Auf der Fensterbank

21.01.2014 um 17:35 Uhr

Perfektionistisch unperfekt

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Ich bin manchmal aber auch widerlich perfektionistisch und dabei so eklig verbohrt, wie es nur geht. Jeder hat so seine heiligen Kühe, bei denen er dann quasi rot sieht, wenn sie bei den Hörnern gepackt werden. Und ich hab dann immer die Masche, quasi laut kreischend hin und her zu rennen und alle Welt davon überzeugen zu wollen, dass MEINE heilige Kuh die einzig WAHRE heilige Kuh ist. Ich hab ja schließlich recht und die anderen sind einfach nur doof, wenn sie das nicht schnell genug schnallen. Nech?

Und dann bilde ich mir auch immer wieder ein - und posaune das auch großspurig hinaus - dass Humor so wahnsinnig wichtig ist. Am Wichtigsten: sich nicht selbst zu ernst nehmen. Das kann ich wirklich super zu Anderen sagen. Dann wackle ich quasi altklug wie die Weisheit schlecht hin mit dem Zeigefinger, grinse süffisant vor mich hin und doziere altklug: "Nana, nimm dich nicht so ernst. Atme mal locker flockig durch und dann ist auch wieder gut."

Aber wenn das jemand MIR sagen würde und zu MEINER heiligen Kuh, die ja schließlich die heiligste ALLER Kühe ist (und die allerschönsten Flecken hat), dann würde ich demjenigen den Kopf abreißen. Geht ja mal gar nicht. Bin schließlich schrecklich unperfekt in meinem Perfektionismuswahn. Ich meinte, äh, perfekt in meinem Perfektionismus. Was Anderes gibt's da natürlich nicht. Neinei. Niemals nie.

 

Manchmal bin ich echt selten blöd, wie ich das Leben selber schwer mache. Fröhlich

14.01.2014 um 22:09 Uhr

nur ein Mensch

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Manchmal habe ich das Gefühl, Sozialpädagogin in der Jugendhilfe zu sein, bedeutet, übermenschliche Fähigkeiten zu besitzen.


Und am Ende kommt der Satz von dir, Liebe R., dass wir Sozialpädagogen hier ja eigentlich gar nicht wirklich arbeiten würden, was würden wir schon tun? ...

 


Immer die Ruhe und Gelassenheit weg zu haben - egal, wie lange und wie lautstark man beschimpft und angeschrien wird.
Immer verständnisvoll zu sein, egal was gerade zu Bruch geht.
Immer pädagogisch perfekt zu handeln, auch wenn Pädagogik keine messbare "Wissenschaft" ist.
Nie irgendetwas persönlich zu nehmen, weil wir keine Menschen sind, sondern gefälligst Pädagogen.
Immer das höchste Maß an Einfühlungsvermögen, auch wenn unsere Grenzen mal "Stop" schreien.
Und derweil - eine immer perfekt sitzende Frisur.


12.01.2014 um 12:57 Uhr

Es gibt für alles seine Zeit

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Jeder Schritt, jede Entwicklung braucht ihre Zeit, hat ihren Zeitpunkt. Wenn ich eins gelernt habe, dann, dass ich keine Entwicklung in mir erzwingen kann. Ich kann nur darauf vertrauen, dass meine Psyche weiß, was sie tut. Sie mutet mir nicht mehr zu, als ich tragen kann. Und wenn sie mir vertraut und ein Stück weit mehr Schmerz enthüllt, dann weil der Zeitpunkt dafür gekommen ist. Und ab da liegt es in meiner Hand, wie ich damit umgehe.

