Nur ein paar Memos

19.02.2009 um 19:15 Uhr

Ein Plädoyer für die Liebe

Liebe Freunde,

es ist ziemlich ruhig hier in dieser Ecke. Eine ganze Weile schon. Und wie es scheint, bin nicht ich alleine schuld daran. Der Übeltäter, der viele von uns derzeit auf völlig unterschiedliche Weise beschäftigt und in sich gehen läßt, ist einmal mehr die Liebe.
Da geht es an der einen Ecke um die Liebe zu einem Menschen, der offenbar inkompatibel zurück liebt. Oder es geht anderswo um die Liebe zu den Kindern, die kaum noch Raum für eigene Bedürfnisse läßt. Irgendwo geht es um die Liebe zu den Eltern, von denen man sich lösen möchte, ohne ihnen die eigene Liebe zu entziehen und die ihre zu verlieren. Bei mir geht es um die Liebe zur Arbeit, die sich mir manchmal in den Weg stellt, als wäre sie ein menschliches Wesen. Gleich um die Ecke wird um die Liebe zum Leben gerungen, die sich einfach nicht greifen läßt. Ein Stück weiter weg scheint die Nicht-Liebe wie ein Virus umzugehen. Dann gibt es Regionen, in denen die Liebe vieleckige Konstellationen einnimmt und somit für Verwirrung sorgt. Und an vielen Orten gleichzeitig gräbt sie Erinnerungen aus - Erinnerungen, die nicht immer gut sind, die Zweifel nähren oder ihre Finger in die Wunden legen, Verluste spüren lassen oder andere miese Gefühle schüren...

Und wenn ich jetzt so in diese imaginäre Runde schaue, muß ich feststellen, daß sehr viele dieser Probleme aus einer empfundenen Bi-Polarität der Liebe resultieren.
Deshalb meine Überlegung: Braucht es denn wirklich immer zwei Pole, um Liebe spürbar zu machen? Ist es denn nicht vielmehr so, daß die Liebe eine Energieform ist, die, einem Feuer gleich, in uns brennt und ihre Wärme nach außen strahlt? Brennen wir nicht auch, wenn sich niemand an unseren Flammen wärmt?

Sicher ist es unheimlich schön, wenn man seiner Liebe eine Richtung geben kann, und dabei auf einen Menschen trifft, der ebenfalls liebt - und wenn möglich natürlich in unsere eigene Richtung. Schön ist das zweifellos, doch dieses Echo ist nicht zwingend nötig, um selbst lieben zu können. Sollten wir uns vielleicht etwas mehr darauf besinnen, stärker auf unser eigenes Brennen zu achten, anstatt dem Wechselspiel mit externen Energien so viel Bedeutung zu schenken? Ist es nicht mindestens ebenso befriedigend, wenn man tief in sich geht und dabei spürt, wie die Kraft der Liebe brennt, ohne als erstes nach einem Empfänger zu fragen? Könnten wir nicht diese ganzen negativen Gefühle, wie Eifersucht, Verlustängste, verletzter Stolz oder gar Besitzansprüche, ganz einfach besiegen, wenn wir davon ausgingen, daß wir selbst diese Liebe sind - nicht der Andere, der mit ihr womöglich nichts anzufangen weiß?

Nein, keine Angst, ich will hier nicht dem Narzißmus eine Lanze brechen. Wobei ich ein gesundes Maß an Eigenliebe für durchaus vorteilhaft halte. Nein. Es geht mir vielmehr darum, die Liebe von dem Makel zu befreien, sie würde für nichts als Schmerz und Leiden sorgen.
Zweifellos kommt auch das vor. Aber es ist nicht die Schuld der Liebe, sondern es ist unsere eigene Schuld, weil wir offenbar ihr Wesen nicht richtig verstanden haben. Sie jedoch als eine universelle Energie zu sehen, die einen Gegenpol nicht zwingend braucht, fasziniert und befreit mich immer mehr.
Der prähistorische Talisman aus unserer Blogigo-Familie schrieb dieser Form der Liebe ein sehr zündendes und leichtfüßiges Plädoyer. Es hat mir so gut gefallen, daß ich es Euch nicht vorenthalten möchte...

