Nur ein paar Memos

29.10.2008 um 18:36 Uhr

Der Freund und der Bote - Teil 2

Kommen wir also zur Fortsetzung des Themas und damit auch zur Frage:
Was passiert, wenn ein Bote zum Freund wird?

Ich habe mir Eure Kommentare noch einmal durch den Kopf gehen lassen und dabei hat sich ein wenig Widerspruch in mir breit gemacht.
Zunächst einmal kann ich die Meinung nicht teilen, daß jeder, der in mein Leben tritt, ein Bote ist, und daß hinter jeder Begegnung eine Nachricht steckt. Selbst wenn es so wäre - was ich nicht glaube - würde mir dieser Gedanke angst machen und mein gesamtes Leben blockieren. Stellt Euch einmal vor, es wäre so. Müßte man dann nicht ständig auf der Hut sein, irgendeine Nachricht zu verpassen? Müßte ich nicht jeden Postmann zum Kaffee einladen, nur weil er mich angelächelt hat? Würde ich nicht sogar meinen eigenen Weg darüber vergessen, immer und jederzeit auf Impulse zu warten? Das kann doch nicht sein. Oder?
Ich meine vielmehr, daß nur solche Menschen als Bote für uns in Frage kommen, die in einer ganz bestimmten, wenn auch unscheinbaren Konstellation zu uns stehen. Denn der Bote erfüllt eigentlich zwei Aufgaben:
Zuerst überprüft er instinktiv, ob der Empfänger überhaupt bereit ist, die Botschaft entgegenzunehmen. Ist er es nicht oder noch nicht, zieht der Bote unverrichteter Dinge wieder ab. Er hat seine Schuldigkeit getan. Und erst dann, wenn der Empfänger wirklich reif für diese Nachricht ist, wird er sie übergeben.
Das bedeutet für mich, wenn es eine Botschaft gibt und ich bin reif dafür, wird sie mich erreichen, egal wie und durch wen. Danach zu suchen oder sie gar zu erwarten, hat für mich keinen Sinn. Es ist also völlig überflüssig, in jeder Begegnung einen Boten oder eine Nachricht zu vermuten.

Ein weiterer Punkt ist der, daß ich eine Botschaft im Grunde immer als Einbahnstraße betrachte. Möglicherweise halte ich mich zu sehr an der sprachlichen Definition des Begriffs "Bote" fest, aber ich bin der Überzeugung, daß man nur solange Bote sein kann, wie man den eigentlichen Inhalt der Botschaft nicht kennt. In dem Moment, in dem ich erfahre, welche Bedeutung ich für den Empfänger der Nachricht habe, verliere ich die reine Überbringerfunktion und werde zum aktiven Spiegel, denn ab diesem Zeitpunkt bringe ich mich bewußt in die jeweilige Thematik ein.
Das hat für mich zur Konsequenz, daß mir ein Bote zwar zum Freund werden kann, er in dem Moment, wo er es wird, jedoch seine Botschafterfunktion verliert. Freundschaft bedeutet doch auch immer gedankliche Interaktion. Man befaßt sich aktiv mit dem Wesen des Anderen und wird somit zur Quelle von Ideen und neuer Gedanken. Natürlich wird man damit unter Umständen auch Aha-Effekte auslösen und gedankliche wie emotionale Lawinen ins Rollen bringen, mit einer unbewußten Vermittlerfunktion hat dies jedoch nichts mehr zu tun.
Möglicherweise war der Freund einmal ein Bote - ganz am Anfang -, aber er ist es nicht mehr.

In meiner Sichtweise unterteile ich in Information und Energie. Ein Bote bringt mir Information, jedoch niemals Energie. Eine Freundschaft hingegen ist pure Energie. Also ist mir der Freund ein (guter) Dämon, nicht aber Bote.

Diesen Bote-Dämon-Dualismus findet man übrigens auch bei Coelho ("Auf dem Jakobsweg"). Allerdings teile ich seine Ansichten diesbezüglich nur teilweise, was der Sache jedoch keinen Abbruch tut. ;)

Ein interessantes Thema, wie ich meine. Immer wieder stoße ich auf neue Gedanken dazu. Es bleibt spannend. Und ebenso gespannt bin ich jetzt auf Eure Meinung dazu.

