Nur ein paar Memos

27.11.2007 um 09:00 Uhr

Gesicht des Tages

Wer jetzt ein nettes Foto erwartet hat, wird wohl leider enttäuscht werden. Statt dessen möchte ich eine kleine Geschichte erzählen - erlebt gestern abend an meiner Lieblingstanke.

Die Tankstelle meines Vertrauens ist eine ziemlich große. Zwölf Zapfsäulen und alle nebeneinander. Montags ist erfahrungsgemäß der Tag, an dem abends für ein paar Stunden der Spritpreis um drei oder vier Cent abgesenkt wird. Offenbar soll damit die treue Stammkundschaft belohnt werden - also unter anderen ich. Weil ich aber nicht der Einzige bin, der diesen zyklischen Preisverfall absehen kann, ist es montags meist recht voll dort.
Gestern abend stehe ich also an Säule 7 und ziehe mir den Stoff für 135,9 Super-Cent rein - man sollte es nicht für möglich halten, aber heute ist ein solcher Preis ein regelrechtes Schnäppchen - ich stehe also da, während das Zählwerk unerbittlich rasselt, und wie mein Blick in die Runde schweift, erblicke ich an Säule 1 ein mir bekanntes Auto mit der zugehörigen attraktiven Fahrerin. Sie sieht mich nicht, denn sie ist mit dem Rüssel beschäftigt und versetzt gerade mit Hilfe eines geschulten Griffs an die Dachreling ihr Mobil in leichte Schwingung, um noch einem weiteren Liter des preisgünstigen Saftes den Eintritt in ihren Tank zu gewähren.

Indes macht es bei mir "Klack" und im gleichen Moment kommt mir eine Idee. Ich haste in den Kassenraum und zücke meine Karte.
"Säule sieben bitte! ... Und weil heute so ein schöner Tag ist, setzen sie mir bitte noch die hübsche Frau von Säule eins mit auf die Rechnung."
Ich habe gewiß schon viele bescheuerte Gesichter gesehen, aber das des Tankwarts brach alle Rekorde. Offenbar passierte ihm so etwas nicht so oft, denn nachdem er sich abermals bei mir vergewissert hatte, daß ich auch meinte, was er zu hören geglaubt hatte, benötigte er ein paar Sekunden, um die nötige Tastenkombination an seiner Kasse zu finden. Tief hinter dem Kartenleser konnte ich bereits mein Konto stöhnen hören, das ja nun mit zwei vollen Tanks belastet wurde. Doch darüber machte ich mir jetzt keine Gedanken. Der kleine zeitliche Vorsprung reichte, um die Tankstelle durch eine Nebentür zu verlassen, noch bevor die Dame den Kassenraum betrat. Ich sprang in mein Auto und entfernte mich so unauffällig wie möglich.

Zu Hause eingetroffen schloß ich das Tor, warf meine Jacke in die Ecke, riß mir ein Bier auf und nahm in meinem Fernsehsessel eine Haltung ein, aus der man nicht ablesen konnte, wie lange ich bereits in mein Bier vertieft war.
Keine Minute später stürzte meine Frau ins Zimmer, und ohne Luft zu holen stieß sie hervor: "Nabend Schatz! Du glaubst gar nicht, was mir eben an der Tanke passiert ist."

Hätte ich mich entscheiden müssen, wer von den beiden an diesem Abend das genialere Gesicht gezogen hat - es wäre mir wirklich schwer gefallen.

23.11.2007 um 09:30 Uhr

Blogigo-Blues

Wenn ich mich so umschaue in meiner Blogigo-Ecke... hmm... es geht ganz schön ruhig zu derzeit.
Bedrückte Stimmung irgendwie... introvertiertes Schweigen...
An der einen Ecke wird Trauerarbeit geleistet, an einer anderen fordert der Weihnachtsboom Tribut, irgendwo steht das ganze Universum vor Gericht und an wieder anderen Orten drücken Altlasten aufs Gemüt; ganz zu schweigen von bösen Trollen und Fakern, die das Vertrauen an liebgewonnener Stelle untergraben.

