Nur ein paar Memos

29.10.2010 um 10:39 Uhr

Loslassen

Wer kennt sie nicht, die alten Sprichwörter: „Der Schuster hat den schlecht'sten Leisten“ oder „Der Prediger hält sich nicht ans eigne Wort“. Ein Stückchen Wahrheit steckt wohl immer drin.
Was war passiert?
Seit Tage hatte ich mit einem technischen Problem gekämpft und kam keinen Schritt weiter. Immer wieder drehte ich mich im Kreis – ohne Resultat.
Gestern dann stellte ich mir selbst ein Ultimatum: Wenn ich das Problem bis Mittag nicht gelöst hätte, würde ich es zur Seite legen und mich erst einmal anderen Aufgaben widmen.
Der Mittag kam, und ich konnte natürlich nicht loslassen. Immer weiter verbohrte ich mich in dieses Thema. Es war zum verzweifeln. Einfach kein Land in Sicht.
Nachmittags um vier klingelte es dann plötzlich an der Tür, und es kam – völlig ungeplant und überraschend – lieber Besuch aus der Schweiz auf eine Kurzvisite. *froi*
Wir fanden einen gemütlichen Platz im herbstlich bunten Park und quatschten bei Bier und Kaffee über Gott und die Welt. Plötzlich war ich wieder völlig in mir. Das Arbeitsproblem fiel von mir ab, und ich konnte spüren, wie der Kopf Stück für Stück wieder frei wurde.
Nach zwei Stunden mussten wir uns schon verabschieden. Leider.
Und als ich auf dem Rückweg ins Büro war, schoss mir plötzlich eine Erleuchtung ins Hirn. Entgegen aller Vorsätze schaltete ich den Rechner dann doch noch einmal an ... und siehe da: keine drei Minuten später war das Problem vom Tisch, das mich zuvor an den Rand der Verzweiflung gebracht hatte.

Und die Moral von der Geschichte: Das Wissen, dass man loslassen muss, wenn man sich verrannt hat, genügt alleine nicht. Manchmal braucht man einfach einen guten Freund, der unerwartet auftaucht und einen da raus reißt. :)

Danke, mein Bester! Schön, dass Du da warst. Und nicht nur deswegen. ;-)

21.10.2010 um 12:11 Uhr

Lichterloh

Es gab schon Bedenken, ich könne krank sein oder so, weil ich so lange nicht geschrieben habe – nicht nur hier im Blog, auch einige Mails stehen immer noch aus. Das tut mir zwar leid, ist aber einfach so: Ich habe derzeit nicht viele Worte in mir.
Dennoch geht es mir gut, und ich bin voller Leben. Ganz zum Trotz des üblen Wetters.
Seit M's Tod ist irgendwas in mir passiert, was ich noch nicht beschreiben kann. Vieles, was von anderen belächelt wurde, und dem ich auch selbst eine gewisse Skepsis entgegen brachte, nimmt immer mehr Konturen an. Wie soll ich sagen? Die Zwischenwelt wird weiter und sie gewinnt an „Normalität“, ohne ihre wundersamen Überraschungen auszulassen.
Manchmal – jetzt gerade wieder – sitzt M. in der Ecke meines Zimmers, raucht eine Zigarette und grinst mich verschmitzt an. Und ich werde den Eindruck nicht los, dass er, seit er nicht mehr mit seinem kranken Körper kämpfen muss, eine gutes Stück seiner Energie auf mich überträgt. Ich fühle mich von ihm ermutigt, mich freizumachen, und wie selbstverständlich erklärt er mir, dass das, woran wir beide vor nicht allzu langer Zeit überhaupt nicht glaubten, doch existiert.

Das ist ein Grund, weshalb mir heute nach dem hier ist.

Doch es gibt noch einen zweiten Grund dafür. Gestern gab es ein Konzert, das ich eigentlich gar nicht besuchen wollte – auch weil das Nachklingen von Anathema noch in allen Ecken meiner Empfindungen steckt. Doch es war anders, und zwar so gründlich und völlig anders, dass ich gar nicht erst in Versuchung kam, diese beiden Konzerte miteinander zu vergleichen. Es war richtig gut. Blues, Boogie und Rock aus drei Jahrzehnten, perfekt dargeboten von einer erstklassigen Band und unterstützt von einer äußerst durchdachten und wirkungsvollen Bühnentechnik. Hinzu kam dieser permanente frivole Touch. In den Texten, in den Videoeinspielungen oder direkt auf der Bühne – es hing immer irgendwie eine gewisse sexuelle Spannung in der Luft.
Und so kam es, dass sogar meine Frau mal überhaupt nichts zu meckern hatte. ;-)
(Ich muss hier mal noch einen Satz für Insider einschieben: Der alte Mann hat sich erlaubt, ganz am Ende einen Titel von Willy Kitz zu covern. :) )

Soweit ein kleines Lebenszeichen von mir. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende. ;-)

07.10.2010 um 15:57 Uhr

No space between us

Der gestrige Abend war wie eine innere Explosion. Diese ganzen, zum Teil bedrohlich dicken, Verkrustungen, die sich in den letzten Monaten um meine Seele angelagert hatten, wurden in einer großartigen musikalischen Eruption gesprengt. Ich konnte körperlich spüren, wie sie erst aufrissen, dann den Halt verloren und Stück für Stück von mir abfielen.
Leute, was war das für ein Wahnsinnskonzert!?! Unglaublich. Ich hab jetzt noch Gänsehaut.
Die Schnute könnte das sicher viel besser beschreiben. Aber es ist wirklich selten, dass ich den Boden unter den Füßen verliere und, anstatt zu fallen, ein paar Meter darüber schwebe.
(Das Streifenh*rnchen hat sich schon in den Ars** gebissen wegen seiner Fehlplanung. :))) )

05.10.2010 um 14:43 Uhr

Verlust oder Zeichen?

Ich zählte wohl zu den wenigen Exoten, die es sich leisten konnten, einen speziellen Blogigo-Laptop am Arbeitsplatz zu haben. Allzeit bereit und nahezu immer online.
Nun hat mich dieser treue Mitwisser heute endgültig verlassen. Über acht Jahre war das gute Teil alt. Welcher Laptop hat heutzutage noch eine solche Lebenserwartung?
Bissl traurig bin ich deswegen schon... und auch etwas genervt, weil es nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählt, neue Rechner einzurichten. Aber vielleicht ist es ja doch ein Zeichen, und ich weiß nur noch nicht wofür.
Dumm vor allem, daß ich jetzt nach der PassOff-Methode schreiben muß. ;-)