Sola Scriptura - Allein aus der Schrift

22.08.2007 um 23:49 Uhr

Lilith und Trenox - Kapitel 3, 3.Teil

von: xX_Lilith_Xx   Kategorie: Kopfkino

Nein, die anderen mussten mir jetzt egal sein. Es war schließlich mein eigenes Schicksal, welches es zu bekämpfen galt. Sicher, die Zeit im Waisenhaus war alles andere als ein Glücksgriff. Aber dennoch – niemand hatte mich gefragt, ob ich davon weg wollte. Vor allem durch einen unerwarteten Angriff von Werwölfen. Niemanden hatte es interessiert, ob ich ein Leben selbst in der Rolle eines solchen Wesens verbringen wollte. Trotzdem war es so gekommen. Also hatte es nun auch niemanden zu interessieren, wie ich diese Situation durchleben wollte!

Der Sturm, der in mir wütete, hatte sein Maximum erreicht, als ich am Friedhof ankam. Mein aufkommender Kampfeswille drängte mich gerade zu irgendetwas zu tun, um mich abzureagieren. Irgendetwas, Hauptsache ich konnte meine Kraft rauslassen. Die Gedanken an das Waisenhaus und Odessa hatten einen bislang unbekannten Groll in mir entfacht.

Ein rostiger Eisengitterzaun grenzte die riesige Fläche des Friedhofes ein. Unzählige Grabsteine markierten in ordentlich abgezählten Reihen die Ruhestätten der Toten, Blumen schmückten die Gräber. Mir kam es vor, als hätte sich die Atmosphäre mit betreten des Friedhofes schlagartig geändert. Während mir die Stadt ausgestorben und trostlos vorkam, schien jetzt die Anwesenheit der Toten eine gewisse Trauer durch die Luft zu ziehen. Der Ort war ebenfalls wie ausgestorben, doch eher auf eine angenehme Art. Langsam lief ich durch die Grabreihen. Ich las die Namen von Menschen, die ich nie gekannt hatte. Ihr Geburts- und Sterbedatum, eventuell noch kleine Sprüche, die die Toten wohl charakterisierten. Mir kamen meine Eltern in den Sinn. Ich hatte sie auch nie kennengelernt. Eigentlich wusste ich gar nichts über sie, weder ihre Namen, noch weshalb sie gestorben waren und ob es überhaupt so etwas wie eine Verwandtschaft gab. Ständig sagte man mir, dass ich für dieses Thema noch zu kindlich sei, um es zu verstehen. Auch noch mit meinen 18 Jahren.

Hatten meine Eltern auch ein Grab?

Hätten sie vielleicht gewollt, dass ich es auch besuche und pflege?

Mit einem Mal verschwand der tobende Sturm in mir. Die beruhigende Atmosphäre des Friedhofes hatte mich zunehmend nachdenklich gestimmt. Plötzlich wollte ich nicht mehr kämpfen, ich wollte einfach hier vor diesem Familiengrab stehen bleiben und solange nachdenken, bis ich alle Antworten bekommen hatte, die ich brauchte.

„Trauriges Schicksal, welches diese Familie heimgesucht hat.“

Neben mir tauchte ein Mann auf. Auch er schaute durch seine fettigen langen Haare hindurch auf das Familiengrab. Über die Schulter trug er einen Spaten und seine zerfetzten Kleider waren übersäht mit Friedhofserde. „Erst starb die jüngste Tochter. Kindstod. Das hat den Vater so sehr mitgenommen, dass er sich das Leben nahm. Und dann stand die Mutter mit den drei Söhnen alleine da. Eine Weile ging das gut, bis zwei der Söhne in den Krieg mussten und dort gefallen sind. Der Letzte ist anschließend ausgerissen. Die Mutter hat ihn Tage später ermordet im Wald gefunden. Das hat ihr das Herz gebrochen…“, erzählte der Mann. Bei jedem Wort sah man seine gelben Zähne. Erstaunlich, was er über nur ein Grab alles wusste. „Kannten sie die Familie?“, fragte ich ihn. „Nein.“, lächelte er, „Aber es ist mein Beruf hier alles in Ordnung zu halten. Da erfährt man im Laufe der Zeit schon einiges über die Verstorbenen. Gott habe sie selig!“ Ich verstand. Dieser Mann war also der Friedhofswärter. „Sagen sie, kann ich ihnen bei ihrer Arbeit behilflich sein?“, erkundigte ich mich vorsichtig. Von einem Lohn sagte ich lieber noch nichts. Der Mann lachte wieder: „Hilfe kann ich immer gut gebrauchen! Wenn du fleißig bist belohne ich dich vielleicht. Aber lass mich mich dir erst mal vorstellen! Gestatten, Vladimir, Friedhofswärter!“

