Nur ein paar Memos

28.09.2010 um 14:19 Uhr

Schreiben hilft

Vielen Dank, Ihr Lieben, für Eure Anteilnahme und die herzlichen Worte. ((@))
Ich habe mir den Schmerz von der Seele geschrieben und dorthin gesandt, wo ich M. damals kennenlernte. Das tat gut und befreit irgendwie. Der Gürtel ums Herz sitzt zwar noch sehr eng, aber der Kloß im Hals ist vorerst verschwunden.
Ja, auch er war eine Netzbekanntschaft. Acht lange Jahre durften wir uns begleiten...

27.09.2010 um 13:11 Uhr

Mein lieber Freund

Dein Körper hat es nicht mehr geschafft, eine so großartige, offenherzige und nimmermüde Seele zu tragen. Nun bist Du befreit von den Qualen der letzten Monate, und der tiefe Schmerz in mir vermischt sich mit einem Gefühl der Befreiung und der Unendlichkeit. Ich spüre Dich in mir, wie immer zuvor, und ich spüre, wie Deine Seele nun frei atmen kann, befreit vom Korsett dieser sterblichen Hülle.
Die Spuren, die Du hinterläßt, sind unauslöschbar. Deine Liebe, Deine Gedanken und Deine Visionen leben weiter in uns allen, die Dir nahestanden. Sie werden weitergetragen von Freund zu Freund und von Generation zu Generation. Dankbarkeit erfüllt mich in einer grenzenlosen Tiefe.
So lebe wohl, mein bester Freund.
Meine Liebe wird Dich für immer begleiten. ((@))

 

27.09.2010 um 09:17 Uhr

Kino-Tipp

Ich weiß ja, daß viele von Euch auf Filme fernab des Mainstreams stehen. Deshalb hier ein kleiner Tipp.
Das Konzert  ist ein Streifen über die magische Kraft der Musik, wie man ihn eher selten zu sehen bekommt.

Vermutlich wird jeder diesen Film zunächst aus einem anderen Blickwinkel betrachten - je nach Alter und Herkunft (neue oder gebrauchte Bundesländer). Deshalb möchte ich zum Inhalt gar nichts weiter vorweg nehmen. Manchen Zuschauer wird das anfängliche Wandeln am Rande der Klischees zum Lachen verleiten, andere wird vielleicht ein Gefühl von Betroffenheit ereilen und sie spüren plötzlich einen Kloß im Hals. Auch beides im Wechsel ist gut denkbar. Jedoch wird dieser Film niemals peinlich (im Gegensatz zu vielen Hollywood-Klamotten). Dazu wirkt er zu authentisch, die Charaktere und deren Schicksale zu real.
Spätestens beim Finale jedoch finden sich alle Zuschauer in einem Gefühl vereint. Gleichzeitig gefesselt und befreit geht man baden in der Magie der Musik. Unmögliches wird möglich, und echte Menschlichkeit siegt über alle Konventionen.

Falls jetzt jemand von Euch neugierig geworden sein sollte, wartet bitte nicht, bis der Film online steht oder im Fernsehen läuft. Man sollte ihn unbedingt im Kino sehen. Alleine der Nahaufnahmen und des Sounds wegen.

23.09.2010 um 11:27 Uhr

Schwanken zwischen Stop & Go

Bilde ich mir das nur ein, oder ist es wirklich so? Wenn alte Probleme wieder auftauchen, zeigen sie sich meist in einem neuen Kleid, verstecken sich hinter neuen Facetten und erfinden immer gewagtere Scheinargumente. Oder bin ich es selbst, der diese Tarnung erfindet? Weil ich mir nicht eingestehen will, den gleichen Fehler zum wiederholten Male zu machen? Ich hab da gerade echt so meine Zweifel.
Der Grund dieser Überlegungen: Ich arbeite mal wieder zu viel.
Wobei das nicht ganz korrekt ist. Zeitlich gesehen arbeite ich nicht mehr als sonst auch, aber ich arbeite deutlich intensiver - hoch konzentriert und effektiv.
Das an sich wäre völlig okay, wenn es sich eben auf die Arbeit beschränkte, doch es gibt Nebenwirkungen, die nicht gut sind. Der Schlaf ist nicht mehr erholsam. Vor allem die Träume sind völlig anders. In der Freizeit brauche ich mehr Ruhephasen - Zeiten, die ich normalerweise für mich, respektive mein Innenleben, nutzen sollte, die inzwischen aber der blanken Regeneration dienen. Meditation funktioniert kaum noch. Sobald es mir gelingt loszulassen, schlafe ich ein. Das ist mir neulich sogar am Schreibtisch passiert. Wie peinlich. ;-)
Kurz: Ich bin mal wieder aus meiner Mitte geraten - genau so ist es.

Ja, ja, ich weiß, ich habe es selbst in der Hand, daran etwas zu ändern. Was zu tun wäre, ist mir völlig klar. Nur einfach ist das nicht - und zwar aus zweierlei Gründen. (Im Gründefinden war ich schon immer gut. Nur sind diese hier so robust, daß ich sie bisher nicht aus der Welt schaffen konnte oder wollte.)

