Nur ein paar Memos

12.10.2011 um 17:35 Uhr

R.G.

Ich weiß auch nicht so recht, was ich an diesem Kerl gefressen habe, aber er ist mir sowas von sympathisch. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich seine Möglichkeiten bewundere, wie er seinen Gefühlen und Gedanken Ausdruck verleihen kann. Diese Stimme, wow. Dabei ist seine Musik – so sehr sie in letzter Zeit auch an gestalterischer Breite gewonnen hat – eher dem Mainstream zuzuordnen. Mittelmaß also. Und dennoch. Es ist der Mensch – der, der dahintersteht - der dieser Musik eine Authentizität verleiht, die mich total vereinnahmt. Er dringt in mich ein, er penetriert mich mit Tönen, bis mir bewusst wird, dass wir offenbar vom selben Schlag Mensch sind. Der Underdog, der es geschafft hat. Systematisch nach oben gekämpft – nun aber an einem Punkt, wo er begreift, dass es nicht die Masse ist, die trägt, sondern die Qualitäten jedes Einzelnen. An einem Punkt, wo er die Kraft in sich spürt, die ihn zum Fliegen verleitet, aber dennoch das tiefe Bedürfnis nach Erdung bleibt. Der Punkt, wo er begreift, dass er sich Selbstbestätigung erarbeiten kann und nicht darum betteln muss.
Und obwohl ich oben von Mainstream schrieb, glaube ich, inzwischen das Besondere an seiner Musik entdeckt zu haben: Sie hat eine unglaubliche Suggestivwirkung (oder auch autosuggestiv, wenn man's von der Bühne aus betrachtet). Da steht einer, der seine Zweifel und Ängste nicht versteckt, aber auch einer, der sich Kraft und Mut zuspricht – nein: sich selbst zuschreit. Und diese Kraft kommt beim Zuhörer an, wird greifbar, übertragbar, nimmt den Raum ein.
Mut-mach-Musik also. Kein Anderer könnte das besser als Rea Garvey.