Auf der Fensterbank

21.01.2014 um 17:35 Uhr

Perfektionistisch unperfekt

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Ich bin manchmal aber auch widerlich perfektionistisch und dabei so eklig verbohrt, wie es nur geht. Jeder hat so seine heiligen Kühe, bei denen er dann quasi rot sieht, wenn sie bei den Hörnern gepackt werden. Und ich hab dann immer die Masche, quasi laut kreischend hin und her zu rennen und alle Welt davon überzeugen zu wollen, dass MEINE heilige Kuh die einzig WAHRE heilige Kuh ist. Ich hab ja schließlich recht und die anderen sind einfach nur doof, wenn sie das nicht schnell genug schnallen. Nech?

Und dann bilde ich mir auch immer wieder ein - und posaune das auch großspurig hinaus - dass Humor so wahnsinnig wichtig ist. Am Wichtigsten: sich nicht selbst zu ernst nehmen. Das kann ich wirklich super zu Anderen sagen. Dann wackle ich quasi altklug wie die Weisheit schlecht hin mit dem Zeigefinger, grinse süffisant vor mich hin und doziere altklug: "Nana, nimm dich nicht so ernst. Atme mal locker flockig durch und dann ist auch wieder gut."

Aber wenn das jemand MIR sagen würde und zu MEINER heiligen Kuh, die ja schließlich die heiligste ALLER Kühe ist (und die allerschönsten Flecken hat), dann würde ich demjenigen den Kopf abreißen. Geht ja mal gar nicht. Bin schließlich schrecklich unperfekt in meinem Perfektionismuswahn. Ich meinte, äh, perfekt in meinem Perfektionismus. Was Anderes gibt's da natürlich nicht. Neinei. Niemals nie.

 

Manchmal bin ich echt selten blöd, wie ich das Leben selber schwer mache. Fröhlich

14.01.2014 um 22:09 Uhr

nur ein Mensch

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Manchmal habe ich das Gefühl, Sozialpädagogin in der Jugendhilfe zu sein, bedeutet, übermenschliche Fähigkeiten zu besitzen.


Und am Ende kommt der Satz von dir, Liebe R., dass wir Sozialpädagogen hier ja eigentlich gar nicht wirklich arbeiten würden, was würden wir schon tun? ...

 


Immer die Ruhe und Gelassenheit weg zu haben - egal, wie lange und wie lautstark man beschimpft und angeschrien wird.
Immer verständnisvoll zu sein, egal was gerade zu Bruch geht.
Immer pädagogisch perfekt zu handeln, auch wenn Pädagogik keine messbare "Wissenschaft" ist.
Nie irgendetwas persönlich zu nehmen, weil wir keine Menschen sind, sondern gefälligst Pädagogen.
Immer das höchste Maß an Einfühlungsvermögen, auch wenn unsere Grenzen mal "Stop" schreien.
Und derweil - eine immer perfekt sitzende Frisur.


12.01.2014 um 12:57 Uhr

Es gibt für alles seine Zeit

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Jeder Schritt, jede Entwicklung braucht ihre Zeit, hat ihren Zeitpunkt. Wenn ich eins gelernt habe, dann, dass ich keine Entwicklung in mir erzwingen kann. Ich kann nur darauf vertrauen, dass meine Psyche weiß, was sie tut. Sie mutet mir nicht mehr zu, als ich tragen kann. Und wenn sie mir vertraut und ein Stück weit mehr Schmerz enthüllt, dann weil der Zeitpunkt dafür gekommen ist. Und ab da liegt es in meiner Hand, wie ich damit umgehe.

Ich kann mich wieder selbst verletzen, kann mich wieder im Nebel des Alkohol verstecken. Ich kann mich wieder abwenden, wegsehen, weglaufen, mir ein Lügenhaus zusammenbauen und mich in dessen Keller verstecken. Ich habe die Wahl, was ich mit der "Offenheit" und "Weisheit" meiner psychischen Selbstheilungskräfte anfange.
Den November und Dezember über hab ich regelmäßig Alkohol getrunken, weil ich es einfach nicht aushalten konnte. Ich wusste, es war "falsch", aber ich wusste auch, dass das gerade einfach - in absolut paradoxer Weise - Sinn macht. Dann kam ein Tag, an dem ich spürte, dass es an der Zeit war, den Alkohol weg zu lassen. Ich habe ihn weggelassen seither... Ich brauchte nicht mehr den "Schutz" des Nebels, durch den ich mich ansatzweise dem Grauen genähert habe. Nun ging es auch ohne.
[Nein, ich möchte das Keinem empfehlen und möchte auch nicht sagen, dass DAS der genau richtige Weg ist. Es war nur für mich richtig, wenn auch paradox. Ich habe aber auch den Vorteil, in keiner körperlichen Abhängigkeit zu stehen.]

 

Ich hab jahrelang gesucht, wollte vor noch 10 Jahren auf Teufel komm raus verstehen, warum ich so geworden bin, wie ich war. Ich wollte es verstehen, habe krampfhaft (!) danach gesucht, wollte graben und herausreißen. Aber meine Psyche war klug. Sie wusste, dass es zu früh war.
Und Sie wussten es auch, Herr Thera. Sie haben mich das gelehrt, voll Vertrauen, Ruhe und Gelassenheit. Sie waren immer ehrlich - Sie sagten einmal, ich würde irgendwann vor der Wahl stehen, ob ich mich meinem "Ur-Schmerz" (wenn man ihn so nennen möchte) widmen, oder vor ihm weglaufen wollte. Vielleicht würde der Punkt auch nie kommen, dass der Ur-Schmerz aufgearbeitet werden muss, das sagten Sie auch ehrlich. Wir wussten nicht, was kommen würde und wie es sein würde. Während ich graben und herausreißen wollte, holten Sie mich immer wieder in die Gegenwart zurück und sagten: "Das ist noch nicht dran, cura. Sie verrennen sich da in etwas, das Sie nur Kraft kostet und nichts bringt. Schauen Sie lieber auf das, was jetzt gerade dran ist. Manchmal ist auch nichts dran, sondern nur das Leben mit seinem Alltag." Das wussten wir als einzige Sache sicher...

Ich war lange ungeduldig, bis ich Ihnen vertraut und geglaubt und aufgehört habe, mir die Finger wund zu graben. Ich ließ los und widmete mich meinem Gefühl, was denn j e t z t dran ist. Nicht das Ende der Straße, sondern der nächste Schritt, in aller Ruhe und Sicherheit, dass unter mir fester Boden ist. Denn was da vor mir auf meiner Straße liegt, kann ich aufnehmen, anschauen, weil es an der Zeit ist. Nur der Schritt vor mir - nicht das Ende der Straße. Wie auf einer Treppe. Man kann vielleicht mal eine, oder zwei Stufen überspringen, aber sobald man mehr überspringen möchte, droht man zu fallen und ernstlich verletzt zu werden. Die Psyche weiß das - und darum kannst du nicht einfach die gesamte Treppe in einem Satz hinunter hüpfen.

Ich hätte nie geglaubt, dass ich irgendwann an den Punkt komme, an dem ich seit ein paar Wochen bin. Ich spüre die Erde unter mir, spüre, dass ich an einen Punkt der Ruhe komme. Als wäre ich eine Wendeltreppe hinunter gestiegen und sehe nun langsam den Grund.
Ich wollte da nicht hin. Sie wissen das, haben sich oft meine Zweifel angehört und mir irgendwann gesagt: "OK, ich denke, nun ist es klar, wohin Ihr Weg führt, liebe cura. Sie haben die Wahl, hier stehen zu bleiben und so weiter zu leben, aber es wird nur ein halbes Leben sein. Sie berichten davon seit Langem, dass es grau ist, beinahe leer, kaum Intensität oder Gefühle mehr. Die Gefühle liegen da unten und wenn Sie lebendig sein wollen, wenn Sie ein lebendiges Leben leben wollen, dann müssen Sie da runter. Es gibt keine halben Sachen - Sie können nicht das Negative verdrängen und nur das Positive behalten. Beides gehört zusammen und wenn Sie eins wegschließen, dann mit ihm auch das andere. Ich weiß nicht, was Sie da erwartet, aber ich weiß, dass Sie es schaffen können. Ich habe das Vertrauen in Sie. Sie dürfen sich frei entscheiden, was Sie möchten. Das sind die Optionen, die Sie meiner Meinung nach haben."
So in etwa war der Sinn Ihrer Worte, frei aus dem Gedächtnis...

