Nur ein paar Memos

15.07.2011 um 10:27 Uhr

Unsichtbare Brücken

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Irgendwie holt mich gerade meine alte Internet-Heimat wieder ein... auf sehr berührende Weise, aber ohne Chance auf ein Comeback.
Und dabei kam mir auch der Gedanke, dass es vermutlich sehr viele Brücken gibt, die wir einmal unbewusst bauten und die bis heute unsichtbar blieben. Unsichtbar solange man sie nicht mit Zigarettenrauch anbläst. Dann treten sie schemenhaft in Erscheinung.

02.07.2010 um 11:11 Uhr

Brückenbau - Teil 3

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Wenn wir bei dem Bild bleiben, zwischenmenschliche Beziehungen als Brücken zu sehen, liegt es auch irgendwie auf der Hand, zu sagen, wir sind selbst die Architekten unserer sozialen Netzwerke.
Nun versuchen die Architekten ja bekanntermaßen ständig den Spagat zwischen technischer Notwendigkeit und ästhetischem Anspruch - sie sind halb Ingenieur und halb Künstler, wobei die wirklich genialen Architekten ganz Ingenieur und ganz Künstler sind (eine Kombination, die m.E. nur extrem selten zu finden ist). Es wird also immer solche geben, die besonderen Wert auf die Solidität ihres Bauwerks legen - die Konservativen also - und solche, die alle statischen Notwendigkeiten verfluchen, weil ihnen die Ästhetik viel mehr am Herzen liegt - die Kreativen.
Die einen bevorzugen massiven Stahlbeton, der allen widrigen Umständen trotzt, und nehmen dafür in Kauf, daß ihr Werk als langweilig, grau und einfallslos verschrieen wird, die anderen jedoch konstruieren komplizierte Gebilde aus filigransten Elementen, die in ihrer Gesamtheit einem einzigartigen Kunstwerk gleichen und von denen jedes einzelne eine kleine Last trägt und somit zur Gesamtstabilität des Bauwerks beiträgt.

Ist es Euch auch schon einmal so ergangen? Ihr steht auf einer Brücke, mächtig und solide, kein Sturm, keine Flut können ihr je etwas anhaben, ihr spürt, wie diese Solidität eine Art Geborgenheit ausstrahlt, aber irgend etwas in Euch rebelliert und sagt: Ein paar Zierelemente würden diesem Bauwerk guttun, ein paar Lichteffekte wenigstens oder je nach Geschmack eine Jugendstil-Rosette oder ein kubistischer Aufsatz, ein Sims, ein Ausleger, irgend etwas Besonderes. Das Auge ißt schließlich mit - in jedweder Weise.
Und an einem anderen Ort seht Ihr eine Brücke aus feingliedrigem Fachwerk, Ihr seht die Verbindungsknoten zwischen den zahlreichen tragenden Elemente, die Schönheit des Zusammenwirkens, die Eleganz der Leichtigkeit, Ihr seid fasziniert, und dennoch beschwert da ein Gefühl Euer Herz beim Anblick dieses architektonischen Kunstwerkes - es ist die Zerbrechlichkeit, die Euch flacher Atmen läßt, die Angst, eines dieser vielen tragenden Elemente könne versagen und damit alles einstürzen lassen.

Manchem wird sich der Zusammenhang zwischen diesen Zeilen und dem System der zwischenmenschlichen Beziehungen sicher nicht gleich erschließen, doch es gibt da mindestens einen Menschen, der das Fachwerk so sehr liebt, weil er ganz und gar Künstler ist, sich gleichzeitig aber unwohl fühlt, weil ihm die Vergänglichkeit dieser ebenso schönen wie komplizierten Konstruktion bewußt geworden ist.
Es ist der Spagat zwischen der "Kraft der Beständigkeit" und der "Leichtigkeit des Seins", die es zu meistern gilt.

