Mitten im Leben - nur nicht dabei

16.07.2011 um 17:48 Uhr

If time is all I have

von: MIKE69

Musik: James Blunt - Some kind of trouble CD

... I'll waste it  all on you!" singt James Blunt mir gerade aus dem CD-Player vor - " ... for as long as I live". Wow. Mir kommt Gänsehaut.

Ja, Ihr ahnt richtig: Mike hat mir diese (da erst neu herausgekommene) CD von JB zu Weihnachten geschenkt, weil ich immer, wenn "Stay the Night" im Radio lief, lauter gedreht, lauthals mitgesungen und in der Küche rumgetanzt habe. Ich habe die CD aber im Winter gar nicht richtig angehört weil mit Mike's Krankheit und der Chemo, die er ja Weihnachten begann, irgendwie nie Zeit und Ruhe war. Heute dann habe ich die CD eingelegt und das erste Mal auch komplett angehört, und es berührt mich sehr. Diese Stimme und diese Songs kommen so von Herzen, dass es mich nicht wundert, dass dem Sänger die Herzen der Mädels so zufliegen...

Mike und ich haben beide Live-Konzerte immer geliebt und uns bei einem das erste Mal getroffen. Wir haben in den Jahren viel Spass zusammen gehabt, singend und tanzend in irgendeiner Menge in irgendeinem Venue zu stehen, und einen Abend lang was auf die Ohren zu bekommen, egal ob Midge Ure/Ultravox, Runrig oder eben auch andere Acts, z.B. Achtzigerjahrebands wie Cutting Crew oder A-Ha, Nena oder whatever. Wir haben viele gesehen, und Mike hat ein paar von ihnen persönlich gekannt weil er in seiner Freizeit viel zugearbeitet hat für Webpages von Künstlern, deren Musik er mochte. Mike hat wirklich viel über alle mögliche Musik gewusst, ich habe immer gesagt eigentlich müsste er bei einer Plattenfirma arbeiten, oder Musikkritiker sein, denn über Musikschreiben konnte er wirklich gut. Er wäre auch ein guter Radio DJ gewesen - wenn es das für Achtzigerjahremusik gegeben hätt - denn mit seiner schönen Stimme hätte er alle Hörer in den Bann gezogen. Ich weiß noch wie wir Stunde- und halbe Nächte lang telefoniert haben als wir noch nicht zusammen wohnten weil ich einfach seine Stimme am Telefon so geliebt habe...........

Mike hat gewollt, dass ich irgendwann auch wieder Spass habe im Leben, auch nach seinem Tod. "Der Tod soll das Leben nicht aufhalten" hat er zu mir gesagt.

Und so war ich diese Woche das erste Mal ohne ihn auf einem Live-Konzert. Ja, natürlich, er hat mir gefehlt. Ich hab ich dennoch neben mir stehen sehen, mitklatschend und mitsingend, jedenfalls it guter Laune dabei zu sein. .....so oft habe ich das Bild gesehen, wie er so neben mir stand in all den Konzerten, die wir gemeinsam erlebt haben! Zum Glück ging eine Freundin mit, denn alleine hätte ich mich (noch?) nicht getraut. Und - ja - es war James Blunt, der in Braunschweig Open Air gespielt hat. Ich war aufgeregt wie ein Kind an Weihnachten, und habe mich total auf das Konzert gefreut. Es hat geschüttet, den ganzen Abend lang, und wir sind nass geworden bis auf die Haut. Aber Ihr hättet mal das breite Grinsen auf unseren Gesichern sehen sollen - shit Wetter konnte mir jedenfalls den Spass nicht verderben. Diese Musik ist wirklich viel zu gut dazu. Ich gebe zu, ich hatte Bedenken, ob ich diese Songs live mit Band gespielt mögen würde -ich bin eher ein Fan von Singer- /Songwriter acoustic shows -, aber die Sorgen war hier ja nun völlig fehl am Platz. Eine unglaublich intensive Stimme auch mit Band. Da besteht eigenntlich die Gefahr, dass die Stimme des Sängers dann entweder im Soundteppich verschwindet ober aber live eben doch nicht klar rüberkommt wie in der Studioversion. Weit gefehlt bei JB - dessen Stimme ist live tatsächlich noch schöner als von CD! Super Konzert, jeden Kilometer, jeden Euro und jeden Wassertropfen wert !!

Merkwürdig, dass Mike mir diese Musik noch gegeben hat. Man könnte fast denken, er hat mir noch etwas mitgeben wollen, womit ich wieder Schönes erlebe in meinem Leben, auch in dem Leben ohne ihn, wie z.B. dieses Konzert.

