Akzeptanz?
Natürlich, es war klar. Und eigentlich wusste ich es auch. Aber es nun direkt gesagt zu bekommen - fuck!
Die Narben sind nicht zu entfernen. Keine Chance, nichts zu machen. Wenn die Medizin nicht in den nächsten Jahren eine Lösung findet, werde ich damit leben müssen. Mit dem, was ich mir selbst angetan habe.
Meistens verdränge ich es, ignoriere einfach, dass sie da sind. Ich schaue sie nicht an, sondern schaue drüber. Mein Kleiderschrank bietet verschiedene Alternativen, sie auch im Sommer zu verstecken. Ich kam bisher damit zurecht, indem ich das Problem einfach ignoriert habe, verdeckt habe. Als wäre es nicht da. Aber nun geht es eben nicht mehr. Ich kann nicht mehr sagen: "Irgendwann finde ich eine Lösung, wie ich nicht damit leben muss." Nun muss ich einen Weg finden, mit den Narben zu leben. Aktiv. Nicht mehr passiv. Meinen Weg.
Ich fühle mich nicht wohl dabei, sie öffentlich zu zeigen. Ich mag es einfach nicht, mag nicht die Blicke. Sie sind auffällig am Oberarm, nicht zu übersehen. Es gibt keine Chance, im Sommer kurzärmlig rumzulaufen, ohne dass sie bemerkt würden. Wäre es nur der Sommer, hätte ich kein Problem damit. Aber was mache ich im Job, wenn ich dann bald einen habe? Wie löse ich das Problem da? Ich muss shoppen gehen bei Gelegenheit... *smile* Noch mehr Klamotten kaufen, die ich im Hochsommer tragen kann und die dennoch meine Oberarme bedecken. Gewiss, es gibt genug von solchen Kleidungsstücken und ich hab es ja auch bisher so gemacht. Aber es war immer ein "vorübergehend". Nie ein "so geht es nun für immer".
Ich war ziemlich naiv, ich weiß. Es war naiv, mich nicht damit auseinander zu setzen, wie ich mein Leben mit den Narben führen möchte. Bisher habe ich es ohne sie geführt, sie ignoriert. Nun geht das nicht mehr, nun kann ich es mir nicht mehr so einfach machen. ich muss einen - meinen - Weg finden, mit ihnen zu leben. Und das tut weh. Mit der Geschichte auf den Körper geschrieben, für alle sichtbar, leben. Eine Geschichte, die ich am liebsten vergessen würde. Es geht mir gerade richtig beschissen damit, mit dem, was ich aus eigener Dummheit angerichtet habe. Es geht mir beschissen damit, das annehmen zu müssen, was ich an mir hasse.