29.10.2008 um 14:10 Uhr

Der Freund und der Bote - Teil 1

Das Thema der Zeichen und Boten, die unseren Lebensweg beeinflussen, fesselt mich immer wieder. Manchmal denke ich kaum daran, ein andermal wiederum läßt es mich nicht mehr los.
Zwar ahne ich wohl, was alles dahinterstecken könnte - oder besser: ich spüre es -, aber manchmal stolpere ich einfach über die Langsamkeit meiner Wahrnehmung diesbezüglich.

Vor über anderthalb Jahren hatten wir schon einmal eine äußerst interessante Diskussion darüber. (Wer noch einmal nachlesen möchte: *klick*)

Damals war mein Blick darauf noch etwas steif und meine Gedanken dazu waren regelrecht übervorsichtig. Kein Wunder, denn es war völliges Neuland für mich.
Inzwischen hat sich eine gewisse Routine im Umgang damit eingestellt, die auch eine angenehme Gelassenheit mit sich bringt. Vor allem meine Bedenken bezüglich der eigenen Botenfunktion sind seitdem völlig verschwunden.

Dennoch gibt es einige offene Gedanken und Fragen, die sich um diesen Themenkreis drehen - Gedanken von denen ich meine, mir damit bisher selbst im Wege gestanden zu haben. Und weil diese Gedanken auch UNS betreffen, möchte ich versuchen, sie hier einmal aufzuschreiben. Ich hoffe, es wird nicht allzu konfus.

Ursprünglicher Auslöser waren die Fragen:
Kann ein Freund auch Bote sein?
Was passiert, wenn ein Bote zum Freund wird?

Dazu gehört auch meine Beobachtung, daß ich in den letzten Jahren, gemessen an meinem früheren Leben, sehr viele Kontakte zu Menschen geknüpft habe, die das Potential hatten, echte Freunde zu werden, es am Ende dann aber doch nicht wurden.

Menschen kommen und gehen. Manche streifen unser Leben nur flüchtig, manche brennen sich ein, manche hinterlassen Schätze, andere hinterlassen Narben. Die einen werden wieder vergessen, andere bekommen einen Parkplatz im Herzen oder begleiten uns für lange Zeit.
Und oft fällt es schwer, das Besondere dieser Menschen zu erkennen. Es kann sein, daß man bei dem einen oder anderen überhaupt keine bewußte Verknüpfung zum eigenen Leben herstellen kann, das Unterbewußtsein aber doch eine gewisse Bedeutung registriert. Dann wieder passiert es, daß ein Mensch wie ein strahlender Stern in unser Leben tritt, und man weiß sofort: der ist etwas ganz Besonderes. Ob dieser erste Eindruck dann von Dauer ist, bleibt ungewiß. Meistens ist es so, daß man den wahren Wert eines Menschen und dessen Einfluß auf unser Leben erst mit großem zeitlichen Abstand beurteilen kann.