22.08.2007 um 00:39 Uhr

Lilith und Trenox - Kapitel 3, 2.Teil

von: xX_Lilith_Xx   Kategorie: Kopfkino

„Entschuldigung, aber was machen sie da?“

Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich ein kleiner untersetzter Mann hinter dem Tresen auf. Ich erschrak so heftig, dass mir die leere Glasflasche aus den Händen fiel. Sie zerbrach auf dem Boden. „Jetzt sehen sie sich an, was sie da getan haben!“, meckerte der Mann. Er lief um den langen Tresen herum und kam auf mich zu. Seine kleine Brille schob er gekonnt auf der Nase zurecht. Mit fachmännischem Blick begutachtete er das kleine Schild, welches zu der Flasche gehörte. „Verehrter Werwolf, sie schulden mir 90 Gold.“ Irritiert blickte ich ihn von oben an: „Woher wollen sie wissen dass…“ „Gewöhnliche Menschen verirren sich kaum in diese Stadt. Zudem ist es kurz nach Mittag, als wird wohl kein Vampir hier auftauchen.“, unterbrach mich der kleine Mann, der wie es schien, der Verkäufer war. „Und nun mein Gold bitte!“ Ich tastete mich am ganzen Oberkörper ab. Doch dann fiel mir ein, dass ich eine Währung namens „Gold“ überhaupt nicht besaß. Die gierigen Augen des Verkäufers warteten, was mir die Situation nicht gerade erleichterte. „Tut mir leid, aber ich besitze kein Gold!“, versuchte ich höflich zu erklären. Das schien dem Mann überhaupt nicht zu gefallen. Seufzend schüttelte er seinen kleinen runden Kopf und legte seine Hand betrübt an die Stirn: „Ich habe es geahnt…“ Er grummelte leise unverständliche Worte vor sich hin. Ich fühlte mich nicht wohl bei der Sache. Trenox hatte mir überhaupt nichts von dieser Währung gesagt! Und nun hatte ich vielleicht einen Fehler gemacht? Ich schlug dem Mann vor meine Schulden abzuarbeiten, aber dies lehnte er strikt ab. „Nein, das Risiko dass mir noch eine Flasche abhanden kommt, ist mir zu hoch!“ Ich hatte abgehakt. In diesem Laden hatte ich also schon mal den Ruf eines Diebes weg. Aber anscheinend beruhte dies auf Gegenseitigkeit. Der Verkäufer schien mir auch nicht besonders sympatsich. Daher verzichtete ich auch darauf ihm zu erklären, dass ich sozusagen „neu“ in dieser Welt war. „Ich habs!“, rief er plötzlich. „Hier in der Nähe ist ein Friedhof! Fragen sie den Wärter nach Arbeit, der benötigt immer jemanden! Und bezahlen wird er sie auch!“ Der Friedhof war mir bekannt. An ihm war ich auf meinem Rundgang schon vorbeigekommen. Ich stimmte dem Vorschlag des Verkäufers wortlos zu und verschwand aus dem Laden. Als ich draußen war fühlte ich mich zunehmend erleichtert. Der erste Besuch in dieser Stadt und dann gleich so was…konnte doch keiner ahnen! Als wir früher mit dem Waisenhaus unterwegs waren, hatten immer unsere Erzieher des ganzen Verkaufskram geregelt. Bis das Waisenhaus mit der geschlossenen Abteilung zusammengelegt werden musste. Es sei zum Wohle der Kinder und Patienten, hieß es damals. Obwohl ich mir nicht vorstellen konnte wie Waisenkinder und Psychisch Kranke gemeinsam auskommen sollten. Seit dem Zeitpunkt mussten wir lernen selbst einkaufen zu können. Warscheinlich um doch ein wenig besser dazustehen als die geschlossene Abteilung. Aber ich! Ich durfte ja damals nicht alleine einkaufen gehen! Die ganzen Betreuer hatten ja plötzlich einen rieseigen Verdacht, dass ich auch eine psychische Erkrankung haben könnte. Daher wurde mir der Alleingang verboten. Ich wusste bis heute nicht warum. Jetzt war ich doch auch allein und hatte zumindest eine Lösung für mein Problem. Und diese Lösung hieß Friedhof. Auch wenn ich unterwegs mal kurz daran dachte, was wohl in der letzten Nacht mit den anderen geschehen war…