Aber es gibt auch Lichtblicke. Wenn man ganz genau hinschaut, gibt es hier und da jemand mit dem berühmten Dauergrinsen im Gesicht oder - weniger auffällig - mit einer guten Seele auf der Bettkante oder einem markanten Dialekt im Chat oder einem neuen Gesicht in der Stammkneipe oder dem Kopfwäscher in der Ferne. Da werden abseits der Öffentlichkeit Mutmacher ausgetauscht und Freundschaften geschlossen, da rücken die Knoten im Netz ein Stück näher...
Kurz: Es wächst zusammen, was zusammen gehört.
(Der selige Willy Brandt möge mir die Nachnutzung seines berühmten Satzes verzeihen. Ich glaube, die Verwendung war durchaus in seinem Sinne.)

Ich weiß nicht so recht, ob es meiner herbstlichen Sentimentalität geschuldet ist, aber einmal mehr kommt in mir ein Gefühl von Familie auf, wenn ich mir verinnerliche, welch wunderbare Verbindungen sich hier aufgetan haben - virtuelle und reale. Und lieber heute als morgen würde ich die rein virtuellen Kontakte in mein reales Leben holen... Ein Traum, ich weiß - aber ein verdammt schöner und einer, der nicht völlig utopisch ist.

Danke, daß Ihr hier seid! Danke für Euch!

Ohje, bin ich heute rührselig...

20.11.2007 um 08:41 Uhr

Zweifel

Darf man als guter Freund wirklich unparteiisch sein?
Erwarten die Freunde nicht zurecht, daß man für sie Partei ergreift?
Muß man, wenn man nach seiner Meinung gefragt wird, immer das gesamte emotionale Gerüst beachten?
Oder darf man sich auch einmal - so, wie ich es gerne tue - nach draußen stellen und die Rolle des neutralen Beobachters einnehmen?
Ist Freundschaft und Neutralität überhaupt vereinbar?

Falls nicht, hätte ich gerade ganz schön Mist verbockt.
Zweifel über Zweifel...

16.11.2007 um 11:42 Uhr

Halbe Halbweisheit ;)

Wenn die Bahn streikt und sich deshalb alle mit dem Auto gen Heimat quälen, wenn dann in der Baustelle ein Unfall passiert, wenn dann laut Mc Murphy's Gesetz die Blase gewaltig zu drücken beginnt, wenn man sich dann deswegen über den nicht vorhandenen Standstreifen Richtung Ausfahrt schiebt, wenn dann Herr Polizist drohend den Zeigefinger hebt, wenn man sich  dann mit einem Stoßgebet zum nächsten Parkplatz rettet, DANN...  ja dann ist das noch lange kein Grund, weshalb der Abend nicht dennoch ganz entspannt verlaufen sollte.
 

12.11.2007 um 19:34 Uhr

Neue Umfrage

Einfach mal so eine neue Umfrage.
Bin gespannt, was rauskommt.

12.11.2007 um 19:18 Uhr

Overload

Ich hatte mir vorgenommen, erst wieder zu bloggen, wenn die wichtigsten Email-Schulden aufgearbeitet sind. Nun muß ich aber bekennen, daß ich das einfach nicht schaffe im Moment. Also, liebe Freunde mit den beliebigen Anfangsbuchstaben zwischen A und Z, seid mir nicht böse. Sonst verwaist dieses Blog irgendwann. Antwort kommt bestimmt noch. Versprochen!

