Auf der Fensterbank

12.01.2014 um 00:09 Uhr

Schweigen und Nicht-Schweigen

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Seit Monaten (oder Jahren...?) habe ich endlich geredet. Nicht geplaudert, nicht gequatscht, nicht doziert, sondern geredet und erzählt. Niemand wusste die vergangenen Wochen und Monate, wie es mir geht. Überall war ich im entscheidenden Augenblick des Zusammentreffens (lassen wir den Herrn Thera mal außen vor) wieder gelassen, ruhig, stabil. Aber... Im Moment ist einfach der Punkt da, zu erzählen - so, wie ich auch hier geschrieben habe.

Eine Freundin wollte mich heute Mittag zum Sportmachen locken. Ich lehnte ab. Sie fragt nach dem Grund und ich antwortete ehrlich: Es geht mir beschissen.
Ihre nächste Antwort per SMS war, dass sie Sport machen gehe, und im Anschluss vorbei kommen würde. Ich sagte zu.

Sie war hier, stundenlang, bevor ich endlich den Mund aufbekam. Sie drängte während dieser Stunden nicht, sie war einfach da. Wir unterhielten uns über dies und das und jenes, und sie war einfach nur da. Sie sah mich aufmerksamer an als sonst, war sachter als an anderen Tagen, aber nicht übermäßig vorsichtig oder ängstlich. Einfach nur wachsam, aufmerksam, sanft. Ich bin überwältigt von ihr und unendlich beeindruckt. Ich hatte im Gefühl, dass ich ihr vertrauen könnte, auch wenn ich sie erst seit etwas mehr als einem Jahr kenne. Mein Gefühl hat mich nicht betrogen. Es war das erste Mal, dass ich ihr diese Seite von mir zeigte.

So plauderten wir etwa 3 Stunden über Alltägliches, Bücher, Filme, dies und das. Ich überlegte, wie ich die Klappe aufkriegen könnte, wie ich es schaffen könnte, ihr zu sagen, was los ist - dass ich nicht so cool und stark und selbstsicher bin. Dass mich Dinge quälen, die mich belasten und mit denen ich nicht super souverän zurecht komme... Von dieser Seite, meiner "kranken", verletzlichen, hat sie mich in dem letzten Jahr kein einziges Mal auch nur ansatzweise (sic!) kennen gelernt.
Und nun war sie da, ruhig und gelassen. Ganz einfach, ganz locker. Sanft, wachsam und präsent. Ich hab ihr nicht alles erzählt, nur im Ansatz. Von dem Kind konnte ich nicht reden, nicht von der Panikattacke, Gift zu sein. Aber das musste ich auch nicht... Sie nahm mich irgendwann einfach in den Arm und wir weinten. Sie teilte mit mir meinen Schmerz, ohne dass ich ihn erklären musste. Und sie flüsterte, als sie mich so festhielt: "Wir kriegen das hin."
- "W i r müssen das nicht hinkriegen. Nur ich. Und ja, das werde ich."
- "Aber nicht alleine. Ich bin da."

 


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