20.08.2007 um 00:13 Uhr

Lilith und Trenox - Kapitel 3, 1.Teil

von: xX_Lilith_Xx   Kategorie: Kopfkino

Diese Gedanken verschwanden einfach nicht aus meinem Kopf. Sie hatten mich so sehr zum nachdenken angeregt, dass ich sogar meine anfängliche Angst vor der bevorstehenden Menschenjagd vergaß. Selbstverständlich war mir klar, dass Trenox irgendwann mal ein normaler Mensch gewesen war. Mich interessierte aber nun, wie sie damals ausgesehen hatte und wie sie überhaupt ein Vampir wurde. Ob sie das so wollte? Zu gern wollte ich sie danach fragen. Doch bevor ich mir wieder einen weiteren Tritt einhandeln würde, unterließ ich es. Ich folgte dem mir beschriebenen Weg durch den Wald. Die Sonne stand schräg links vom Dach der Scheune und ich lief nur in diese Richtung. Es erwies sich als ziemlich leicht, die Richtung beizubehalten, da sich mir kaum ein Baum in den Weg stellte. Wie lange ich für den Weg brauchte wusste ich nicht. Zu sehr war ich in meinen Gedanken versunken. Ständig malte ich mir ein Bild aus. Eine hübsche junge Frau mit langen dunkelblonden Haaren. Himmelblaue Augen, freundliches Lächeln. Gut möglich dass Trenox mal richtig liebenswürdig ausgesehen hat. Fast tat sie mir schon leid. Wenn sie sich ihr Leben schon ausgemalt hatte…und nun alles wieder umstellen musste…nur weil sie zum Vampir wurde…

 

Niemals hätte ich gedacht, dass mich etwas von meinen intensiven Gedanken abbringen konnte. Da kannte ich mich jedoch schlecht. Nach einem schier unendlich langen Weg durch den Wald erreichte ich plötzlich ein neues Gebiet. Die Stadt. Staubige nicht asphaltierte Straßen zogen sich vor mir entlang. An den Straßenrändern standen Hütten, Häuser, allesamt aus Holz gebaut. Manche trugen Schilder an der Eingangstür. Trotz der Annahme, dass hier alles ausgestorben war, machte die kleine Stadt einen gemütlichen Eindruck. Zum ersten Mal spürte ich wieder etwas anderes, als den kalten Waldboden unter meinen Füßen. Ich genoss es fast schon, die verschiedenen Straßen entlang zu laufen und zu betrachten, welche Geschäfte es gab. Warenhändler für Waffen, Rüstungen, Tränke, Ringe,… Sogar einen Friedhof gab es. Ein wenig glaubte ich dass ich vielleicht doch keine Menschen jagen musste, da ich auf den Straßen absolut niemandem begegnete. Einen Namen hatte die Stadt wohl nicht. Zumindest war kein Ortsschild zu finden. Auch spürte ich keine sonderbare Fährte in der Luft. „Hallo?“, rief ich durch die Straßen. Mein Echo schien bis an den Horizont zu reichen. „Ist da jemand?“ Eine Antwort bekam ich nicht. Noch eine Weile irrte ich herum, bevor ich wieder an den Geschäften der Warenhändler vorbeikam. In dem Laden mit der Aufschrift für Tränke vermutete ich am ehesten etwas Essbares finden zu können. Tränke, trinken, Essen und Trinken…so schlussfolgerte ich zunächst. Die Eingangstür knarrte laut. War ja auch nicht anders zu erwarten. Der erste Blick ließ nichts von dem Laden erkennen, noch war es zu dunkel. Dann gewöhnten sich aber meine Augen nach und nach an das dunkle Zimmer. Die Tür fiel wieder zu und in diesem Moment schienen die Regale aufzuleuchten. Links und rechts von mir erstreckten sich Etagen voller Glasflaschen mit den verschiedensten Flüssigkeiten. Sie besaßen fast jede Farbe. Rot, blau, grün,…alle erdenklichen Größen an Flaschen waren vorhanden. Namen tauchten auf, die ich zuvor noch nicht mal gehört hatte. Elixire, Ahnentränke,… Ob Trenox diesen Laden auch kannte?

