...das Gänseblümchenbuch.

09.01.2012 um 06:52 Uhr

Trudle durch die Welt

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Aphorismen

 

 

"Entspanne dich, lass das Steuer los,
trudle durch die Welt, sie ist so schön"


Kurt Tucholsky

 

08.01.2012 um 00:22 Uhr

Das ist nicht das Ende. (Letzter Teil)

Weihnachten kam. Ich brachte es irgendwie über die Runden. Mit den Liebsten, die mich nicht allein lassen wollten. Wieder zeigte sich im nachhinein, dass es genau so in Ordnung war, wie alles kam. Und ich bin dankbar dafür. Ich bekam am Ende des Tages ein Geschenk, aber ich durfte es erst öffnen, als der letzte Gast gegangen war.

Ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Was sollte das noch sein? Ich hatte doch alles. Ich sass in der Stube. Auf dem grossen Sofa. Der Tannenbaum spendete Licht und ein paar Kerzen, die ich auf den Tisch stellte. Langsam wickelte ich Papier ab. Und dann machte mein Herz auf einmal einen Sprung. Mama! Ich war vom ersten Augenblick an von diesem Bild gefangen. Genau so kannte ich sie. Genau so möchte ich sie behalten. Was für eine Freude. Was für ein Bild. Was für ein Geschenk! Es zeigt sie am Strand. Man sieht es an den Steinen im Hintergrund. Und sie kneift die Augen ein bisschen zu.Die Sonne schien wohl gar zu hell.

Das Bild steht auf meinem Schreibtisch. So habe ich sie immer im Blick. Wenn ich arbeite, wenn ich lese. Oder schreibe. Manchmal kullern noch Tränen. So wie jetzt.

Aber das geht vorbei... und nur die Erinnerungen bleiben.

Zwischen den Jahren habe ich in den ersten Fotoalben geblättert. Und machte mich dabei auf eine Reise in die Vergangenheit. Und manches Bild hat mir schon ein Lachen entlockt. Noch etwas unbeholfen. Weil ich mir nicht sicher bin, ob man darüber schon lachen darf. Manches war einfach zu komisch. Damals.

 

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Ende

07.01.2012 um 22:29 Uhr

Das ist nicht das Ende. (Teil 7)

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

Es braucht nicht viel. Nur so einen winzigen kleinen Funken. Einen Gedanken. Ein Zeitfenster. Einen Splitter. Erinnerungen. Mit den liebsten Menschen. Ich sass auf der Bettkannte. Wollte mich zur Nacht hinlegen. Hielt kurz inne. Da war es schon passiert. Die Tränen kullern.

Und heute. Ich stehe in der Küche. Am Herd. Wische gelangweilt Krümel zur Seite. Ein Blick aus dem Fenster und ich erhasche so einen Moment. Das hätte ich ihr gerne gezeigt. Ich weiss, dass es ihr gefallen würde. Hast Du es schon gemerkt? Die Tage werden wieder länger. Ich spüre es schon und um den Frühling ist mir nicht bang.

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Man müsste mal wieder hinaus ins Leben.

 

 

04.01.2012 um 17:57 Uhr

Das ist nicht das Ende. (Teil 6)

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

Wir hatten uns vor ihrem Tod darüber unterhalten. Mehrmals. Wo sie denn begraben werden möchte? Ob sie sich darüber schon mal Gedanken gemacht hat? Kaum war die Frage gestellt kam schon die Antwort: "Im Meer!" Noch immer bin ich davon gefangen. Die Vorstellungskraft reicht nicht, um der Tragweite dieses Ausspruchs gerecht zu werden.

Es war Bilderbuchwetter. So, wie man es sich für einen Sommerurlaub wünscht. Endlosblau der Himmel. Das Licht der Sonne bricht sich tausendfach auf dem Wasser. Bis zum Hochizont. Das Schiff bahnt sich seinen Weg. Die Gischt schäumt vorne am  Bug. Möwen begleiten sie ein Stück. Kreischend. Dann erstirbt plötzlich das tuckern des Motors und das Schiff gleitet dahin und schaukelt dann nur noch. So kommt der Abschied. Mit Worten. Mit Blumen. Leise spielt Musik während die Urne zu Wasser gelassen wird. Sie sank hinab. Man sah sie noch eine kleine Weile und nochmal funkelte Licht am Urnenrand. Dann war sie fort. Blumen schwammen oben auf den Wellenkämmen. Das Wetter änderte sich von Minute zu Minute. Der Wind wurde stärker. Der Motor sprang wieder an und brachte sie zurück ans Ufer. Ohne Mama. Es regnete inzwischen.