So lange wollte ich auf den Grund hinunter, und nun lag er vor mir und ich hatte seit Wochen, Monaten, vielleicht sogar Jahren panische Angst. Auch das war eine Situation, die ihre Zeit und ihren Raum brauchte. Das Leben auf dieser Wendeltreppe, herausfinden, welcher Schritt sich richtig anfühlt. Ich hab mir so richtig viel Zeit dafür genommen, und das war auch gut so. Ich glaube, ich bin beinahe 2 Jahre hier gestanden, oder?
Erst nach dem Telefonat mit Ihnen im Dezember war dann der Zeitpunkt da, einen Schritt weiter hinunter zu gehen. Davor wäre es zu früh gewesen, das spüre ich nun. Es ist ein langsames Tempo, aber es hat sein Tempo, das genau richtig ist für den Abstieg. Und wenn ich weiter 2 Jahre auf dieser Treppenstufe nun stehen werde, dann ist es so. Meine Psyche weiß schon, was sie tut. 2 Jahre lang hat es gereicht zu ahnen, dass da unten Grauen auf mich wartet. Nun ist es an der Zeit, das Grauen einfach nur zu spüren. Ich hab keine Ahnung, was ich letzten Endes vielleicht "sehen" werde. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass ich jetzt schon ganz unten bin, aber ich weiß, dass ich im Moment gerade so weit bin, wie ich es tragen kann. Vielleicht wird es auch nie noch tiefer gehen, wer weiß das schon? Ich muss es nicht wissen - ich werde es spüren, wenn die nächste Treppenstufe ansteht.

 

12.01.2014 um 00:09 Uhr

Schweigen und Nicht-Schweigen

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Seit Monaten (oder Jahren...?) habe ich endlich geredet. Nicht geplaudert, nicht gequatscht, nicht doziert, sondern geredet und erzählt. Niemand wusste die vergangenen Wochen und Monate, wie es mir geht. Überall war ich im entscheidenden Augenblick des Zusammentreffens (lassen wir den Herrn Thera mal außen vor) wieder gelassen, ruhig, stabil. Aber... Im Moment ist einfach der Punkt da, zu erzählen - so, wie ich auch hier geschrieben habe.

Eine Freundin wollte mich heute Mittag zum Sportmachen locken. Ich lehnte ab. Sie fragt nach dem Grund und ich antwortete ehrlich: Es geht mir beschissen.
Ihre nächste Antwort per SMS war, dass sie Sport machen gehe, und im Anschluss vorbei kommen würde. Ich sagte zu.

Sie war hier, stundenlang, bevor ich endlich den Mund aufbekam. Sie drängte während dieser Stunden nicht, sie war einfach da. Wir unterhielten uns über dies und das und jenes, und sie war einfach nur da. Sie sah mich aufmerksamer an als sonst, war sachter als an anderen Tagen, aber nicht übermäßig vorsichtig oder ängstlich. Einfach nur wachsam, aufmerksam, sanft. Ich bin überwältigt von ihr und unendlich beeindruckt. Ich hatte im Gefühl, dass ich ihr vertrauen könnte, auch wenn ich sie erst seit etwas mehr als einem Jahr kenne. Mein Gefühl hat mich nicht betrogen. Es war das erste Mal, dass ich ihr diese Seite von mir zeigte.

So plauderten wir etwa 3 Stunden über Alltägliches, Bücher, Filme, dies und das. Ich überlegte, wie ich die Klappe aufkriegen könnte, wie ich es schaffen könnte, ihr zu sagen, was los ist - dass ich nicht so cool und stark und selbstsicher bin. Dass mich Dinge quälen, die mich belasten und mit denen ich nicht super souverän zurecht komme... Von dieser Seite, meiner "kranken", verletzlichen, hat sie mich in dem letzten Jahr kein einziges Mal auch nur ansatzweise (sic!) kennen gelernt.
Und nun war sie da, ruhig und gelassen. Ganz einfach, ganz locker. Sanft, wachsam und präsent. Ich hab ihr nicht alles erzählt, nur im Ansatz. Von dem Kind konnte ich nicht reden, nicht von der Panikattacke, Gift zu sein. Aber das musste ich auch nicht... Sie nahm mich irgendwann einfach in den Arm und wir weinten. Sie teilte mit mir meinen Schmerz, ohne dass ich ihn erklären musste. Und sie flüsterte, als sie mich so festhielt: "Wir kriegen das hin."
- "W i r müssen das nicht hinkriegen. Nur ich. Und ja, das werde ich."
- "Aber nicht alleine. Ich bin da."

 

11.01.2014 um 01:49 Uhr

So lange...

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank


Das Leben geht weiter. Ewig und immer weiter. Vom Einen zum Nächsten. In solchen Momenten frage ich mich, was für ein Tanz das ist, was er überhaupt soll? Ja, manchmal möchte ich derzeit aufhören zu tanzen... Still dasitzen, mich nicht mehr bewegen, nur noch lauschen.

Es passiert wahnsinnig viel. Ich weiß überhaupt nicht, wie ich es in Worte fassen sollte.
Kennt jemanden diesen Moment, an dem man das Gefühl hat, auf dem Boden anzukommen, mit voller Wucht und Schmerz?

Diese - für mich - wahnsinnig (!) wichtige Person meinte vor ein paar Wochen, dass es klar sei, dass ich Angst hätte, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Da er mir so wichtig ist, sei ich sehr verletzbar und das Vertrauen, dass er eben nicht verletzt, sei einfach noch nicht voll da. Das stimmt nicht.

Gerade weil er so wichtig ist, ist er so "gefährlich". Wenn die Beziehung zu einem Menschen "Heilung" bedeutet, gibt es nichts Gefährlicheres. Er bedeutet das. Mein ehemaliger Herr Thera...
Wenn ich mit ihm in Kontakt bin, ist so viel im Fluss, tut sich so wahnsinnig viel, das bislang vergraben war. Nun kommt Einiges hoch - durch den Kontakt mit ihm. Die Bindung ist Heilung, Heilung ist Schmerz, Schmerz ist Heilung... Er gräbt, ohne es zu wissen, Dinge aus, die... schlicht die Hölle sind.

"Deshalb sind Sie so gefährlich, Herr Thera. Den Schmerz durch Verrat kenne ich, damit kann ich umgehen. Aber der Schmerz, der aus Heilung entsteht, aus Erkennen, aus Verstehen und Trauern... Wie damit umgehen? Dieser Schmerz ist weitaus gefährlicher."

All die sorgfältig erbauten Mauern, Illusionen und Lügen bröckeln. Ich spüre, dass nach und nach kaum etwas übrig bleibt als der Schmerz. Nicht mehr, und nicht weniger. Und ich weine. Ich weine einfach nur. Schreie die Qual heraus. Wir haben gelitten... Ich habe kein konkretes Bild, aber das Gefühl genügt. Diese Qual, die ich noch nie so wahrgenommen habe... Wir haben gelitten.

Und nun? Ich hatte mir monatelang verboten, ihm zu schreiben. Der beste Weg zur Selbstzerstörung ist, den Kontakt zu ihm abzubrechen. Das tat ich über etwa 8 Monate hinweg... Mitte Dezember brach ich dann zusammen. Panikattacken.  Dieses "Introjekt" war der pure Selbsthass; die absolute, unerschütterliche Überzeugung, "Gift" zu sein. Das Wissen, dass ich alle in meiner Umgebung zerstöre, da ich ein Monster bin: Diese "Attacken" waren Momente der Verzweiflung, in denen ich weinte und schrie, weil ich kein Monster sein wollte. Ich wollte es nicht, und kam dennoch nicht über das Wissen hinaus, dass ich genau das sei. Ganz ehrlich: Ich stand kurz davor, mit dem Auto gegen einen Baum zu fahren...

