Depressivum Maximum

30.06.2005 um 08:12 Uhr

Eine Situation

neulich rief mich eine ehemalige lebensabschnittsgefährtin an und fragte ob ich lust hätte sie zu besuchen. sie deutete an, dass es ein romantischer abend werden könne. ich war garnicht in der stimmung dazu. denn erstens ist es meine ex. und zweitens wollte ich eher geknuddelt werden, als einen fehler zu machen, den man später bereut.
ich mein hey - sie sieht echt gut aus und es wundert mich, dass sie sich keinen anderen sucht für diesen zweck. probleme jemanden zu finden sollte sie nicht haben.

ich brauchte jemanden der mich in den arm nimmt und vor allem jemand der mich versteht. das tut sie bis heute nicht. das war damals auch der grund warum ich mich von ihr trennte. es wäre dann nur noch eine fickbeziehung gewesen und das wollte ich nicht. sicherlich hat mich das ab und an geärgert, denn ich glaub jedes männliche wesen in meinem alter hat mal das bedürfnis seinem biologischen fortpflanzungsdrang nachzugeben. aber sex ohne gefühle - da fehlt dann auf dauer etwas.

ich schlug ihr also vor, dass man sich in einem cafe treffen könne. das lehnte sie jedoch ab. wir wurden uns nicht einig und so blieb ich an dem abend zuhause, was scheinbar auch das beste war.

jetzt bin ich wieder genauso single wie vorher auch und wünschte das es diese situation nie gegeben hätte.

21.06.2005 um 17:04 Uhr

gehe nicht über los, sie sind raus

Stimmung: scheisse???? !!!?!?!?!?!!!!!!!!!!!!


ich stehe in der s-bahn an der tür, mir ist warm und ich spüre den schweiß nicht. in meinem kopf wummern die gedanken. es eine einzigste leere, die die realität wie einen film aussehen lässt.
es sind plätze frei, ich könnte mich hinsetzen. ich spüre den kreislauf an der belastungsgrenze, doch ich will lieber stehen. kanzleramt, charite, bundespressestrand, siegessäule. alles in den besten farben und doch grau in grau. nicht die frage warum. auch kein ärger - nein, einfach nur apathie. ich muss aussteigen. ich sehe den direktesten weg durch die menschen und folge ihm. eine station früher raus, das muss sein, auch bei 30 grad im schatten und einem umweg der an einem verkehrsknotenpunkt vorbeiführt. ein wenig laufen, möglichst dort wo keine menschen sind. ich laufe und spüre diesen druck, der es mir nicht möglich macht frei zu atmen. meine muskeln sind schwer.

"ich rede nicht lange um den heißen brei herum... ", ich bin ebenfalls ein freund klarer worte und doch hätte ich auf genau diese verzichten können.

die, die vorhin gegenüber von mir saß, war auch mit dabei. sie zitterte und wurde kreidebleich. wir unterhielten uns danach noch. für sie war, genau wie für mich, ein tragender ast am baum abgesägt worden. rumsch - 4 tonnen, knallhart auf den boden der ast. zweige brechen, laub fliegt umher. dezent, aber mit nachdruck das geräusch, der boden bebt. für die einen war es nur eine übung, für sie und für mich knallharte realität. kopfschmerzen, tür zugeschlagen, die rollos sind eh unten. die augen brennen.

möge der bessere gewinnen - alles klar. verlierer muss es auch geben - das ist sicher. nur warum muss das immer ich sein?

super - ich wollte ja nach rostock fahren - die laune ist mir echt vergangen.

19.06.2005 um 16:34 Uhr

Suchen und warum das Finden so schwer ist


demnächst will ich mal nach rostock fahren. ich muss raus aus meiner stadt. drei jahre war ich hier nicht rausgekommen. da versauert man. man kann hier echt eine menge machen.  und ohne das es einen auffällt macht man hier auch eine menge. man geht weg, man besucht kulturelle events, kino, geht tanzen, usw.. ich brauch aber einen tapetenwechsel. nicht lange, aber einfach mal das ich wieder einen objektiven blick für die situation kriege. rostock ist an der ostsee. daher ist es finanziell auch einigermaßen vertretbar, wenn man die ansprüche runterschraubt.

grad neulich erst war mir ein mädel ans herz gewachsen. ja ich weiß das du mein weblog liest *zwinka*. aber es ist halt ein unterschied ob man eine person ins herz schließt oder aber ob man sich verliebt.
verlieben - wie oft war ich auf der suche nach geborgenheit und schrieb in den chat "ich will "real-knuddeln" und wie oft erhielt ich die virtuelle antwort "knuddelknuddelknuddel"? lieb gemeint, aber real war das bei weitem nicht, geschweige denn hatte ich das gefühl von geborgenheit und wärme.

es ist scheinbar schwer eine person zu finden, die etwas verrückt ist aber dann doch normal und vernünftig. eine person, die mich versteht, aber auch mal sagt "stopp so geht das nicht". lieb sollte sie sein, nett, verständnisvoll. der charakter muss stimmen - frech, humorvoll, aber auch einfühlsam und gefühlvoll.
ich bin zu alt um mich der "seriellen monogamie" hinzugeben. es sollte schon was langes draus werden. bis ans lebensende? warum nicht. irgendwann vielleicht mal familie? warum nicht.

