Betrachtung der Bewohner einer flachen Landschaft
Wenn
ich reise und Menschen aus anderen Ländern kennenlerne, muss ich mir
gelegentlich eingestehen, bisher in klischeehaften Kategorien über
diese Menschen gedacht zu haben. Meine innere Rechtfertigung lautet
dann meist, im Grunde bisher gar nicht über diese Landsleute
nachgedacht zu haben. Dennoch – oder gerade deshalb – haben wohl
Klischees ein leichtes Spiel, sich in mir einzunisten.
Nehmen wir
das Beispiel der Niederländer. Was fällt mir dazu ein?
„Schwarze
Schrift auf gelbem Grund – Halte Abstand, bleib gesund!“ -
welchem deutschen Autofahrer kam dieser Spruch nicht schon mal in den
Sinn, wenn er zu Ferienbeginn in einer schieren Auswanderungswelle
nachbarlicher Rolling-Homes feststeckte?
Oder wer von Euch musste
nicht schmunzeln, als zur WM2006 die niederländischen Fußballfans
mit den deutschen Müllmännern um die Wette feierten, weil Orange
eben orange ist?
Und wer teilt den Eindruck, dass die Niederländer
immer ein bisschen neidisch auf ihre westlichen Nachbarn schielen?
Das dürften einige sein.
Okay, okay. Etwas Ironie im Blick auf
unsere Anliegerstaaten sollte durchaus erlaubt sein. Doch er sollte
uns nicht blind machen für deren Stärken und unsere eigenen
Schwächen.
Da wäre zum Beispiel ein wesentlicher Punkt, in
welchem uns die Niederländer um Meilen voraus sind: Wenn es darauf
ankommt, krempeln sie Ärmel hoch und packen an – ohne zu jammern
oder zu klagen. Selbstbewusst und dabei trotzdem zurückhaltend. Sie
wissen, was sie können, ohne sich zu überschätzen. Und was sie
nicht selber können, wissen sie zu organisieren.
Sie selbst
verweisen gerne auf ihre calvinistischen Wurzeln, ich sehe darin
jedoch eher den Beweis dafür, dass sie sich eine natürliche
Bescheidenheit und Demut erhalten haben.
Klar, wer auf den
Poldern lebt – getreu dem Motto: „Abpumpen oder Absaufen“ - dem
bleibt kaum eine andere Wahl, als sich auf seine eigenen Stärken zu
besinnen und auf die Solidarität und Kraft der Gemeinschaft zu
bauen. Wo das Gemeinwohl im Vordergrund stehen muss, entfaltet
sich die Individualität eher im Kleinen und schreit weniger nach
Öffentlichkeit. Doch ich glaube nicht, dass das der einzige Grund
dafür ist, auch wenn ich die übrigen nicht kenne.
Es fiel mir
nur auf, als ich jüngst durch die Niederlande reiste. Und dabei trat
mir ziemlich klar vor Augen: Uns Deutschen fehlt es an
Bodenständigkeit, Erdung und realistischer Selbsteinschätzung. Wir
neigen zu Extremen. Entweder stellen wir unser Licht sträflich unter
den Scheffel – was zwangsweise in kollektiven Jammerorgien mündet
– oder aber wir überschätzen uns und zeichnen ein Selbstbild, das
nicht der geringsten Prüfung standhält.
Was ist eigentlich so
schwierig daran, trotz eines dicken Bankkontos bescheiden zu bleiben
und sich Achtung und Wertschätzung denen gegenüber zu bewahren,
denen dieser Wohlstand nicht vergönnt ist? Warum gibt es hierzulande
Unmengen an arroganten Blendern? Und vor allem: Warum gibt es so
viele, die sich ausgerechnet an diesen Blendern orientieren? Wieso
verfallen sie ins Jammern, wenn man ihnen sagt, dass sie nicht nach
den Sternen greifen sollen, wenn das Gute doch so nahe liegt. Warum
greifen sie nicht nach dem Guten, wenn sie sich dazu anstrengen und
Eigeninitiative entwickeln müssten?
Ich sage Euch was. Ich mache
mir ernsthaft Sorgen um die Menschen hierzulande. Viel zu viele haben
sich selbst verloren und sind zu faul nach sich zu suchen.

an das selbstbewusstsein hab ich dabei noch gar nicht gedacht. ich hab mich an der lockerheit gefreut. und wollt gleich wieder hin.
(Schön, dass Du mal wieder da bist! Alles grün bei Euch?)