Ganz normale Mystik
Du hättest neben mir im Theater sitzen sollen. Hast Du aber nicht. Der Autor dieses Ein-Mann-Stückes, das eigentlich ein Ein-Frau-Stück ist, kommt aus ... na woher wohl? ... genau: aus Irland.
Da ist eine sehr intime Atmosphäre in diesem kleinen Haus. Ich fühle mich warm und wohl, schon lange bevor die Vorstellung beginnt. Der Rotwein ist ausgesprochen gut. Nur das Kerzenlicht erinnert mich daran, daß Du fehlst. Dann wird es völlig dunkel. Ein Spot schiebt diese eine Frau des Abends in den optischen Mittelpunkt. Mir stockt der Atmen. Bitte kneif mich! Der Stuhl neben mir ist leer. Dafür stehst Du auf der Bühne. Du? Deine Figur, Deine Haare - okay, das mag irgendwie noch sein -, doch dann auch Deine Gestik, Deine Mimik, die Art und Weise, diese eine Strähne hinters Ohr zu verbannen, der Augenaufschlag, Dein Blick, Du schaust mich an - mich! -, ich sitze in der ersten Reihe. Kein Irrtum! Wie geht das? Phantasiere ich? Und am Ende - wie könnte es anders sein: Deine Tränen...
So kam es, daß die Worte, welche von der Bühne aus gesprochen ursprünglich Dein Ohr hätten erreichen sollen, nun gesprochen wie von Deinem Munde, mich erreichten, als spieltest Du allein für mich.
Ich hab das immer noch nicht verdaut...
