Mit mir streiten
Eine sehr liebe Freundin warf dieser Tage die Frage auf, wie es wohl wäre, mit mir zu streiten, und ob das überhaupt möglich sei.
Ehrlich gesagt, habe ich mir da bisher sehr wenig Gedanken drüber gemacht, und auf einen großen Erfahrungsschatz kann ich diesbezüglich eher nicht zurückgreifen.
Ich diskutiere gerne, auch kontrovers.
Aber ist das Streit?
Im Geschäftsleben trage ich Kämpfe aus, manchmal regelrechte Schlachten.
Aber ist das Streit?
Manchmal setze ich meinen Willen gegen die Meinung anderer durch - mit Vorliebe durch Diplomatie, selten mit einem Machtwort.
Aber ist das Streit?
Ja, ich weiß durchaus, was Streit ist. Streit ist für mich eine Auseinandersetzung, bei der die Gefühle ungefiltert hochkochen, Stück für Stück die Argumente ausgehen und Unfairness oder gar Boshaftigkeit mitspielen. Oder anders gesagt: sinnlose Energieverschwendung.
Hmm... diesbezüglich bin ich offenbar ein echter Öko, denn für diese Art der Energieverschwendung habe ich nichts übrig. Deshalb gehe ich echtem Streit gerne aus dem Weg. Was jedoch nicht heißen soll, daß man mich nicht zum Streiten verleiten könnte. Wer mich unberechtigt emotional verletzt oder mir mit einer Überdosis Dummheit oder gar Arroganz kommt, kann durchaus auch mal meine aggressive Seite kennenlernen, und derjenige wird sich wundern, wie unfair und verletzend auch ein Zwischenweltler sein kann.
Aber mal ehrlich, will das jemand?
Also, meine Liebe, diskutiere mit mir, was immer Du möchtest, aber sei versichert: Wie es ist, mit mir real zu streiten, willst Du nicht wirklich wissen. ;-)

Ich würds gern wissen wollen. Der Erfahrung wegen. Ich möchte überhaupt gern mal alles Ungefilterte an Dir erleben. Das gehört dazu! Das ist das Leben. Das ist Menschsein. Ich finde es mutig, seine Emotionen zu lassen… sie nicht verdrängen und nicht analysieren, sie anschauen und auch mal laufen lassen. Ich glaube das hätte was ungemein Befreiendes. Ich kenne diese raffinierte Ausweichtaktiken, und Kontrollfunktionen im Verstand, die es mir nicht erlauben, gerade so zu fühlen, wie ich es wirklich empfinde…
Ehrlich mein Lieber, Ausreden! Alles Ausreden! ;)
Nur warum muß es ausgerechnet ein Urschrei sein, wenn Du die Stärke meiner Emotionen auch so spüren kannst?
Impulskontrolle? Welch garstig Wort!
Nein, ich kontrolliere sie nicht gerne - keineswegs! Aber ich bin ein soziales Wesen, kein Exot. ;-)
Aber ganz ehrlich, es gibt ausreichend Menschen in meinem Leben, die mich sehen können. Vielleicht nicht alle so wie Du, aber immerhin.
Und die übrigen können mir im Grunde gestohlen bleiben.
Wenn jemand meine Energie spürt, ist das doch gut. Und wenn er erfahren möchte, wo sie herkommt, dann muß er lernen, mich zu lesen. Diesbezüglich bin ich recht einfach gestrickt. ;-)
(Derjenige schieße aber auch den ersten Stein. ;-) )
Ich gehe wahrscheinlich von mir aus, weil ich gerade lerne mich mitzuteilen. Selbst Herzensmenschen, die mich wirklich kennen und sehen, leben manchmal in komplett anderen Welten – in ihren eben, in denen sie nicht immer meine Energien, die gerade hochkommen deuten können. Sie ist da und sie fühlen sie, aber sie können nicht mit ihr umgehen, weil sie nicht wissen wo und warum sie nun herkommt (das weiß ich ja selbst manchmal nicht so genau). So entstehen oft Missverständnisse, aufgrund von Projektionen, Annahmen und Spekulationen. Ich freue mich, wenn Du wirklich solche Menschen um Dich hast, die jede Regung an und in Dir lesen können… Ehrlich gesagt, kann ich mir das aber nicht vorstellen… Ich meine zu glauben, ein Gegenbeispiel zu kennen ;)
Wenn sich Streit so einfach mal synthetisch heraufbeschwören ließe, würde ich gerne mal mit Dir streiten. Warten wir's ab. ;-)
Also von "jeder Regung" habe ich nicht gesprochen. Du weißt doch selbst, daß ~sehen~ nicht damit gleichzusetzen ist, die Emotionen eines Anderen bis auf jeden Punkt und jedes Komma zu ergründen. So soll es doch auch gar nicht sein. Und was das Gegenbeispiel betrifft (falls wir dieselbe Person meinen), so bin ich mir inzwischen auch nicht mehr so sicher, ob sie mich nicht doch sehr gut lesen kann, nur eben auf eine andere Weise als wir sie meinen, aus einem anderen Blickwinkel, mit anderen Methoden. Und es wäre voreingenommen, das abzuwerten. (Diese Gedanken sind noch sehr neu. Also lege sie bitte nicht auf die Goldwaage.)