Der erste Grund ist sehr komplex und mächtig. Und weil er in seinen Wirkmechanismen von den meisten Menschen (mich eingeschlossen) noch gar nicht völlig erkannt wurde, sondern einfach nur spürbar ist, wird er meistens verdrängt oder ignoriert oder (in einzelnen Fällen) auch mal völlig überbewertet. Es ist das kollektive Bewußtsein.
Gemeinsam mit meinen vierzehn Kollegen bilden wir eine soziale Zelle, die in ihrem inneren Zusammenspiel zumindest schon einmal Tuchfühlung zu meinen Idealvorstellungen aufgenommen hat. Wir arbeiten gemeinsam, wir denken gemeinsam, oft fühlen wir vergleichbar und wir leben gemeinsam. Ja, auch wenn es absurd klingen mag: Wir leben gemeinsam - zumindest dreißig Prozent unserer jährlichen Zeit. Und wer wollte schon behaupten, daß seine Lebenszeit während der Arbeitszeit aussetzt? Dieses Kollektiv ist meine Zweitfamilie, ein Stück meines Lebens - und zwar ein sehr wesentliches. Was hier passiert, bewegt mich und beeinflußt mich nachhaltig. Und es gibt keinen der Kollegen, der es nicht ebenso sehen würde.
Was landläufig so lapidar als Teamgeist bezeichnet wird, leben wir tatsächlich. Wertschätzung und Einfühlungsvermögen gehören ebenso zu diesem kollektiven Bewußtsein, wie Verantwortungsgefühl, Berechenbarkeit und Selbstverständlichkeit. Gerade diese Selbstverständlichkeit ist ein Punkt, in dem wir uns wohl am stärksten von anderen Firmen unterscheiden. Das Selbstverständnis jeder einzelnen dieser fünfzehn Persönlichkeiten besteht zu mindestens einem Drittel aus dem kollektiven Bewußtsein dieser Firma. Jeder ist sich im Klaren darüber, daß wir nur gemeinsam so gut funktionieren können - daß jeder jeden beeinflußt und auch jeder von jedem in gewissen Grenzen abhängig ist. Insofern hat dieses Kollektiv eine ganz eigene, gewissermaßen verkapselte Ethik entwickelt.
...viele Worte um einen einfachen Fakt: Wenn ich an meiner Arbeitsweise etwas ändern wollte - egal in welcher Hinsicht - dann kann ich das nur im Rahmen dieses kollektiven Bewußtseins tun. Es sei denn, ich würde mich entschließen, völlig auszusteigen. Aber soweit bin ich noch lange nicht.

Der zweite Grund, der es mir schwer macht, zumindest partiell aus dieser Mühle auszubrechen, ist ein recht trivialer: Mir macht meine Arbeit Spaß.
Egal ob man das Privileg ansehen möchte oder nicht, jeder, der meint, alleine dieser Grund wäre stark genug, um mit meinem Leben zufrieden zu sein, der irrt. Warum? Siehe erster Abschnitt.

Nein, ich bin nicht mehr der Workaholic, der ich vor zehn Jahren war. Es ist definitiv nicht mehr die Flucht vor inneren Problemen, die mich in die Arbeit treibt. Es ist das Bedürfnis nach einer sinnvollen Aufgabe. Ich möchte Bewegung in mir spüren, Ziele verfolgen - egal welcher Art.
Das klingt einfach und natürlich, stimmt’s? Doch genau hier liegt die Crux. (Bevor hier schwere Irritationen aufkommen, sollten die Psychologen unter Euch mal besser weghören. ;-) )
Es gibt da zwei Persönlichkeiten die sich meinen Körper teilen:
Die eine ist sozusagen "Emo", liebt das Schöngeistige, die Auseinandersetzung mit Menschen und ihren Gefühlen, philosophiert gerne und lauscht den inneren Stimmen.
Die andere Persönlichkeit ist ein Technik-Freak, mit erbarmungslos streng strukturierten Denkweisen und der Fähigkeit zur Analyse, Perfektionist in Reinkultur, kreativ und zielstrebig.
Diese beiden Teile kamen in den letzten Jahren eigentlich ganz gut miteinander aus. Nicht zuletzt deswegen, weil beide ihre Ziele und Beschäftigungen hatten. Um es einmal bildlich auszudrücken: Sie haben sich schön brav mein Gehirn geteilt. Jede Seite bekam ihre Zeit. Emo und Ratio lebten in Einklang - verständnisvoll und ohne innere Kriege. Eben das, was man so als "in seiner Mitte sein" bezeichnet.
Nun scheint mir in den letzten Woche jedoch ein Stück meiner emotionalen Seite verlorengegangen zu sein, und ich habe nicht die geringste Ahnung warum. Vielleicht braucht sie ja nur eine Pause, und der Freak hat diese Chance schamlos ausgenutzt und sich die freien Hirnkapazitäten angeeignet. Vielleicht aber hat sich auch der Freak - genährt durch neue und interessante Aufgaben - einfach breitgemacht und den armen sensiblen Emo verdrängt. Ich weiß es nicht, ich kann es nicht deuten. An dieser Stelle versagt meine Selbstanalyse.
Möglicherweise braucht der Emo ja nur wieder eine Aufgabe, etwas was berührt und bewegt...
Keine Ahnung. Ich weiß nur, daß ich meine Mitte, meine innere Balance, wiederfinden muß und sicher auch wiederfinden werde. Denn so ausbalanciert hatte ich mich einfach großartig gefühlt.

Nun mag der Umfang dieses Textes darauf hindeuten, daß mein Problem schwerwiegender Natur sei. Doch dem ist nicht so. Also keine Angst. Ich mußte das nur eben mal aufschreiben - so als Vorbeugung einer kleinen Herbstdepression gewissermaßen. ;-)