Nur ein paar Memos

18.11.2015 um 13:19 Uhr

Tagesgeschehen

Auf Schnutes FB Seite las ich gerade ein Zitat von Martin Luther King Jr.

Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben,
nur Licht kann das.
Hass kann Hass nicht vertreiben,
nur Liebe kann das.

Nun bin ich kein Gefällt-Mir-Button-Klicker, aber dieses Zitat gefällt mir wirklich gut.
Nur glaube ich nicht, dass es den Kern unseres Problems wirklich trifft.
Mit Liebe lässt sich kein Terror bekämpfen - genauso wenig wie sich mit Liebe Krebs bekämpfen lässt.
Unsere "Zivilisation" hat ein riesiges Problem:
Wir finden nicht die wahren Ursachen für Krebs und Terror. Stattdessen schlagen wir wild um uns und versuchen die Symptome zu bekämpfen - an der einen Front mit Skalpell und chemischer Keule und an der anderen Front mit Bomben und Granaten.
Nichts hilft. Nichts bringt eine Lösung. Weil wir blind sind und dumm. Weil wir nicht in der Lage sind, die wahren Ursachen zu analysieren. Und in dieser Schwäche verstärken wir alle Bemühungen, mit unseren stumpfen Waffen noch kraftvoller zuzuschlagen, ohne dabei zu merken, dass es besser wäre, den grundsätzlichen Lösungsansatz zu verändern.

Liebe mag vielleicht den Hass vertreiben können, möglicherweise. Aber Liebe kann auch nur dort wurzeln, wo der Boden nicht von Machtgier und Unwissenheit verseucht ist. Und weder Machtgier noch Unwissenheit lassen sich besiegen, indem man den Menschen mit Bomben und Granaten auch noch das Letzte nimmt, was ihnen bleibt: ihre Würde.
Ist es denn nicht sogar so, dass der Entzug von menschlicher Würde zwangsläufig in Hass umschlägt?
Oder noch anders gefragt: Ist nicht ein menschenwürdiges Leben überhaupt erst die Grundlage für eine Form der Liebe, die es dann auch schaffen kann, den Hass zu vertreiben?

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr komme ich zu dem Schluss, wie erbärmlich es doch um den gegenwärtigen Entwicklungsstand unserer sogenannten "Intelligenz" bestellt ist. Ich befürchte fast, die Menschheit wird irgendwann an ihrer eigenen Dummheit zu Grunde gehen.
 

09.11.2015 um 14:41 Uhr

Stripped

Als ich Anathema vor reichlich drei Jahren zum letzten Mal live sah, kam es mir vor, als würde die Band kurz vor dem kollektiven Burnout stehen. Sie wirkten lustlos, müde und irgendwie auch emotional am Ende. Vielleicht lag es ja nur daran, dass sie damals lediglich als Support Act einer anderen Band auftraten. Aber ich konnte auch spüren, dass ich mit meiner Einschätzung nicht allzu verkehrt lag, und ich fragte mich, wie es einer Band gelingen könnte, sich aus einer solchen Situation wieder zu befreien.
Die Antwort darauf bekam ich jetzt auf wirklich wunderbare Weise zu hören: durch Reduzierung und Konzentration auf das Wesentliche.
So kraftvoll und dynamisch die Songs von Anathema früher auch immer daher kamen, so spiegelten sie doch auch jederzeit eine tiefe Emotionalität und Verletzlichkeit wider. Und genau das machen sie jetzt zum zentralen Element ihrer Acoustic Tour.
Nun haben unplugged Konzerte ja immer ihren besonderen Reiz, aber ich war mir wirklich nicht sicher, ob dieser Musik nicht etwas fehlen würde, wenn sie auf E-Gitarren, Drums und Bass verzichten muss.
Doch weit gefehlt. Was Lee, Vinc und Danny da auf die spartanische Bühne brachten, war Emotion pur und bescherte mir eine Dauergänsehaut, wie schon lange nicht mehr. Glaubhafte Authentizität, echte Gefühle und Sensibilität.
Die Reduzierung auf zwei Akustikgitarren (+ Sequencer) brachte die charismatischen Stimmen von Lee und Vinc so zauberhaft zur Geltung, dass mir stellenweise der Atem stockte. Die Texte traten wieder in den Mittelpunkt, und die ganze Atmosphäre baute Brücken zwischen Band und Publikum. Und sie baute auch wieder Brücken zwischen mir und Menschen, denen diese Musik ebenso viel bedeutet wie mir und die leider an diesem Abend nicht dabei sein konnten.
Es war ein Herzensabend für den ich unendlich dankbar bin.