Weißt Du, ich hätte jetzt sicherlich noch ein paar Argumente und Millionen Assoziationen auf Lager, aber ich mag gerade gar nicht weiter danach suchen und goldwiegen… Außerdem hab ich jetzt erstmal Feierabend!
Wenn mich die Muße packt, komm ich später noch mal rüber gewackelt. (Dein Blog ist übrigens gefühlt rechts neben mir :) )
Machs gut, mein liebster HarmonieZwischi :)
Ich wünsch auch Dir einen harmonischen Feierabend. Wir müssen mal wieder schwatzen. :)
Wenn ich rechts von Dir bin, hieße das, Du wärst auf meiner linken Seite? Moment mal.... ja paßt. Von dort kommen die Signale.
Streiten kann aber auch wirklich konstruktiv sein und damit etwas bewirken. Gerade zwischen zwei Menschen, die sich lieben, kann streiten heißen: "Hey du, ich empfinde immer noch viel für dich, du und das mit uns, bedeuten mir etwas."
Jedoch sollte man nicht den Umkehrschluß ziehen.
Ich mag keine italienischen Verhältnisse. ;-)
Ich war stinkesauer und wütend und hab das auch zum Ausdruck gebracht. Ich würde allerdings niemanden beschimpfen oder mit Geschirr umher werfen. Wenn bei mir der Höhepunkt erreicht ist, dann gehe ich oder schmeiße denjenigen aus meiner Wohnung. Ich signalisiere aber vorher ganz klar, dass es ab jetzt gefährlich ist und reicht. Ich sage Stopp! und das wir so nicht weiterreden können und auch ich nicht will. Mein liebster Freund, mein gestriger Streitpartner kann aber auch nicht gehen, ohne sich wieder versöhnt zu haben ;) Das ist süß und auch förderlich, aber ich kann ja nichts erzwingen, was im Moment nicht funktioniert. Weißt Du, ich liebe meinen Wolf und wir sehen uns auch sehr, aber wir leben in so komplett verschiedenen Welten. Was ich nicht schlimm finde, im Gegenteil, es inspiriert mich und macht mein Leben irgendwie kompletter. Aber wenn ich spüre in meinem Weg nicht akzeptiert zu werden und er möchte mir seine Moral aufdrängen, dann macht mich das wütend, weil ich das als Eingriff empfinde. Weil ich das bei ihm nicht tue... Aber wir lernen voneinander und dafür sind solche Streits wirklich gut und keine Energieverschwendung. Weißt Du was ich als Energieverschwendung sehe? Wenn ich meinen Emotionen keinen Ausdruck verleihen kann. Wenn ich darauf rumkaue und gegen sie ankämpfe, wenn ich sie runterschlucke... Ich werde nicht verletztend - stolz manchmal und bockig und resignierend - aber nicht böswillig....
Ich sagte ihm, dass wenn er mich als Streitpartner schwierig findet, dass er dann noch gar nichts erlebt hätte. Weißt Du, was mir mein Wolf dazu sagte? Mit dir ist es am schlimmsten. Weil mir das bei Dir so nahe geht. Weil ich bei anderen schon längst gegangen wäre, weil mir das viel schneller am Arsch vorbei gehen würde. Bei Dir geht das nicht... Bei Dir ist das auch konstruktiv, weil ich darüber nachdenke, mir das zu Herzen nehme, was Du mir sagst. Das fand ich sehr berührend... Ich lerne mit ihm Konfrontations- und Kritikfähigkeit. Das bietet mir sonst kaum ein anderer. Und für mich ist das sehr wichtig, weil ich das früher nie gelernt habe...
Ich fürchte nur, wir reiben uns hier einmal mehr an abweichenden Definitionen auf. Was Du hier geschildert hast, würde bei mir begrifflich unter "heiße Diskussion" fallen. Streit ist für mich jedoch etwas, wo es unsachlich, unfair und verletzend zugeht. Das war es aber bei Euch gar nicht. Du hast Respekt und Akzeptanz eingefordert - sicher auf überaus emotionale Weise, wie ich Dich kenne. Und am Ende habt ihr wohl beide davon profitiert. Gut so!
Vielleicht sollte ich meine persönliche Definition von Streit mehr der allgemeinen Sichtweise anpassen. Das vereinfacht die Kommunikation. ;-)
Natürlich müsste man zuerst das Wort Streit für alle auf einen Nenner bringen, damit´s eine Basis gibt. Ich habe mir ehrlich gesagt keine Gedanken darum gemacht, als ich dieses Wort in der Mail erwähnte, sehe es aber wie Zwischenweltler als etwas an, bei dem die Emotionen so hochkochen, dass ein Anflug von Verletzung durchaus möglich ist. Will heißen, die sachliche Diskussion verschiebt sich voll auf die emotionale Schiene. Und DAS konnte ich mir einfach nicht vorstellen bei dir. (Ich gebe zu, an dieser Stelle schwächelt meine Empathie ;-) )
Und verletzt wird vielleicht auch durch ein Augenrollen, ein Weggehen, ein Wort, ein Ausdruck... So wie es jeder eben auf sich bezieht...
