Ich schwanke
Ich schwanke noch, ob ich die Kamera mit in den Urlaub nehmen soll oder doch nicht. Den Foto-Freaks unter Euch wird diese Überlegung sicherlich völlig absurd vorkommen, aber auch hier hat sich mein innerer Blickwinkel in letzter Zeit etwas verschoben.
Irgendwann war ich einmal an den Punkt gekommen, wo meine Selbstbeobachtung eindeutig japanische Signale lieferte. Ich weiß nicht mehr, in welchem Urlaub das war, aber die Kamera hatte ich in diesen Tagen nicht ein einziges Mal aus der Hand gelegt. Genauer genommen erlebte ich diesen gesamten Urlaub durch den Sucher. Immer schön nach der japanischen Devise: "Möglichst oft draufhalten. - Den Urlaub erleben kann man ja dann später anhand der Bilder."
Nun ist es so, daß ich wirklich gerne fotografiere - ein bißchen stimmungsabhängig, aber meistens doch. Nur behindert die Beschäftigung mit der Kamera und die Umstellung der eigenen Betrachtungsweise auf den "Motivsuche-Modus" ganz erheblich die atmosphärische Wahrnehmung fremder Orte.
Ihr kennt das doch sicher. Da gibt es Orte und Situationen, die es wert sind, mit allen Sinnen erfaßt zu werden - Orte, die man regelrecht atmen muß. Die gesamte Stimmung aus Licht, Gerüchen, Klima und Akustik erzeugt dann diese magischen Momente, die man einfach aufsaugen muß. Denn diese Wahrnehmung, dieses Gesamterlebnis ist es, was wirklich erinnernswert ist - nicht das plane Abbild davon auf einem Foto.
Kurz gesagt: Es gibt Reisen, da stört die Kamera einfach. Sie lenkt ab und zerstört die Stimmung. Und es gibt Orte, die sich ohnehin nicht als Pixel abbilden lassen - Orte, deren Reiz nicht in ihrer Ansicht liegt sondern in ihrer spirituellen Atmosphäre.
Und weil ich vorhabe, in den kommenden drei Wochen ganz viele dieser Orte zu besuchen, werde ich die Kamera wohl besser gleich zuhause lassen.
Ich bin dann mal weg... :)