Und noch immer fühlt sich das so komisch an. Jede Reise ans Meer wird nun eine Erinnerung an sie sein. Am Strand barfuss laufen. Eine Welle umspült meine Füße. Berührungen. Sie? Sie liebte das Meer. Diese grenzenlose Weite. Freiheit.

P.S. Die Fahrt auf das Wasser ist nacherzählt. Ich konnte nicht mit. Das ist eine andere Geschichte. Vielleicht irgendwann einmal findet sie hierher.   

 

 

04.01.2012 um 16:43 Uhr

Das ist nicht das Ende. (Teil 5)

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

Es war, wie wenn man die Tür hinter sich zuzieht. Sprichwörtlich. Aber so bildgewaltig.

Es war heute.

So grau ist der Tag. Mit dunklen Wolken und ein Wind heult um die Häuserecken. Noch einmal die Treppen hoch gestiegen. Bis unter das Dach. Dort wohnte sie. Es lag alles leer vor einem. Ich schritt einmal durch die ganze Wohnung. Und obwohl man nur die frisch geweissten Wände sah, sah man andere Bilder. Wir machten die Übergabe. Liessen alle Schlüssel da. Zogen die Tür dann hinter uns zu. Stiegen hinab. Nochmal durch den Keller. Durch´s Waschhaus. Es war alles gut. Wir tauschten die Unterschriebenen Protokolle. Verabschiedeten uns. Und eine Last fiel von mir.

Ich musste fort. Schnell. Ich war launisch. Noch immer waren nicht alle Kisten fort. Vier an der Zahl. Kleidung und ich bin sie gleich los geworden. So, wie sie es wollte. Beim 'Rot Kreuz'.

Und eine weitere Kiste, mit Büchern, steht hier nun bei mir daheim. Ich musste schauen. Fand obenauf das Buch "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk". Einen Duden. Für Kreuzworträtsel. Und Wissen für Kinder. Ich frage, ob Sonnensternsystemchen sie haben möchte. Und andere Bücher? Homöopathie. Damit kann ich nichts anfangen. Erlebnis Eisenbahn. Das muss noch von meinem Papa sein. Märchen der Völker der Sowjetunion. Mama liebte diese Märchen. Die Verfilmungen verursachten in mir Angst. Jenseits. Ein Roman von John Galsworthy. Nie gehört. Nie gelesen. Ich fürchte, ich bin mit dieser Kiste überfordert und werde sie bei erster Gelegenheit losschlagen.

Ich bin einfach müde.

 

 

01.01.2012 um 18:15 Uhr

Das ist nicht das Ende. (Teil 4)

Diese Kiste war mir so wichtig gewesen. Ich glaube mehr als alles andere. Ich wusste nur ansatzweise was in ihr drin ist. Erinnerungen. Bilder. Im warsten Sinne des Wortes. Mit einer fast unheimlichen Akribie hat meine Mama in früheren Zeiten Fotos gemacht. War selbst gern vor der Kamera und spielte keck mit ihr. Das sah ich als ich jetzt Bilder in den Händen hielt. Die ich schon irgend wann einmal angesehen hatte. Ist lange her. Doch jedes einzelne rief eine Erinnerung ab. Weitere Bilder. Splitter. Geschichten, die sich darum rankten.

Ich hatte die Kiste in die Stube getragen. Stellte sie neben mir auf das grosse Sofa. Was erwartete mich? Mama hatte die Kiste gepackt. In den Wochen vor ihrem Tod. Dann irgendwo verstaut. Sie erzählte es mir. Wie diese Kiste genau zu mir hierher fand weiss ich immer noch nicht. Vielleicht, weil die Kiste vorher noch nicht beschriftet war, denn als ich sie fand, war es das erste was ich tat. Ich schrieb drauf "DIAS". So gross damit ich diese Kiste nicht mehr aus den Augen verlor. Unser Unterbewusstsein lässt uns so handeln.

Klebeband musste ich keines entfernen. Was mich immer noch überlegen lässt, wie die Kiste hierher fand. In einer anderen Kiste? Mit welcher? Ich öffnete die Kiste weiter und das erste Bild, was mir in die Hände fiel war eins der bekanntesten. Es hing immer in allen Wohnungen in die wir zogen. Es zeigt Mama und Papa und ich in der Mitte. Wir. Als kleine Familie. Das erste Foto als Familie. Ich war fünfeinhalb Jahre alt.

Das zweite Bild das ich fand zeigte ihre kleinste Schwester mit zwei von insgesamt vier Kindern. Es waren die beiden Erstgeborenen. Ich mochte diese Tante.