Letztes Wochenende war einfach nur... Amie würde "hach" sagen, wäre sie dabei gewesen. Und wenn ich ein einzelnes Wort dafür gebrauchen müßte, würde ich mir gerne Q10's Blogtitel ausleihen: Herzensvitamine!
M., mein bester Freund hatte sich seine besten Freunde auf ein langes Wochenende eingeladen. Ich habe nicht gezählt, aber es waren wohl an die zwanzig. Und weil die alle aus "seinem" Forum kommen, also Netzbekanntschaften sind, kannte auch ich bereits einen Großteil von denen - manche persönlich, den Rest zumindest vom Schreiben. Schließlich war "sein" Forum früher auch schon mal "mein" Forum - man sollte es nicht glauben, aber ich hatte ein Leben vor Blogigo. ;)
Viel gegenseitiges Vorstellen war also nicht nötig. Dennoch hatte ich auch dieses Mal so ein paar Zweifel, ob sich der Spruch, "Meine Freunde sind auch deine Freunde", wirklich bewahrheiten würde. --- Er tat es... und zwar ohne nennenswerte Abstriche.
Das Befinden, sich in dieser Runde ungehemmt auszutauschen, läßt sich kaum beschreiben. Wer einmal einen FKK-Urlaub genießen konnte, kennt das Gefühl, viel Zeit hüllenlos und unverstellt mit Seinesgleichen zu verbringen. Und wenn man jetzt dieses Körpergefühl auf die Seele überträgt, kommt es dem schon sehr nahe.
Die Gespräche waren teilweise sogar extrem problembeladen, aber dennoch wirkten diese Tage niemals anstrengend oder gar überladen. Und wenn man dann beobachtet, mit welcher Lebensenergie so mancher, der ein wirklich schweres Säcklein zu tragen hat, hier aufwartet, kann man nur den Hut ziehen und sich selbst ein bißchen in den Schatten stellen. Ich war berührt und teilweise tief beeindruckt.
Das besonders Schöne an dieser Runde war für mich, daß da keinerlei Gruppendynamik erkennbar war. Man hatte niemals das Gefühl, es würde von einem erwartet, etwas zu erzählen oder gar preiszugeben. Und doch redete jeder frei von der Leber weg - unter vier Augen ebenso wie in kleineren oder größeren Grüppchen. Dieses Maß an Vertrautheit zwischen einigen war wie ein großer warmer Whirlpool. Fallenlasse, versinken und von den Bläschen wieder nach ober treiben lassen. Einfach nur schön.
Was mir auch guttat, war, daß ich aus dieser gelösten Stimmung heraus ein paar Telefonate führen konnte, die mir sehr am Herzen lagen. Auch wenn die Technik nicht immer so mitspielte, wie gedacht, wurde die Flatrate dann doch massiv ausgebeutet.
Am gestrigen Nachmittag stellte sich dann die Frage: "Wann muß man mit der Verabschiedung beginnen, wenn man um X Uhr die Rückreise antreten will?"
Im Zweifelsfall gleich nach dem Frühstück. Es gibt nun mal Menschen, die man am liebsten nie wieder loslassen würde....

07.11.2007 um 17:04 Uhr

Verbale Pheromone

Jeder Mensch, der Briefe schreibt (private, keine geschäftlichen), hinterläßt zwischen den Zeilen eine Art emotionalen Fingerabdruck, der tausendmal mehr über den Schreiber aussagt, als die ursprünglichen Worte bezweckten oder auch nur zulassen wollten. Mancher kann das vielleicht steuern, aber bei den meisten erfolgt das ganz gewiß unbewußt. Und natürlich gibt es Menschen, die ungleich mehr zwischen die Zeilen packen als andere. Aber es gibt auch Leser mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten.
Ich glaube, für diese Geheimsprache zwischen den Zeilen gibt eine ganze Reihe von Dialekten, die untereinander nicht kompatibel sind. Wenn sich jedoch zwei Menschen schreiben, die sich des gleichen Dialektes bedienen und dieser emotionale Begleittext auch noch zu den aktuellen Stimmungen des Lesers paßt, dann entsteht diese Art von Magie zwischen ihnen, wie sie vermutlich erst durch das Internet möglich wurde.

Ob sich diese Menschen dann auch in natura riechen können, bleibt eine spannende Frage. ;-)