10-jähriges
Vor zehn Jahren hielt die Welt den Atem an und hockte, wie das Kaninchen vor der Schlange, erstarrt und ängstlich vor einem Phantom, das die gesamte menschliche Zivilisation zu bedrohen schien: Der Millenium-GAU.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie damals auch unserer Firma eine Grenzlinie durchlief und die Belegschaft in zwei Lager teilte. Die eine Hälfte erwartete das Schlimmste, die andere - und zu der zählte ich mich - sah diesen komischen drei Nullen an der Jahreszahl völlig gelassen entgegen. Was sollte schon groß passieren. Eine Flugreise hatte ich nicht vor, das Auto war vollgetankt, in der Brieftasche lümmelte ausreichend Bargeld und schließlich war so eine Jahreszahl ja auch nichts anderes als eine stinknormale vierstellige Zahl, die sich durch Addition einer trivialen Eins aus ihrem Vorgänger ermittelte. Was passieren würde, würde halt passieren - egal ob wir Panik machten oder nicht.
Der GAU blieb aus - welch Wunder. Und wenn man einmal davon absieht, daß die neue Schreibweise des Datums etwas gewöhnungsbedürftig war, setzte das neue Jahr fort, was das alte hinterlassen hatte. Diejenigen, die erwartet hatten, das neue Jahrtausend würde mit Sensationen und Veränderungen am laufenden Band loslegen, wurden enttäuscht. Wie auch? Wer nichts in die Hand nimmt, wird nichts verändern. Das Datum spielt da keine Rolle. Und so ging das ganze Tingel-Tangel in eine neue Runde, das Jahr 2000 ging vorüber, und heute erinnert sich kaum noch jemand an diesen ganzen Hype von damals.
Warum mir das ausgerechnet heute in den Sinn kommt?
Mein inneres Resümee des letzten Jahres brachte zu Tage, daß eine Betrachtung dieses einen Jahres wertlos ist, wenn ich nicht auch die Jahre zuvor mit einbeziehe. Und unter Veränderung des zeitlichen Betrachtungshorizontes muß ich plötzlich eine Feststellung machen - eine Feststellung, die nicht unbedingt überrascht, aber doch neu für mich ist.
Dieses Jahrzehnt, das jetzt zu Ende geht, war das beste Jahrzehnt meines bisherigen Lebens. Ein Jahrzehnt, das vor allem von inneren Veränderungen geprägt war; geprägt von Umdenken und Neuordnung; von der Entdeckung meiner weiblichen Seite und einer neuen Spiritualität; von der Befreiung von zahlreichen Selbsttäuschungen und destruktiven Mustern; und vor allem von Menschen, denen ich mich anvertrauen konnte und die mir vertraut haben.
Nun geht wieder ein Jahrzehnt zu Ende, und im Gegensatz zum Millenium, als ich quasi überhaupt keine Erwartungen hatte, habe ich dieses Mal zumindest eine sehr starke Hoffnung. Die Hoffnung, daß die folgenden Jahre nahtlos an die vergangenen anknüpfen werden - die Hoffnung auf Kontinuität in Kombination mit kleineren und größeren Überraschungen, die Hoffnung auf ein Schwingen der Emotionen und auf weitere schöne und tragfähige Erkenntnisse.
Eigentlich ist es völliger Quatsch, sein Leben in Zeiteinheiten einzuteilen. Heute schien es mir jedoch stimmig. ;)
Ich wünsche Euch allen ein wunderschönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Und ich möchte Danke sagen für all Eure wertvollen Gedanken und Kommentare.
In diesem Sinne freue ich mich schon jetzt auf eine Fortsetzung im kommenden Jahr.