Ich kann mich wieder selbst verletzen, kann mich wieder im Nebel des Alkohol verstecken. Ich kann mich wieder abwenden, wegsehen, weglaufen, mir ein Lügenhaus zusammenbauen und mich in dessen Keller verstecken. Ich habe die Wahl, was ich mit der "Offenheit" und "Weisheit" meiner psychischen Selbstheilungskräfte anfange.
Den November und Dezember über hab ich regelmäßig Alkohol getrunken, weil ich es einfach nicht aushalten konnte. Ich wusste, es war "falsch", aber ich wusste auch, dass das gerade einfach - in absolut paradoxer Weise - Sinn macht. Dann kam ein Tag, an dem ich spürte, dass es an der Zeit war, den Alkohol weg zu lassen. Ich habe ihn weggelassen seither... Ich brauchte nicht mehr den "Schutz" des Nebels, durch den ich mich ansatzweise dem Grauen genähert habe. Nun ging es auch ohne.
[Nein, ich möchte das Keinem empfehlen und möchte auch nicht sagen, dass DAS der genau richtige Weg ist. Es war nur für mich richtig, wenn auch paradox. Ich habe aber auch den Vorteil, in keiner körperlichen Abhängigkeit zu stehen.]

 

Ich hab jahrelang gesucht, wollte vor noch 10 Jahren auf Teufel komm raus verstehen, warum ich so geworden bin, wie ich war. Ich wollte es verstehen, habe krampfhaft (!) danach gesucht, wollte graben und herausreißen. Aber meine Psyche war klug. Sie wusste, dass es zu früh war.
Und Sie wussten es auch, Herr Thera. Sie haben mich das gelehrt, voll Vertrauen, Ruhe und Gelassenheit. Sie waren immer ehrlich - Sie sagten einmal, ich würde irgendwann vor der Wahl stehen, ob ich mich meinem "Ur-Schmerz" (wenn man ihn so nennen möchte) widmen, oder vor ihm weglaufen wollte. Vielleicht würde der Punkt auch nie kommen, dass der Ur-Schmerz aufgearbeitet werden muss, das sagten Sie auch ehrlich. Wir wussten nicht, was kommen würde und wie es sein würde. Während ich graben und herausreißen wollte, holten Sie mich immer wieder in die Gegenwart zurück und sagten: "Das ist noch nicht dran, cura. Sie verrennen sich da in etwas, das Sie nur Kraft kostet und nichts bringt. Schauen Sie lieber auf das, was jetzt gerade dran ist. Manchmal ist auch nichts dran, sondern nur das Leben mit seinem Alltag." Das wussten wir als einzige Sache sicher...

Ich war lange ungeduldig, bis ich Ihnen vertraut und geglaubt und aufgehört habe, mir die Finger wund zu graben. Ich ließ los und widmete mich meinem Gefühl, was denn j e t z t dran ist. Nicht das Ende der Straße, sondern der nächste Schritt, in aller Ruhe und Sicherheit, dass unter mir fester Boden ist. Denn was da vor mir auf meiner Straße liegt, kann ich aufnehmen, anschauen, weil es an der Zeit ist. Nur der Schritt vor mir - nicht das Ende der Straße. Wie auf einer Treppe. Man kann vielleicht mal eine, oder zwei Stufen überspringen, aber sobald man mehr überspringen möchte, droht man zu fallen und ernstlich verletzt zu werden. Die Psyche weiß das - und darum kannst du nicht einfach die gesamte Treppe in einem Satz hinunter hüpfen.

Ich hätte nie geglaubt, dass ich irgendwann an den Punkt komme, an dem ich seit ein paar Wochen bin. Ich spüre die Erde unter mir, spüre, dass ich an einen Punkt der Ruhe komme. Als wäre ich eine Wendeltreppe hinunter gestiegen und sehe nun langsam den Grund.
Ich wollte da nicht hin. Sie wissen das, haben sich oft meine Zweifel angehört und mir irgendwann gesagt: "OK, ich denke, nun ist es klar, wohin Ihr Weg führt, liebe cura. Sie haben die Wahl, hier stehen zu bleiben und so weiter zu leben, aber es wird nur ein halbes Leben sein. Sie berichten davon seit Langem, dass es grau ist, beinahe leer, kaum Intensität oder Gefühle mehr. Die Gefühle liegen da unten und wenn Sie lebendig sein wollen, wenn Sie ein lebendiges Leben leben wollen, dann müssen Sie da runter. Es gibt keine halben Sachen - Sie können nicht das Negative verdrängen und nur das Positive behalten. Beides gehört zusammen und wenn Sie eins wegschließen, dann mit ihm auch das andere. Ich weiß nicht, was Sie da erwartet, aber ich weiß, dass Sie es schaffen können. Ich habe das Vertrauen in Sie. Sie dürfen sich frei entscheiden, was Sie möchten. Das sind die Optionen, die Sie meiner Meinung nach haben."
So in etwa war der Sinn Ihrer Worte, frei aus dem Gedächtnis...