Dann war da ein altes Fotoalbum. Brauner Einband. Die einzelnen Seiten werden mit einer Kordel zusammengehalten. Hellbraune Seiten. Teilweise für die Fotos schwarze Einfassungen. Mit weissem Stift stand auf der ersten Seite: "Erinnerung an meine Kindheit"- Zusatz- "Gewidmet von meinen Eltern." Ich blättere los. Jede Seite einzeln. Besah mir jedes einzelne Foto genau. Es war ein sonderbares Gefühl das mich überkam. Traurig und schön zugleich. So wunderbar gemachte Erinnerungen. Für die Ewigkeit.

Ich musste eine Pause einlegen. Ich sah fast nichts mehr, denn die Tränen konnte ich schon längst nicht mehr festhalten. Ich beschloss alles zurück zu legen. Ohnehin konnte ich mir nichts weiter ansehen. Denn die DIAS, dafür fehlt mir das Gerät. Ein Projektor. Wir hatten mal einen und Mama erzählte mir, dass sie ihn weggegeben hatte. Leihweise, wie sie mir sagte. Doch er ist fort. Ich werde mir irgendwann ein neues Gerät ins Haus holen. Bis dahin bleiben die versunkenen Schätze ungehoben.

 

01.01.2012 um 13:54 Uhr

Das ist nicht das Ende. (Teil 3)

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

"Manchmal muss man nur
mit einem alten Menschen reden.
um dem Tag gelassen zu begegnen.

Augen, vom Leben klug,
die dir sagen: ein Auf, ein Ab.
Was auch immer passiert,
es geht weiter,
bis zum letzten Atemzug,
und am Ende ist es gut,
wie es war.
"

(Quelle/ Buch: Manchmal muss man nur einfach ans Meer fahren, um glücklich zu sein", Rosalie Tavenier)

Aus dem anderen Blickwinkel betrachtet war es garnicht gut. Ihre letzten drei Tage waren qualvoll. Ich mittendrin. Und musste zeitweise an anderes denken, weil ich sonst auf meinem Weg stehen geblieben wäre. So könnte man das sagen.

Mama ist seit vier Wochen tot.

Freitags und Samstag. Der Umzug ging in Eigenregie über die Bühne. Der Bodyguard hatte Freunde mitgebracht. Die trugen alles ganz lässig fort. Mittwochs bin ich für zwei Stunden aus der Firma fort und trug die ganzen Kisten von Alt nach Neu. Diese Überlegung war dann noch viel Wert und erwies sich als richtig. Denn beim Umzug passieren fast immer unvorhersehbare Dinge.

Noch etwas wurde mir bewusst an diesen beiden Tagen. Die wichtigsten Menschen um einen herum sind nicht jeden Tag bei Dir, aber wenn Du sie brauchst, dann schon. Das gab mir ein Gefühl von Sicherheit. Ich zweifelte hin und wieder. Doch der Freund sagte mir:"Wir schaffen das!" Genau so kam dann alles.

Sonntag.

Küche, Stube und Schlafzimmer sind in ihren Grundzügen fertig. Nur einzelne Möbelstücke suchten noch ihren endgültigen Platz. Ich stand im Flur. Ein Regal aus zwei Elementen, jetzt aneinander gereiht. Sie passen perfekt in diese Nische. Als wären Sie schon immer nur für diesen Platz gemacht worden.

Ich hatte erst einmal nur alles irgendwie abgelegt. Wichtige Unterlagen. Meine Bücher. Die meisten noch in der Kiste verpackt. Meine Werkzeugkiste für schnelle Einsätze. Eine Spielkiste von Sonnensternsystemchen. Fotoalben. Kochbücher. Grosses Rätsellexikon. Weitere kleine und mittelgroße Kisten.

Und dann fällt der Blick auf diese Eine. Mit der Aufschrift "DIAS". Diese Kiste, die für Verwirrung sorgte, da sie verloren geglaubt war.

 

 

28.12.2011 um 23:25 Uhr

Das ist nicht das Ende. (Teil 2)

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

Ich hatte einen Sieben- Punkte- Plan. Dieser erstreckte sich über zwei Wochen (Ausser der Teil mit den Kisten packen, da begann ich schon viel früher damit und packte wirklich bis zur letzten Minute.). Mit Punkten, die abgearbeitet werden mussten. Es gab zwei Varianten: Variante 1- mit den erwähnten sieben Punkten. Variante 2- dort stand nur geschrieben '...gibt es nicht!' Ich war erstaunt darüber. Jenen Plan gab mir ein Freund.

