Nur ein paar Memos

06.01.2016 um 16:47 Uhr

Seelenwanderung

Seit langem schon beschäftigt mich dieses Thema. Weniger kognitiv als vielmehr emotional. Und obwohl sich dabei das meiste auf Gefühlsebene abspielt, so habe ich doch immer wieder das Bedürfnis, Worte dafür zu finden und formulierte Gedanken daraus zu machen.

Seelenwanderung.

Wie alles, was sich uns nicht rational erschließt, ist auch der Begriff der Seelenwanderung an persönlichen Glaube gebunden. Wer also nicht daran glaubt, dass jeder Mensch eine Seele besitzt – egal nach welcher individuellen Definition -, der sollte an dieser Stelle das Lesen hier einstellen. Ich meine jedoch nicht, dass ein Mensch dadurch ein schlechterer Mensch wird, wenn er diesen Glauben nicht teilt. Meine persönliche Erfahrung zeigt mir jedoch, dass weitaus mehr Menschen an die Existenz der Seele glauben als es zugeben.

Möglicherweise führt es zu nichts, über das Thema Seelenwanderung nachzudenken, ohne zuvor eine Erklärung zu versuchen, was Seele überhaupt ist. Doch weil jeder Erklärungsversuch nur ein Abbild einer der unzähligen existierenden Beschreibungen – bestenfalls noch eine Kombination aus mehreren – sein könnte, möchte ich es beim Abstrakt Seele belassen. Letzten Endes wird ohnehin jeder Leser meine Worte im Kontext seiner eigenen Empfindungen verstehen oder auch nicht verstehen.

Nun bin ich keiner derer, die einer bestimmten philosophischen Richtung oder gar einer Religion anhängen würde. Deshalb habe ich auch so meine Probleme damit, wenn die Begriffe Seele und Seelenwanderung in universelle Modelle gepresst werden sollen. Für mich gibt es keine Errettung der Seele, keine Erlösung, kein Himmelreich als Sammelbecken für körperlose Seelen und nein, für mich gibt es auch keine Wiedergeburt im Sinne der fernöstlichen Religionen.

Für mich ist die Seele nichts Statisches, nichts, was der Mensch einmal bekommt und für immer behält. Bei seiner Geburt besitzt jedes Menschenkind den Keim seiner Seele, und sie wächst und verändert sich bis zum letzten Tag.
Ich habe noch keine beschreibbare Vorstellung davon, wie und wann genau sich dieser Seelenkeim an das heranwachsende Wesen bindet. Eine gute Bekannte hat mir jedoch einmal sehr glaubwürdig beschrieben, wie sie die Beseelung ihres ungeborenen Kindes ganz bewusst erlebt hat. Das war, soweit ich mich erinnern kann, etwa im siebten Schwangerschaftsmonat. Ob sich das verallgemeinern lässt, weiß ich nicht. Ich würde mich aber freuen, wenn andere Mütter hier ähnliche Erlebnisse berichten könnten.
Ebenso offenlassen muss ich die Antwort auf die Frage, woher dieser Seelenkeim kommt. Die Verfechter des Reinkarnationsglaubens hätten diese Antwort sicher sehr schnell parat: Aus einem Pool verwaister Seelen, die ihren Körper verloren haben. Diese Ansicht kann ich jedoch nicht vertreten, denn das hieße ja, dass sich bei wachsender Bevölkerung die Seelen entweder teilen müssten oder aber eine Reihe von Babys seelenlos auf die Welt käme.
Unterliegen wir hier der Willkür des Universums oder gar einer höheren Macht mit einem Masterplan zur Seelenverteilung? Das glaube ich nicht.
Mir erscheint vielmehr der folgende Ansatz als brauchbar. Um diesen verstehen zu können, müssen wir davon ausgehen (und ich denke, das können wir alle problemlos), dass Seelen miteinander kommunizieren können – und zwar völlig losgelöst vom menschlichen Bewusstsein. Und wenn wir von dieser Form der Kommunikation sprechen, sollten wir uns von der Vorstellung lösen, dass zwei Seelen quasi einen Dialog führen. Das Bild der Vernetzung trifft es wohl eher, wobei sicher nicht jede Seele mit jeder anderen „redet“. Ich stelle mir das eher so vor, dass alle Seelen senden und gleichzeitig „auf Empfang“ sind. Sie empfangen dabei aber nur Signale, die ihrem eigenen Wesen entsprechen. Diese Kommunikation ist also einerseits unbegrenzt aber andererseits durchaus sehr selektiv (Stichwort: Seelenverwandtschaft).   