"When we're older and the memories fade, I know I'll still feel the same. Yeah, for as long as I live. Won't you say my name when the song is over?" Ja, Mike, mein geliebter Ehemann. ich sage ihn laut, Deinen Namen!

09.07.2011 um 19:33 Uhr

Wolkenlos und ozeanblau

von: MIKE69

Musik: Mensch - H. Grönemeyer

.. ist der Tag heute in Hannover.

Wenn ich früher an so einem Tag von der Arbeit nach Hause kam, stand die Terrassentür offen und auf dem Grill bruzzelten die ersten Würstchen. Der Sonnenschirm war bereits geöffnet (ich hasse direktes Sonnenlich auf unserer Terrasse!) und aus dem CD-Spieler kamen "Vamos a la playa" oder "Sunshine Reggae", während mein Mann fröhlich mitsingend am beim Würstchenumdrehen am Grill stand, mit der Zange in der Hand.

Heute ist so ein Tag. Und die Terrasse liegt verlassen da. Und der Anblick des Grills bringt mich zum Weinen.

Und gestern habe ich zum esten Mal den Grill alleine in Betrieb genommen, weil wir ihn beim Hortfest brauchten, um für unsere Tochter glutenfrei zu grillen. Ja, es ging, auch ohne Dich. Aber ich habe immer noch damit gerechnet, dass Du jeden Moment um die Ecke kommst, um dabei zu sein. So ein Grillfest hättest Du nie verpasst!

Mein lieber, mein geliebter Mike, wie gerne würde ich jetzt ein Würstchen für Dich auf den Grill legen ..... wenn Du dafür auch nur für einen Moment nochmal hier sein könntest.

Ich vermisse Dich. Du fehlst uns hier so sehr ..................... ! 

Momentan ist richtig,
momentan ist gut
nichts ist wirklich wichtig
nach der Ebbe kommt die Flut

am Strand des Lebens
ohne Grund, ohne Verstand
ist nichts vergebens
ich bau die Träume auf den Sand

und es ist, es ist o.k.
alles auf dem Weg,
und es ist Sonnenzeit
unbeschwert und frei

und der Mensch heißt Mensch
weil er vergisst,
weil er verdrängt
und weil er staunt und stählt
weil er wärmt, wenn er erzählt

und weil er lacht,
weil er lebt
du fehlst...

das Firmament hat geöffnet,
wolkenlos und ozeanblau
Telefon, Gas, Elektrik
unbezahlt, und das geht auch

teil mit mir deinen Frieden,
wenn auch nur geborgt
ich will nicht deine Liebe,
ich will nur dein Wort

und es ist, es ist o.k.
alles auf dem Weg
und es ist Sonnenzeit
ungetrübt und leicht

und der Mensch heißt Mensch
weil er irrt und weil er kämpft
und weil er hofft und liebt,
weil er mitfühlt und vergibt

und weil er lacht
und weil er lebt
du fehlst...

oh, weil er lacht,
weil er lebt
du fehlst...

es ist, es ist o.k.
alles auf dem Weg
und es ist Sonnenzeit
ungetrübt und leicht

und der Mensch heißt Mensch
weil er vergisst,
weil er verdrängt

und weil er schwärmt und glaubt,
sich anlehnt und vertraut

und weil er lacht
und weil er lebt
du fehlst...

oh, es ist schon o.k.
es tut gleichmäßig weh
es ist Sonnenzeit
ohne Plan, ohne Geleit

und der Mensch heißt Mensch
weil er erinnert, weil er kämpft
und weil er hofft und liebt
weil er mitfühlt und vergibt

und weil er lacht,
und weil er lebt,
du fehlst...

oh, weil er lacht,
weil er lebt,
du fehlst...

28.06.2011 um 21:58 Uhr

Ein Lebenszeichen

von: MIKE69

 ... von mir, damit alle beruhigt sind:

 Stelle fest, dass ich wohl doch kein Blogger bin .... ich mag es zwar, hier Euch zu schreiben, aber meist fehlt mir doch die Zeit und auch die Kraft dazu, am Ende des Tages. Alleinerziehende Mütter - und eine davon bin ich jetzt auch - haben für so etwas eher wenig Zeit. Man hetzt durchs Leben, von A nach B nach C, obwohl die Trauer eigentlich nur eines will: Anhalten. Aussteigen aus dieser hektischen Welt, innehalten - und weinen. Weinen um all das, was man verloren hat.

"Leuchtfeuer" heißt ein schöner deutschsprachiger Song, den ich letztens ganz unverhofft im Radio hörte. Ich kannte das Lied nicht - und weinte plötzlcih hemmungslos. Der Mann besang all das, was mein Mike für mich gewesen war, und was ich nun verloren habe. Er war der Dreh-und Angelpunkt meines Lebens, der Halt im Dunkel, das vertraute Gegenüber für die kleinen und die großen Dinge des Lebens.

