Nur ein paar Memos

20.12.2012 um 17:27 Uhr

Völlig unweihnachtliche Gedanken

Die folgenden Gedanken sind alles andere als weihnachtlich. Dennoch möchte ich sie schnell festhalten. Der Ansatz dazu war, dass ich einen Kommentar in einem anderen Blog verfassen wollte. Doch dort hätte es den Rahmen gesprengt.

Mir sind in letzter Zeit gleich mehrere junge Menschen begegnet, die sich im Geflecht widersprüchlicher Lebensphilosophien verstricken und dadurch immer wieder an Punkte kommen, an denen sie unnötig leiden. Und so gänzlich kann ich mich auch nicht davon ausschließen. Mal betrifft es mich mehr, mal weniger.
Hauptkonfliktpunkte sind dabei zumeist alle Themen, die mit zwischenmenschlichen Beziehungen und Partnerschaft zu tun haben.
Ich finde es gut und richtig, wenn wir uns die gesellschaftliche Entwicklung zunutze machen und endlich beginnen, mit alten Konventionen zu brechen, uns selbst zu befreien und dies auch zu vertreten, wenn wir damit anecken.  Problematisch wird dies jedoch dann, wenn die intelligent erdachte Philosophie mit den Gefühlen und Erlebnissen des realen Lebens in Widerspruch geraten.

Was meine ich?
Ich kann und will hier nur ein paar Stichpunkte aufzählen.

Die Ehe hat ihre Funktion als moralische Instanz endgültig verloren.
Die soziale Absicherung und/oder die soziale Stellung von Singles ermöglicht es ihnen, den Status „alleinerziehend“ zu tragen, ohne dabei an Ansehen und Würde zu verlieren.
Die Schutzfunktion der Familie verliert immer mehr an Bedeutung.
Die romantische Liebe weicht allmählich der universellen Liebe.
Die Menschen trennen zwischen Liebe, Sex und Partnerschaft.
Man bekennt sich dazu, von Natur aus nicht monogam veranlagt zu sein.
Es entwickeln sich die verschiedensten Modelle: von sequentieller Monogamie, über partielle Polygamie, bis zu Polyamory und noch anderen Konstrukten.
Die Geschlechterrollen verschwimmen immer mehr.

Das alles sind Sachen, die ich begrüße, und die letztendlich beweisen, dass unsere soziale Evolution in vollem Gange ist.
Doch wenn das so einfach wäre, weshalb kämpfen dann so viele Menschen mit psychischen Problemen infolge ihres unbefriedigenden Beziehungslebens?
Warum erwarten wir von Anderen, speziell auch von unseren Partnern, ein Maß an Toleranz, das wir selbst nicht aufzubringen in der Lage sind?
Warum werden wir nicht Herr unserer Hormone, die uns immer noch in einer Weise steuern, als lebten wir in der Steinzeit?
Warum bedienen wir uns eines Beuteschemas, von dem wir genau wissen, dass es nicht gut für uns ist?
Warum lehnen wir bestimmte Werte ab, nur weil sie „nicht modern“ sind, und sehnen uns dennoch nach ihnen?
Warum begreifen wir nicht, dass man nicht alles auf einmal haben kann?
Warum sind wir der Meinung, auf Bestimmtes einen Anspruch zu haben, ohne dafür Opfer erbringen zu  müssen, respektive Abstriche an unseren Idealen machen zu müssen.
Warum streben wir immer mehr nach Autonomie und Unabhängigkeit, obwohl wir es nicht schaffen, uns selbst zu genügen?

Fragen über Fragen. Und so wenige Antworten. Unsere Lebenseinstellungen sind in Bewegung, und das ist gut so. Nur sollten wir im Überschwang der Emotionen manchmal einfach einen Schritt zurücktreten, um das Gesamtbild unseres Daseins nicht aus dem Blick zu verlieren.
Und womöglich sind sogar die kommenden Tage eine gute Gelegenheit dazu.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein sehr besinnliches Weihnachtsfest!