Langsam lief ich an den Regalen vorbei. Das Unheimliche faszinierte mich zugleich. Wirklich lecker sahen die Tränke nicht aus. Auch waren sie mit seltsamen Etiketten gekennzeichnet. 90 Goldstücke stand auf einem roten Trank mit einer Wertigkeit von 100. Was das heißen sollte wusste ich nicht. Es schien auch niemand anwesend zu sein und es interessierte mich doch sehr, was es mit den Tränken auf sich hatte. Schnell war eine mittelgroße Flasche geöffnet. Trotz meiner feinen Nase, roch die Flüssigkeit nach nichts. Kurz zweifelte ich noch. Doch dann war ein kleiner Schluck getan, ehe ich mich versah, leerte ich die gesamte Flasche. Geschmack verspürte ich auch nicht. Vielmehr hatte es eine leichte Konsistenz wie Sirup. Wow, fühlte ich mich plötzlich gut! Wie frisch ausgeruht! Als wäre die vergangene Nacht nie passiert!

12.08.2007 um 23:46 Uhr

Lilith und Trenox - Kapitel 2, 7.Teil

von: xX_Lilith_Xx   Kategorie: Kopfkino

Ich hatte mit jede erdenkliche Antwort ausgemalt. Nur nicht das. Ich wäre auf Bäume geklettert, hätte mich durch den Wald gekämpft oder wieder versucht ein Reh zu finden. Aber jetzt sollte ich Menschen jagen. Menschen wie ich es einer war…zumindest zur Hälfte. „Das ist nicht dein Ernst oder?“, widersprach ich trotzig. Es ging einfach nicht in meinen Kopf rein. Trenox konnte ich immer noch nicht auf dem Dachbalken erkennen. Warscheinlich hatte sie sich schon auf den Heuboden verkrochen, denn von dort vernahm ich raschelnde Geräusche. Also stellte ich mich unter den Heuboden. Hatte sie meine Frage überhaupt gehört? Plötzlich landete mit lautem Aufprall etwas vor meinen Füßen. Zunächst erkannte ich nur einen Torso. Kurz aufschreiend sprang ich zurück. Doch mit näherem Betrachten sah es aus wie eine alte Rüstung. „Zieh das an!“, rief Trenox von oben. Etwas irritiert betrachtete ich den Gegenstand. Er verlor sichtlich viel Staub, als ich ihn aufhob und darüber strich. „Was soll ich mit einer alten Lederrüstung?“, fragte ich und betrachtete die kleinen Ornamente, die den Brustkorb verzierten. Wie eine Spinne hing Trenox kopfüber am Rande des Heubodens und sah zu mir herüber: „Du sollst sie anziehen!“ „Und wofür ist die gut? Ich glaube kaum dass ich mich darin frei bewegen kann!“ „Glaub mir, du wirst sie brauchen. Verbessert deine Verteidigung auf der Menschenjagd oder wenn du allgemein angegriffen wirst.“ Während ich mir die alte Rüstung überzog graute es mich. Trenox’ Worte klangen ernst. Sie erwartete wohl tatsächlich dass ich Menschen jagen würde. Sie war ein Vampir, dass sie es schon mal getan hatte erwies sich für mich als selbstverständlich. Aber ich? Ich würde meinen Hunger doch nicht von Menschenblut allein stillen können. Ich bräuchte schon das ganze Fleisch. Darauf wartete meine Wolfsgestalt sicher schon. Nur ich…ich konnte doch keinen Menschen töten. Vor allem wenn er mir nichts getan hatte. Ich wagte es nicht mir vorzustellen, was geschehen würde, wenn ich mich nun weigern würde auf Jagd zu gehen. Ich hätte einfach nicht solche Versprechen geben sollen. Da hatte ich mich selbst hineingeritten. Die Rüstung passte wie angegossen. Bewegen konnte ich mich auch noch so gut wie vorher. Aber ob ich das nun positiv sehen sollte?

„Zieh nicht so ein jammerndes Gesicht!“, schimpfte Trenox. Toll. Sie hatte leicht zu reden. Sie wusste ja nicht was in mir vorging. „Und was nun?“, erkundigte ich mich. „Die Rüstung passt, so wie du es wolltest. Was soll ich jetzt machen?“ „Jetzt meine Liebe wirst du Menschen jagen!“ Das klang so grauenhaft. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich wieder in Kampfposition. Nur, dass diesmal nicht das Reh sondern ein unschuldiger Mensch das Opfer war. Weiter zu denken traute ich mich nicht. Konnte ich auch nicht, denn Trenox riss mich schnell wieder aus meinen Gedanken. „Hör mir gut zu! Ich sage es dir nur einmal! Wir haben jetzt ungefähr Mittag, dass bedeutet wenn du die Scheune verlässt und dich zu ihr umdrehst, wird die Sonne schräg links vom Dach aus sein. In diese Richtung läufst du und nur in diese Richtung! Dann kommst du zu nächsten Stadt. Alles weitere überlasse ich dir, mein Wölfchen!“ Das war also das Startsignal. In die nächste Stadt gehen und Menschen töten. „Aber sag mal…“, fiel es mir dann ein. „…ich denke du bist ein Vampir. Wie kannst du dann wissen, wo tagsüber die Sonne steht?“ Trenox verzog sich wie in Zeitlupe zurück auf den Heuboden: „Lilith…auch ich war mal ein Mensch…“