Und mit diesen Plan in der Tasche arbeitete ich jeden Tag. Ging früh in die Firma. Fuhr zum Feierabend in die Klinik. Fuhr anschliessend nach Hause und arbeitete den Plan ab. Es war Stress pur. Nicht gut für mich. Ich wusste das und musste mich immer wieder ermahnen Hilfe von aussen zu holen. Nur eins habe ich gemacht- ich habe alle Umzugskisten selber eingepackt. Beschriftet. Gestapelt. Und später auch wieder ausgepackt.

Ich habe zudem rigoros ausgemistet. Zwei Jahre lang war ich in der alten Wohnung und hatte das nur als Übergang gesehen. Und alles, was ich nicht mehr in den zwei Jahren angefasst habe kam weg. Entweder in die Kleiderkammer oder Möbel zum Sozialdienst. Der Rest kam auf Wertstoffhöfe. Manchmal warteten davor irgendwelche Leute. Fragten, ob man etwas abzugeben hätte und was sie mitnehmen wollten, das nahmen sie mit. Der Rest kam dann endgültig weg.

Doch dann war dieser Tag, der meinem Leben eine neue Richtung gab. Das Leben stand schlagartig still. Wie sollte ich jetzt weitermachen? Wofür das alles? Denn mit dem Tod der Mama endete doch auch die Geschichte des Gänseblümchen's (so hatte ich gedacht)? Jene Geschichte, die vor über dreissig Jahren begann. Sie begann an einem Tag im Oktober. Kinderheim. Und die Frage war, ob ich mitkommen möchte. Es war das größte Abenteuer, auf das ich mich einliess. Mein Leben.

Diese Gedanken kamen mir immer wieder in den letzten Wochen. Es war als, wenn ich jeden Tag nochmal erleben würde. Jeden Tag mit Mama und Papa.

 

P.S. Nicht wundern über die Kategorie. Ich lasse sie einfach so stehen. Normalerweise erzähle ich 1:1 über einen Tag von mir (Tagebuchnotiz). Doch hier ist einfach alles nacherzählt. Über die vergangen Tage. Ich hoffe das macht nichts ;-).

 

 

28.12.2011 um 14:41 Uhr

Das ist nicht das Ende. (Teil 1)

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

"Die Mama ist heute morgen eingeschlafen. Möchtest Du kommen? Wir warten auf Dich." Irgendwie... ich weiss nicht... mir ging das plötzlich zu schnell... und... dennoch war es doch abzusehen? Wann? Wann hätte denn die Mama sterben sollen...?

Ich schrieb zurück, dass ich gerade aufgestanden sei. Das ich mich anziehe und auch etwas zu mir nehmen muss. Nichts weiter dachte ich dabei. Oder ich befand mich in Trance und funktionierte nur einfach und klingelte beherzt an der Tür von der Palli- Station. Ich wurde herein gelassen und musste erst einmal warten. Offensichtlich wusste das Personal nicht, dass ich bereits wusste, dass die Mama heute morgen gestorben war. Ratlos hastete man umher und dann kam die Schwester und führte mich zur Tür. Klopfte und meldete mich bei meiner Familie an.

Ich schritt hinterher. Ich wusste nicht, was mich erwartete. Papa sah ich das letzte mal auf seinem Zimmer. Vor dem Fenster stehend. Die Hände auf dem Rücken verschränkt. Und er lächelte. Jenes Bild von ihm habe ich bis heute in meinem Herzen. Und ich bin sehr froh darüber, dass es genau dieses Bild geworden ist. Nichts quälendes lag darin. Keine vom Schmerz verzerrten Gesichtszüge. Kein weinen. Keine Angst vor der eintretenden Nacht. Keine Angst nicht mehr atmen zu können- trotz geöffnetem Fenster. Und noch viele einzelne Bilder, die jetzt auf einmal wieder hervortreten. Ich sitze derweil an meinem Schreibtisch. In der neuen Wohnung. Ich musste die Jalousinen herunter lassen. Der Winterhimmel ist hier blassblau und die Sonne scheint hell. Wie an jenem Tag.

Meine Schritte wurden langsamer. Mehr und mehr nahm ich vom Zimmer wahr. Das Bett. Von der Tür aus war nur jener Teil einzusehen, wo die Füße waren. Jetzt war ein weisses Laken darüber. Und bunte Blätter säumten rings den Rand. Inzwischen musste ich mich an der Wand stützen. Die Tränen liefen mehr und mehr. Dann stand ich vor ihr. Und erschrak.

