Nur ein paar Memos

29.10.2012 um 13:31 Uhr

Was mich (hier) hält...

In diesem Jahr haben mindestens drei gute Freunde blogigo verlassen, was mich durchaus ein bisschen sentimental stimmt. Ich spielte sogar mit den Gedanken, selbst die Plattform zu wechseln – ja, das muss ich wohl zugeben, obwohl ich immer dagegen war. Dass ich letzten Endes immer noch hier bin, liegt wohl auch an der Uneinigkeit der Fortgestohlenen. Sie gingen alle in verschiedene Richtungen. So ähnlich muss es sich wohl für eine Mutter anfühlen, deren Kinder Stück für Stück flügge werden und das Nest verlassen.
Nun sitze ich hier und hüte das Haus. :)))
Nein, so ist es ja auch wieder nicht. Dass ich momentan recht wenig schreibe, hat schließlich andere Gründe.
Trotzdem bleibt das Gefühl, hier zuhause zu sein. Da freut es mich umso mehr, wenn sich hier und da ein Kreis wieder schließt; wenn eingeschlafene Kontakte wieder erwachen; oder wenn sich Blogger, die sich bisher nur so aus dem Augenwinkel heraus beobachteten, plötzlich näher kommen.
Also bleibe ich noch. Und wer weiß, vielleicht küsst mich ja doch irgendwann ein Wesen, das sich als meine Muse entpuppt. Es finden sich so viele angefangene Gedanken, die nach Wortwerdung gieren…

01.10.2012 um 13:49 Uhr

Fernweh nach dem Ich

Am Wochenende lief auf arte diese wunderbar atmosphärische Reportage über vier junge Leute, die auf den Spuren Jack Kerouacs und seines Romans „On the road“ quer durch die USA reisten und dabei essenzielle Entdeckungen an sich selbst und an ihren Mitreisenden machten. Sie trafen sich zu dieser Reise als Fremde und trennten sich nach knapp drei Wochen als Freunde. Soweit nichts Ungewöhnliches.  „On the road“ hatte ich bereits als Teeny gelesen; inzwischen kenne ich auch einige sehenswerte Straßen in den USA; und wie es sich anfühlt, neue Freunde zu gewinnen, ist mir durchaus geläufig.
Dennoch. Diese Reportage hinterließ in mir einmal mehr ein schwer zu beschreibendes Gefühl unbestimmter Sehnsucht. In losen Abständen holt es mich ein. Manchmal (wie gerade erlebt) durch einen eindeutigen Trigger, oftmals aber auch völlig ohne erkennbaren Anlass.
Früher meinte ich, dahinter stünde der allgemeine Wunsch nach räumlicher Veränderung, nach Tapetenwechsel oder ganz einfach nur nach etwas Neuem. Inzwischen weiß ich aber, dass es ganz so einfach nicht ist.
Unterwegssein alleine reicht definitiv nicht aus, diese Sehnsucht zu stillen. Selbst wenn es in ferne, mir bis dahin völlig unbekannte Länder geht. Ob Flieger, Auto, Bus oder zu Fuß, Reisen ist für mich in den meisten Fällen angenehm, aber der Kern dieser Sehnsucht bleibt.
In anderen Fällen wiederum brauche ich nur innerhalb Deutschlands mit dem Auto von A nach B zu fahren, und es fühlt sich für den Moment an, als wäre diese Sehnsucht komplett gestillt. Solche Situationen habe ich zwar nicht häufig erlebt, aber doch immer wieder einmal im Laufe meines Lebens. Die Frage ist für mich also: Was macht das Besondere dieser Situationen aus?
Eine Frage übrigens, vor der vermutlich auch Coelho stand, als er „Aleph“ schrieb.

Möglicherweise habe ich heute zumindest einen Teil der Antwort gefunden. Mir kam ein Gespräch mit einem guten Freund in Erinnerung, das wir vor längerer Zeit bereits führten. Es ging um das Thema, dass es wohl in jedermanns Leben einmal Phasen gibt, in denen man quasi betriebsblind sich selbst gegenüber wird. Phasen, in denen man an seinen eigenen Bedürfnissen vorbeilebt und elementare Probleme übersieht, weil man sich gedanklich im Kreise dreht. Ich fragte diesen Freund damals, wie man denn solche Phasen am besten überwinden könne, und er antwortete mit einer Gegenfrage: „Wann warst Du zum letzten Mal einen Tag oder länger mit einem Menschen alleine, der weder ein Kollege ist, noch zur Familie gehört?“

Ja, ich glaube, da steckt so einiges drin. Mit wem und auf welche Weise reise ich? Hat mein Reisebegleiter das Potential, in mich einzudringen, meine schwachen Punkte zu entdecken, den Finger auf die Wunde zu legen? Kann er mich sehen? Kann er mich so kritisieren, dass ich in der Lage bin, diese Kritik anzunehmen?
Es ist doch so, dass man auf langen Reisen mehr oder weniger eingesperrt ist mit seinem Begleiter – in einem Auto, in einem Zug oder Bus. Es ist nicht möglich, sich einfach aus dem Wege zu gehen. So steht man vor der Wahl, sich auf ihn einzulassen oder sich abzuschotten. Wobei das Einlassen in der Regel der angenehmere Weg ist, sofern dieser Begleiter nicht absolut unsympathisch ist.
Dabei gibt die Reise selbst das Tempo vor. Sie wirkt, so paradox das vielleicht klingen mag, in gewisser Weise entschleunigend. Man hat Zeit für innere Betrachtungen und ist leichter bereit, sich zu öffnen. So gewinnen die Gespräche an Tiefe, und wenn der Begleiter frei von Vorurteilen ist, wenn er auch selbst die Bereitschaft zeigt, neben der äußeren Reise auf eine innere Reise zu gehen, dann entstehen plötzlich magische Momente.

Ich liebe dieses Unterwegssein-Gefühl. Und falls ich mich selbst richtig verstehe, ist diese unbestimmte Sehnsucht in mir gar keine Sehnsucht nach fernen Orten oder weiten Straßen sondern vielmehr die Sehnsucht, mit Hilfe situationsbedingter Kommunikation Neues in mir selbst zu entdecken.
Fernweh nach dem Ich, wenn man so will.