11.08.2007 um 23:44 Uhr

Lilith und Trenox - Kapitel 2, 6.Teil

von: xX_Lilith_Xx   Kategorie: Kopfkino

Ich blickte auf, direkt in die roten Augen von Trenox. „Du musst mitkommen! Bitte! Nur du kennst dich so gut mit Blut aus!“ Während ich das sagte, tropfte ein wenig Blut von meiner Nase. „Nicht jetzt!“, bekam ich als trotzige Antwort und musste mit ansehen, wie Trenox wieder in einer dunklen Ecke der Scheune verschwinden wollte. Ich rannte ihr hinterher und stellte mich ihr in die Quere. Mein Körper fing an zu beben. „Wann, wenn nicht jetzt?“, flehte ich. Wollte sie mir nicht helfen? Klang ich nicht verzweifelt genug? Ich hatte doch mein eigenes Blut im Wald gefunden. Alles, was ich wollte war, es bestätigt zu haben. Mehr nicht. Ich zitterte. Trenox holte wieder zum Tritt aus: „Du vergisst wohl, dass ich tagsüber nicht rausgehe!“ Meine Augen kniffen sich zusammen. Sollte sie doch zutreten. Die Schmerzen war ich nun gewohnt. Und wehren wäre sinnlos. Den Tritt konnte ich einmal nicht abfangen, so schwach war ich. Nur ein dumpfes Geräusch hörte ich. Meine Neugier war so groß, dass ich die Augen wieder öffnete. Plötzlich befand ich mich in Augenhöhe mit Trenox. Skeptisch sah sie mich an. In der linken Hand hielt ich ihr Bein. Mit allen fünf Fingern hielt ich ihren Stiefel fest. Fünf Finger…das war wieder meine normale Hand! Ich befand mich wieder in meiner menschlichen Gestalt. „Lass endlich los!“, keifte Trenox und befreite sich aus ihrer misslichen Lage. Ein wenig selbstbewusster machte mich dieser Anblick schon. „Also…folgst du mir sobald es dunkel ist?“, fragte ich erneut. Diesmal jedoch deutlicher und nur halb so ängstlich. Doch auch mein neugewonnenes Selbstvertrauen schien den Vampir nicht zu beeindrucken. Die roten Augen blitzten gefährlich auf: „Was springt für mich dabei heraus?“ Mit dieser Gegenfrage hätte ich rechnen müssen. Trenox verlangte also einen Obolus von mir. Außer den Kleidern an meinem Leib hatte ich jedoch nichts, was ich geben konnte. Und meine Kleidung war mehr als uninteressant für sie. Mein Magen meldete sich wieder zu Wort. In den undefinierbarsten Tonlagen knurrte er sekundenlang vor sich hin. Ich hatte immer noch Hunger…und wusste nicht, woher ich etwas bekam…

Das war es!

„Wenn du mir sagst wo ich etwas Essbares, für dich natürlich Blutiges, herbekomme, kümmere ich mich um die Versorgung!“, schlug ich Trenox vor. Sie verschwand eisig lachend mit einem Satz auf den Dachbalken. „Du und etwas Essbares beschaffen? Dafür bist du noch viel zu human!“ „Warum? Sag mir bitte…wo kriege ich etwas zu Essen für uns her?“, flehte ich und versuchte vergebens ihre Gestalt auf dem Dachbalken zu erkennen. Trenox Stimme erklang wieder: „Um uns beide zu versorgen musst du wohl auf Menschenjagd gehen!“

10.08.2007 um 22:58 Uhr

Friedhofsgärtner

...gibt es den Beruf überhaupt (noch) ?

Ruhe am Arbeitsplatz, Leute die einem mal zuhören und nicht widersprechen, schöne Zukunftsaussichten...

Nein ehrlich, mein Spatziergang über den Friedhof hat mich nachdenklich gestimmt.

Eventuell wäre das etwas für mich...die letzten Ruhestätten auf Vordermann bringen... 

