Nur ein paar Memos

14.09.2017 um 15:03 Uhr

Türen

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Türen besitzen eine besondere Symbolik im Labyrinth des Lebens. Da kann man vor verschlossen Türen stehen oder aber offene Türen einrennen. Man kann in Falltüren stolpern oder anderswo einen Fuß in die Tür bekommen. Man kann ganze Tore aufreißen oder durch einen Türspalt schlüpfen und ab und zu muss man durch Hintertürchen fliehen. An manchen Türen sollte man läuten, andere werden uns von alleine geöffnet. Und es gibt Türen, die ihr Geheimnis niemals  preisgeben...

Und immer wieder geht es auch darum, Türen zu schließen. Man kann sie zuschlagen oder leise ins Schloss fallen lassen. Andere kann man anlehnen oder so sachte zuklinken, dass sie sich später wieder öffnen lassen. Wieder andere bleiben für immer geschlossen - der Schlüssel verbogen oder weggeworfen.

Türen öffnen und schließen sich - Türen trennen und verbinden. Sie können uns Wege und Perspektiven öffnen, ebenso wie sie uns von diesen abschneiden können. Türen bieten uns Schutz und Geborgenheit, aber die können uns auch isolieren...

Ich habe auf meinem Lebensweg so manche Tür hinter mir geschlossen. Viele davon, weil mir klar war, diese Wege dahinter nie wieder gehen zu wollen. Das klackende Geräusch, wenn ihre Schlösser in die Falle schnappten, war Erleichterung und Befreiung zugleich.

Aber da waren auch einige Türen, die ich gerne offen gelassen hätte. Ich war gezwungen sie zu schließen oder der Durchzug drückte sie ins Schloss. Auch Hintertüren haben zwei Seiten und lassen sich oft nur in eine Richtung öffnen.

Am liebsten jedoch sind mir jene Türen, die sich von beiden Seiten öffnen und schließen lassen, und an denen man sich friedlich und freudig die Klinke in die Hand gibt.

Meine Welt ist ein offenes Haus - dennoch braucht es Türen aller Art.

22.02.2017 um 11:07 Uhr

Der Stein in meiner Hosentasche - Teil 2

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Über vier Jahre ist es nun her, dass ich Dir diesen kleinen Stein stibitzte und in meine Hosentasche wandern ließ. Dort ruht er noch heute, hat mit mir alle Hosen gewechselt, drei Kontinente bereist und mich Kraft- und Sehnsuchtsorte spüren lassen. Die Tage, an denen ich ihn nicht bei mir trug, könnte ich an einer Hand abzählen.
Lange habe ich mich gefragt, warum ich das tue. Die Bedeutung lag so unterschwellig in mir, dass ich sie zwar irgendwie spüren konnte aber nicht zu greifen bekam. Selbst gestern, als wir ihn gemeinsam in den Händen hielten, fehlten mir die passenden Worte dafür.
Und dennoch. Heute weiß ich um seine Funktion. In der Zeit, als sich unsere Wege scheinbar trennten, als wir meinten, uns nicht mehr spüren zu können, hat er uns wie magischer Klebstoff verbunden – er hat verhindert, dass ich Dich loslasse und unsere Zeit nur als eine schöne aber abgeschlossene Episode betrachte.

Vor vier Jahren schrieb ich hier – und es war damals nicht mehr als eine vage Vermutung:
Vielleicht nimmt er ja nur die Stellvertreterrolle für etwas ein, das sich gerade nicht leben lässt. Vielleicht mahnt er, geduldig zu sein. Vielleicht liegt er ja vor der Schwelle einer Tür, die ich nicht zuschlagen soll.  

Nein, ich habe sie nicht zugeschlagen, diese Tür. Und ich bin so unendlich dankbar dafür. Als wir gestern beieinander waren, war das so schön und so berührend, als wäre da nie etwas zwischen uns gewesen. Und doch war vieles neu. Wir haben uns beide verändert in der Zwischenzeit und dennoch einen Weg gefunden, miteinander zu fühlen und alte wie neue Themen in einer Tiefe zu berühren, die unser Verhältnis – für mich zumindest – einmalig macht.
Am Ende war der Tag mal wieder viel zu kurz. So vieles wollte ich noch mit Dir teilen, Dir erzählen und meine Gefühle spüren lassen. Ich habe es verpasst – doch das ist nicht schlimm. Manchmal glaube ich, ich habe das Reden verlernt, finde einfach nicht die passenden Sätze. Und das, obwohl es mir beim Schreiben doch meist recht gut gelingt, mich auszudrücken. Doch wie gesagt, das war nicht weiter schlimm. Wir hatten ein paar wirklich gute Stunden miteinander – wertvolle Stunden. Stunde, die wir auch dem kleinen Stein in meiner Hosentasche verdanken.

