Gegenbewegung gegen Bewegung
Manche
Dinge ändern sich mit der Zeit, andere hingegen nie. Das ist ein
alter Hut. Und oft stellen wir frustriert fest, dass sich Manches
keinen Millimeter von der Stelle rührt, obwohl wir es so sehr wollen
und vielleicht auch intensiv daran arbeiten.
Bei mir ist es
momentan eher umgekehrt: Dinge ändern sich, die besser so bleiben
sollten, wie sie waren. Dabei ist diese Änderung völlig unnütz, ja
teilweise sogar kontraproduktiv. Versteht mich nicht falsch; ich bin
ein großer Freund von Veränderung und Erneuerung, aber ich habe
etwas dagegen, wenn Schönes, Bewährtes und Liebgewonnenes plötzlich
seine Gestalt ändert nur um der Erneuerung willen.
Es gibt
zweifellos Rituale, die es zu brechen gilt, doch sollte man darüber
nicht vergessen, dass uns Rituale auch das Gefühl von Beständigkeit
und Verlässlichkeit geben können.
Es gibt Technik, die schreit
nach dringender Erneuerung, doch gibt es auch solche, die wegen ihrer
genialen und bewährten Funktionsweise besser unangetastet bleiben
sollte.
Es gibt Ideale, die sich mit der Zeit und der Mode
wandeln, doch niemand käme deswegen auf die Idee, z.B. einen Rubens
zu übermalen und dabei die Frauen schlanker und die Farben
leuchtender zu machen.
Vergessen die Menschen denn den Wert der
Beständigkeit jetzt völlig?
Wenn jemand seinen Weg zum Ziel
erklärt, ist das völlig okay; wenn er ausmistet, um Platz für
Neues zu schaffen: völlig normal; wenn er sich entwickelt oder ein
Projekt vorantreibt und dabei Anderes auf der Strecke bleiben muss,
ist das auch verständlich – was mich jedoch maßlos ankotzt, ist
das zunehmend zu beobachtende Phänomen, dass sich bestimmte Leute
nur noch ausschließlich über das Maß an Veränderung definieren,
welches sie produzieren, und sich dabei einen Teufel darum scheren,
wie viele andere Menschen davon beeinflusst und beeinträchtigt
werden. Bewegung als Selbstzweck, Bewegung als Egotrip.
Sicher
sollte ich hier nicht pauschal urteilen. Die eine oder andere von mir
kritisierte Veränderung könnte man durchaus als Kunstform
durchgehen lassen. Doch bedenken viele Verursacher nicht, dass Kunst
keine Massenware ist und die Vernichtung praktischer Werte zugunsten
eines effektvollen äußeren Rahmens immer unangenehme Nebenwirkungen
haben wird.
Ihr
habt keine Ahnung, wovon ich spreche? Dann schaut Euch mal um. Solche
unnützen Veränderungen finden sich überall - im Großen wie im
Kleinen – und sei es auch nur der Korkenzieher im Schubkasten, der
seit dem ersten und letzten Anwendungsversuch sein Dasein dort
fristet, weil er zwar chic aussieht, aber nicht in der Lage ist,
einen ordinären Korken aus der Weinflasche zu bekommen...

Wahrscheinlich müsste man wissen, was genau dich zu diesem Beitrag inspiriert hat, um die Intensität zu verstehen, doch einerseits ist das nicht der Fall und andererseits fühle ich mich auch viel zu sehr davon angesprochen als dass ich verständnisvolle Worte finden könnten. Wobei du dich scheinbar eher auf Gegenstände als auf Menschen beziehst - oder auch nicht? Da bin ich mir gerade nicht sicher. Doch in mir wächst das Bedürfnis, dass bei aller Veränderung und Bewegung in meinem Leben, ich doch in Bezug auf Menschen sehr beständig bin. Manches Mal bin ich auf nem Egotrip in der Welt unterwegs, doch die Beständigkeit bringt mich immer wieder zu denjenigen zurück, die sich (meist ungefragt :P) einen Weg in mein Leben gebahnt haben.
Ich möchte mir gar nicht anmaßen, dass dieser Eintrag irgendwas mit mir zu tun hat, ich möchte nur dem Bedürfnis folgen, dir eben gesagtes mitzuteilen.
Liebe Grüße an Dich!
Aber ja, an die Ausbadenden sollte man denken
Alles Liebe
Beständigkeit verliert ebenso an Wert wie Sozialkompetenz und man wundere darüber auch nicht mehr weiter in einer Gesellschaft, in der die Ellenbogen nicht mehr dazu dienen, den Arm beugen zu können, um andere zu umarmen, sondern sie den Mitmenschen in die Rippen zu schlagen.
Mein einziger Trost ist, dass Gleiches wie so oft Gleiches anzieht und sich demzufolge im kleinen Kreis eine wohltuende Beständigkeit mit gesundem Wachsen und Voranschreiten paart.
Mir aus der Seele gesprochen.
Beständigkeit und Neues müssen sich nicht widersprechen. Wohl aber nervt auch mich dieses permanente Rad neu erfinden. Manche Dinge sind gut, wie sie sind.
Danke Wari
Und Danke für wahre Worte, die es auf den Punkt bringen an Zwischenweltler