Wenn alle Menschen mit sich selbst im Reinen wären, dann hätten sie keine Angst vor dem Alleinsein und damit auch keine Verlustängste. Dann wüssten sie, dass sie allein klarkommen, und würden Menschen nicht als notwendigen Bestandteil ihres Lebens betrachten, sondern als Bereicherung.
Ich glaube, das ist das Problem unserer Gesellschaft. Wir halten uns an anderen fest, als seien sie der letzte Strohhalm im See. Wir könnten auch einfach mal schwimmen lernen. Das ist meine Meinung, derzeit zumindest.
Ich liebe, weil ich einen wundervollen Menschen kennengelernt habe. Ich liebe, weil ich Gefühle habe, die nicht in Worten zu beschreiben sind. Ich liebe, weil ich alles zu geben bereit bin, auch wenn ich nichts dafür bekomme. Ich liebe nicht, weil ich die Nähe will, oder die Zuneigung. Ich liebe auch nicht, weil ich damit Anspruch gewinne oder das Recht auf etwas oder jemanden. Nein, das ist alles keine Liebe. Nicht aus meiner Sicht. Ich liebe, weil es sich toll anfühlt, weil es mich bereichert, weil es mein Leben verschönert, nicht weil es ohne Liebe so schwarz wäre.
Warum liebst du deine Frau? Weil sie für dich da ist? Oder weil du für sie da sein willst? Ist der Wunsch, sie anzusehen, die Liebe? Oder das Bedürfnis ihr zu zeigen, wie schön sie ist?
Liebe ist geben, nicht nehmen, jedoch aber nehmen können, akzeptieren, annehmen. Liebe ist so viel mehr als auf Valentinskarten steht. Liebe steht oft zwischen den Zeilen, nicht in den Worten. Liebe... Liebe hat nichts mit Angst zu tun, außer mit der fortwährenden Sorge um die Person, die man liebt, da man ja möchte, dass es ihr gut geht. Liebe hat nichts mit Eifersucht zu tun, aber eben auch nicht mit Verlustangst. Liebe... Liebe zum Leben ist Vertrauen ins Leben.

...nun kann ich schon die ganzen gequälten Stimmen hören, die meinen, das wäre Wunschdenken und würde sich mit dem menschlichen Wesen nicht vereinbaren lassen. Euch möchte ich die Frage stellen: Wie intensiv habt ihr es versucht? Habt ihr wirklich völlig loslassen können, bevor ihr eure Qual auf die Waage legtet?
Ich bin selbst noch auf dem Weg dahin. Auch ich kann mich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden, daß sich Liebe quasi aus sich selbst heraus definiert. Ich brauche das Echo noch, sonst geh ich vor die Hunde.
Dennoch. Es ist zu spüren, daß dieses Echo zwar eine angenehme Bereicherung ist, aber nicht dieses unersetzliche, tragende Element, wofür ich es immer hielt.

Ich wüßte gerne, wie Ihr Eure Fähigkeit, ins "Blaue hinein zu lieben" einschätzen würdet. Geht das überhaupt oder bin ich mal wieder auf dem Holzweg?

Einen schönen Abend Euch allen und viele liebevolle Gedanken.
Euer Z.

16.02.2009 um 12:08 Uhr

Mundpropaganda

Auch wenn es Bastian Sick, Hüter der deutschen Sprache, strikt abstreitet:
Es gibt sie doch, die Mund-zu-Mund-Propaganda.
Ein Kuss ist der beste Beweis dafür. ;)

05.02.2009 um 15:00 Uhr

Notwendig oder hinreichend?

Wenn mich ein einziger Mensch wirklich versteht, ist das Beweis genug, daß ich mich verständlich machen kann?