Hotelzimmer
Hotelzimmer, in denen ich alleine meine Nächte verbringe, bekommen immer mal wieder eine besondere Bedeutung für mich.
Manche sind nur Brücke zwischen zwei besonders guten Tagen und geraten so zur Nebensache, bekommen gleichzeitig aber einen angenehmen Touch, obwohl sie es - rein von der Qualität her - gar nicht verdient hätten.
Andere sind mir ein ödes Lager zwischen zwei ebenso öden Tagen, was selbst die Luxus-Suite zur Absteige mutieren läßt.
Aber es gibt da auch welche, die sich mit ganz bestimmten Erinnerungen verbinden. Ein ganz spezielles kenne ich da, wo sich jede einzelne Ritze in der Deckentäfelung mit einem ganz bestimmten Gedanken oder einem Gefühl oder einem gehörten oder gesprochenen Satz verbindet. Dort liege ich auf dem Bett, schaue nach oben und jedes Detail wird zum Memorandum.... Lange war ich nicht dort. Vielleicht ist das auch gut so.
Wiederum ein anderes schien offenbar eine Quelle der Kreativität unter dem Bett versteckt zu haben. Dort schrieb ich die besten Geschichten und Briefe aller Zeiten und telefonierte so manchen Handy-Akku leer.... Auch dorthin hat es mich lange nicht zurückgebracht.
Und heute? Heute hocke ich in einer Bude, die mich zum Selbstmitleid verleitet. Fade und glanzlos färbt sie auf mich ab und laugt mich aus. Jegliches Kommunikationsbedürfnis erstickt im Keim. Kreativität ist so weit weg und fremd, als hätte es sie nie für mich gegeben. Und dabei war der heutige Tag kein schlechter. Auch der morgige wird hoffentlich so übel nicht sein. Dennoch. Es muß an diesem Zimmer liegen... und an dem Kaff, wo neunzehn Uhr die Fußwege hochgeklappt werden...
So kenn Ihr mich gar nicht, was? Ist aber so. Wie sonst käme ich auf die Idee, mich verbal in Sachen Hotelzimmer zu ergießen?