Der Tod ist häßlich! Das ist nicht meine Mama!

"Sobald die Seele den Körper verlässt ist der Mensch nur noch eine Hülle. Denn all das, was den Menschen ausgemacht hat, uns so gezeigt hat, wie er war, das war die Seele." Das erklärte mir später eine Freundin. Ich war auf der Flucht und fand den Weg zu ihr.

Ich sass Stunden wieder auf diesem Sofa. Konnte nicht viel sagen und lauschte nur halb meinem Gegenüber. Unendlich viele Bilder vermischten sich mit den Tränen. Und es erstarb das weinen und die Worte wurden mehr. Verhalten, aber Leben in ihnen. Und es war Zeit für den Aufbruch. Ich stand auf. Trat noch einmal an das Bett heran und streichelte, kaum merklich sie berührend, über die Hand. Schritt zur Tür ohne mich noch einmal umzudrehen und verliess die Klinik. Und fuhr heim und fand nur Platz zwischen Umzugskisten...

 

 

24.12.2011 um 23:55 Uhr

Denn Du bist Licht.

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

Da sassen wir zwei beisammen. Du erzählst. Ich höre zu. So ganz unvermittelt fragtest Du: " Hast Du ein Geschenk für mich?" Ich war überrumpelt. Ehrlich. Ich sah Deine glanzvollen Augen, die vor Erwartung fast heraus traten. Dieses Jahr verlief Weihnachten ganz anders. Doch die Geschichten hierüber waren immer noch die selben. Sie erzählen voller Poesie die Geschichte vom Weihnachtsmann. So krame ich sie wieder hervor und lese Dir diese Zeilen aus einem Brief vor:

Vor 110 Jahren schrieb die achtjährige Virginia O’Hanlon einen Leserbrief an den "New York Sun" in einer dringenden Angelegenheit: „Ich bin acht Jahre alt. Einige meiner Freunde sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der 'Sun‘ steht, ist immer wahr. Bitte sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?"

„Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie sind angekränkelt vom Skeptizismus eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben nur, was sie sehen: Sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, Virginia, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen. Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann.

Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und die Großherzigkeit und die Treue. Und Du weißt ja, dass es all das gibt, und deshalb kann unser Leben schön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Sie wäre so dunkel, als gäbe es keine Virginia. Es gäbe keinen Glauben, keine Poesie – gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das ewige Licht der Kindheit, das die Welt erfüllt, müsste verlöschen. Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle an Heiligabend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen würde den Weihnachtsmann zu Gesicht bekommen. Aber was würde das schon beweisen?

Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens Kindern und Erwachsenen unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken – geschweige denn sie zu sehen –, das vermag nicht der Klügste auf der Welt. Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen.

Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal die größte Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. „Ist das denn auch wahr?“, magst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger. Der Weihnachtsmann lebt, und er wird ewig leben. Sogar in zehn mal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.

Frohe Weihnacht, Virginia!

Dein Francis Church"

 

 

 

 

29.10.2011 um 13:00 Uhr

... ...

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

 

 

... heute morgen ist sie für immer gegangen...

 

Nie mehr werde ich nach ihr rufen...

 

"Mama,  ..."

 

 

1951- 2011

 

 

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28.10.2011 um 22:27 Uhr

Heute nahm er mich beiseite.

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

Mein Kollege. "Du siehst richtig schlecht aus!". Wir wissen beide was los ist. Er traut sicht nicht zu fragen. Er weiss eigentlich auch so, dass es nichts neues gibt. Was sollte das auch sein?

Wenn wir auf der Station sind, also ich und die Familie, ich habe den Eindruck, dass es leichter fällt. Die Stimmung ist gelöster. Oder wie soll man dazu sagen? Vielleicht eine Tolleranz? Akzeptanz? Vielleicht, weil wir wissen, was kommt. Wir helfen ihr, wo wir können. Jeder auf seine Weise. (Die Schwester ist examinierte Krankenschwester und nun Pflegeheimleiterin. Ich glaube das spielt hier eine wichtige Rolle.) Die Ernährung ist seit Montag eingestellt. Mama hat eine Patientenverfügung. Strikte Anweisung, die einzuhalten ist. Sie hat es sehr genau genommen. Mit Rechtsbeistand formuliert.

Auch, wenn wir das ganz anders hätten gehabt. Ich glaube schon, dass jeder dazu seine eigenen Gedanken hat. Gestern und heute war ich in der Klinik. Tag und Nacht ist jemand da. Mir fiel das hingehen leicht, aber ich brauchte ewig, um fort zu kommen. Und eigentlich sitze ich da nur da und halte ihre Hand. Doch, wie schnell die eingespielte Leichtigkeit wieder fort ist habe ich heute sehen können.