Weggehen hingegen kann Flucht sein: vor dem versiegen der eigenen Argumente, vor schlimmeren Affekthandlungen oder als Grenzsetzung.
Weggehen kann aber auch Ausdruck von Ignoranz sein, was ich wiederum als schwer verletzend einordnen würde.
Spätestens, wenn einer von beiden weggeht, würde ich von echtem Streit sprechen.
Da ich (leider) genügend Erfahrung habe, mit dem Weggehen meines Gegenübers, stehe ich solchen "Argumentationsmöglichkeiten" sehr belastet gegenüber und in jenem Moment ist der Andere bei mir unten durch. Ein einfaches "Stopp" ist weißt mir Grenzen auf, ein bloßes Weggehen/mich stehen lassen dagegen enorme Schwäche und Mangel an Achtung!
Ein - momentanes - Weggehen KANN durchaus sinnvoll sein, bevor eine Situation eskaliert. Darin sehe ich keine Schwäche, sondern eher die Einsicht, dass es momentan nichts bringt, sich Gemeinheiten an den Kopf zu werfen, die nur noch mehr verletzen würden. Gerade aus Achtung bin ich doch bemüht nicht aus meinem Frust heraus, den anderen absichtlich zu kränken. Und gerade das ist bei einem Streit fast vorprogrammiert.
Wenn sich die Gemüter beruhigt haben, lässt sich manchmal ruhig(er und sachlich(er) diskutieren. Schließlich geht es doch darum dem/den andern begreiflich zu machen, was man will oder was einem nicht gut tut.
Mit dem Weggehen lasse ich zwar Interpretationsmöglichkeiten offen, da stimme ich dir zu, Wari, aber wenn du an dein Gegenüber gar nicht mehr herankommst, oder du an dich heranlässt, dann bringt auch ein Fortführen des Streites momentan nichts.
Ich denke, wenn die Basis der -wie auch immer gearteten- Beziehung stimmt, wird das Reden zu einem späteren Zeitpunkt immer möglich sein und sich Lösungen finden.
Als mal in einer Situation nichts mehr ging, wirklich gar nichts, nahm ich mein Gegenüber in den Arm und sagte: "Halt mich einfach nur fest." Das war zwar nicht die Lösung des Problems, aber das Miteinander war zu fühlen. Und im Grunde kommts doch darauf an zu wissen, der/die andere mag/liebt dich, auch wenn die Fetzen fliegen.
Woran ich ein bissel hänge, sind ZW's Worte: "...Wer mich unberechtigt emotional verletzt..."
Wieso kann dich jemand, der nicht berechtigt ist, verletzen? Wer ist für dich berechtigt? Das versteh ich nicht ganz.
Wichtig ist m.E. auch immer mit wem man streitet. Kennt man sich wirklich gut, weiß man voneinander, wie es einzuordnen ist.
Generell stehen gelassen zu werden, als Zeichen der Missachtung, ist natürlich feige und schäbig. Und leider gibt es Menschen, die gerade in einem Streit nur darauf aus sind, dir deine Schwächen so arg unterzubuttern, dass du mit der Verarbeitung dieser Kränkungen unnötige Energie verschwendest, anstatt sich des Pudels Kern zu widmen.
Ich halts da lieber auch wie Zwischenweltler und geh echtem Streit gerne aus dem Weg. ;o)
ich geh auch nicht ohne vorankündigung, ich geb schon vorher zu bedenken, dass ich es im moment für wenig sinnvoll erachte, weiterzumachen, vor allem dann, wenn ich angeschrien werde.
manches oben liest sich, als würde sich ein streit auf rationaler ebene bewegen, das ist doch aber in der realität nicht so.
wenn ich es z.B. mit einem cholerischen menschen zu tun habe, der durch ein Stopp IN DIESEM MOMENT aber nicht zum Stoppen zu bewegen ist, dann hilft mir das zurückweichen, und das ist in diesem fall das gehen. mit abgekühltem kopf -und weniger herzschmerz- lässt sich später vieles viel besser bereden.
aber grundsäzlich gilt schon, je schneller man etwas aus der welt schafft, desto besser, aber das ist im eifer der emotionen halt leichter gesagt, als getan. ;o)
ich wünsch euch harmonische zeiten!
lG TL
Und genau die Ankündigung, die du beschrieben hast, die meinte ich mit einem Stopp. Ich kenne es leider so, dass ein gewisser Mensch sich immer dann entzogen hat, wenn er mich emotional verletzt hat, bei mir irgendwann das Denken anfing und ich versuchte, ins Rationale zurück zu kommen und er an diesem Punkt scheiterte, weil er merkte, es fehlen ihm die Argumente. Dann gin er einfach.