Dann meldete ich mich - nach Monaten - wieder bei meinem Thera. Schrieb darüber, dass ich irre werde von diesen Attacken. "Täterintrojekt" nannte er es. Ich bat um ein Telefonat, er schenkte es mir. Ja, "schenkte"... Es war ein Geschenk.
Die Irrenfahrt hörte auf. Ich habe seitdem keine Panikattacke mehr, dafür eine Unruhe, die ihresgleichen sucht... Kein Schlaf tagelang. Unter Strom. Auf Trab. Unruhig. Energie, zu viel Energie, die nicht verschwinden wollte. Zittern vor Anspannung. Für mich beschissener auszuhalten als die Attacken. Schlafentzug mag ich noch weniger als die Attacken...
Nach etwa 10 Tagen ohne Tiefschlafphase (immer nur Herumwälzen, Halbschlaf,...) meditierte ich. Es reichte. Ich hatte Angst vor dem, was ich in der Meditation spüren würde. Ich wusste, es würde schmerzahft... Etwas, von dem ich eigentlich geschworen hatte, es nie anzuschauen, es nur wegzuschieben, weg zu schließen... Aber 10 Tage ohne wirklichen schlaf war dann doch zu viel.
Als ich meditierte und dieser Unruhe nachging, sie einfach sein ließ und willkommen hieß, tauchte in mir quasi das Bild eines Kindergartenkindes auf. Das Kind schrie, weinte, rannte in meinen Gedanken von Raum zu Raum. Vollkommen Kopflos, betäubt von Schmerz. In seinen Augen ausschließlich Qual, Verzweiflung, Schmerz. Es gab keine Chance für mich, dieses "Kinderbild" zu beruhigen, ihm Sicherheit und Ruhe zu vermitteln, wie es in der Vergangenheit bei verschiedenen Themen möglich war. Das "Kind" sah quasi nichts als seine Verzweiflung und seine Qual. In seiner Wahrnehmung existiert daneben nichts... Es vertraut nicht, glaubt nicht an Linderung seiner Schmerzen. "Damaged beyond repair" kam mir in den Sinn, und das trifft es auch unheimlich genau. 

She's damaged beyond repair.

Ich bin nicht das Kind. Es ist ein Teil von mir, ja, aber gnädigerweise abgespalten, dissoziiert... Ich kann es wahrnehmen, seine Qual hält mich auf Trab, aber ich b i n nicht diese Qual, es ist quasi nicht mein Schmerz... 

Zwischendurch frage ich mich seither, was "diesem Kind" widerfahren ist, dass es so... zerstört ist.  Ich hab keine Ahnung. Vielleicht werde ich es auch nie erfahren. Aber ich komme diesem "Boden der Tatsachen" immer näher. Ich hätte nie geglaubt, jemals so zu schreien und zu weinen vor Schmerz. Und doch ist der Schmerz gut. Es ist eine Erleichterung, ihn endlich heraus schreien zu können. 

Der Boden der Tatsachen ist Hart. Es tut weh, dort aufzukommen. Es tut weh, alle Mauern einzureißen und einfach das zu spüren, was da ist. Da ist eine Hölle an Schmerz, Herr Thera. Ohne Sie, ohne die Bindung zu Ihnen, wäre sie nie aufgebrochen. Darum sind Sie so gefährlich... Nicht, weil Sie gemein sein könnten und der Verrat schlimmer wäre als alles auf der Welt - sondern weil Sie heilen können...

04.07.2013 um 11:49 Uhr

Sinn? Wie un-sinnig.

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Nach dem Sinn fragen ist unsinnig. Absolut un-sinnig. Meinem Empfinden nach gibt es keinen Sinn in dem, was ich tue. Und das macht das Leben für mich wunderbar leicht. Einfach. Spielend. Tanzend. Keine Vorgaben, keine To-Do-Liste. Das ist für mich das Positive an der Unsinnigkeit der Sinnsuche: Dass ich sie selbst gestalten kann, wie ich Lust habe. 

Der Gedanke, Menschen ein Stück weit zu begleiten und auf ihrem Weg vielleicht einen kleinen Samen zu hinterlassen, aus dem vielleicht eine wunderschöne Blume wird... So, wie sie Samen in meinem Leben hinterlassen, reichhaltig und bunt. Meine Kinder... 

Nicht nur meine Kinder. Alle. So viele Menschen, so viele Berührungen, so viele Samen. Blumen. Farbenfroh, lebendig, im Fluss, in Bewegung.  Ein Tanz des Lebens, un-sinnig, ohne weiteren Sinn außer dem, d a s s man ihn tanzt. Einfach nur so. Der Ästhetik des Augenblicks wegen...

 

Danke für all die Blumen, sternenschein.

 

PS: Meine Fresse, so viele ungelesene Beiträge auf Blogigo von so vielen Menschen, bei denen ich gern wüsste, wie es ihnen geht und was sich alles getan hat... apres, jari, Feuerkind, der Elb, sunnysightup, der Jo, die Katzenlady, angelmagia, chouchou, Neo, lillestory, wbidi, ... Die Hälfte der Blogs vermutlich vergessen. Kann mir nicht jemand ein wenig Zeit leihen?

 

24.06.2013 um 19:08 Uhr

nochmal, eins nach dem anderen

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Ich liebe nach wie vor meinen Beruf, auch wenn ich mir derzeit manchmal wünschen würde, die Kinder in ihre Zimmer sperren zu dürfen. Zumindest in manchen Situationen. ;)

Alles in allem läuft es sau gut. Damit meine ich nicht "reibungslos" oder "Friede, Freude, Eierkuchen", sondern Achterbahn mit allem drum und dran. Und während ich die Achterbahn fahre, bin ich so gelassen wie noch nie. Ich erwarte nicht mehr, dass das Leben "perfekt" ist, sondern einfach nur so, wie es nunmal ist. Damit meine ich kein stilles Akzeptieren von Missständen,... 

Es darf auch schlechte Tage geben. Es darf so richtig derb beschissene Tage geben! Ich darf heimkommen und einfach mal heulen, weil mein Dienst so verdammt stressig und zermürbend war, dass ich einfach mal heulen muss. Ich darf genervt sein, ich darf müde sein, ich darf albern sein, ich darf streng sein, nachsichtig, liebevoll, stumm, brabbelnd... Und alles ist OK. Es hat, untereinander gemischt, einen Klang, der mich glücklich macht. Der einfach gut ist, auch wenn ich es nicht genauer ausdrücken kann... Das Angenehme und Wunderbare daran ist: Es geht damit alles ganz "einfach". Traurigkeit, wie auch Wut, wie auch Freude. Alles fließt ungehemmt und ist beinahe schwerelos, weil sein darf, wie es ist. Anstatt das Flussbett zu verschieben, pflanze Blumen und eine Brücke darüber. Der Fluss darf sein - dass du nicht rüber kommst, damit musst dich aber nicht abfinden. So in etwa.

Es ist, als hätte ich aufgehört, gegen das Leben und seine Widrigkeiten zu kämpfen. Als wäre ich nun stattdessen mit einem Bauchplatscher mitten rein gesprungen und lasse mich treiben, anstatt das Wasser vom Rand anzuschreien. So ungefähr. Mittendrin statt nur dabei. Nass sein ist OK, auch wenn mal ne scharfe Briese kommt. Ist halt das Leben. Kämpfen muss ich gegen gar nix - aber  oft mit jemandem/etwas.

Ach, mir fehlen die bescheuerten Worte für das einfache Sosein. Wie es gerade ist. Und gut ist. Und wie ich aus Spaß an der Freude jeden Tag trotzdem mehr Farben mische und auf die riesige Leinwand namens Leben klatsche, einfach weil da Farben und ne Leinwand sind. Achtsam, ruhig und zugleich wirbelnd weil eben lebendig.

Genug der Metaphern. Ist ja albern :D.

24.06.2013 um 15:04 Uhr

Fallen lassen

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Der Moment, in dem man nach Hause kommt und sich fallen lässt, einfach fallen lässt und jedes Ausatmen zu loslassen wird.