Irgendetwas war anders. Als ich ankam schlief sie. Es war erschreckend sie so zu sehen. Steif sass ich erst auf der Couch. Später kamen noch die Kinder vorbei. Von meiner Cousine. Dreihundert Kilometer fahren sie mit dem Auto nach Hause. Und sie haben sich verabschiedet und Mama wachte auf und versuchte zu lächeln, um die Angst den Kleinen zu nehmen. Ehrfürchtig standen sie vor ihr. Lächelten verlegen. Und dann weinten sie leise. Bei uns allen, die im Zimmer waren, das selbe. Die Leichtigkeit war vorbei.

 

 

24.10.2011 um 22:53 Uhr

Behalte sie in der Erinnerung vom Samstag.

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

Die Ohnmacht ihm gegenüber kam heute mit geballter Kraft. Er ist erbarmungslos. Siehe nur hin, was er aus ihr gemacht hat. Der Krebs.

Ich wusste nicht wo ich hinschauen sollte, so geschockt war ich, als ich an ihrem Bett stand. Sie lag da so vor mir. Oder vielmehr sie kauerte dort auf dem Bett. Heute kostete es mich wahsinnige Überwindung sie anzuschauen. Ich bin nicht sicher, ob sie mich noch erkannte.

Ihr Bruder war nun da. Hielt ihre Hände. Gab ihr zu trinken. Sie leckte vorher ihre Finger. Ich habe es verstohlen beobachtet. Hinter einem Schleier aus Tränen. Mein Onkel ist gross gebaut. Breite Schultern vom regelmässigen Krafttraining. Doch selbst hartgesottene Kerle werden weich und bei ihm sah ich immer wieder Tränen.

Bei uns allen. Zu viert waren wir heute da. Nachts um 22 Uhr ist Ablösung. Ihre Schwester kommt wieder. Und heute Vormittag war ihre Nichte da. Ich wollte nur noch weg. Konnte mich nicht bewegen und erstarrte und blieb die Stunde und auch die zweite und war ich nicht doch schon mehr als drei Stunden hier und wann wäre es Zeit aufzubrechen?

Die Erlösung und meine Befreiung kam von der Infusion. Für die Nacht ein Schlafmittel. Ich sehe noch, wie sie vor sich hindämmert und gleitet hinüber in den Schlaf. Tränen habe ich in den Augen und ich muss mich zusammenreissen. Noch. Das Auto bringt mich fort. Raus aus der Stadt. Dort wo es am dunkelsten ist.

Ich wollte die Sterne sehen und sah nur einen einzigen. Einer von den Planeten muss es gewesen sein. So hell, wie er war. Und plötzlich erstarkte ein Wind. Zerrte an mir. Doch das alles nahm ich nur in Trance wahr. Und endlich kamen die Tränen und alles verschwamm mit der Dunkelheit. Irgendwann beruhigte ich mich wieder soweit, dass ich klar sehen konnte, nahm das Telefon und schrieb ihr, dass sie nicht mehr hingehen soll. "Behalte sie in Erinnerung vom Samstag. Unter diesem blauen Himmel."

So hatten wir es uns doch erträumt.

 

23.10.2011 um 08:40 Uhr

Wenn die Dunkelheit vorbei ist...

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

"Wer sich nach Licht sehnt, ist nicht lichtlos, denn die Sehnsucht ist schon Licht."
Bettina von Arnim, (1785 - 1859)

 

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Noch war die Dunkelheit ringsum. Nachtfrost lässt mich erstarren. Die Kälte dringt durch mich hindurch. Schon bald spüre ich meine Hände nicht mehr. Ich stehe auf dem Hügel. Das Licht lässt sich nur erahnen. Die Gedanken sind fern und lose. Ich suche am Hochizont nach dem Ende der Dunkelheit und warte, dass etwas passiert. Schneidend ist inzwischen die Luft, in mir. Doch ich warte weiter und dann ist es auf einmal da. Genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte und in mir ist Frieden. Ganz tief innen.

 



21.10.2011 um 21:54 Uhr

Das Licht aus ihren Augen ist fort.

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

Wie beschreibt man diese Situation? Wie soll man das alles fassen, wenn man es selbst nicht versteht? Da sass sie wieder am geöffneten Fenster. Sie hob ihren Kopf und lächelte. Doch es war ganz anders im Vergleich zu den vorherigen Bildern. Man speichert das alles ab. Jede Bewegung. Jede Geste. Einfach alles. Ein paar Stunden später ist dies alles fort. Heute war mir, sie ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ich umarmte diesen. War das schon der Tod?