Doch was hat das jetzt mit Zeichen und Boten zu tun?
Ein kleines Beispiel dazu:
In einer früheren Phase meines Lebens hatte ich eine Affinität zu einer bestimmten Sache, die zu realisieren nicht möglich war. Es war nicht der große Lebenstraum oder so, eher eine kleine Obsession. Also schlug ich mir die Sache aus dem Kopf - dauerhaft.
Vor einigen Wochen dann mußte ich daran zurückdenken. Es gab keinen sichtbaren Anlaß, es kam mir einfach so wieder in den Sinn. Und kurze Zeit später - gerade so, als hätte ich einen unüberhörbaren Ruf ausgesandt - nahm eine Person mit mir Kontakt auf, welche eben diese Affinität mit mir teilte.
Ein Zeichen? Ein Bote?
Ja, ganz gewiß. Nur war mir die Richtung vorerst nicht klar. Was jedoch untrüglich im Raum stand, war die Sympathie zu dieser Person - eine Sympathie, die keinesfalls nur auf diesem gemeinsamen Interesse baute, sondern den Menschen als Ganzes betraf.
Doch obwohl diese Sympathie auf Gegenseitigkeit beruhte wurde keine Freundschaft daraus. Der Kontakt brach ab. Und ich erkannte, daß diese Person nur ein Bote für mich war.
Aber wofür? Was war die Botschaft?
Um mich von dieser Affinität zu trennen, brauchte es keine Botschaft. Ich hatte mich bereits davon getrennt. Aber was war es dann?
Da ging mir ein Licht auf. Diese Person war nicht Bote für mich, sondern ich war ihr Botschafter. Dieses gemeinsame Interesse und die Sympathie brauchte es nur, um die Verbindung herzustellen. In dem Moment, als der Kontakt abbrach, hatte ich also bereits unwissentlich meinen "Dienst" getan. Für mich selbst gab es daran nichts zu erkennen.
Noch in der Zeit, als mein Eintrag "Mystische Normalität" entstand, hätte ich mich nach dieser Erkenntnis vermutlich krampfhaft darum bemüht, herauszubekommen, worin denn nun eigentlich die Botschaft bestand, die ich überbrachte. Heute sehe ich das anders. Ich muß es nicht wissen. Mehr noch: Vielleicht darf ich es gar nicht wissen. Ich war gewissermaßen lediglich der Überbringer eines versiegelten Dokumentes. Deshalb wurde auch keine Freundschaft daraus. Dem Briefträger lächelt man bestenfalls zu, wenn er die Post bringt, aber man umarmt ihn nicht dafür.

Vielleicht ist es einigen unter Euch schon einmal so ähnlich ergangen. Da trifft man einen Menschen, spürt die gegenseitige Sympathie, und doch geht es ab einer bestimmten Stufe nicht weiter. Es wird nicht mehr daraus - keine Freundschaft, keine Liebe. Dann passiert es schnell, daß man sich abgelehnt, zumindest aber unverstanden fühlt. Und das kann durchaus am Selbstwertgefühl nagen.
Wenn man sich dann jedoch klarmacht, daß man womöglich doch für diese andere Person eine bestimmte, vielleicht sogar entscheidende Bedeutung hatte, wird es leichter. Geduld mit sich selbst wird man dennoch brauchen. Geduld, die Dinge einfach so laufen zu lassen, wie sie kommen. Alles ist im Fluß.

Soweit dazu für den Moment.
Eigentlich wollte ich noch ein paar Gedanken loswerden, welche die Frage betreffen, ob es eine Personalunion aus Freund und Bote geben kann. Aber das wird für heute zu viel.

Liebe Grüße an Euch alle!

15.10.2008 um 20:24 Uhr

Halbweisheit #15

von: Zwischenweltler   Kategorie: Halbweisheiten

(auf Anregung meiner Lieblingsseelenstreichlerin jetzt auch hier...) 

Die Schere zwischen Wunsch und Wirklichkeit läßt sich problemlos mit einer Seifenblase aus Phantasie füllen, und doch wird diese Blase augenblicklich zerplatzen, versucht man die Schere zu schließen.

14.10.2008 um 12:35 Uhr

Makrokosmische Träume

Letzte Nacht hatte ich einen kuriosen Traum. Ich wohnte offenbar der Erschaffung des Sonnensystems bei. Dummerweise setzte die Szenerie erst bei der "Verkugelung" von Erde und Mond ein, so daß ich mir den Nobelpreis für Physik wohl abschminken muß. Denn das wahre Wesen des Urknalls ging leider auch an meinem Traum vorbei.
Keine Ahnung, was mein Unterbewußtsein da alles an Reportagen und Dokumentarfilmen zusammengeschnitten hatte, es war jedenfalls sehr spektakulär und beeindruckend, wie diese vielen verkrusteten Lavabälle ineinander flogen, verschmolzen und immer wieder neue Himmelskörper anzogen.
Nun ist dieser Traum - auch wenn ich noch nie einen vergleichbaren hatte - an sich nicht unbedingt aufzeichnungswürdig. Das eigentlich Bemerkenswerte daran war, daß mir ein schon seit langem bekannter Fakt ins Bewußtsein rückte und sich dort, noch während ich schlief, breit machte:

Wir alle leben auf einer hauchdünnen Schicht, die auf flüssiger Lava schwimmt - eine Handvoll Eisschollen auf einem gigantisch heißen See.