 

16.06.2013 um 12:59 Uhr

about a girl - und ein riesiges Fandom

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

My little pony - wer in den 80ern und 90ern aufgewachsen ist, kennt die bunten Ponys noch. Seit ein paar Jahren gibt es einen neuen Hype um sie. Angefangen hat es damit, dass Lauren Faust (Power Puff Girls) eine Serie rund um MLP für Hasbro neu konzipiert hat. Eigentlich war die Zielgruppe kleine Mädchen zwischen etwa 6 und 10 Jahren. Was daraus geworden ist...?

Ein sehr, sehr großer Teil der Fangemeinde besteht aus Erwachsenen (und dieser sehr, sehr große Teil scheint überwiegend männlich zu sein - glaube ich...). Diese Erwachsenen schauen aber nicht nur die Serie mit größtem Vergnügen, sondern haben ein Fandom ins Leben gerufen, das alles sprengt, was ich bisher erlebt/gesehen habe. 

Die Kunstwerke sind atemberaubend, die Musik, die manche machen, haut mich regelmäßig vom Hocker. So richtig den Atem hat mir aber heute geraubt, als ich auf einer der "führenden" Fandom-Seiten (equestria daily) die Anteilnahme von Fans an einem sehr traurigen Ereignis gesehen habe...

 

Vorgeschichte, so weit ihc sie kenne: Tara Strong, eine der amerikanischen Syncronsprecherinnen für die Serie, ließ vor mehreren Monaten verlauten, dass sie mit einer Familie befreundet sei, deren kleine Tochter Kiki Krebs hat. Da in Amerika die Therapien sehr teuer sind, spendeten hunderte von My-Little-Pony-Fans (aka "Bronys") mehr als genug Geld für die Behandlung des kleinen Mädchens. Ich bekam nur über meinen Bruder mit, wie groß die Anteilnahme an ihrem Kampf gewesen sein muss. Ich war immer wieder überwältigt und überrascht, wie wildfremde Menschen einfach mitfühlen, unterstützen wollen etc. pp. Auf Twitter fand man wohl immer mal wieder kurze Nachrichten von der Familie, wie es Kiki geht und wie die Therapien voran schreiten.

Nun kam es vor einer Woche, dass man auf Twitter lesen konnte, dass Kiki es nicht geschafft hat... Die Kleine ist gestorben. Wir kennen sie nicht, haben ihre Geschichte nur am Rande dank des großartigen Fandoms mitbekommen und trotzdem saßen wir eben da und haben - ganz wie harte Erwachsene - klammheimlich Tränchen aus den Augenwinkeln gewischt, als wir auf equestria daily die Anteilnahme gesehen haben:  http://www.equestriadaily.com/2013/06/in-rememberance-of-kiki.html#more

Ich finde es unglaublich, was diese Fangemeinschaft auf die Beine stellt. Wie viel Herzlichkeit man hier begegnet (natürlich auch Idioten, aber die lasse ihc mal außen vor ;) ). Wie viele Projekte, wie viel... so viel... Zum Schluss - einfach auch, weil ich es gerade brauche - ein Lied, das verschiedene Brony-Musiker (Fans, die just for fun Musik rund um MLP machen) zusammen gecovert haben. Der Erlös der Spendeneinnahmen ging nach Uganda, wo sie ein Hilfsprojekt unterstützen. 

 

 

02.04.2013 um 00:04 Uhr

unfair

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Manchmal ist es beinahe grausam, dass jedes Gefühl von Nähe nur mit Panik einhergehen kann...

Wo ist der Schalter in meinem kaputten Hirn, den ich nur umlegen muss, sodass es mir nicht mehr so verf**** schwer fällt, Nähe einfach zuzulassen? Ich könnte kotzen...

 

22.03.2013 um 23:07 Uhr

Bier her

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Es ist ätzend, einen virtuellen "Maulkorb" zu tragen. Seit ich in der Jugend+hilfe arbeite habe ich immer mal wieder "Befürchtungen" hier gefunden zu werden. Und wer möchte schon, wenn eines Tages die Kids oder die Kollegen kommen und fragen, ob man zufällig bei Blogigo einen Blog hat? Ich für meinen Teil möchte das nicht. Gerade wünsche ich mir ein Passwort für den Blog, aber zu einem anderen Anbieter möchte ich auch nicht wechseln. Egal was man tun könnte, nichts ist der Madame recht ^^.

Das macht das Schreiben hier schwer - ganz abgesehen davon, dass ich von meinem aktuellen Hauptthema (Arbeit) nicht frei erzählen kann. Das ist gut, aber manchmal auch - für mich - verdammt schade. Ich könnte mittlerweile ein ganzes Buch schreiben nach all den Dingen, die so geschehen. Aber selbst Stichwörter zu nennen fühlt sich blöd an, unfair, fahrlässig. Alle gelöscht. Was kann man schon schreiben, ohne dass ein wissender Leser die Situation erkennen kann? Es müssten Allgemeinplätze sein... Die Arbeit bleibt ein kleiner Schatz, manchmal zum Haare raufen, manchmal mit Pipi in die Augen ("Was, du hast jetzt Urlaub?" - "Jap." - "ACH MANN! ... Wann bist du wieder da...?" ... Aw! Ein toller Allgemeinplatz.)

Gib mir noch ein Bier.

Noch bescheuerter ist, dass mir derzeit die Frage durch den Kopf geht, wie ich mit meiner Vergangenheit in meinem Job umgehen soll. Keine Sorge, es geht mir sehr gut und ich komme mit allem gut zurecht. Von altbekannten Schwierigkeiten kann auf Arbeit wahrlich keine Rede sein. Ich komme mit den Kids sehr gut klar, ebenso mit dem Team und auch der Alltag läuft. Tatsächlich ist es eine beinahe befremdliche Erfahrung, hier bisher nur Menschen kennen gelernt zu haben, die mich scheinbar mögen und mit denen ich "einfach" umgehen kann. Ich erinnere mich da an ganz andere Zeiten... *lach* Aber meine Geschichte bleibt nunmal sichtbar - und im Sommer wird's heißt. In zweifacher Hinsicht. Was ich tun werde? Keine Ahnung. Im Moment nur abwarten, arbeiten und - zumindest gerade - ein Bier trinken. Bier her! Danke.