Anhalten geht dennoch nicht. Nicht mit einem Kind zu Hase, das zur Schule muss. Und das man auch morgens mit einem Mittagessen im Gepäck losschicken muss, weil eine genießbare glutenfreie Nahrung leider nicht beim Essensanbieter zu bekommen ist.

Ich werde wohl doch meine Arbeitszeit weiter reduzieren müssen. Ich will das auch, um zu mir zu kommen, der Trauer Zeit und Raum zu geben. Mein Arbeitgeber will das - natürlich - nicht, da geht ja Kapazität verloren. Zu dumm, dass sich meine Trauer nicht an die Ziele und Zahlen meines Arbeitgebers richten will. Wirklich unpraktisch, dass sie sich nicht ans Wochenende halten kann, und die Freizeit am Abend. Ungehöriges Ding, diese Trauer, so eigensinnig und produktivitätshemmend. Und überhaupt, jetzt sind ja drei Monate vergangen - da ist es doch wohl nichts Ernstes, oder?

So sieht es der, der das Glück hatte, selbst noch keinen Todesfall in nächster Nähe erlebt zu haben.

Nur wer Trauer selbst durchlebt hat, weiß wie schwer das ist. Und wie lange es dauert. Und wie sehr einen besonders unverhofft plötzlich Weinkrämpfe schütteln können, ganz und gar "out of the blue". Dass das dazu gehört, und dass man es hinnehmen muss.

Ich trage jetzt Mike's Ehering an meinem Finger, neben meinem eigenen. Witwen tun so etwas. Und wisst Ihr was: Er tröstet mich, dieser Ring. Ich habe ihn ihm einst an den Finger geschoben, 1999 in Schottland. Er war so stolz. Und ich, ich war es auch, so glücklich an diesem strahlenden Tag in Dunfermline, so stolz auf den Mann an meiner Seite, der jetzt mein Ehemann war.

Vorbei. Verloren. Vergangenheit, nur noch Erinnerung.

Wenn wir wüssten, wie wenig wir das Glück halten können - würden wir unser Leben anders leben? Hätte ich anders gehandelt, wenn ich vorher gewusst hätte, dass Mike nach elf Ehejahren stirbt?

Nein, natürlich nicht. Ich hätte ihn immer wieder geheiratet. Vielleicht hätte ich das eine oder andere Mal mehr gesagt, wie viel es mir bedeutet, ihn in meinem Leben zu haben. Zum Glück konnte ich ihm das noch sagen, in der letzten Nacht im Krankenhaus. Ich wünschte, ich hätte ihm "Leuchtfeuer" vorspielen können, er hätte es gemocht - und verstanden.

19.04.2011 um 23:01 Uhr

Tage zählen

von: MIKE69

Musik: DTH - Nur zu Besuch

Mike ist seit 6 Wochen tot und ich zähle die Tage - Tag 41 ohne ihn, Tag 42 ohne ihn.

Heute ist nicht der 19.04.2011, es ist Tag 46 ohne ihn.

Ich lebe, und er ist tot. Morgens mache ich die Augen und möchte weinen: Wieder ein Tag ohne ihn.

Menschen hinterlassen Lücken, wenn sie sterben, die keiner verstehen kann, der das nicht erlebt hat.

Wisst Ihr, was das Schlimmste ist? Nicht, dass er gehen musste. Das war Schicksal und er hat es angenommen als ein solches. So schwer es uns auch fiel. Ich mag hadern und zaudern mit diesem Schicksal, aber ändern kann ich es nicht.

Nein, das Schlimmste ist, alle tun so, als hätte es ihn nie gegeben! Sie wollen nicht, dass ich noch von ihm spreche. Wenn ich seinen Namen in einem Gespräch auch nur erwähne, stocken sie und schauen so schockiert, als wollten sie sagen: Warum spricht sie von ihm, er ist doch tot. Hoffentlich fängt sie jetzt bloss nicht an zu weinen!

Er mag nicht mehr da sein, aber es hat ihn doch gegeben! Ich möchte und ich muss sogar von ihm sprechen, und von dem, was ihn ausgemacht hat, was er gemocht hat und was nicht und was wir gemeinsam erlebt haben. Unsere Erinnerungen sind auf einmal nur noch meine Erinnerungen, weil keiner mehr da ist der das miterlebt hat. Dennoch war das unser Leben, und er war für mich ein ganz wesentlicher Teil meines Lebens in den letzten 12 Jahren.

Wie könnte ich einfach NICHT mehr von ihm sprechen? Das wäre ja, als hätte es ihn nie gegeben.