Ich erzählte ihr von der Welt da draussen. Sie versuchte zu lächeln. Versuchte zuzuzhören. Sie bat mich ihr etwas zu trinken zu geben. Und es kostet mich Mühe ihren Worten zu folgen. Sie streckte den Arm aus. Langsam. Ich folge ihrer Hand und zeige selbst auf die Dinge und dann habe ich nicken wahrgenommen. Sie hob das Glas noch selber. Setze es immer wieder ab. Hielt lange inne und der Schlaf holte sie sich wieder. Doch sie spürte, wenn sich etwas im Zimmer regte. Sie war dann plötzlich wieder hellwach. Lächelte und versank abermals.

Heute war ihre Schwester wiedergekommen. Sie sprach mit der Ärztin und sie sprach dann mit mir. Ausserhalb vom Zimmer. Irgendwo ungestört. Als sie fertig war, erst dann spürte ich, wie die Hoffnung nun erstarb. Morgen kommt ihr Bruder und wir wollen nochmal raus gehen. Vielleicht noch einmal den blauen Himmel sehen und die Sonne spüren oder den Wind, der sanft über ihr Haar streift.

 

 

19.10.2011 um 20:35 Uhr

Sie fürchtet sich so sehr vor der Nacht.

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

Licht und Schatten liegen so eng beieinander. Gerade so sehr. Sie hat mir einen Brief geschrieben. Sehr kurz. Knapp, aber präziese formulierte Worte. In ihrer Art eben. Neun Zeilen. So vieles kann ich daraus lesen. Das sie so vieles zu erzählen hat zum Beispiel. Dann schreibt sie es auf. Das wichtigste. Und ich habe einen Brief. Jetzt wartet sie ganz ungeduldig und sie freut sich bereits, wenn ich ihr ganz bald antworte. Der Mathetest war für sie ein Klacks. Von 50 Punkten hat sie 49 erreicht. Ich platze vor Stolz muss ich sagen.

 

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Doch zunächst lege ich die Zeilen fort. Ich will noch in die Klinik. Und ich habe Angst. Ich sah sie im Bad gerade. Ich wurde hineingelassen und sitze auf dem Sessel und kann sie kurz durch den Türspalt sehen und sie sieht auch mich. Es dauert nicht lange und sie wird ins Zimmer zurück geschoben. Ans Fenster. Sie fühlt sich dort wohl. Und sie bekommt zweimal Panik, weil sie keine Luft zu bekommen scheint. 

Ich versuche ihr zu helfen. Zu beruhigen. Unbeholfen. Halte wieder ihre Hand. Überhaupt ihre Hände. Die Haut ist so fahl. Dann will sie ihre Jacke ausziehen und ich helfe. Dabei halte ich ihren Arm und immer noch bin ich unbeholfen und ich fühle dort ihre Knochen. Sonst nichts. Ich lege die Jacke nicht fort. Sondern trapiere sie auf den Schultern. Merklich kommt die Kühle von draussen herein gekrochen. Doch ich soll das Fenster nicht schliessen. Wenn sie erzählt, ich kann ihr kaum folgen. So brüchig ist inzwischen ihre Stimme. Manchmal hält sie einfach an und versinkt in die Dämmerung. Und ich warte gespannt bis sie ihren Kopf wieder hebt und die Augen öffnet. Sie sitzen tief in den Höhlen. Mir fällt ihr Haar auf. Es ist nur an den Seiten ein wenig grau. Und wenn sie mich etwas fragt so fange ich gleich zu erzählen an und irgendwann versinkt sie wieder.

Ich glaube so fest ich sie heute beim Abschied drückte tat ich es lange nicht mehr und hielt fest ihre Hand und dann stereichelte ich sie über die Wange und ich war mir unschlüssig, wann ich sie wieder loslassen sollte und sie fragte wann ich wiederkomme und ich frage mich im gleichen Atemzug, ob es noch ein Morgen gibt? Noch einmal. Und wie will sie durch die Nacht?

Sie fürchtet sich so sehr davor.

Und ich sitze nun vor ihrem Brief und lese wieder und wieder ihre Zeilen und weine mich durch die Nacht.

 

 

17.10.2011 um 22:48 Uhr

Der Reichtum ist unsere Zeit.