Was erzählbar bleibt sind wohl die Geschichten um den netten Ex. Wer erinnert sich...? -.-  Vor etwa drei Wochen gab es eine Situation, die - für mich - einfach nur zum Kotzen war. Surprise, surprise: ich liebe ihn natürlich immernoch. Nach über vier Jahren Trennung hänge ich noch an dem Idioten. Fantastisch, nicht wahr? Mister ZwischendurchVielleichtOderAuchNichtVerstandGefühl ist lang "Geschichte". Lange Geschichte - uninteressant zu erzählen. Sagen wir, dass mein Verstand definitiv Recht hatte (keine curasui-Fantasie, sondern Tatsache ^^).
Jedenfalls, zum Long-Time-Never-Ending-Still-Missing-What-A-Horrible-Fucking-Ending-This-Was-Ex. Vor drei Wochen. Hin und wieder - unregelmäßig - telefonierten wir miteinander. Ich hab ihn vermisst, aber ich wollte ihm auch nicht auf die Nerven gehen. Also nur hin und wieder. Schließlich hat er ja seine Olle (ich kann diese unerträglich dumme Frau nicht ausstehen, aber mei, so lange er glücklich ist, passt es). Dachte ich zumindest. Vor fucking drei Wochen kam eine SMS, er müsse dringend mit mir sprechen, er habe ein außergewöhnliches Erlebnis gehabt. Aha? Wie naiv von mir zu glauben, er habe einen Traum der Erleuchtung letzte Nacht durchlebt und seine Liebe zu mir sei wieder entfacht worden... Pffffff. Immerhin, das neue "Spielzeug" (in Ermangelung eines neutraleren Ausdrucks werde ich sie im Folgenden nur Spielzeug - oder Spielie - nennen) hat den selben Vornamen wie ich. Und wie er von ihr schwärmte!
Wohlgemert, seine Olle (unerträglich dumme Frau - ja, ich habe sie kennen gelernt, nicht nur 5 Minuten lang... Leider) hatte er zum Zeitpunkt seiner Schwermerei noch.
Blablabla, tralalala, mir zieht es den Magen zusammen, aber was soll's. So lange er glücklich ist; und schließlich kann er nichts von meinen Gefühlen wissen, da ich sie dauerhaft seit Jahren bestreite. Selbst Schuld, ich weiß. Ist auch ok.
Jedenfalls kam es zu einem Punkt, an dem seine Schwermerei einen Höhepunkt erreichte, an dem sich mir auch noch die Kehle zuschnürte und ich verräterische Tränen ausmachen konnte. Meine Tränen, leider, nicht seine.
"Weißt du cura, wann ich zuletzt so ein Gefühl für eine Person hatte? Wann zuletzt wirklich jemand interessant war?"
Mein Gedanke: Hey, was ist mit deiner Ollen gerade, du Arsch? Denn ich weiß, was er antworten wird. Dafür kenne ich ihn zu lange, zu gut, zu intensiv. Ich habe, glaube ich, alles an ihm geschmeckt, gerochen, erfahren, gefühlt, beobachtet, gehört. Ich kenne ihn, und doch ist er mir immer wieder so fremd, überrascht mich immer wieder, obwohl mir sein Charakter mittlerweile so vertraut ist wie mein eigener. Also gar nicht, und dann doch, irgendwie... Als würde man nach Hause kommen. Ohne ihn ist es, als würde mir ein Arm fehlen. Oder beide. Das Leben ist bewältigbar, aber schwieriger, nicht so fließend, tanzend, einfach.
Nun, ich kenne ihn. Und natürlich wusste ich, was er nach seiner rhetorischen Fragen sagen würde, also kam ich ihm zuvor: "Sag es nicht, bitte. Sag es nicht."
"Bei dir!" betonte er. Ignorierte meine Bitte.

Na geil... Ein Mädchen, wesentlich jünger als ich, mit gleichem Vornamen, scheinbar mit ähnlichem Charakter (nicht zuletzt rief er mich als Einzige an mit der Begründung, ich sei diejenige, die es wohl am Besten verstehen würde weil ich das kennen würde...) und einer... vielleicht ähnlichen Wirkung auf ihn. Ein neues Spielzeug. Und ich stehe da, warte eigentlich nur darauf, ihn wieder umarmen, ihn endlich wieder küssen zu dürfen und dann wirft er mir dieses neue Spielie vor die Füße. Mir wurde es zu viel. Dramatisch-theatralisch legte ich auf. Es ist eine Sache, wenn man weiß, dass die aktuelle Olle "unzureichend" ist (in mehrfacher Hinsicht, lange Geschichte, no need to explain); er bestätigte es selbst einmal. Mit mir könne er Gespräche führen, die mit seiner Ollen unmöglich seien. Woho, etwas, das mir "Kraft" gab. Ich hatte eine "Bedeueutng". Etwas, dessen ich mir "sicher" war und weswegen es ok war, dass er seine Olle hatte und nachts nicht neben mir im Bett lag. Uns hatte etwas verbunden, das zwischen uns war...
Und nun war da diese Göre, dieses junge Ding... 

Machen wir uns nichts vor - meine Illusionen, mein Festhalten sind purer Unsinn. Ja, ich liebe ihn. Nein, es gibt niemanden, den ich kennen würde, der ihm auch nur annähernd das Wasser reichen könnte. Ja, er ist unereichbar. Und ich bin ersetzbar. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört. ... So verdammt ersetzbar.

Was aus ihm geworden ist weiß ich nicht. Hat er seine Olle verlassen, macht sie gerade das durch, was ich am Ende unserer Beziehung durchgemacht habe? Falls ja, will ich davon nichts mitbekommen. Hat er glücklich verliebt sein neues Spielzeug in sein Leben eingeladen? Herrgott, auch das muss ich nicht mehr miterleben. Ich will nicht die ewige Ex sein, die einfach nicht "voran" kommt und sich anhört, wie er seine Aktuelle für das junge Ding verlässt. Btw.: nein, so alt sind wir eigentlich noch nicht... Noch u30. "Junges Ding" mag also vielleicht etwas übertrieben sein, aber was soll's. Jedenfalls... Irgendwann reicht es. Jeder Tag, an dem er sich nicht meldet, ist Bestätigung genug, dass ich ersetzbar bin - dass meine Gefühle eine Einbahnstraße sind, in die aus der Gegenrichtung niemand etwas schicken wird. Unsinnig, unnötig. Die Resignation und die Vernunft übermannen die Liebe. So viel Ego ist dann eben doch noch da - Ego-Los können wohl nur Buddhisten lieben. Und bis dahin gilt wohl Brechts Weisheit vom Herr K.:

"Was tun Sie", wurde Herr K. gefragt, "wenn Sie einen Menschen lieben?" "Ich mache einen Entwurf von ihm", sagte Herr K., "und sorge, daß er ihm ähnlich wird." "Wer? Der Entwurf?" "Nein", sagte Herr K., "der Mensch." Bertolt Brecht

17.01.2013 um 22:22 Uhr

6 days left

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Noch eine Woche - in einer Woche sitze ich bereits mit meinem Bruder im Wohnzimmer, schlürfe vielleicht noch einen Glühwein und rede einfach nur mit ihm. Reden. Easy, Entspannung. Ich freu mich wie ein Schneekuchen an Ostern, dann endlich mal wieder (nach einem knappen Monat) wieder daheim zu sein. Familie. Entspannung. Easy.

Die Arbeit schlaucht schon ganz schön. Das war zwar von Anfang an zu erwarten, aber erst bei dieser langen "Heimfahr-Pause" merke ich, wie verdammt dringend ich den Ausgleich "Familie" brauche. Hier unten bin ich quasi Tag und Nacht Päd. Auf Arbeit, in der WG (wenn ich für meine Mitbewohner-Azubis was für die Schule gegenlese). Und in den Stunden, die ich für mich hab...? Da bin ich froh, wenn ich das Gedanken-Karusell und mein "Ego" ein wenig leiser bekomme *lach*. Stressige Zeit, in der ich deutlich merke, wie wichtig ein Ausgleich und ein Gegenwicht für die Arbeit sind. So verdammt wichtig!

Arbeit macht natürlich immernoch Spaß. Es läuft gut, manchmal frage ich mich, ob es nicht zu gut ist (was passiert da hinter meinem Rücken, das ich nicht mitbekomme, weil es so ruhig ist!? ;) ) ^^. Aber den Großteil davon genieße ich einfach. Sei es das Frühstücken mit einem Kind, das Zusammensitzen am Abend mit einem oder mehreren der Kids, der Papierkram (jaaaa, den mag ich! Genialer "Stur-Ratio-Ausgleich")... Am Meisten ist es wohl das Zusammensein mit den Kids, wenn wir uns einfach über diverse Dinge unterhalten und es so friedlich und beinahe harmonisch ist... Ich glaube, ich hab mittlerweile zu allen einen guten Draht. Alle kommen von sich aus - mal mehr, mal weniger - auf mich zu und reden mit mir, fragen mich etwas, wasauchimmer. Das ist schon krass... Ich bin erst so "kurz" dort, und doch gehöre ich "dazu". cura hat Dienst. An sie wenden wir uns nun. Punkt. curasui ist da. Sau geil. 

Morgen nochmal Dienst, Anfang nächster Woche noch einer und eine große Besprechung - dann ist es für 5 Tage erstmal geschafft. Gott sei dank hab ich immer mal wieder so große Frei-Zeiten im Dienstplan. Goldwert! Gooooldwert! Dann Füße hochlegen, nochmal Glühwein süffeln und den ersten Monat im Jahr revue passieren lassen :).