So lange wollte ich auf den Grund hinunter, und nun lag er vor mir und ich hatte seit Wochen, Monaten, vielleicht sogar Jahren panische Angst. Auch das war eine Situation, die ihre Zeit und ihren Raum brauchte. Das Leben auf dieser Wendeltreppe, herausfinden, welcher Schritt sich richtig anfühlt. Ich hab mir so richtig viel Zeit dafür genommen, und das war auch gut so. Ich glaube, ich bin beinahe 2 Jahre hier gestanden, oder?
Erst nach dem Telefonat mit Ihnen im Dezember war dann der Zeitpunkt da, einen Schritt weiter hinunter zu gehen. Davor wäre es zu früh gewesen, das spüre ich nun. Es ist ein langsames Tempo, aber es hat sein Tempo, das genau richtig ist für den Abstieg. Und wenn ich weiter 2 Jahre auf dieser Treppenstufe nun stehen werde, dann ist es so. Meine Psyche weiß schon, was sie tut. 2 Jahre lang hat es gereicht zu ahnen, dass da unten Grauen auf mich wartet. Nun ist es an der Zeit, das Grauen einfach nur zu spüren. Ich hab keine Ahnung, was ich letzten Endes vielleicht "sehen" werde. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass ich jetzt schon ganz unten bin, aber ich weiß, dass ich im Moment gerade so weit bin, wie ich es tragen kann. Vielleicht wird es auch nie noch tiefer gehen, wer weiß das schon? Ich muss es nicht wissen - ich werde es spüren, wenn die nächste Treppenstufe ansteht.

 

12.01.2014 um 00:09 Uhr

Schweigen und Nicht-Schweigen

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Seit Monaten (oder Jahren...?) habe ich endlich geredet. Nicht geplaudert, nicht gequatscht, nicht doziert, sondern geredet und erzählt. Niemand wusste die vergangenen Wochen und Monate, wie es mir geht. Überall war ich im entscheidenden Augenblick des Zusammentreffens (lassen wir den Herrn Thera mal außen vor) wieder gelassen, ruhig, stabil. Aber... Im Moment ist einfach der Punkt da, zu erzählen - so, wie ich auch hier geschrieben habe.

Eine Freundin wollte mich heute Mittag zum Sportmachen locken. Ich lehnte ab. Sie fragt nach dem Grund und ich antwortete ehrlich: Es geht mir beschissen.
Ihre nächste Antwort per SMS war, dass sie Sport machen gehe, und im Anschluss vorbei kommen würde. Ich sagte zu.

Sie war hier, stundenlang, bevor ich endlich den Mund aufbekam. Sie drängte während dieser Stunden nicht, sie war einfach da. Wir unterhielten uns über dies und das und jenes, und sie war einfach nur da. Sie sah mich aufmerksamer an als sonst, war sachter als an anderen Tagen, aber nicht übermäßig vorsichtig oder ängstlich. Einfach nur wachsam, aufmerksam, sanft. Ich bin überwältigt von ihr und unendlich beeindruckt. Ich hatte im Gefühl, dass ich ihr vertrauen könnte, auch wenn ich sie erst seit etwas mehr als einem Jahr kenne. Mein Gefühl hat mich nicht betrogen. Es war das erste Mal, dass ich ihr diese Seite von mir zeigte.