Doch, es hat ihn gegeben, und er hat mein Leben reich gemacht. Und ich bin dankbar dafür. UND ICH REDE WEITER VON IHM!

Und doch bin ich heute unendlich einsam.

Leseempfehlung:

Uta Schlegel-Holzmann: Kein Abend mehr zu zweit - Familienstand Witwe. Eine gute und schonungslos offene Beschreibung der ersten Zeit nach dem Tod des Partners. Sehr lesenswert.

B. Pachl-Eberhadt: Vier minus drei. Eine glückliche Ehe und dann plötzlich verliert die Frau ihren Mann und zwei Kinder bei einem Verkehrsunfall ... und lebt dennoch weiter ... irgendwie. Ich bin erst in der Hälfte des Buches, aber es ist sehr bewegend.

01.04.2011 um 22:10 Uhr

Masterplan?

von: MIKE69

Musik: Depeche Mode "Precious"

The question is: Does God have a masterplan?

Depeche Mode scheinen es zu meinen ("Precious"). Auch so ein schönes, trauriges Lied über Schmerzen, Liebe, Todn ... in dem Fall ein sehr krankes Kind, worst of all cases.

Und wenn es den Masterplan wirklich gibt, ist das Trost oder Fluch?? Ist Schicksal also eine Sackgasse, oder vielleicht auch eine Chance?

So lange ich Mike kannte, war es es, der mir "neue" Lieder vorstellte, also Songs, die er gerade irgendwo entdeckt hatte und unbedingt mir mit teilen wollte. Er liebte Musik so sehr.

Jetzt habt Ihr das übernommen - danke dafür! Ich hab von Euch so viel auf die Ohren gekriegt, dass ich noch Tage beschäftigt sein werde, das allseits bekannte YouT durchzuhören! Fürs Auto gibt's dann wohl ein "Best of DTH" als erstes Ergebnis ;-)

Danke, Leute.

Good night all.

S.

31.03.2011 um 09:34 Uhr

Fenster zum Himmel?

von: MIKE69   Stichwörter: Trost, Trauer, Musik

Musik: Rosenstolz - Unerwartet (Ein Fenster zum Himmel)

Mike hat zu mir gesagt, wenn ich nicht weiß, was ich gerade tun/entscheiden soll, soll ich mich fragen: "Was würde Mike jetzt tun (wenn er in meiner Situation wäre)?"

Wenn ich mir diese Frage für jetzt gerade stelle, würde er hier mit Euch folgendes besprechen:

Welche Musik tröstet Euch wenn Ihr traurig seid wie ich??

Musik war für Mike sein Leben. Sie trug ihn durch das Leben wie kaum etwas anderes. Immer, wenn er Gefühle ausdrücken wollte, hat er das immer über die Songs getan, die er in dem konkreten Moment gehört hat.

Deshalb auch der "Song des Tages", den er hier oft veröffentlicht hat. Mike kannte so viel Musik, so viele Titel, die uns allen längst entfallen sind ... oder die wir nie gekannt haben.

Was tröstet mich derzeit?

Die Wärme der Erinnerung an zwölf einhalb Jahre mit ihm, die Umarmung unserer Tochter und meine liebe beste Freundin, die zum Glück im Moment für mich da ist.

Mike hat mir in den gemeinsamen Jahren beigebracht, dass auch Musik trösten kann. Dafür kann ich ihm heute dankbar sein. Stille ist so viel schwerer zu ertragen als eine Wohnung, in der Musik spielt, auch wenn die Leere in dieser Wohnung ohne ihn so greifbar ist, dass unsere Tochter sie gestern sogar angesprochen hat... wir waren dann gemeinsam sehr traurig, auch das gehört dazu.

Ich höre derzeit viel unsere Martyn Joseph-CDs: Ein Singer/ Songwriter aus Wales, der wunderschöne Songs geschrieben hat über Dienge im Leben, die wichtig sind - wie Respekt vor anderen Menschen, die Liebe, den Glauben usw. Mike und ich haben ihn vor Jahren einmal auch live spielen gesehen und dann auch getroffen und gesprochen. Eine schöne Erinnerung.

Ich höre auch viel die Rosenstolz-CD "Die Suche geht weiter".

Mike und ich fanden beide den Title track "Die Suche geht weiter" immer schon wunderschön weil er gut beschreibt, dass unser Lebensweg manches Mal beschwerlich sein kann, aber eben doch auch schön ist und man stolz sein kann auf den Teil des Weges, den man schon geschafft hat. Jedenfalls dann, wenn man sich selbst im Spiegel in die Augen sehen kann, weil man man selbst geblieben ist.