10.08.2007 um 22:55 Uhr

Lilith und Trenox - Kapitel 2, 5.Teil

von: xX_Lilith_Xx   Kategorie: Kopfkino

„Trenox! Schnell komm mit! Ich brauch deine Hilfe!“

Mit diesen Worten stieß ich das Scheunentor auf und rannte hinein. Zum Dachbalken auf dem ich sie vermutete. Doch als ich hinaufblickte, war niemand zu sehen. „Trenox?“, vergewisserte ich mich noch mal. „Bist du da?“

Plötzlich krachte das Tor mit ungeheuerer Wucht zu.

Ich erschrak und drehte mich auf der Stelle um.

Der laute Knall, schmerzte mir in den Ohren. Als Wolf schien mein Gehör nun auch empfindlicher zu sein. Ich erkannte Trenox’ glühend rote Augen am Tor. Sie sahen wütend aus. Sehr wütend. „Willst du mich umbringen Lilith?“, schrie Trenox. Sofort zog ich den Schwanz ein und machte mich kleiner. Ihre hohe Tonlage tat weh. Viel mehr noch machte es mir Angst, dass sie meinen Namen verwendet hatte. Dies war schon im Waisenhaus ein Zeichen, dass man einen Fehler gemacht hatte und bestraft werden sollte. „N…nein, Trenox, ich…ich wollte…“, stammelte ich, bekam aber keinen vernünftigen Satz zustande. Der Vampir schritt wie am Vorabend wieder so langsam und bedrohlich auf mich zu. Die roten Augen dabei kaum übersehbar. „Sonnenlicht lässt Vampire zu Staub zerfallen. ES TÖTET SIE! IST DIR DAS BEWUSST?“, fuhr sie bedrohlich fort. Die Panik kroch erneut in mir hoch. Trenox drängte mich Stück für Stück in die Ecke. Was wollte sie? „Und überhaupt…wie kommst du dazu, einfach das Tor zu öffnen?“ „Ich…ich…“ Die Worte schienen ihren eigenen Willen zu bekommen. Jedenfalls weigerten sie sich aus meinem Mund herauszukommen. „Antworte!“, befahl Trenox noch strenger. Mittlerweile stand sie direkt vor mir, mich komplett in meine Ecke mit dem Heu zurückgedrängt. Flüchten konnte ich nicht mehr. Sie hatte mich komplett in ihrer Gewalt. Wieder begann ich zu zittern: „Ich…ich…hatte mich…umgesehen…“ Eh ich mich versah, ein Tritt! Ich spürte nur noch wie ich zur Seite flog. Erst als ich rücklings im Heu landete, setzten die Schmerzen ein. „Umsehen, ja?“, lachte Trenox ironisch und kalt. „Bitte, wenn dir so wenig an deinem Leben liegt, dann kann ich dich ja auch gleich selbst töten!“ Ich spuckte Blut. Schon wieder hatte sie mich getreten. Ihre Drohung ließ mich diesmal kalt. An diese raue Umgangsweise musste ich mich wohl gewöhnen. Der Tritt war ziemlich hart gewesen. Ich kaute ein wenig auf meinem eigenen Gebiss herum, um zu überprüfen, ob ich einen Zahn verloren hatte. Glücklicherweise saß noch alles an seinem Platz. Nur blutete ich aus dem Mund. Und das nicht zu knapp. Immer wieder musste ich es auf den Boden spucken, als ich vorsichtig aufstand. Meine Kräfte ließen langsam zu wünschen übrig. „Warum sollte mir nichts an meinem Leben liegen? Würde ich sonst auf Erkundungstour gehen um mir Nahrung zu beschaffen?“, widersprach ich. Ganz egal, ob ich gleich den nächsten Tritt ernten würde. Trenox verschränkte die Arme und sah mich nur noch durch die Schlitze ihrer Augen an: „Sicher nicht…doch es gibt genügend Feinde da draußen, die dich in deinem Zustand liebend gern umbringen wollen!“ „Wen denn? Vampire? Die schlafen doch tagsüber!“ „Es gibt nicht nur Werwölfe, die ausschließlich Vampire jagen, merk dir das!“ Ich schwieg. Dass ich diese mysteriöse Lichtung, den See und die anderen friedlichen Wölfe gefunden hatte, wollte ich Trenox jetzt einfach nicht mehr erzählen. Sollte sie doch im Recht bleiben. Mein ausgespucktes Blut hatte sich zu einer kleinen Pfütze angesammelt. Ein wenig konnte ich mich darin spiegeln. Aber nur ganz schwach…das war es!!! Mit einem Mal tunkte ich meine Nase hinein. „Was tust du da?“, fragte Trenox ungläubig. Ich wusste noch nicht genau wie man von anderen Dingen den Geruch ganz genau feststellen konnte, aber der Duft von diesem Blut war einmalig! Es war mein Blut! Jenes, das mich an den Geruch von Eisen erinnerte. Das Blut, welches ich unter dem Ast gefunden hatte!

