Nur ein paar Memos

22.02.2017 um 11:07 Uhr

Der Stein in meiner Hosentasche - Teil 2

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Über vier Jahre ist es nun her, dass ich Dir diesen kleinen Stein stibitzte und in meine Hosentasche wandern ließ. Dort ruht er noch heute, hat mit mir alle Hosen gewechselt, drei Kontinente bereist und mich Kraft- und Sehnsuchtsorte spüren lassen. Die Tage, an denen ich ihn nicht bei mir trug, könnte ich an einer Hand abzählen.
Lange habe ich mich gefragt, warum ich das tue. Die Bedeutung lag so unterschwellig in mir, dass ich sie zwar irgendwie spüren konnte aber nicht zu greifen bekam. Selbst gestern, als wir ihn gemeinsam in den Händen hielten, fehlten mir die passenden Worte dafür.
Und dennoch. Heute weiß ich um seine Funktion. In der Zeit, als sich unsere Wege scheinbar trennten, als wir meinten, uns nicht mehr spüren zu können, hat er uns wie magischer Klebstoff verbunden – er hat verhindert, dass ich Dich loslasse und unsere Zeit nur als eine schöne aber abgeschlossene Episode betrachte.

Vor vier Jahren schrieb ich hier – und es war damals nicht mehr als eine vage Vermutung:
Vielleicht nimmt er ja nur die Stellvertreterrolle für etwas ein, das sich gerade nicht leben lässt. Vielleicht mahnt er, geduldig zu sein. Vielleicht liegt er ja vor der Schwelle einer Tür, die ich nicht zuschlagen soll.  

Nein, ich habe sie nicht zugeschlagen, diese Tür. Und ich bin so unendlich dankbar dafür. Als wir gestern beieinander waren, war das so schön und so berührend, als wäre da nie etwas zwischen uns gewesen. Und doch war vieles neu. Wir haben uns beide verändert in der Zwischenzeit und dennoch einen Weg gefunden, miteinander zu fühlen und alte wie neue Themen in einer Tiefe zu berühren, die unser Verhältnis – für mich zumindest – einmalig macht.
Am Ende war der Tag mal wieder viel zu kurz. So vieles wollte ich noch mit Dir teilen, Dir erzählen und meine Gefühle spüren lassen. Ich habe es verpasst – doch das ist nicht schlimm. Manchmal glaube ich, ich habe das Reden verlernt, finde einfach nicht die passenden Sätze. Und das, obwohl es mir beim Schreiben doch meist recht gut gelingt, mich auszudrücken. Doch wie gesagt, das war nicht weiter schlimm. Wir hatten ein paar wirklich gute Stunden miteinander – wertvolle Stunden. Stunde, die wir auch dem kleinen Stein in meiner Hosentasche verdanken.

Eigentlich hat er ja nun seine Aufgabe erfüllt. Ich könnte ihn ablegen oder Dir wiedergeben. Doch das werde ich nicht tun. Denn auch in der kommenden Zeit werden wir nicht viele Gelegenheiten haben, uns zu sehen oder intensiv zu schreiben. Dafür darf er mich weiterhin daran erinnern, dass es Dich für mich gibt. Und er wird dafür sorgen, dass auch Du spüren kannst, wie ein Teil von mir immer bei Dir ist.