Im Moment bewegen mich ""An einem Morgen im April" - da geht es auch um einen Todesfall im Frühjahr, und man versteht gar nicht dass alle lachen und die Sonne scheint, weil man selbst gerade trauert ...... und "kein Lied von Liebe", das natürlich doch eines ist.

Ich habe den Song "Ich bin mein Haus" immer schon sehr ermutigend gefunden, er sagt mir, dass man sein Glück selbst in der Hand hat durch die Entscheidungen, die man so trifft im Leben ... diesen Mut werde ich oft brauchen jetzt.

Im Moment mag ich aber "Unerwartet (Ein Fenster zum Himmel)" besonders gern. Da ist auch einer vorausgegangen ...

Die Lieder dieser CD sind alle so schön, dass man es durchhören kann, ohne den Schalter "next track" zu drücken - und das ist etwas, das ich nur sehr selten von einer CD behaupten kann.

Habt Ihr auch Tröste-CDs? Welche sind das und warum findet Ihr sie tröstlich?

Eure

S.

26.03.2011 um 22:39 Uhr

Schritte...

von: MIKE69

...und wo wir gerade bei Gedichten und Sprüchen sind, was haltet Ihr hiervon:

"Am Ende kommt es gar nicht so sehr darauf an,

wie weit wir es gebracht haben,

sondern darauf,

ob wir unseren eigenen Weg gegangen sind."

Auf Mike hat das immer zugetroffen.

In loving memory,

S.

26.03.2011 um 22:36 Uhr

Abschied

von: MIKE69

Es ist vollbracht.

Gestern haben wir nun auch offiziell Abschied genommen von Mike.

Seine Urne wurde - wie mit ihm zwei Tage vor seinem Tod besprochen - im RuheForst im Deister beigesetzt. Sein letzter Gang wurde begleitet von seiner Familie und einer Dudelsackspielerin, die schottische Traditionals für diese Gelegenheit gespielt hat, nachdem wir mittags eine Trauerfeier abgehalten hatten, zu der erstaunlich viele Menschen gekommen sind.

Ich möchte allen danken, die da waren oder zur Stunde an ihn gedacht oder gebetet haben.

... Auf meiner Fensterbank brennt nach wie vor die Kerze ....

Um in dieser Welt zu leben

muss man fähig sein drei Dinge zu tun

Lieben, was sterblich ist,

es mit aller Kraft festhalten,

wissend dass das eigene Leben

davon abhängt,

und wenn die Zeit kommt,

es loszulassen,

loslassen.

(Mary Oliver in "Wenn die Sonne untergeht").

20.03.2011 um 15:14 Uhr

Worte ...

von: MIKE69

Es ist nicht wichtig, wohin Du im Leben gehst ...

was Du machst ...

oder was Du hast...

Es kommt darauf an, wen Du an Deiner Seite hast.

Diesen Spruch habe ich letztens gelesen und fand ihn besonders schön. Er hängt jetzt neben einem Bild von Mike und mir im Flur unserer Wohnung...

Danke Euch für alle Eure netten Worte zu Mike's Tod. 

Erst heute weiß ich dass es hilft von anderen schöne Dinge über den Menschen geschrieben zu bekommen, den man verloren hat. Trauerkarten fand ich früher immer blöd. Heute sehe ich das anders. Ich gehe jeden Tag zum Briefkasten und lese die Karten, die wir bekommen. Über die meisten freue ich mich.

Es haben so viele geschrieben, was für ein lieber Mensch er war.

Das ist so schön und macht mich so stolz auf ihn.... danke.

07.03.2011 um 13:56 Uhr

Am Ende des Weges

von: MIKE69

Mike wollte so gerne noch seinen letzten Eintrag hier selbst schreiben, aber leider war ihm das nicht mehr vergönnt. Die letzten Tage hat die Krankheit einen so rasanten Verlauf genommen, dass er nicht mehr schreiben konnte.

Nach fast drei Wochen auf der Palliativstation hat er am Morgen des 05.03.2011 den Kampf gegen den Krebs verloren. Er starb in meinen Armen.

Danke für Euer Interesse an seinen Gedanken und Worten, seinen Ängsten und Nöten. Es hat ihm viel bedeutet, hier von Euch gehört zu werden.

Ich verabschiede mich hiermit für ihn.

Seine Frau.

14.02.2011 um 15:45 Uhr

Palliativstation

von: MIKE69

So, habe heute endlich ein wenig  Kraft, mich zu melden. Leider geht das Schreiben nur noch mit der linken Hand, da in der anderen zu viele Nerven ausgefallen sind.

Es ging mir ziemlich besch… die letzten 2 Wochen. Ich habe keine Mails beantwortet und keine Telefonate mehr geführt. Weder reichte die Kraft noch der Wille dafür. Reden bedeutet bis heute aufkommende Übelkeit.