aber das find mal einer in der heutigen nonkonfomistischen, sozialautonomen gesellschaft. ich weiß das es diese leute gibt und ich weiß auch das sie vergeben sind. und die leute die es nicht sind, die wurden aufgrund ihrer einstellung meist von irgendwelchen idioten soweit verletzt, dass sie einen schutzmechanismus entwickelt haben, mit dem sie keinen mehr an sich heranlassen.

goethe schrieb mal "ich bin zu alt um nur spielen, zu jung um ohne wunsch zu sein". irgendwie trifft das im moment auch auf mich zu. ob goethe wohl auch das gefühl von sehnsucht und einsamkeit meinte, als er die zeilen schrieb?

16.06.2005 um 14:34 Uhr

Ein Einzeiler

Bitte hört was ich so nicht sagen kann.

15.06.2005 um 00:55 Uhr

wenn du das hier liest...

"wenn du das hier liest bin ich weg. wenn du das hier liest bin ich weg." immerwieder hielt ich den zettel in den händen und drehte und wendete ihn. so oft ich auch die zeilen las - es trieb mich fast in den wahnsinn. warum??? WARUM??? WARUM ?!?!?!?!?!?????!!!

ich bin vieles gewöhnt, aber das war einfach nur die härte. da hat man sich frisch verliebt und dann sowas - "ich bin weg". wie klingt denn das? hätte sie nicht schreiben können "wir werden uns nicht mehr sehen, weil..."? aber das hatte sie schon immer drauf. mit dem vor mir hatte sie per sms schluss gemacht und bei dem davor auf den anrufbeantworter gesprochen. peinlich nur das seine eltern es als erstes abhörten.

haut die einfach ab. einfach so. das kann es doch nicht sein. diese .... diese HUUURe (mit der übertriebenen betonung von katja). ich nehm den zettel und knülle ihn zusammen. irgendwie besinne ich mich aber und falte ihn wieder auf und lege ihn ab.

tränen rennen über mein gesicht. meine augen brennen wie feuer, doch auch salzwasser mag es nicht löschen. ich bemerke wie mein körper bebt. ich zittere. mein arzt wäre froh über diesen, sonst doch zu niedrigen, blutdruck.

das telefon klingelt. ich gehe ran und melde mich:
"ja hallo?"
"bist du es?"
"ja ich bin es"
"ich wollte nur fragen ob ihr beiden lust habt heuteabend noch mitzukommen. wir gehen ins ..."
"sorry wenn ich dich unterbreche, aber sprech mal lieber im singular"
"oh - kommt sie nicht mit?"
"nein. und ich werde auch nicht kommen."
 das gespräch ist beendet.
 
ich hab mich wieder eingefangen. ich lege mich aufs bett und gedanken rennen amok in meinem gehirn. an schlaf ist nicht zu denken. mir fällt auf das die 2-flügelige balkon tür und das doppelfenster darüber eine symetrie haben. der rahmen bildet ein kreuz. wie still es doch ist, wenn man allein im zimmer ist. ich schaue in die leere. grad gestern hatte ich augeräumt und gesaugt. hätte ich das bloß nicht getan, dann hätte ich jetzt etwas das ich erledigen könnte. warum hab ich nicht zugesagt? dann wäre ich jetzt wenigstens unter menschen gewesen. scheisse. ich weiß ganz genau wie er heißt, wie er aussieht und was er macht. das ist mir aber egal. sie - SIE ist weg.

07.06.2005 um 12:41 Uhr

Gedankenrauch


Die Gedanken sind trübe, die Luft kann man in Scheiben schneiden. Vor mir steht ein halbvolles Glas Pils. Das Erste und ich weiß das es nicht das Letzte sein wird. Am Rand des kleinen, runden Tisches aus Granit steht der Aschenbecher, dahinter Tabak und Blättchen. In meiner linken Hand die Kippe. Der Rauch wabert nach oben und verfängt sich im Raum. Es ist diese typische Baratmosphäre. An den anderen Tischen sitzen Menschen und unterhalten sich, Musik spielt, eine junge Dame die den Job zum zweiten mal macht rennt gestreßt umher. Ich bin allein an meinem Tisch und so schnell wird sich das auch nicht ändern. Die Gespräche fließen zusammen mit der Musik zu einem Geräusch das langsam auf die halbe Laustärke zurückgeht. Ich nehme einen Schluck Pils. Es schmeckt wie Pils schmecken muss und dennoch geschmacklos. Ich stütze die Ellenbogen auf den kalten Granit und lege den Kopf auf den Händen ab. Genau in diesem Moment kommt die Bedienung: "Darf es noch etwas sein?"

"Ja gern - Liebe, Geborgenheit, Harmonie, Vertrauen und ein offenes Ohr, auch dann wenn ich es nicht verdient habe. Eine Seite die mich hält wenn ich schwanke und mir einen Stoß gibt wenn ich zu steif bin."