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

Freitags, gleich nachdem ich das Büro verliess, war mir, ich schlüpfe aus einem Kokon. Der Herbst war in vollem Gange. Ich habe ihn den ganzen Tag vor dem Fenster gesehen. Das Blau ist endlos. Auf dem Berg sind die Bäume rot und in Gold gekleidet. Die Wiese ist noch grün und das Wasser vom nahen Fluss ist klar und plätschert endlos dahin. Und dieses Licht der Sonne erscheint mir immer wieder ganz besonders. Weiss ich es doch, dass bald alles verschwendet ist und in die Dunkelheit hinabfällt.

Doch daran verliere ich jetzt keinen Gedanken. Fuhr einfach los, um in hessische Gefilde zu gelangen. Ein Arbeitstreffen. Viel versprach ich mir davon und am Ende stand die Gewissheit, dass da etwas Neues im entstehen ist. Manchmal passt die Chemie eben sofort. Man kann seine Kräfte sinnvoller einsetzen. Keine Reibereien. Und auch dort- endloses blau. Alles überfliesst. An den beiden Abenden vergeudete sich das Sonnenlicht. Und am Morgen steht ein weisser Mond auf blauen Himmel. Wieder. So berauscht vom Herbst konnte ich einfach im Hier sein.

 

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Bis- und ich hatte insgeheim gehofft, dass nichts dergleichen passieren wird und ich glaubte auch nicht daran. Doch die Nachricht war ganz klar zu lesen. Von der Palli- Station aus. Vom anderen Ende. Auf einmal war die Leichtigkeit geflüchtet. Wollte ich nur noch weg. Und blieb. Und schlief in traumloser Nacht. Und hielt mich nicht länger als geplant noch auf. Und fuhr heim. Und ich fuhr schnell. Ich erreichte die Stadt. Die Klinik empfing mich und eine hagere Frau, die mir plötzlich noch dünner vorkam. Die eben noch eingefangenen Bilder verblassen und Lichter erlöschen.

 

 

 

14.10.2011 um 06:16 Uhr

Und heute wieder leben.

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

 

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"Jeder feste Mut führt alles rasch zum Ziel"


William Shakespeare

 

10.10.2011 um 20:18 Uhr

Ich fahre gerade Achterbahn.

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

Ich komme aus der Stadt. Den Herbst kann man auf jede Art geniessen. Es regnet ab und zu. Der Wind faucht. Mal ungestüm. Mal gezähmt. Mir macht das nichts aus. Ich spiele dieses Spiel mit. Gehe weiter durch die Strassen. Ich lade mich auf einen Kaffee ein. Mein Blick ist nach draussen gerichtet. Blätter liegen auf dem Gehweg. So lose.

Ich klingele zweimal. Sie weiss dann, dass ich es bin. Ich steige die Treppen hinauf. An der Tür werde ich empfangen. "Wo ist sie?" Ich werde herein gebeten und bin im nächsten Augenblick in der Stube. Vorsichtig geht mein Blick. Ich halte den Atem an. Als ich ich sie sehe fällt die ganze Last plötzlich ab. Sie lacht mich an.Sitzt am Tisch und schreibt irgendwas. Ihre Augen blitzen auf. Ich bin... so überrascht. Wir erzählen und stellen Fragen und geben die Antworten. Doch das alles kostet dann doch zuviel Kraft. Ich sah ihre Tränen und muss fragen nach dem warum. Ich kenne das mit den Schmerzen und sie rechnet nach der Zeit, um wieder etwas nehmen zu können. 

Nur tagsüber bin ich ganz weit weg von allem.

 

09.10.2011 um 16:48 Uhr

Nachlese

von: Gaensebluemchen_s   Kategorie: Tagebuchnotiz

Im Jahr 2005 hat der da schon erkrankte Jobs vor Stanford-Studenten gesprochen und ihnen geraten:

"Wenn Sie in die Zukunft blicken, können Sie nicht erkennen, wo Zusammenhänge bestehen. Das wird erst in der Rückschau möglich. Das heißt, Sie müssen darauf vertrauen, dass sich die einzelnen Mosaiksteinchen in Ihrer Zukunft zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Sie müssen auf etwas vertrauen - Ihr Bauchgefühl, das Schicksal, das Leben, Karma, egal was. Denn der Glaube daran, dass sich irgendwann die einzelnen Mosaiksteinchen zusammenfügen werden, gibt Ihnen die Zuversicht, dem Ruf Ihres Herzens zu folgen. Auch wenn der Sie abseits der ausgetretenen Wege führt - aber das macht den Unterschied."

Quelle:sueddeutsche.de

 

R.I.P. Steve Jobs   24. Februar 1955 - 5. Oktober 2011