Daraus entstand ein Grundgefühl in diesem Traum. Nein, es war nicht die Verletzbarkeit unseres so sensiblen Lebensraumes, keine grünen oder Öko-Gedanken, nix da mit perspektivisch Denken oder Überlebenskonzepten für die Generationen nach uns - nein, dieses Grundgefühl war lediglich geprägt von der Banalität des menschlichen Seins. Vergänglichkeit. Ein Wimpernschlag des Universums.
Es war weder schockierend noch ernüchternd. Es war nicht desillusionierend oder gar deprimierend... Es war schlicht die Erweiterung des gefühlten Betrachtungshorizontes.
Und es war irgendwie befreiend. Denn ich meine, diese Perspektive bietet ein gutes emotionales Rückzugsgebiet, wenn's mal hart auf hart kommt. Gerade dann, wenn man sich über Menschen ärgert, die sich besonders wichtig nehmen oder gar von Macht und dergleichen faseln, dann lehnt man sich zurück, zoomt auf - sagen wir in etwa soweit, bis man als Betrachter auf dem Mond sitzt - und stellt fest, daß dieser selbst ernannte Größus nichts anderes ist, als ein winziger, popliger Wurm im Universum.

08.10.2008 um 14:34 Uhr

Markenarroganz oder Aufforderung zur Korruption

(Sorry, heute muß ich mich auch mal auskotzen...)

Ich stelle mein Projekt beim preußischen Ableger des blau-weißen Propellers vor.
Technisch und inhaltlich waren wir uns schnell einig. Aber dann...

Kunde: Herr Z., leider muß ich feststellen, daß ihre Referenzen mangelhaft sind.
Z.:
Ich bitte sie, Herr Kunde. Ihnen liegen unsere Referenzen vom weltbesten Sportwagenbauer vor.
Kunde:
Sie verstehen mich offenbar nicht. Ihre Referenzen von der Konkurrenz sind bei uns völlig wertlos. Wo sind die Referenzen aus unserem Hause.
Z.:
Die haben wir noch nicht. Aber ich hoffe, mit diesem Projekt unsere Kompetenz unter Beweis stellen zu können. Dann hätten wir für künftige Vorhaben in Ihrem Hause auch eine blau-weiße Referenz.
Kunde:
Nein, nein. So funktioniert das nicht. Ohne hauseigene Referenz kein Auftrag.
Z.:
Und ohne Auftrag keine Referenz. Wie sollte das Ihrer Meinung nach funktionieren?
Kunde:
Nun, sagen wir über einen kräftigen Preisnachlaß... so 50% könnte ich mir vorstellen.
Z.:
Sie verlangen allen Ernstes, daß wir unser Know-how verschenken und für die Arbeitsleistung noch draufzahlen?
Kunde:
Das halte ich für zu drastisch formuliert. Aber wenn Sie den Eintrittspreis nicht zahlen wollen... bitteschön.

Ich mache solche Geschäfte nicht zum ersten Mal, und ich weiß, daß es manchmal Kompromisse braucht, um Türen zu öffnen. Was hier gefordert wurde, verletzt jedoch nicht nur meinen Stolz, sondern entbehrt jegliche Geschäftsmoral.
Mit erhobenem Haupte habe ich die Verhandlungen dann abgebrochen. Erpressen lasse ich mich nicht. Aber es wurmt mich ohne Ende. Nicht diesen Auftrag verloren zu haben, ärgert mich so sehr - das können wir momentan leicht verschmerzen. Aber so langsam verliere ich immer mehr den Glauben an unsere Wirtschaftsmechanismen. Sehr weit entfernt von italienischen Verhältnissen sind wir offenbar nicht mehr.