 

21.12.2012 um 17:08 Uhr

Sleep, sleep

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Waaaaaaaaaaaas für ein Dienst gestern/heute. Es war alles gut, es war nur so verdammt viel los. Hier, da, dort. Kaum Zeit, einfach mal zu sitzen und durchzuatmen, den anstehenden Papierkram zu machen oder auch einfach mal ein klein wenig zu lesen. Zwischendurch brauch ich solche "cool-down-Phasen", um wieder zu "mir" zu kommen und ein wenig Kraft zu tanken. Tjoa, gestern war damit so gut wie nix ^^.

Dafür merkte ich, wie sehr ich - auch für die Kids - bereits in der Gruppe angekommen bin. Scheiß drauf, ob ich gestern durchatmen konnte - es gab so wertvolle Momente, die für die Beziehungen so wichtig waren. Erzählte heut der Kollegin davon. Sie schmunzelte nur: "Sehr geil." 

Oh ja.

 Was für eine Hand voll schöner Moment vor den Feiertagen. Nun muss ich nur noch morgen/übermorgen arbeiten und dann hab ich - sofern niemand krank wird - fünf Tage frei. Und die brauch ich auch *lach*. Hab bereits in 1,5 Monaten Überstunden für 1,5 Wochen frei erarbeitet. Wird Zeit, mal einfach auszuruhen, zu erholen und die Familie zu genießen.

Ich wünsche euch schonmal wunderschöne, erholsame und ruhige Feiertage. Rutscht gut ins neue Jahr :). Ich mach morgen/übermorgen noch meinen Dienst - und dann gibt es ein klein wenig freie Zeit.

 

16.12.2012 um 23:23 Uhr

Unbezahlbar

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Wenn der jüngste Bub kommt und, beinahe kleinlaut, und zögernd fragt:

 "Darf ich Sie drücken?",

wofür brauch ich da etwas mehr Geld auf dem Konto?

Unbezahlbar. 

 All der Stress, die Überstunden, der zeitweise von der Hektik schmerzende Rücken, zahlen sich in diesen kleinen, wertvollen Situationen aus. Jeden Tag Kostbarkeiten. Wie gern würd ich mehr davon schreiben... Blöde Schweigepflicht ;). Ich könnte Romane über "meine Kinder" schreiben. Kein Tag vergeht, ohne dass ich etwas Witziges, Trauriges, Stressiges oder einfach Interessantes schreiben könnte. So viele Geschichten treffen in dieser Wohngruppe aufeinander - ein Sammelsurium an Erinnerungen, die - manchmal - geballt und doch verdeckt in Erscheinung treten.

Wieso reagiert dieses Mädchen gerade so? Weshalb ist er gerade so wütend? Warum ist die Tür vorhin aus den Angeln geflogen? Wieso lacht sie, wieso weint er? Es sind Schätze, egal was gerade ansteht. Einfach, weil wir wissen, dass die Kids ihre Geschichten mit sich tragen - manchmal grauenvoll schwer.

Ich muss nur darauf acht geben, in all dem Trubel den Glanz nicht zu übersehen. Es sind keine "perfekten Kinder" - sonst wären sie nicht bei uns. Es sind, manchmal fällt mir kein besserer Ausdruck ein, "verlorene Kinder". Eben jene, die trotz all dem Ärger und dem Unfug die Liebe und das Angenommensein am meisten verdienen. Und brauchen. Und wenn man das durchhält, manchmal auch "aushält", dann gibt es diese eine Sekunde, in der der Jüngste sich einem in die Arme wirft und für einen Moment einfach alles gut ist.

 

 

28.11.2012 um 18:31 Uhr

"was da wohl kommen wird"

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

"Was da wohl kommen wird?", schrieb ich im letzten Eintrag. Es bezog sich auf die Initiativbewerbung, die ich einer Einrichtung geschrieben hatte. Jugendhilfe. Stationäre Wohngruppe für Jugendliche. Damals dachte ich nur: "Hey, lasst mich rein! Ich will!"

Ein paar Wochen später - seit drei Wochen arbeite ich dort. Es ging alles ziemlich schnell - vielleicht schneller, als mir lieb war. Aber ich glaube, es war die richtige Entscheidung. Die Kids sind - meist ^^ - wirklich großartig. Es macht Spaß, wenn es nicht gerade mal wieder nervenaufreibend und anstrengend ist. Es ist auf jeden Fall ein Job, bei dem nie Langeweile aufkommt. 

Ich hangel mich aktuell noch von Schicht zu Schicht. Mal etwas unsicherer, mal etwas sicherer. Aber es wird von Tag zu Tag besser, etwas sicherer, gewohnter, "routinierter". Zum Glück, denn dieses "kalte Wasser", in das ich da beinahe geköpft bin, hat mir am Anfang schon ein wenig den Atem geraubt. Um so "heilsamer" war es heute, die Rückmeldung zu kriegen, dass ich meinen Job bisher sehr gut mache und bei den Kids einen guten Stand habe. Das verwundert mich schon ein wenig, schließlich sind erst zwei Betreuer gegangen (für die eine bin ich gekommen, deswegen so viel kaltes Wasser). Ich hab mit mehr Konflikten, mit mehr Austesten und "Rebellion" seitens der Kids gerechnet. "Die Neue will uns was sagen? PAH, die kann uns mal!" - oder so ähnlich. Klar kam das bisher vor, aber ebenso gab es auch wunderbare und wertvolle Momente, in denen ich merkte, dass ich langsam ankomme - auch für die Kids. Dass da langsam, ganz langsam Beziehungen wachsen. Dass ich mit ihnen reden kann, dass sie zuhören wie auch ich ihnen zuhöre. Sie machen nicht dicht, sie sind offen, neugierig, auch wenn immer wieder die "Rebellion" durchbricht. Wenn es ruhiger ist, kann man auch zusammen lachen, Karten spielen, Probleme thematisieren,... Es wird, es wird definitiv. Von Tag zu Tag - und das ist einfach umwerfend, atemberaubend. 

So lebe ich mich nun hier ein, versuche meinen Platz im Team und bei den Kids zu finden und dabei nie zu vergessen, dass ich Pädagogin bin - muaaaaaaah, wie sich das anhört! (Ja, es ist offiziell: Ich bin Dipl-Päd, woho ^^.) Keine Praktikantin mehr, keine Vertretung - sondern Mitarbeiterin, Teil des Teams. Ungewohnt, neu, verunsichernd. Ich vergess das immer mal wieder, wenn ich auf der Gruppe bin. - Aber irgendwie ist es auch verdammt geil. :)

01.10.2012 um 21:27 Uhr

mehr als einen Monat her?

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Wow, es ist über einen Monat her, dass ich hier geschrieben habe.

Die Dipl ist natürlich abgegeben - eine Rückmeldung hab ich bisher noch nicht bekommen, aber das kann noch gut und gerne 1-2 Monate dauern. Ich schau ab nun regelmäßig online nach, ob eine Note eingetragen wurde. Neugierig ist man ja doch, was aus dem Baby wohl geworden ist. :) Primär stehen aber andere Dinge an.

Zum Beispiel Vorstellungsgespräche. Heilig's Blechle, sag ich da nur. Ich hab bisher erst eine Hand voll Bewerbungen geschrieben. Allem voran hab ich im September einfach Ruhe und Entspannung (und mal wieder einen Ausflug auf Schalke ^^) gebraucht. Trotzdem kam heute ein Anruf, ob ich nicht Lust hätte, zu einem Gespräch vorbei zu kommen. Was für eine Frage! Ich war zunächst geringfügig überwältigt, weil es die Rückmeldung auf eine Initiativbewerbung war, auf die (laut der Dame, der ich sie schickte), vermutlich frühestens im nächsten Jahr was kommen könnte, weil momentan alles passt. So schnell kann es dann doch gehen. Ich schwanke zwischen  Angst, Unsicherheit und heller Freude. Die Freude überwiegt aber *g*. Es wäre in einem Bereich, den ich mir (spontan) mehr als gut vorstellen könnte. Darum schrieb ich auch die Initiativbewerbung, weil ich damals nur dachte: "Muaaah, lasst mich rein, lasst mich rein!" Und nun darf ich mich tatsächlich vorstellen. Ich freu mich sehr und warte gespannt, was da wohl kommen wird. :)

Ansonsten geschieht - trotz "Pause" - beinahe mehr, als mir lieb ist.  Nunja, das ist übertrieben. Natürlich tut es mir gut, dass ich im Moment wieder zu tun habe (abermals Vertretung im KiGa, woho! Großartige Kinder und großartiges Team - ich kann Erfahrungen in einem absolut tollen Umfeld sammeln), denn das Zuhause-Sitzen hätte mir nicht mehr lang gut getan. Eine Freundin zieht weit weit weg (tränenreiche Verabschiedung), die Familie tanzt natürlich (wie immer) Samba, und vom besten Kumpel (aka Ex, mit dem ich immernoch guten Kontakt habe) gäbe es auch mehr als genug zu erzählen. Manches gehört hier her - manches nicht.
Traurig ist, dass ich vorhin vom Tod Dirk Bachs gelesen habe. Ich verstehe nicht, wie da zuerst manch einer fragen kann, wer denn nun weiter das Dschungelcamp moderieren wird, aber gut. Es wird eigenartig sein, heute Abend das von ihm gesprochene Hörbuch zu hören. RIP, Dirk Bach. Du warst weit mehr als das Dschungelcamp. Ich werd allem voran deine Vorles-Künste vermissen.