Eigentlich hat er ja nun seine Aufgabe erfüllt. Ich könnte ihn ablegen oder Dir wiedergeben. Doch das werde ich nicht tun. Denn auch in der kommenden Zeit werden wir nicht viele Gelegenheiten haben, uns zu sehen oder intensiv zu schreiben. Dafür darf er mich weiterhin daran erinnern, dass es Dich für mich gibt. Und er wird dafür sorgen, dass auch Du spüren kannst, wie ein Teil von mir immer bei Dir ist.

 

09.04.2013 um 08:53 Uhr

Der Stein in meiner Hosentasche

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Seit fast fünf Monaten trage ich nun diesen kleinen Stein in meiner Hosentasche. Er zieht meine Hand nahezu magisch an. Ich halte ihn, ich streichle ihn, ich wärme ihn. Nein, wirklich kalt geworden ist er nie in all der Zeit. Schön ist er. Je nach Laune schillert er, als wolle er mir etwas sagen, und manchmal schaue ich ihn fragend an… ohne jedoch eine Antwort zu bekommen. Dennoch. Er erinnert mich immer wieder daran, dass nichts rein zufällig passiert in dieser Welt. Alles hat einen Sinn. Ich spüre ihn, den Sinn, ohne ihn wirklich benennen zu können. Der Sinn, den dieser Stein für mich trägt, drängt sich mir auf, um sich gleichzeitig wieder zu entziehen. Vielleicht ist es ja ganz einfach. Vielleicht nimmt er ja nur die Stellvertreterrolle für etwas ein, das sich gerade nicht leben lässt. Vielleicht mahnt er, geduldig zu sein. Vielleicht liegt er ja vor der Schwelle einer Tür, die ich nicht zuschlagen soll. Vielleicht aber fordert er auch von mir, noch intensiver nach den Zusammenhängen zu suchen. Wer weiß? Alles hat einen Sinn, alles. Nur manchmal steht uns falscher Stolz im Wege, diesen Sinn zu (er)leben.

15.07.2011 um 10:27 Uhr

Unsichtbare Brücken

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Irgendwie holt mich gerade meine alte Internet-Heimat wieder ein... auf sehr berührende Weise, aber ohne Chance auf ein Comeback.
Und dabei kam mir auch der Gedanke, dass es vermutlich sehr viele Brücken gibt, die wir einmal unbewusst bauten und die bis heute unsichtbar blieben. Unsichtbar solange man sie nicht mit Zigarettenrauch anbläst. Dann treten sie schemenhaft in Erscheinung.

02.07.2010 um 11:11 Uhr

Brückenbau - Teil 3

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Wenn wir bei dem Bild bleiben, zwischenmenschliche Beziehungen als Brücken zu sehen, liegt es auch irgendwie auf der Hand, zu sagen, wir sind selbst die Architekten unserer sozialen Netzwerke.
Nun versuchen die Architekten ja bekanntermaßen ständig den Spagat zwischen technischer Notwendigkeit und ästhetischem Anspruch - sie sind halb Ingenieur und halb Künstler, wobei die wirklich genialen Architekten ganz Ingenieur und ganz Künstler sind (eine Kombination, die m.E. nur extrem selten zu finden ist). Es wird also immer solche geben, die besonderen Wert auf die Solidität ihres Bauwerks legen - die Konservativen also - und solche, die alle statischen Notwendigkeiten verfluchen, weil ihnen die Ästhetik viel mehr am Herzen liegt - die Kreativen.
Die einen bevorzugen massiven Stahlbeton, der allen widrigen Umständen trotzt, und nehmen dafür in Kauf, daß ihr Werk als langweilig, grau und einfallslos verschrieen wird, die anderen jedoch konstruieren komplizierte Gebilde aus filigransten Elementen, die in ihrer Gesamtheit einem einzigartigen Kunstwerk gleichen und von denen jedes einzelne eine kleine Last trägt und somit zur Gesamtstabilität des Bauwerks beiträgt.

Ist es Euch auch schon einmal so ergangen? Ihr steht auf einer Brücke, mächtig und solide, kein Sturm, keine Flut können ihr je etwas anhaben, ihr spürt, wie diese Solidität eine Art Geborgenheit ausstrahlt, aber irgend etwas in Euch rebelliert und sagt: Ein paar Zierelemente würden diesem Bauwerk guttun, ein paar Lichteffekte wenigstens oder je nach Geschmack eine Jugendstil-Rosette oder ein kubistischer Aufsatz, ein Sims, ein Ausleger, irgend etwas Besonderes. Das Auge ißt schließlich mit - in jedweder Weise.
Und an einem anderen Ort seht Ihr eine Brücke aus feingliedrigem Fachwerk, Ihr seht die Verbindungsknoten zwischen den zahlreichen tragenden Elemente, die Schönheit des Zusammenwirkens, die Eleganz der Leichtigkeit, Ihr seid fasziniert, und dennoch beschwert da ein Gefühl Euer Herz beim Anblick dieses architektonischen Kunstwerkes - es ist die Zerbrechlichkeit, die Euch flacher atmen läßt, die Angst, eines dieser vielen tragenden Elemente könne versagen und damit alles einstürzen lassen.