 Morgen werde ich in eine Palliativstation eingewiesen, um wieder Kräfte zu tanken und perfekt mit Medikamenten gegen die täglich stärkeren Schmerzen eingestellt zu werden.

 

02.02.2011 um 19:42 Uhr

Panisch

von: MIKE69

Ich gebe zu, ich hatte aufgegeben letzte Woche. Wenn man nichts mehr richtig schlucken kann und auch nichts mehr richtig schmeckt, lässt man irgendwann das Essen und Trinken sein und nimmt wichtige Tabletten nicht mehr. So war ich dann am Wochenende sowohl psychisch als auch körperlich am Ende und wollte ehrlich gesagt nicht mehr leben. Dem energischen Einschreiten meiner Frau ist es zu verdanken, dass ich nun nach 2 Tagen Krankenhausaufenthalt wieder etwas fitter bin und die Psyche wieder eingestellt ist.

 

Heute waren wir dann in Berlin und ich habe für die neue Studie unterschrieben. Das große Problem ist allerdings, dass es bis zu 4 Wochen dauern kann, bis ich damit beginnen kann. Und erst einmal muss ja das Braf-Gen enthalten sein. Und genau diese 4 Wochen habe ich evtl. nicht mehr. Die Untersuchungen im Krankenhaus haben eine weitere, schnelle Ausbreitung des Krebses in der rechten Achsel und im Oberarm ergeben, auch die Lebermetas sind gewachsen. Zusätzlich sind erste Anzeichen am Oberbauch zu sehen. Mein rechter Arm ist mittlerweile bewegungseingeschränkt dadurch.

 

Außerdem habe ich einen Pilz im Mund (Folge der Cortison-Einnahme) und eine Darmentzündung.

 Insgesamt verschlimmert sich alles für mich täglich merkbar und das macht mich panisch. Aber ich versuche alles, um bis zum Ergebnis der Tumoruntersuchung „fit“ zu bleiben. Nur dann habe ich noch eine kleine Chance, mein Leben zumindest ein paar Monate zu verlängern. Heilbar ist nichts mehr, das hat man mir deutlich gesagt. 

26.01.2011 um 16:42 Uhr

Stillstand

von: MIKE69

Die Chemo wurde abgebrochen, weil sie angeblich nicht hilft. Und das, nachdem man mir noch vor 10 Tagen gesagt hat, nach einem Zyklus könnte man noch nichts bewerten. Als Alternative soll ich jetzt am 2.2. nach Berlin, um Informationen zu einer neuen Studie zu bekommen. Das Problem ist, dass ich mich für eine solche Reise nicht fit genug fühle. Ich schlafe nur noch zwischen 4 und 7 Uhr in der Nacht und dann zwischen 9 und 12 Uhr am Vormittag. Die Nächte, die ich hundemüde überstehen muss, gehen voll an die Substanz. Ich habe mittlerweile über 4 Kilo abgenommen, der Schlafentzug macht sich durch Gliederschmerzen fast rund um die Uhr bemerkbar. Morgen habe ich einen Termin beim Hausarzt, der mir hoffentlich ein Schlafmittel verschreiben kann.

 Ich habe mich damit abgefunden, dass ich gerade meine letzten 2 Monate erlebe, auch wenn mir das noch niemand so genau gesagt hat. Ich habe geträumt, dass der März mein Abschiedsmonat wird. Und wenn sich nichts mehr zum Positiven ändert, wird das eine Erlösung für mich und alle, die mit mir leiden müssen.

22.01.2011 um 23:01 Uhr

Kurze Meldung

von: MIKE69

Leider hatten mich die letzten Tage Depressionen und Nachwirkungen der Chemo so im Griff, dass ich nicht in der Lage war, hier etwas zu schreiben.Das Wichtigste mal zuerst: Auf der Lunge sind keine Metastasen gewesen. Meine Atemprobleme kommen von so genannten Atelektasen. Das sind wohl Verklebungen der Lunge, welche verhindern, dass sich die Lunge voll entfalten kann. Luft kriege ich mittlerweile besser, ganz ok ist es aber noch nicht. Ansonsten bin ich weiter sehr schlapp und schleppe mich nur durch die Tage. Aufgrund meines Gesamtzustandes haben die Ärzte die Chemo erstmal ausgesetzt, nächste Woche wird neu entschieden. Ich hoffe, dann habe ich auch mehr Energie zum Schreiben.Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

17.01.2011 um 21:32 Uhr

W U T

von: MIKE69

Stimmung: wütend
Musik: Slik/ The kid's a punk

Ich bin stinksauer auf diesen Sch…. Krebs!!! Habe die letzten 2 Stunden heulend im Bett verbracht. Irgendwie sind heute bei mir alle Dämme gebrochen, was letztendlich aber nach 41 Jahren mal sehr gut getan hat. Es ist einfach total unfair, das nichts von dem, was die Ärzte probieren, irgendetwas bringt. Wenn sich der Lungen-Meta-Verdacht bestätigt, werde ich eine andere Chemo bekommen (keine Tabletten mehr).