What will be, will be.

 

26.08.2012 um 10:24 Uhr

lazy sunday

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Ich hab heute ausgeschlafen. Erst um 08:30 bin ich aus dem Bett gekrabbelt, hab die obligatorische Kanne Kaffee gemacht und mich dann ganz langsam an den Laptop gesetzt. Keine Hast heute, kein Hochfahren des Laptops während ich nebenbei noch etwas suche und die Kaffeetasse schonmal befülle. eins nach dem anderen, easy. Ich gähne, blinzel in die Sonne und grinse vor mich hin. Stückchen für Stückchen lese ich gerade nochmal mein zweites Kapitel durch. Das sind nur noch 10 Seiten, aber für die hab ich mir bis 12:00 Zeit eingeräumt. Kapitel 3 werde ich nicht mehr lesen, denn das war, wie auch Kapitel 4, schon gestern dran. Heute warten dann nur noch Kapitel 5 und der Schluss auf mich. Ich überlege, ob ich an Kapitel 5 nochmal rumwerkel, etwas umstelle oder vielleicht auch nicht. Ich bin noch nicht ganz glücklich damit, es ist irgendwie noch... holprig. Es hat Ecken und Kanten und passt irgendwie nicht so ganz in den bisherigen Verlauf der Arbeit. Mal sehen, ob ich da nochmal mit der Feile ansetzen werde oder nicht. Diese Frage ist reiner Luxus. Freunde mussten bis zum Schluss arbeiten, weil sie noch nicht fertig waren. Ich hatte das Glück, meinen Zeitplan einhalten zu können und so heute für das "Überflüssige" Zeit zu haben ^^. Eigentlich kann ich jetzt, so wie die Arbeit ist, sie drucken gehen (wenn denn ein Geschäft offen hätte). Sie ist fertig. Fix und fertig. Was mich an dem Dokument hält ist - schreib ich das gleich wirklich? - die Liebe, die ich zu ihm habe. Es steckt so viel Arbeit darin, so viel Herzblut, dass ich ihm bis zur letzten Minute Sorgfalt zukommen lassen möchte.

Aber easy, ruhig. Eins nach dem anderen, nicht mehr gehetzt oder gestresst. Es ist vorbei, in 10 Stunden hab ich offiziell Diplom-Feierabend. K. (eine Korrekturleserin, die Donnerstag beim Laptopcrash geholfen hat) meinte, sie rufe mich zwischen 20:00 und 21:00 an. Dann soll ich ihr das fertige PDF-Dokument schicken, wir schaun es nochmal gemeinsam am Telefon durch - passen alle abstände, hat das Umwandeln nix verhauen, ist das literaturverzeichnis endlich einheitlich - und dann darf ich nicht mehr daran arbeiten *gg*. "curasui, verpass nicht den Punkt, einfach zufrieden zu sein und abzuschließen!" Nein nein... ich hab ja jetzt noch etwa 10 Stunden Zeit, mich von der Dipl zu verabschieden. Das krieg ich bis heute abend schon hin ^^.

 

24.08.2012 um 21:13 Uhr

Natürlich muss kurz vor Schluss das große Chaos ausbrechen!

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Nun, ja nicht ganz das große Chaos, aber ich war gestern schon ziemlich nah dran.

Montag will ich meine Arbeit drucken und binden lassen, um sie dann brav im Prüfungsamt abzugeben. Sperrfrist ist zwar Dienstag - aber wer weiß, ob beim Drucken und Binden nicht was schief geht? Da will ich für den Notfall einen Tag Puffer haben. 

Drum war ich gestern auch super im Zeitplan: um 07:00 aufstehen, Käffchen kochen, die 30 Seiten Korrektur anschaun, die ich an dem Vormittag in die Dipl einarbeiten wollte. Blätter durch - schaut machbar aus. Nicht viel, hier und da Tippfehler, hier und da eine etwas ruppige Überleitung, aber alles in allem bis 12:00 auf jeden abgearbeitet. Dann bis 14:00 Mittagspause und danach geht's weiter.

Denkste!

Es ist 07:05, ich schalte den Laptop an. Schwarz. Er bleibt schwarz. Es kommt ein kurzer willkommensbildschirm, dann schwarz. Meine Händen zittern. Cool bleiben. Erstmal eine rauchen, einen Schluck Kaffee nehmen und dann nochmal probieren.
07:10, ich drücke erneut auf den An-Knpof. Das gleiche Spiel. Ein kurzer Blick auf den Willkommensbildschirm, dann ist er schwarz. Irgend etwas arbeitet im Laptop, ich höre es, aber er fährt nicht hoch. Ich bekomm Herzrasen, geh in Gedanken durch, wann ich die letzte Sicherung auf den Stick gespeichert und meinem bruder per Mail zugeschickt hab. Mittwoch Mittag. Eine ziemlich aktuelle Version hab ich also als Sicherung. Okay. Easy. Noch eine rauchen, der Laptop denkt sich doch garantiert nur "noch 10 Minuten, Mama."
07:15, eine weitere Zigarette später versuche ich ein drittes Mal meinen zweijährigen Schlepptop hochzufahren. Alles unverändert. Dann kommen die Tränen. Ich heul wie ein Schlosshund, probier es wieder und wieder und wieder. Nichts. Ich schau auf die Uhr. 07:30. Um die Uhrzeit kann ich keinen wecken. Nochmal eine rauchen - so viel wie noch nie in der ersten halben Stunde des Tages, noch eine Tasse Kaffee - noch ein Taschentuch. Ich tiger durch die Wohnung und kann einfach nicht mehr an mir halten. In vier Tagen Abgabe - und mein laptop streikt. Das durfte ja wohl nicht wahr sein!

Um 07:50 geb ich auf, ruf bei meiner Familie an. Ich brauch Hilfe, ich hab keine Ahnung was ich tun soll. Zur Bib hochfahren? Die macht erst in einer Stunde auf und in den Semesterferien hat sie auch nicht annähernd lang genug geöffnet, als dass ich mein Pensum schaffen könnte. Niemand nimmt ab. Noch ein Taschentuch. Ich schick einer guten Freundin eine SMS, ob sie schon wach ist. Sie hat bisher meine Arbeit korrektur gelesen, auf sie ist 100% Verlass, egal was ansteht. Ist sie schon wach? ich will sie nicht wecken. Keine antwort. ich ruf nochmal bei meiner Familie an. Niemand nimmt ab. ich hab das Bedürfnis, den laptop auf dem fenster zu werfen und die Dipl einfach zu vergessen. Das war einfach zu viel für die Nerven.

Mein Bruder ruft mich schlaftrunken zurück, fragt, was es denn gibt. Ich kann nur schluchzen. "Atme mal tief durch und sag mir, was los ist." - "laptop geht nicht mehr." - "Was genau geht nicht?" - "Fährt nicht hoch." - "Okay.. gib mir 10 Minuten zum Wachwerden und überlegen, dann ruf ich dich nochmal an.