So plauderten wir etwa 3 Stunden über Alltägliches, Bücher, Filme, dies und das. Ich überlegte, wie ich die Klappe aufkriegen könnte, wie ich es schaffen könnte, ihr zu sagen, was los ist - dass ich nicht so cool und stark und selbstsicher bin. Dass mich Dinge quälen, die mich belasten und mit denen ich nicht super souverän zurecht komme... Von dieser Seite, meiner "kranken", verletzlichen, hat sie mich in dem letzten Jahr kein einziges Mal auch nur ansatzweise (sic!) kennen gelernt.
Und nun war sie da, ruhig und gelassen. Ganz einfach, ganz locker. Sanft, wachsam und präsent. Ich hab ihr nicht alles erzählt, nur im Ansatz. Von dem Kind konnte ich nicht reden, nicht von der Panikattacke, Gift zu sein. Aber das musste ich auch nicht... Sie nahm mich irgendwann einfach in den Arm und wir weinten. Sie teilte mit mir meinen Schmerz, ohne dass ich ihn erklären musste. Und sie flüsterte, als sie mich so festhielt: "Wir kriegen das hin."
- "W i r müssen das nicht hinkriegen. Nur ich. Und ja, das werde ich."
- "Aber nicht alleine. Ich bin da."

 

11.01.2014 um 01:49 Uhr

So lange...

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank


Das Leben geht weiter. Ewig und immer weiter. Vom Einen zum Nächsten. In solchen Momenten frage ich mich, was für ein Tanz das ist, was er überhaupt soll? Ja, manchmal möchte ich derzeit aufhören zu tanzen... Still dasitzen, mich nicht mehr bewegen, nur noch lauschen.

Es passiert wahnsinnig viel. Ich weiß überhaupt nicht, wie ich es in Worte fassen sollte.
Kennt jemanden diesen Moment, an dem man das Gefühl hat, auf dem Boden anzukommen, mit voller Wucht und Schmerz?

Diese - für mich - wahnsinnig (!) wichtige Person meinte vor ein paar Wochen, dass es klar sei, dass ich Angst hätte, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Da er mir so wichtig ist, sei ich sehr verletzbar und das Vertrauen, dass er eben nicht verletzt, sei einfach noch nicht voll da. Das stimmt nicht.

Gerade weil er so wichtig ist, ist er so "gefährlich". Wenn die Beziehung zu einem Menschen "Heilung" bedeutet, gibt es nichts Gefährlicheres. Er bedeutet das. Mein ehemaliger Herr Thera...
Wenn ich mit ihm in Kontakt bin, ist so viel im Fluss, tut sich so wahnsinnig viel, das bislang vergraben war. Nun kommt Einiges hoch - durch den Kontakt mit ihm. Die Bindung ist Heilung, Heilung ist Schmerz, Schmerz ist Heilung... Er gräbt, ohne es zu wissen, Dinge aus, die... schlicht die Hölle sind.

"Deshalb sind Sie so gefährlich, Herr Thera. Den Schmerz durch Verrat kenne ich, damit kann ich umgehen. Aber der Schmerz, der aus Heilung entsteht, aus Erkennen, aus Verstehen und Trauern... Wie damit umgehen? Dieser Schmerz ist weitaus gefährlicher."

All die sorgfältig erbauten Mauern, Illusionen und Lügen bröckeln. Ich spüre, dass nach und nach kaum etwas übrig bleibt als der Schmerz. Nicht mehr, und nicht weniger. Und ich weine. Ich weine einfach nur. Schreie die Qual heraus. Wir haben gelitten... Ich habe kein konkretes Bild, aber das Gefühl genügt. Diese Qual, die ich noch nie so wahrgenommen habe... Wir haben gelitten.