Manchem wird sich der Zusammenhang zwischen diesen Zeilen und dem System der zwischenmenschlichen Beziehungen sicher nicht gleich erschließen, doch es gibt da mindestens einen Menschen, der das Fachwerk so sehr liebt, weil er ganz und gar Künstler ist, sich gleichzeitig aber unwohl fühlt, weil ihm die Vergänglichkeit dieser ebenso schönen wie komplizierten Konstruktion bewußt geworden ist.
Es ist der Spagat zwischen der "Kraft der Beständigkeit" und der "Leichtigkeit des Seins", die es zu meistern gilt.

03.12.2009 um 10:17 Uhr

Brückenbau - Teil 2

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Dieses Thema bewegt mich immer noch - vor allem hinsichtlich einer Sache, die ich im ersten Teil beschrieb. Ich darf mich eben kurz selbst zitieren...

Doch egal wie oft und intensiv wir diese Brücken auch nutzen, sie eröffnen uns Wege, Denkweisen und Ideen, von denen wir zuvor abgeschnitten waren oder von denen wir noch gar keine Vorstellung hatten. Es steht uns frei, die Welt dahinter zu erkunden.

Während ich an dem ersten Satz unbedingt festhalten möchte, kommen mir Zweifel, inwieweit der zweite Satz gelten kann. Steht es uns wirklich frei, die Welt hinter der Brücke nach Belieben zu erkunden?
Was hinter der Brücke liegt, ist nicht nur die Gedankenwelt des Freundes oder Partners, es ist dessen ganze Seele. Kann und darf man denn da einfach so hinein marschieren in diesen Dschungel (um beim Ursprungsbild zu bleiben), um nach Interessantem oder gar nach versteckten Schätzen zu suchen? Was, wenn man statt auf Schätze auf tiefe Schluchten und Abgründe stößt? Auf Chaos oder gar lebensfeindliche Welten?
Wie weit gilt die Einladung zur Besichtigung, die mit dem Brückenbau indirekt ausgesprochen wurde? Wäre es zulässig zu sagen: "Hey, das sieht ja ganz schön wild hier drin aus. Wie wär's, wenn wir mal gemeinsam aufräumen würden?"
Wo sind die Grenzen? Und was passiert, wenn man sie übertritt?

22.06.2009 um 18:45 Uhr

Brückenbau - Teil 1

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Wenn zwei Menschen eine Brücke zwischen sich errichten, verfolgen sie das Ziel, sich darauf zu begegnen, sich zu finden und über diesen neuen Weg die Welt des anderen zu entdecken. Immer wieder bauen wir Brücken. Manche werden so fundamental für unser Leben, daß wir sogar gemeinsame Häuser darauf errichten. Einige wenige reißen wir wieder ab, weil uns nicht gefällt, was wir am anderen Ufer gefunden haben. Manche bleiben scheinbar ungenutzt stehen. Sie dienen nur selten als Begegnungsort und werden kaum noch überschritten. Doch egal wie oft und intensiv wir diese Brücken auch nutzen, sie eröffnen uns Wege, Denkweisen und Ideen, von denen wir zuvor abgeschnitten waren oder von denen wir noch gar keine Vorstellung hatten. Es steht uns frei, die Welt dahinter zu erkunden. Und es steht uns frei, den einen oder anderen Gedanken von drüben über diese Brücke zu tragen und somit in unsere eigene Welt zu integrieren. Manchmal bleiben wir aber auch nur mitten auf der Brücke stehen, sagen Hallo oder winken hinüber. Dann haben wir Hemmungen davor, mit beiden Beinen das andere Ufer zu betreten. Trägt der Andere nun etwas aus seiner Welt heran und bringt es mit auf die Brücke, haben wir Gelegenheit es zu beschauen - ja zu bestaunen bisweilen. Weckt es unsere Neugier, gehen wir womöglich doch ein paar Schritte weiter in dessen Richtung. Schreckt es uns ab, weichen wir zurück.
Und dann gibt es noch Brücken, die scheinbar verwaist sind, weil sich die Errichter lange nicht ihrer erinnert haben. Doch geht einer von ihnen hinüber, wird er feststellen, daß er willkommen ist. Die Brücke hat ihre Tragfähigkeit bewahrt.
So hat jede Brücke ihre Berechtigung. Die eine betritt man häufiger, die andere eher selten. Und es wäre töricht, eine Brücke einzureißen, nur weil man sie für lange Zeit nicht nutzte.
Nichts ist ohne Sinn - und schon gar nichts, was man einmal selbst mit errichtet hat.