Nur ein paar Memos

27.03.2008 um 10:16 Uhr

Halbweisheit #10

von: Zwischenweltler   Kategorie: Halbweisheiten

Wir dürfen niemals aufhören, zu träumen. Wenn wir einen Traum in uns töten, beginnt dessen Leiche zu faulen und verpestet unsere Seele. Dann muß dringend ein neuer, frischer, greifbarer Traum her, um uns zu nähren und zu entgiften.

14.03.2008 um 12:33 Uhr

Zeichen aus dem Bücherregal

In meinem Bücherregal findet sich noch so mancher ungelesene Band. Letztes Jahr erst legte ich mir unter anderem die Gesamtausgabe von Paulo Coelho zu - Bücher die man nur empfehlen kann.
Nun sollte man meinen, ich als geborener und trainierter Strukturdenker würde diese Bücher in chronologischer Reihenfolge lesen. Das wäre doch logisch, oder?
Doch weit gefehlt. Irgend etwas scheint meinen Griff ins Regal auf geheimnisvolle Weise zu lenken, denn immer wieder traf es zu, daß meine Auswahl auf eine jeweils sehr präsente Situation paßte. Und so geschah es, daß ausgerechnet dieser Tage, als so einige meiner grundsätzlichen Denkweisen ins wanken gerieten, "Der fünfte Berg" neben meiner Lesebrille zu liegen kam.
Dieses Buch erzeugt eine zwiespältige Stimmung in mir. Mit Bibel-Themen tue ich mich immer schwer, selbst wenn sie in freier Interpretation eher unterhaltsam aufbereitet sind. Aber das ist es nicht. Vielmehr ist es die Grundaussage, die Spannungen zwischen Kopf und Bauch erzeugt.

Es gibt Dinge, die müssen erst einmal rigoros zerstört werden, bevor sie die Chance bekommen, im Zuge des völligen Neuaufbaus endlich gut zu werden.

Muß das so sein? Und wenn ja, kann man das verallgemeinern?

Aus technischer Sicht hatte ich mich diesem Thema bereits vor etlicher Zeit einmal genähert (Programmierfehler << click). Und wem dieses Technik-Kauderwelsch nicht paßt, dem sei gesagt, daß man ein Haus erst abreißen muß, um an gleicher Stelle ein neues, schöneres errichten zu können.

Nun ist das mit dem Hausbau recht plausibel, weil es dabei leicht ist, Pläne zu machen, Visionen zu entwickeln und daraus auch die nötige Motivation für die Umsetzung zu ziehen. Man kennt die Unzulänglichkeiten und Baumängel des alten Gebäudes, und die Vorstellungen vom neuen Haus sind überaus konkret. Sinn und Zweck des Vorhabens sind klar.

Anders sieht es schon aus, wenn das geliebte alte Haus durch einen Schicksalsschlag zerstört wird - sagen wir, ein Orkan deckt das Dach ab und entwurzelt gleich noch die alte Eiche, welche mit zielsicherer Gewalt die ganze Fassade eindrückt. Bevor die Ratio hier Visionen zeichnen kann, wird das Herz unendlich bluten, denn schließlich hat man mit Haut und Haar an diesem alten Gemäuer gehangen. Der Schmerz sitzt tief, und es wird eine ganze Zeit dauern, bis sich der Verstand durchsetzt und man sich klarmacht, daß dieses alte Haus zwar Charme hatte aber dennoch an vielen Ecken verbesserungswürdig war. Man kämpft sich also weitestgehend durch zu dem Entschluß des Neuaufbaus, und wahre Motivation setzt erst viel. viel später ein.

Noch eine Variante: Wir haben ein Haus geerbt, das völlig unnütz ist. Wir brauchen es nicht, es gefällt uns nicht, wir wollen nicht darin wohnen. Und überhaupt. Das ganze Grundstück ist eine einzige Krankheit, aber wir werden es nicht los. Wir haben es geerbt, ohne gefragt zu werden, so, als hätte man einen Gendefekt geerbt. Die Aversion gegen dieses unförmige Gemäuer wird so stark in uns, daß wir es immer weiter verfallen lassen, nicht einmal mehr die nötigsten Reparaturen vornehmen und am liebsten die ganze Hütte in die Luft sprengen würden...

Zerstörung als Basis eines Neuanfanges oder schleichender Verfall bis zum bitteren Ende.

Alleine wenn es um so triviale materielle Dinge geht, wie um ein Haus, wird klar, welch enorme Konflikte und Probleme hierbei auftauchen können.
Doch was, wenn es gar nicht um materielle Dinge geht? Was, wenn wir von Elementen der menschlichen Existenz reden? Von menschlichen Körpern, von Krankheit und Schönheit, oder aber von Seelen, Denkweisen und Glauben? Ich mag die zahllosen Gedanken nicht ausmalen, die sich daraus ergeben...

Je länger ich darüber nachdenke, um so mehr komme ich zu der Erkenntnis, daß Coelho recht hat.
Erneuerung geht immer auch mit der Zerstörung des Alten einher, und manchmal ist diese Zerstörung elementare Voraussetzung.
Die Frage ist jedoch, auf welcher Ebene man diese Zerstörung ansetzt und wie umfassend sie sein muß. Ist man hierbei zu zaghaft, kann es sein, daß sich das Alte immer wieder durchsetzt und das Neue vergiftet. Geht man hingegen zu rigoros vor, werden womöglich wichtige Strukturen zerstört, die unersetzbar sind.

Nicht umsonst spricht man davon, daß (besonders alte) Häuser eine Seele hätten. Reißt man ein solches Haus ab, ist auch diese Seele unwiederbringlich vernichtet. Deshalb werden wohl auch nur die wenigsten Menschen auf die Idee kommen, ihr Haus abzureißen, nur weil ihnen die Fliesen im Badezimmer nicht mehr gefallen.

Mir fällt gerade auf, daß ich beim Editieren meiner Texte Wörter, Sätze und ganze Abschnitte lösche, um Platz für neue Formulierungen zu schaffen. Auch das ist eine Form der Zerstörung - eine notwendige obendrein. Doch ich käme nie auf die Idee, meinen Laptop zu zertrümmern, nur weil mir mein Text nicht gefällt...