10 Minuten und eine weitere Zigarette später: "Curasui, wie wäre es, wenn du noch heute Vormittag einen Ersatzlaptop kriegst?" - "Einen... was?" - "Meinen alten laptop, der hier verstaubt. Der ist eh besser als deiner." - "Ja? Geht das? Kann ich den holen kommen?" Ich rechne in Gedanken: 3 Stunde bis zum bruder, 3 Stunden zurück... Das ist nicht "heute Vormittag". Moment.  "Mom braucht noch bis 09:00 das Auto, sobald sie wieder da ist kann ich es haben. Dann komm ich vorbei... Also gegen 11:00 hast du nen laptop. Alles easy." 

Wenn jemand gestern gegen 08:30 ein Erdbeben gespürt hat - das war der Stein, der mir vom Herzen gefallen ist. Just in dem Moment kommt eine SMS von der Freundin: "Hab mit meinem Kerl geredet. Der hat nen alten Laptop. Bin um 09:00 bei dir, kannst ihn über's Wochenende bis Montag haben."

 Alter Scheiß... Ich telefonierte mit meiner Freundin, während mein Bruder alles zusammensuchte und erklärte ihr, dass mein Bruder vorbei kommt und mir seinen gibt. "Egal. Ich bin um 09:00 bei dir, dann trinken wir erstmal Tee, lenken dich ab bis er da ist und dann wirst du auch einen dritten laptop haben. dann kann wirklich nichts mehr schief gehen - einer von den dreien wird ja wohl bis Montag laufen." Ich lache und weine gleichzeit. eigentlich war wirklich alles easy und halb so wild. Ich wusste, dass ich zwar ein wenig zeit verlieren würde - aber das wär ja nichts, was meine Arbeit ernsthaft gefährden würde. Es wären nur ein oder zwei Tippfehler mehr drin *g*. Trotzdem hab ich erst in dem Moment realisiert, dass alles fein ist. Dass es wunderbare menschen gibt, die mir helfen, wenn sie es können. Und dass ich meinen Laptop nicht aus dem fenster werfen muss.

Nun hab ich die erste Korrekturwelle durch. Samstag und Sonntag schau ich mir die Anmerkungen von kumpel No2 durch, ob ich noch etwas bearbeiten muss und Montag wird es dann locker flockig gedruckt. Es war stressig, die Nerven lagen absolut blank, aber es ist alles okay. Mitten im Endspurt - bald bin ich fertig. Das Ende ist absehbar. :)

 

02.07.2012 um 22:19 Uhr

Hirn schlägt alles

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Musik: Bosse - Robotterbeine

Kommunikation ist ein eigenartiges Ding und mit der Zeit bin ich mehr als sensibel geworden. Das hat manchmal den Nachteil, dass ich manche Dinge überbewerte, zu viel interpretiere. Manchmal hat es aber auch den Vorteil, Situationen auseinander zu nehmen und verstehen zu können. Was gestern der Fall war, weiß ich nicht.

Es gibt so einen feinen, feinen Unterschied zwischen einer Aussage, einer Frage und der Verknüpfung von beiden.
"Ich würde dich gerne sehen." - Eine Aussage. Das Befinden des Anderen. Nicht mehr und nicht weniger, auch wenn der Sprecher vielleicht eine gewisse Antwort erwartet, ist das für mich erstmal neutral.
"Willst du mich sehen?" - Eine Frage. Die Antwort ist voll und ganz offen. Vielleicht gibt es auch hier eine erhoffte Antwort, aber wenn, dann ist sie verborgen und lässt dem Gegenüber die Freiheit des "ja" oder "nein".
Wenn aber beides verknüpft wird, ergibt sich für mich etwas ganz Anderes.
"Ich würde dich gerne sehen. Geht es dir auch so?" - Mir schnürt sich die Kehle zu, weißgott warum. Es ist, als würde die Aussage die Antwort der Frage bereits strukturieren. Als wäre der Spielraum, die Freiheit zu antworten, geringer geworden. 

Solch eine Situation hat sich gestern zwei Mal mit dem Herrn ergeben.  Beim zweiten Mal ging es um vermissen. "Ich vermiss dich. Vermisst du mich auch?" Ich hab mir Zeit gelassen mit der Antwort, hab mich zunächst dem Gefühl vergewisstert, dass ich zu keiner Antwort verpflichtet bin - dass ich frei antworten kann, darf. Aber eigentlich wollte ich gar nichts sagen, mich einfach umdrehen und gehen. Meine Sensoren gingen auf Alarm. In meiner Wahrnehmung war die Botschaft klar: "Sag mir, dass du mich vermisst."

Nein. Ich sage es nicht, weil es du es hören willst. Ich sage das, was meiner Empfindung entspricht, auch wenn es nicht das ist, was du hören willst.

 

Kommunikation. Manchmal hasse ich sie.

"Das Wetter ist gerade gut, es regnet nicht." Eine Feststellung. "Jetzt könnte jemand wirklich gut mit dem Hund gehen." Auch eine Feststellung. Aber die Apellebene war nicht zu überhören. Ich wollte ihr vor die Füße kotzen, stattdessen sagte ich nur gelassen: "Stimmt, jemand könnte gerade wirklich - ohne nass zu werden - mit dem Hund gehen."

Kommunikation. Ich werde Eremit. Vielleicht sehe ich Geister, fühle mich zu unrecht auf der Flucht vor Schlingen und Falllöchern. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich gerade kotzen möchte, wenn Kommunikation so zweideutig, so unterschwellig, so... manipulativ wird. Ich bin selber Meisterin darin, ich hasse es an mir. Ein Grund mehr, aus solchen Kommunikationsmustern einfach auszusteigen und nicht so zu reagieren, wie es unterschwellig - vielleicht - erwartet wird. Wenn ich nicht aufgrund temporären Wahnsinns zu unrecht davon laufe.

 

14.06.2012 um 20:23 Uhr

Stand des Bauches

von: curasui   Kategorie: ~ auf der Fensterbank

Der Bauch sagt einem manchmal, auf beinahe grauenvolle Weise, wie der Stand der Dinge ist. Es sollte daher meines Erachtens "Stand des Bauches" sagen. Wenn wir gestresst sind, brummelt er. Wenn wir uns freuen, kribbelt er. Und wenn wir uns aufregen, nun ja, manche bekommen Blähungen und andere einen hochroten Kopf. So kann das gehen.

Was wollte ich noch gleich?

Der Herr ist heute nicht da, beinahe "ausnahmsweise". Einen Großteil der letzten Abende haben wir zusammen mit Fußball verbracht und es wird immer entspannter, angenehmer, lockerer - schöner. Der Höhepunkt war wohl das Wolkenbilder schauen an meinem Fenster, meiner Fensterbank. Rauchend. Und ich ertappe mich dabei, wie ich auf seinen Mund starre und einfach nur gern wüsste, wie er schmeckt. Ein mal dreist sein, sich ein mal auf die Zehenspitzen stellen und es einfach probieren. Einfach so. Aber dafür bin ich natürlich zu feige, zu ängstlich. Habe Angst davor, was passiert, wenn ich einen Schritt weiter gehe. Ich kenne mich - geht es zu schnell, dreh ich wieder durch, krieg die Krise und nein, das muss nun wirklich nicht sein. Kein Stück. Die letzte war... beschissen genug. Roter Alarm, langes Telefonat mit einer lieben Freundin - zum ersten Mal seit Jahren auf alte Tricks zurück greifen. Scharfe Gegenstände aus dem Zimmer schaffen, Stabilisierungstechniken, etc. pp. Zustände, wie ich sie beinahe nicht mehr gekannt hab. Es war erschreckend - und ernüchternd. "Das ist die Feuerprobe", meinte meine Freundin. "Zwischenmenschliche Beziehungen sind das immer bei uns." Wie recht sie hat.

Also stehe ich nur da und betrachte seinen Mund, freue mich und spüre nach, was sich tut. Genieße die kurzen Berührungen, wenn es mein Hirn zulässt und grinse zeitweise grenzdebil vor mich hin. So ist es - der Stand des Bauches. Er kribbelt ein wenig.