Mit einer kleinen Taktik-Änderung, bei der ich in Zukunft einfach nur noch schlechte Nachrichten erwarte, werde ich am Donnerstag zum nächsten Gefecht antreten. Der Schlag heute hat mich so umgehauen, weil ich wieder so enttäuscht worden bin. Vielleicht geht das anders herum besser.

 Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen in diesem Kampf!

17.01.2011 um 17:35 Uhr

Auf der Zielgeraden?

von: MIKE69

Stimmung: traurig
Musik: Johnny Cash/ Hurt

Nein, die letzten fünf Tage waren nicht gerade angenehm. Wie aus dem Nichts hatte ich auf einmal Schweißausbrüche, Atemnot, das Gefühl totaler Erschöpfung sowie die Unfähigkeit, mich länger als 10 Schritte auf den Beinen halten zu können. Also habe ich gelegen und gewartet, dass es vorbei geht. Irgendwann mittendrin ging mir auf, dass ich auch das Essen eingestellt hatte. Wer nichts isst, kann auch keine Kräfte mobilisieren. Also zwang ich mich zum Essen, auch wenn mir so gar nicht danach war. Und auch das Essen schien für meinen Körper eine Anstrengung zu sein. Kurz danach brauchte ich meistens eine Stunde Schlaf. Geschlafen habe ich sehr viel in dieser Zeit, nur nicht dann, wenn „gesunde“ Menschen es tun. Nachts war ich wach, tagsüber völlig platt.Meine rechte Seite war nach dem Absetzen der Lymphdrainage sehr schnell wieder völlig zu geschwollen und  schmerzte ziemlich heftig.

Erst heute war ich im Krankenhaus und schilderte meine Lage. Obwohl ich mich etwas fitter fühlte, konnte ich der Ärztin anmerken, dass sie sehr besorgt war. Sie hätte mich auch gerne im Krankenhaus behalten, was ich aber erst einmal ablehnte. Solange es irgendwie geht, bleibe ich zu Hause. Es wurde ein neuer Bluttest gemacht und am Donnerstag wird die Lunge geröntgt. Da nichts zu Hören war auf der Lunge ist die Wahrscheinlichkeit von Metastasen dort ziemlich hoch.

Deshalb habe ich jetzt auch beschlossen, mir nichts mehr vor zu machen. Dieser Krebs ist einfach zu schnell und aggressiv für mich. Ich biege wohl so langsam auf die Zielgerade ein. Jetzt muss ich nur noch die Dinge erledigen, die noch auf meinen Wartelisten stehen.

Meine Tochter hat heute das geschafft, was ganz lange Zeit bei mir nicht mehr ging. Mit dem Satz „Ich will nicht, dass du weggehst“ trieb sie mir die Tränen in die Augen. Wir haben die Möglichkeit meines Todes noch nicht angesprochen, aber sie spürt das. Und auch ich spüre, dass es nicht mehr lange dauert.

15.01.2011 um 19:17 Uhr

Alive but unwell

von: MIKE69

Stimmung: dafür kenne ich kein Wort

Macht euch keine Sorgen um mich! Mir geht es seit Dienstag so schlecht, dass ich nicht die Kraft aufbringe, hier etwas zu posten. Es handelt sich anscheinend aber "nur" um Chemo-Nebenwirkungen.

Sobald ich etwas fitter bin, melde ich mich!

11.01.2011 um 16:46 Uhr

Schockstarre

von: MIKE69

Stimmung: down
Musik: Real Life/ Exploding Bullets

Schockstarre! So kann man wohl den Zustand beschreiben, in dem ich mich seit gestern Abend befinde. Nach einigen Stunden erfolgreichen Widerstandes kamen alle neuen Dinge in meinem Kopf an und schalten und walten seitdem beliebig in und an mir herum. Normalerweise habe ich ja immer einen Song zur Hand, mit dem ich mein aktuelles Gefühl beschreibe, heute nach dem Aufstehen kam noch nicht mal der hervor. Und es war schon ein seltsames Gefühl, als ich dann das Radio anmachte und „Road to Hell“ von Chris Rea zu hören bekam. Hätte ich auch drauf kommen können.