Zurück zum ungeborenen Leben. Sobald das Menschlein körperlich soweit entwickelt ist, dass es bereit ist, seine Seele aufzunehmen, entsteht zunächst die Fähigkeit zur Seelenkommunikation. Und die erste Verbindung richtet sich natürlich auf das stärkste zu empfangende Signal, nämlich auf das der Mutter. (Ich kann nicht ausschließen, dass in seltenen Fällen nicht die Mutter das stärkste Signal sendet. Die Folgen kann man sich ausmalen. Diesen Fall möchte ich aber nicht betrachten.)
Entgegen anderer Vorstellungen passiert hier jedoch keine Seelenwanderung sondern das neue Menschlein „kopiert“ sich einen Teil der mütterlichen Seele. Weil aber die Seele der Mutter nicht isoliert ist, vielmehr ihrerseits mit einigen anderen Seelen vernetzt ist, wird auch das Kind in seiner seelischen Erstausstattung Elemente vieler anderer Seelen bekommen. Je nach Enge der seelischen Verbindungen mütterlicherseits wird die kindliche Seele somit auch an die Seelen des Vaters, der anderen Verwandten, aber vielleicht auch an die Seelen von guten Freunden oder gar von völlig unbekannten Menschen gekoppelt. Die letztgenannte Möglichkeit finde ich dabei besonders beachtenswert, weil sie erklärt, wie es Kinder geben kann, die in ihrem Wesen so ganz und gar nicht ihren genetischen Erzeugern entsprechen. Wenn man sich aber vor Augen führt, dass es (rational) unerkannte Seelenverwandte geben kann, also Menschen, mit deren Seele man verbunden ist, ohne diese im realen Leben zu kennen, dann lässt sich dieses Phänomen auch erklären.

Wie geht es nun weiter mit dem Seelenwachstum? Im Grunde immer nach dem gleichen Prinzip: Die Seele empfängt Signale anderer Seelen und nimmt sie in sich auf, akkommodiert oder assimiliert sie, um zu wachsen oder in einer Art Metamorphose ihr Wesen allmählich zu ändern. Gleichzeitig strahlt sie ihre eigenen Wesenszüge aus und beeinflusst damit andere Seelen.
Manch einer wird jetzt geneigt sein, einzuwenden: Moment mal, ist das nicht das Gleiche wie soziokulturelle Prägung?
Nein, ist es nicht.
Der Unterschied liegt in der Art der Vernetzung.
Einer sozialen Prägung kann sich der Mensch nur sehr schwer, und wenn, dann in einem Akt des Bewusstseins, entziehen. Und es liegt in der Eigenart der Prägung an sich begründet, dass wir auf sozialer Ebene nur wenig Einfluss darauf haben, wie wir zu dem werden, der wir sind. Das lokale Umfeld ist hier sehr entscheidend.
Das Seelenwachstum entzieht sich jedoch jeder bewussten Steuerung, bestenfalls lässt es sich beobachten. Die Seele bestimmt aus ihrem eigenen Wesen heraus, was sie von anderen Seelen übernehmen will. Sie lässt sich nicht prägen.    
In der Innensicht fällt es manchmal schwer, zu unterscheiden, welche unserer Eigenschaften einer sozialen Prägung und welche der Seele entspringt. Das liegt zum Teil auch daran, dass wir für gewöhnlich zu den Menschen, zu denen wir eine seelische Verbindung spüren, auch ein soziales Verhältnis haben. Wir sollten uns aber klarmachen, dass diese Überlagerung nicht zwingend bestehen muss. Wir können mit Menschen eine sehr enge soziale Bindung pflegen, ohne dass unsere Seelen verbunden wären. Auf der anderen Seite können wir eine seelische Kommunikation mit Menschen führen, mit denen wir nicht näher oder überhaupt nicht sozial verbunden sind.                 

Auf diese Weise ist die Seele ein Leben lang in Bewegung. Sie nimmt von anderen Seelen mit, was sie für gut und nützlich befindet, und stelle gleichzeitig ihr eigenes Wesen für andere zur Mitnahme bereit.    

Bliebe noch eine Frage offen: Was passiert mit der Seele nach dem Tod des Körpers?
Die einfachste und für mich plausibelste Antwort darauf lautet: Nichts.
Die Seele in ihrer finalen Konstitution hört mit dem Tod des Menschen auf zu existieren. Aber dennoch lebt sie weiter, denn sie hat sich ja bereits zu Lebzeiten des Menschen in ihren bedeutendsten Teilen auf andere Seelen, respektive andere Menschen, dupliziert. Und alles, was nicht dupliziert wurde, war es auch nicht wert, erhalten zu bleiben.

Seit ich dieses Seelen-Model für mich gebaut habe, kann ich sehr viel besser mit Tod und Verlust umgehen als vorher. Ich sehe klar vor Augen, wie viel meine Seele von anderen Menschen in sich trägt – sowohl von lebenden, wie auch von denen, die vor mir aus dem Leben scheiden mussten. Womöglich besteht meine Seele auch aus Elementen von Menschen, die ich nie zuvor kennengelernt habe – aus Seelenteilen die schon unendlich oft weitergeben wurden.
Und ich bin mir ebenfalls bewusst, dass sehr viele Menschen die Signale meiner Seele aufgefangen haben und sie in ihren eigenen weiterleben lassen und ihrerseits verbreiten.
Meine Seele wandert nicht als Ganzes – sie diffundiert und dupliziert sich in Teilen. Dennoch fühlt sie sich ganz an.

 

Viel Text und keine leichte Kost, ich weiß. ;)
Wer von Euch bis hierher durchgehalten hat, ist gerne eingeladen, seine eigenen Gedankenbilder beizusteuern. Ich freue mich darauf.

06.01.2016 um 12:23 Uhr

Das fehlende dritte Wort

Zwei Worte nur:

Ich liebe.

Das „Dich“, welches Du so sehnlich erwartest, bekommst Du nicht von mir.
Du selbst musst es innerlich ergänzen, indem Du mein Licht erkennst, Dich in ihm sonnst und Deinerseits sagst: „Ich liebe.“