Menge handschriftlich gefülltem Papiers... karierte Blätter, linierte Blätter, bekritzelte Briefumschläge und Zeitungsränder. Beschrieben mit Kuli und Bleistift und zu meinem eigenen Erstaunen größtenteils mit Füllfederhalter.
Eintauchen in eine längst vergessene Welt. Ich greife mir willkürlich einen Zettel heraus. "Letzte Nacht wurde John Lennon ermordet. Keine Ahnung, ob ich das jemals begreifen werde..", stand da auf zerknittertem Papier. Auf der Rückseite der Text von "I don't believe" - handschriftlich natürlich. Ganz unten fünf Worte fett unterstrichen: "I just believe in me!"
Erinnerungen schlagen Wellen, schäumen hoch und hinterlassen eine Gicht, die den Blick verschleiert. Zettel, Papiere, Schnipsel - Texte von mir, Songtexte von mir, Songtexte von Demmler, Panach, Trepte... Notizen, Briefe, abgeschriebene Titellisten von LPs, die ich nie besaß, Liebesbriefe in Entwurfsschrift, Liebesbriefe nie abgeschickt. Und immer wieder Reflexionen um, über und aus den schlimmsten achtzehn Monaten meines Lebens.

Es war ein wirklich komisches Gefühl. Ich wußte von der Existenz dieser Schachtel, und doch hatte ich es verdrängt. Dies war jedoch keine einschneidende Erkenntnis. Viel tiefgreifender war, daß ich mich in jedem dieser Zettel selbst wiederfinden konnte - und zwar nicht nur mich von damals, sondern mich von heute.
Sicher war da ein stilistischer Wandel erkennbar. Sicher wirkt mein Geschreibsel heute flüssiger als damals und die Logik schlüssiger. Aber mir ist nicht ein Text in die Hände gefallen, der nicht auch heute inhaltlich in meine Sichtweisen und Empfindungen passen würde. Man könnte denken, ich wäre Zeit meines Lebens einen kontinuierlichen Weg gegangen, auf welchem ich meine Ideale und Anschauungen lediglich weiterentwickelt und verfeinert habe...

Diesen Kontinuitätsgedanken finde ich gut. Er beruhigt mich ungemein, denn er beweist mir, daß ich mich nicht immer wieder völlig neu erfunden habe - also keine wechselhafte Persönlichkeit bin. Doch gleichzeitig produziert er ein ganz erschreckendes Bild von den Jahren, die ich als Workaholic verbrachte. Wie man sich dermaßen weit von sich selbst entfernen kann, wird mir immer unverständlicher. Es kommt mir vor, wie eine riesige Lücke in meinem emotionalen Lebenslauf... eine Lücke, die nun endgültig übersprungen ist.

20.09.2007 um 10:50 Uhr

Test, Test, Test...

Ich glaube, blogigo spinnt mal wieder gewaltig...

 

12.09.2007 um 19:13 Uhr

Fernschlacht

So rein geschäftsmäßig gesehen halte ich mich für einen ganz brauchbaren Krisenmanager. Nur gibt es da eine Sache, die mir immer wieder schwerfällt: Andere Personen (egal ob natürliche oder juristische) heftig zu kritisieren. Und wenn ich von "heftig kritisieren" rede, meine ich das durchaus im Sinne eines Anschiß'. Normale, konstruktive und auch feinfühlige Kritik auszusprechen, ist nicht das Problem. Aber es gibt doch immer wieder Situationen, in denen man nicht umhin kommt, mal jemanden richtig zur Schnecke zu machen. Und solch laute Töne anzuschlagen, kostet mich gigantische Energie, denn das widerspricht meinem Naturell gründlich.

Nun war es mal wieder soweit. Eine Firma war mir dermaßen unter der Gürtellinie gekommen, daß ich zwingend zum Gegenschlag ausholen mußte - und zwar kräftig. Seit Tagen schob ich das fällige Telefonat vor mir her, ohne jedoch auch nur einen Augenblick für geeignet genug zu halten, auch wirklich zum Hörer zu greifen. ... Aber heute endlich hatte ich dann alle Argumente beisammen. Ich wußte, an welcher Stelle meiner Rede ich aggressiv werden muß und wo ich mich lieber in sachliche Argumentation zurückziehen wollte. Ich war blendend vorbereitet auf einen Krieg am Telefon - das Messer zwischen den Zähnen blitzte.
Doch dann passierte etwas völlig Unvorhersehbares: Mein Telefon klingelte, und am anderen Ende der Leitung meldete sich eine mir unbekannte Dame besagter Firma, um sich in aller Form und im Namen ihrer Geschäftsleitung bei mir für die unsauberen Geschäftsgebaren zu entschuldigen.
Sachen gibt's, die gibt's gar nicht...

Inzwischen bin ich mir fast sicher, daß meine mentale Vorbereitung auf diesen Krieg ein Kraftfeld aufgebaut hat, das den Gegner erzittern ließ, bevor auch nur ein Tropfen Blut fließen konnte. Deshalb der schnelle Rückzug. :)))

Okay, den letzten Absatz nehmt mal nicht so ernst.. obwohl es sich für einen Moment so angefühlt hat. ;)

11.09.2007 um 15:51 Uhr

Halbweisheit #8

von: Zwischenweltler   Kategorie: Halbweisheiten

Hin und wieder ist es völlig angebracht, seine Träume schonungslos über Bord zu werfen.
Ganz einfach aus dem Grund, um Platz zu schaffen für neue.

10.09.2007 um 12:53 Uhr

Anna Gavalda

Ich tue mich schwer mit Filmen, deren literarische Vorlage ich kenne und für gut befunden habe.
Bei "Zusammen ist man weniger allein" fiel es mir um einiges leichter, den Film in recht kurzem zeitlichen Abstand nach dem Buch zu genießen. Hauptgrund dafür dürfte wohl sein, daß Audrey Tautou die Hauptrolle förmlich auf den Leib geschrieben ist.
Natürlich kann ein Film diese filigranen Charaktere bei weitem nicht so detailliert nachzeichnen, wie es das Buch tut. Dennoch schafft er es, Stimmungen aufzubauen und zu halten, ohne irgendwo auffällige Lücken zu hinterlassen.

Mein Prädikat: sehr sehenswert (..und für Audrey-Tautou-Fans einfach ein MUSS)

Mein Tipp: erst das Buch lesen, dann ins Kino gehen (und Taschentücher nicht vergessen)

Und wer mal schnuppern will, schaut hier:
Zusammen ist man weniger allein