03.12.2009 um 10:17 Uhr

Brückenbau - Teil 2

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Dieses Thema bewegt mich immer noch - vor allem hinsichtlich einer Sache, die ich im ersten Teil beschrieb. Ich darf mich eben kurz selbst zitieren...

Doch egal wie oft und intensiv wir diese Brücken auch nutzen, sie eröffnen uns Wege, Denkweisen und Ideen, von denen wir zuvor abgeschnitten waren oder von denen wir noch gar keine Vorstellung hatten. Es steht uns frei, die Welt dahinter zu erkunden.

Während ich an dem ersten Satz unbedingt festhalten möchte, kommen mir Zweifel, inwieweit der zweite Satz gelten kann. Steht es uns wirklich frei, die Welt hinter der Brücke nach Belieben zu erkunden?
Was hinter der Brücke liegt, ist nicht nur die Gedankenwelt des Freundes oder Partners, es ist dessen ganze Seele. Kann und darf man denn da einfach so hinein marschieren in diesen Dschungel (um beim Ursprungsbild zu bleiben), um nach Interessantem oder gar nach versteckten Schätzen zu suchen? Was, wenn man statt auf Schätze auf tiefe Schluchten und Abgründe stößt? Auf Chaos oder gar lebensfeindliche Welten?
Wie weit gilt die Einladung zur Besichtigung, die mit dem Brückenbau indirekt ausgesprochen wurde? Wäre es zulässig zu sagen: "Hey, das sieht ja ganz schön wild hier drin aus. Wie wär's, wenn wir mal gemeinsam aufräumen würden?"
Wo sind die Grenzen? Und was passiert, wenn man sie übertritt?

22.06.2009 um 18:45 Uhr

Brückenbau - Teil 1

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Wenn zwei Menschen eine Brücke zwischen sich errichten, verfolgen sie das Ziel, sich darauf zu begegnen, sich zu finden und über diesen neuen Weg die Welt des anderen zu entdecken. Immer wieder bauen wir Brücken. Manche werden so fundamental für unser Leben, daß wir sogar gemeinsame Häuser darauf errichten. Einige wenige reißen wir wieder ab, weil uns nicht gefällt, was wir am anderen Ufer gefunden haben. Manche bleiben scheinbar ungenutzt stehen. Sie dienen nur selten als Begegnungsort und werden kaum noch überschritten. Doch egal wie oft und intensiv wir diese Brücken auch nutzen, sie eröffnen uns Wege, Denkweisen und Ideen, von denen wir zuvor abgeschnitten waren oder von denen wir noch gar keine Vorstellung hatten. Es steht uns frei, die Welt dahinter zu erkunden. Und es steht uns frei, den einen oder anderen Gedanken von drüben über diese Brücke zu tragen und somit in unsere eigene Welt zu integrieren. Manchmal bleiben wir aber auch nur mitten auf der Brücke stehen, sagen Hallo oder winken hinüber. Dann haben wir Hemmungen davor, mit beiden Beinen das andere Ufer zu betreten. Trägt der Andere nun etwas aus seiner Welt heran und bringt es mit auf die Brücke, haben wir Gelegenheit es zu beschauen - ja zu bestaunen bisweilen. Weckt es unsere Neugier, gehen wir womöglich doch ein paar Schritte weiter in dessen Richtung. Schreckt es uns ab, weichen wir zurück.
Und dann gibt es noch Brücken, die scheinbar verwaist sind, weil sich die Errichter lange nicht ihrer erinnert haben. Doch geht einer von ihnen hinüber, wird er feststellen, daß er willkommen ist. Die Brücke hat ihre Tragfähigkeit bewahrt.
So hat jede Brücke ihre Berechtigung. Die eine betritt man häufiger, die andere eher selten. Und es wäre töricht, eine Brücke einzureißen, nur weil man sie für lange Zeit nicht nutzte.
Nichts ist ohne Sinn - und schon gar nichts, was man einmal selbst mit errichtet hat.