Und nun? Ich hatte mir monatelang verboten, ihm zu schreiben. Der beste Weg zur Selbstzerstörung ist, den Kontakt zu ihm abzubrechen. Das tat ich über etwa 8 Monate hinweg... Mitte Dezember brach ich dann zusammen. Panikattacken.  Dieses "Introjekt" war der pure Selbsthass; die absolute, unerschütterliche Überzeugung, "Gift" zu sein. Das Wissen, dass ich alle in meiner Umgebung zerstöre, da ich ein Monster bin: Diese "Attacken" waren Momente der Verzweiflung, in denen ich weinte und schrie, weil ich kein Monster sein wollte. Ich wollte es nicht, und kam dennoch nicht über das Wissen hinaus, dass ich genau das sei. Ganz ehrlich: Ich stand kurz davor, mit dem Auto gegen einen Baum zu fahren...

Dann meldete ich mich - nach Monaten - wieder bei meinem Thera. Schrieb darüber, dass ich irre werde von diesen Attacken. "Täterintrojekt" nannte er es. Ich bat um ein Telefonat, er schenkte es mir. Ja, "schenkte"... Es war ein Geschenk.
Die Irrenfahrt hörte auf. Ich habe seitdem keine Panikattacke mehr, dafür eine Unruhe, die ihresgleichen sucht... Kein Schlaf tagelang. Unter Strom. Auf Trab. Unruhig. Energie, zu viel Energie, die nicht verschwinden wollte. Zittern vor Anspannung. Für mich beschissener auszuhalten als die Attacken. Schlafentzug mag ich noch weniger als die Attacken...
Nach etwa 10 Tagen ohne Tiefschlafphase (immer nur Herumwälzen, Halbschlaf,...) meditierte ich. Es reichte. Ich hatte Angst vor dem, was ich in der Meditation spüren würde. Ich wusste, es würde schmerzahft... Etwas, von dem ich eigentlich geschworen hatte, es nie anzuschauen, es nur wegzuschieben, weg zu schließen... Aber 10 Tage ohne wirklichen schlaf war dann doch zu viel.
Als ich meditierte und dieser Unruhe nachging, sie einfach sein ließ und willkommen hieß, tauchte in mir quasi das Bild eines Kindergartenkindes auf. Das Kind schrie, weinte, rannte in meinen Gedanken von Raum zu Raum. Vollkommen Kopflos, betäubt von Schmerz. In seinen Augen ausschließlich Qual, Verzweiflung, Schmerz. Es gab keine Chance für mich, dieses "Kinderbild" zu beruhigen, ihm Sicherheit und Ruhe zu vermitteln, wie es in der Vergangenheit bei verschiedenen Themen möglich war. Das "Kind" sah quasi nichts als seine Verzweiflung und seine Qual. In seiner Wahrnehmung existiert daneben nichts... Es vertraut nicht, glaubt nicht an Linderung seiner Schmerzen. "Damaged beyond repair" kam mir in den Sinn, und das trifft es auch unheimlich genau. 

She's damaged beyond repair.

Ich bin nicht das Kind. Es ist ein Teil von mir, ja, aber gnädigerweise abgespalten, dissoziiert... Ich kann es wahrnehmen, seine Qual hält mich auf Trab, aber ich b i n nicht diese Qual, es ist quasi nicht mein Schmerz... 

Zwischendurch frage ich mich seither, was "diesem Kind" widerfahren ist, dass es so... zerstört ist.  Ich hab keine Ahnung. Vielleicht werde ich es auch nie erfahren. Aber ich komme diesem "Boden der Tatsachen" immer näher. Ich hätte nie geglaubt, jemals so zu schreien und zu weinen vor Schmerz. Und doch ist der Schmerz gut. Es ist eine Erleichterung, ihn endlich heraus schreien zu können. 

Der Boden der Tatsachen ist Hart. Es tut weh, dort aufzukommen. Es tut weh, alle Mauern einzureißen und einfach das zu spüren, was da ist. Da ist eine Hölle an Schmerz, Herr Thera. Ohne Sie, ohne die Bindung zu Ihnen, wäre sie nie aufgebrochen. Darum sind Sie so gefährlich... Nicht, weil Sie gemein sein könnten und der Verrat schlimmer wäre als alles auf der Welt - sondern weil Sie heilen können...