09.08.2007 um 17:00 Uhr

Lilith und Trenox - Kapitel 2, 4.Teil

von: xX_Lilith_Xx   Kategorie: Kopfkino

Erstaunlich wie stark ich solche winzigen Blutspuren wahrnahm. Ich hatte mit einer richtigen Lache gerechnet. Oder mit einem grausig zugerichteten Opfer. Vielmehr interessierte mich nun, wo das Blut herkam. Ich roch noch mal konzentrierter an den Spuren. Nichts. Außer dem typischen Blutgeruch, der mich immer an Eisen erinnerte, entdeckte ich keine Besonderheit. Keine Fährte. Das enttäuschte mich ein wenig. Vielleicht kannte sich ja Trenox besser mit so etwas aus? Erneut hob ich meine Nase in die Luft und hielt quasi Ausschau nach der Scheune. Den Duft wieder erkannt rannte ich sofort in jene Richtung, die ich zuvor schon einmal eingeschlagen hatte. Trenox war ein Vampir. Sie suchte sicherlich jede Nacht nach frischem Blut. Sie musste einfach Erfahrung mit dieser roten Flüssigkeit haben!

Noch heute weiß ich nicht was los war. Allerdings konnte ich auch diesen Weg zur Scheune nicht ohne einen Zwischenstopp bestreiten. Diesmal stolperte oder verlief ich mich nicht. Ich hielt von alleine an. Vorsichtig kauerte ich mich auf den Boden und kroch hinter einen Strauch um nicht gesehen zu werden. Direkt vor mir tauchte ein Reh auf. Normalerweise mochte ich mein Fleisch gut durchgebraten. Aber mein hungriger Magen verstand es mit mir zu verhandeln. Ich beobachtete mein Opfer. Es fühlte sich in Sicherheit und begann Blätter von Büschen zu fressen. Sehr gut! Ich kroch ein kleines Stück voran. Achtete dabei darauf keine Geräusche zu verursachen. Mein Blick wich nicht von dem Tier. Ich überlegte wie ich es am besten attackierte. Als Wolf hatte ich nun schärfere Klauen und Zähne. Es dürfte mir also leicht fallen. Sollte ich es von der Seite anfallen oder vielleicht doch überraschend von hinten? Das Reh kaute genüsslich weiter ohne großartig auf die Umgebung zu achten. Das war meine Chance! Egal, ob dies das erste Mal war, dass ich mir mein Essen auf diese Weise beschaffte. Ich sprang hervor, höher und kräftiger als ich es sonst von mir kannte. Mit weit aufgerissenem Maul, um das Reh sofort anzufallen. Plötzlich schreckte es auf! Ohne mit der Wimper zu zucken rannte es davon. Und es war schnell! Ich fiel im wahrsten Sinne des Wortes auf die Schnauze. Das schmerzte. Ich sah das Reh nur noch hinter den Bäumen verschwinden. Verdammt…das war es dann wohl mit dem Essen. Ich raffte mich auf und schüttelte mich. Noch mal sollte mir das nicht passieren. Das Reh jetzt noch zu verfolgen, nein, dazu war ich noch nicht erfahren genug. Gut zu wissen aber, welch eine Mordlust ich in den kurzen Augenblicken höchster Konzentration entwickelt hatte. Mein Hunger tat sein Übriges dazu. Also nichts wie weg zurück zur Scheune.

08.08.2007 um 23:12 Uhr

Freund oder Feind

Du schlugst mich zu Boden und hast dabei noch gelacht
Das Blut lief deinen Arm hinunter bis zur Hand
Ich konnte dich nur fragen: "Warum hast du das gemacht?"
Du packtest mich dann wieder und hieltest mich gegen die Wand
Deine Augen waren kalt und dazu noch voller Hass
Doch das war mir gegenüber doch nur fair
Die Eifersucht zerfraß mich und machte mich blass
Dann kamst du mit harten Worten wieder her
Du hast mir genommen was ich einmal liebte
Ihr habt alles in meinem Leben zerstört
Du ihr Freund und sie deine Geliebte
Jetzt weiß ich nicht mehr was noch zusammengehört
Nun bin ich ein Feind, aber auch ein Freund
Meine Gefühle kann ich nicht mehr ertragen
Ich habe oft meine Gedanken aufgeräumt
Mich aber nie getraut sie euch mal zu sagen...


for a friendly memory to 2 people of my past

m.r. und a.k.
Liebe kann aus Freundschaft Hass und Verzweiflung machen...