In einem längeren Gespräch haben meine Frau und ich gestern die ersten Dinge für alle Fälle geklärt. Grundsätzlich wollen wir aber bis Ende Februar die Chemo abwarten und dann neu festlegen, wie es weiter geht. Sollte es sich jetzt kurzfristig schon schlimmer entwickeln, ändern voreilige panische Aktionen auch nichts mehr. Schlafen konnte ich danach zumindest bis 5:30 Uhr.

Es wird dieses Mal etwas länger dauern, bis ich den Schlag wegstecken kann, weil ich mich einfach heute zu schwach fühle, um einfach wieder auf die Beine zu springen. Deswegen gönne ich mir gleich nur noch ein heißes Bad und beschließe damit meinen Tag.

Wundern kann ich mich mittlerweile über meine Ärztin, die sich auch heute noch nicht mit den Blutwerten gemeldet hat. Ich hatte ja schon gestern das Gefühl, dass sie sich wegen der Metastase einfach nicht getraut hat. Aber selbst das ignoriere ich heute. Ein Tag ohne Arztkontakt hat auch was.

10.01.2011 um 15:34 Uhr

I don't like Mondays

von: MIKE69

Stimmung: trotzig
Musik: Irene Cara/ Why me (again...)

Ich mag keine Montage mehr. Ich mag auch keine Untersuchungstermine mehr, zu denen ich eh schon mit einem schlechten Gefühl hingehe. Ich mag keine Überraschungen mehr, die mir jedes Mal wieder den Boden unter den Füssen wegziehen.

Aber ich mochte das ganze Frustessen, was ich seit den neuen schlechten Nachrichten heute morgen in mich hineingestopft habe. Nichts hilft besser gegen Frust und Angst als gutes Essen und süße Sünden. So sitze ich jetzt hier mit vollem Magen und verarbeite die Neuigkeiten.

Die Probleme mit dem Bein kommen von einer Einblutung nach der Bestrahlung. Konsequenz für mich: 4-5 Wochen keine körperlichen oder psychischen Belastungen, damit es nicht schlimmer wird. Zum Glück muss ich nicht mehr mit Medikamenten etwas machen, sondern einfach nur abwarten.

Etwas machen müssen wir aber leider innerhalb von 3 Wochen an der neuen Metastase, die sich in den letzten  2 ½ Wochen in meinem Hinterkopf neu gebildet hat. Das war die Nachricht, die ich heute nicht hören wollte. Es geht also noch einmal von vorne los. Neuer Antrag auf Gamma Knife Bestrahlung bei der Krankenkasse, falls die sich querstellen geht die Bestrahlung auch mit 5-6 Sitzungen anders. Insgesamt ermutigt so eine rasche Entwicklung natürlich nicht, weil ich denke, was im Kopf so schnell geht, kann auch überall anders im Körper passieren.

Zumindest lässt sich noch kein Rückschluss auf den Erfolg der Chemo machen, also ist noch nicht alle Hoffnung verloren.Ich bin für heute erstmal bedient und werde versuchen, den Tag einigermaßen entspannt zu Ende zu kriegen.

09.01.2011 um 21:59 Uhr

Dauerschlaf

von: MIKE69

Stimmung: erholt
Musik: Phil Lynott/ This is my life

Mein ganzes Leben lang hatte ich Hummeln im Hintern und wollte ständig etwas unternehmen. Mittlerweile weiß ich Ruhe sehr zu schätzen und bin über jedes Wochenende froh, an welchem keine Pläne anstehen. Am Freitag haben wir uns gegenseitig in der Idee bestärkt, unseren wetterbedingt ausgefallenen Weihnachtsbesuch bei Schwiegermutter nachzuholen. Obwohl mir die Cortisontabletten mittlerweile sehr zu schaffen machen und die Phasen des Unwohl-Fühlens länger werden, war die Aussicht auf eine Luftveränderung doch reizvoll. Aber schon auf der Fahrt musste ich einsehen, dass solche Touren (auch wenn eine Strecke nur 2 Std. sind) mehr Kraft von mir fordern, als ich das selbst geglaubt habe. Die Folge war am Ende, dass ich den größten Teil des Wochenendes schlafend verbracht habe. Auch nach kleinsten Anstrengungen forderte der Körper wieder die Waagerechte. Das Ergebnis des Wochenendes war zwar, dass meine Schwiegermutter und Familie nicht wirklich viel von mir hatten, ich mich aber etwas kräftiger fühle als noch am gestrigen Tag, was auch mal ein schönes Gefühl ist. Und das werde ich trotz eines kleinen schlechten Gewissens den Rest des Abends genießen.Mein Bein hat sich immer mehr beruhigt, wohl auch aufgrund des Mangels an Bewegung, morgen Mittag habe ich die MRT-Ergebnisse und weiß dann mehr.Ich wünsche einen schönen Start in die Woche!