Brückenbau - Teil 3
Wenn wir bei dem Bild bleiben, zwischenmenschliche Beziehungen als Brücken zu sehen, liegt es auch irgendwie auf der Hand, zu sagen, wir sind selbst die Architekten unserer sozialen Netzwerke.
Nun versuchen die Architekten ja bekanntermaßen ständig den Spagat zwischen technischer Notwendigkeit und ästhetischem Anspruch - sie sind halb Ingenieur und halb Künstler, wobei die wirklich genialen Architekten ganz Ingenieur und ganz Künstler sind (eine Kombination, die m.E. nur extrem selten zu finden ist). Es wird also immer solche geben, die besonderen Wert auf die Solidität ihres Bauwerks legen - die Konservativen also - und solche, die alle statischen Notwendigkeiten verfluchen, weil ihnen die Ästhetik viel mehr am Herzen liegt - die Kreativen.
Die einen bevorzugen massiven Stahlbeton, der allen widrigen Umständen trotzt, und nehmen dafür in Kauf, daß ihr Werk als langweilig, grau und einfallslos verschrieen wird, die anderen jedoch konstruieren komplizierte Gebilde aus filigransten Elementen, die in ihrer Gesamtheit einem einzigartigen Kunstwerk gleichen und von denen jedes einzelne eine kleine Last trägt und somit zur Gesamtstabilität des Bauwerks beiträgt.
Ist es Euch auch schon einmal so ergangen? Ihr steht auf einer Brücke, mächtig und solide, kein Sturm, keine Flut können ihr je etwas anhaben, ihr spürt, wie diese Solidität eine Art Geborgenheit ausstrahlt, aber irgend etwas in Euch rebelliert und sagt: Ein paar Zierelemente würden diesem Bauwerk guttun, ein paar Lichteffekte wenigstens oder je nach Geschmack eine Jugendstil-Rosette oder ein kubistischer Aufsatz, ein Sims, ein Ausleger, irgend etwas Besonderes. Das Auge ißt schließlich mit - in jedweder Weise.
Und an einem anderen Ort seht Ihr eine Brücke aus feingliedrigem Fachwerk, Ihr seht die Verbindungsknoten zwischen den zahlreichen tragenden Elemente, die Schönheit des Zusammenwirkens, die Eleganz der Leichtigkeit, Ihr seid fasziniert, und dennoch beschwert da ein Gefühl Euer Herz beim Anblick dieses architektonischen Kunstwerkes - es ist die Zerbrechlichkeit, die Euch flacher Atmen läßt, die Angst, eines dieser vielen tragenden Elemente könne versagen und damit alles einstürzen lassen.
Manchem wird sich der Zusammenhang zwischen diesen Zeilen und dem System der zwischenmenschlichen Beziehungen sicher nicht gleich erschließen, doch es gibt da mindestens einen Menschen, der das Fachwerk so sehr liebt, weil er ganz und gar Künstler ist, sich gleichzeitig aber unwohl fühlt, weil ihm die Vergänglichkeit dieser ebenso schönen wie komplizierten Konstruktion bewußt geworden ist.
Es ist der Spagat zwischen der "Kraft der Beständigkeit" und der "Leichtigkeit des Seins", die es zu meistern gilt.

Dabei kommt mir jedoch in den Sinn, daß es auch leicht passieren kann, zu viele dieser einfachen "Hüpfpunkte" zu haben. Dadurch werden sie in gewisser Weise austauschbar, ersetzbar. Das wiederum fände ich nicht gut.
dann kannst du dich an eine Pyramide wagen.
Das mit dem leichter zu reparieren mag stimmen, aber Austauschbarkeit oder gar Beliebigkeit in der Beziehungsstruktur sind eher etwas für oberflächliche Menschen.
Ich mag Spannung zumindest in dem Sinne, daß ich keine Redundanzen im Tragwerk habe. ;-)
Das streift so ein bißchen ein Thema, was mich schon sehr lange bewegt, ohne daß ich eine verläßliche Antwort gefunden hätte:
Gibt es so etwas wie "Schmalbandfreundschaften"... also bestimmte Freunde, die ganz spezielle Aufgaben abdecken, während die übrigen Bedürfnisse von anderen gestillt werden? Und falls ja, kann das auch auf Dauer funktionieren?
(Wer von Euch beiden hat eigentlich diesen Kommi geschrieben? ...würde mich mal interessieren. :) )
Ich persönlich habe eine Freundschaft, die ich in diese Rige einsortieren würde. Sie funktioniert deshalb so gut, weil wir in jungen Jahren ein solides Fundament erbauen konnten, auf dem die Pfeiler ruhen. Wir sanieren hin und wieder ein wenig am Gesamtbauwerk, aber die Basis ist so stabil, dass wir an diesen Punkten nie etwas tun müssen.
Hach, dein Brückenthema gefällt mir immer wieder!
(weiblicher Teil von 2b_rebecca)