08.08.2007 um 23:08 Uhr

Lilith und Trenox - Kapitel 2, 3.Teil

von: xX_Lilith_Xx   Kategorie: Kopfkino

Kein einziger Ton war von den anderen Wölfen zu hören. Ich hatte mich zusammengekauert unter einen Baum gelegt und beobachtete eine Zeit lang die anderen. Der Anblick war schön. So unbeschwert. Hier würde ich aber nichts weiter erfahren. Mein knurrender Magen stimmte dem zu. Also stand ich auf und tapste zurück zur Lichtung. Ich wusste auch nicht, wie lange ich meine Wolfsgestalt beibehalten würde. So dachte ich unterwegs ständig an einen Vollmond.

Der Wald war wirklich riesig. Kaum hatte ich die Lichtung wieder verlassen, verabschiedete sich auch mein Orientierungssinn. Aus welcher Richtung war ich gekommen? Wo gab es etwas zu essen? Zunächst ließ ich den Kopf hängen, um mich zu konzentrieren. Irgendwohin werde ich schon gehen können, dachte ich. Noch einmal atmete ich die frische Luft ein. Es war, als würde sich eine Landkarte in meiner Lunge ausbreiten. Mit diesem tiefen Atemzug malte sich in meinem Kopf plötzlich das Bild einer Route aus, die ich gehen konnte. Ich glaubte, den Geruch von Trenox’ Scheune wieder zu erkennen. Ohne darüber nachzudenken, folgte ich meinem Instinkt. Aber war es nicht so? Waren Wölfe denn nicht die Vorfahren der Hunde? Und hatten diese nicht einen ausgeprägten Geruchssinn? Sicher musste es lustig aussehen wie ich mit erhobener Nase durch den Wald rannte. Aber anders wusste ich mir nicht zu helfen. Zwar gab ich mir mühe meinen Weg nicht nur anhand des Geruchs einzuprägen, doch ich verließ mich noch zu sehr auf die Nase.

Immer der Nase nach hieß es also.

Bäume, Sträucher, Äste,…langsam hatte ich den Anblick satt! Mir wurde es allmählich zu viel. Meine Schritte wurden immer heftiger. Es trieb mich zur Weisglut! Mich noch zu verlaufen passte mir nicht! Nicht jetzt wo mich auch noch der Hunger plagte!

„Wo bin ich?“, schrie ich laut. Kaum erhob ich die Stimme, verlor ich mein Gleichgewicht. Plötzlich stürzte ich schmerzhaft. Um mich herum drehte sich alles. Dann spürte ich wie der Boden gegen mich prallte. Davon noch geschockt blieb ich einen Moment lang auf der Seite liegen und starrte vor mich hin. Zuerst glaubte ich, jemand hätte mich angegriffen, was sich jedoch schnell als Irrtum erwies. Ich war selbst gestolpert. Knurrend richtete ich mich wieder auf. Nachdem ich mich geschüttelt hatte, wollte ich meinen Weg fortsetzen. Schon nach wenigen Schritten musste ich wieder verharren. Von innen heraus durchfuhr mich plötzlich eine Eiseskälte! Meine Beine waren wie gelähmt. Ich begann zu zittern. Drehte mich vorsichtig um. Da lag er. Der riesige Ast, über den ich gestolpert war. Schon alt und vertrocknet, aber groß, dick und schwer. Ich sah ihn an, als sei er ein Feind. Je länger ich ihn  anstarrte, umso bekannter schien er mir vorzukommen. Dann der Geruch von Blut über meiner Nase. Ich schnüffelte um mich herum. Atmete die Luft tief ein. Kein Zweifel, es roch nach vertrocknetem Blut. Automatisch machte ich kleine Schritte in die Richtung, aus der ich den Geruch wahrnahm. Die Fährte wurde immer intensiver. Bis ich wieder direkt vor dem Ast stand. Hier roch es am stärksten nach Blut. Also erkundete ich ihn vorsichtig. Tippte ihn kurz an, roch an der Rinde. Erst gab es nichts zu entdecken. Außer dem Duft schien es ein ganz gewöhnlicher Ast zu sein. Doch dann fand ich kleine Tropfen von geronnenem Blut, gut versteckt unter seinen Zweigen.