"Äh, äh" ich schrecke auf.
"Alles ok bei dir?"
"Ja, ja, alles ok" stammele ich.

Ich beschließe schnell auszutrinken, um dann zu gehen. Ab und an schauen die Leute zu mir rüber. Haben die das zuvor auch getan? Ich drücke die Kippe aus und gebe der Bedienung einen Wink zum zahlen. 2,60 Eur stehen auf der Rechnung. Ich gebe drei und es stimmt so.
"Danke einen schönen Abend noch", "Danke gleichfalls" und auch diese Situation ist beendet.

Ich nehme einen letzten Schluck Pils und sehe dann zu das ich nach draußen komme. Hatte ich das wirklich gesagt oder nur gedacht? Nein, ich sabbel doch keine Bedienung mit sowas voll. Oder vielleicht doch?
Draußen geht eine steife Brise und weht den Rauch aus der Kleidung. In der Ferner ein leichtes Grummeln und Wetterleuchten. Ein Auto fährt an dem schmalen Bürgersteig vorbei. Es ist Menschenleer und ich bin wieder für mich allein.

05.06.2005 um 21:48 Uhr

der geschundene mann


dort läuft er wieder durch das dorf. immer auf derselben seite, der straße. immer von osten kommend nach westen, richtung rhein. es ist die faszination des abscheulichen, die ihn immerwieder hierherbringt. man sieht es ihm an; er ist gezeichnet vom leben.
hier in diesem ort war es, vor einigen jahren. da zerbrach sein herz. seitdem entflammte immer mal wieder eine kleine flamme, doch das feuer blieb aus.

vor ihm die straße mit zwei kurven zu je 90 grad, die den ortseingang markieren. dann der marktplatz mit dem springbrunnen und die bushaltestelle, an der er das erste mal wartete, bevor er sie sah.

dann die straße zweimal links, ortsausgangsschild, eine leichte steigung in der landstraße. damals war alles anders. leichter und vielleicht auch gepaart mit der hoffnung der verzweiflung.

danach flammte sein herz erneut auf, doch immer war es nicht das richtige. und das richtige? da durfte sein herz nicht entflammen. da läuft er also. er meidet die blicke, die ihn anschaun. "da läuft der ex von ..." aber das spricht keiner aus. das denkt sich jeder nur. jeder weiß was damals passiert war. jeder hatte verständnis, von ost kommend nach westen.

05.06.2005 um 20:57 Uhr

was die anderen nicht wissen können


dunkelvision ist stumm. er sagt nix. er sieht es nur. er spürt es, er nimmt es in sich auf. er atmet es ein, er trinkt es, er ißt es. egal was er tut - es ist da, es ist vorhanden. dieses gefühl der dunkelheit. da ist kein licht, keine wärme, kein geschmack und keine textur. da gibt es niemanden der ihn verstehen könnte. er hatte es probiert, doch wurde er mit gelächter empfangen. aber es ist nicht lustig und war auch kein scherz.
es ist nicht lustig, wenn jemand die straße hinab geht und die fensterläden schlagen zu, die mütter die kleinen kinder hastig vom bürgersteig holen, der wind eine staubwolke aufwirbelt und man der einzige ist der sich die augen reibt und doch weiterlaufen muss.
...wenn man jeden tag laufen muss um zu überleben und doch immer wieder auf der stelle tritt.
früher - da war es anders. da hatte noch alles einen sinn. er machte erfahrungen, freute sich über die momente des glückes. doch dann wurde er zurückgeschlagen. immer öfter und auch immer härter. inzwischen weiß er wie es sich anfühlt und er sieht den menschen teils auch an welche wege ihnen noch bevorstehen. es sind immer dieselben schicksale nur mit immer wechselnden charakteren.
die davorne zum beispiel ähnelt emanuela und der da sollte die finger von ihr lassen. aber beide machen denselben fehler, so wie die und der oder...

dunkelvision ist stumm. er sagt nix. er setzt sich hinterm dem ortschild an einen kleinen bach und zieht sich die schuhe aus um die geschundenen füße in den bach zu tauchen. wenig später entlädt sich die schwüle luft zu einem gewitter. in der dunkelheit flackert der horizont. wasser läuft sein gesicht hinab und wäscht den staub herunter.

03.06.2005 um 17:01 Uhr

Das Gefühl

Es ist das Gefühl der Sehnsucht nach etwas unerreichbaren. Da liegt man schlaflos nachts im Bett, Gedanken fließen wie einsame Winde durch den schier endlosen Kopf. Um zwei Uhr nachts schließlich wabern nur noch graue Nebel in der Unendlichkeit. Eine warme Perle salziger Sehnsucht rinnt durch tiefe Furchen, vom Schicksal zermürbter, Lebenserfahrung.
Mit dem ersten Vogelgezwitscher überwiegt dann langsam die Müdigkeit.
Am frühen Morgen, um 12:00 Uhr Mittag, dann die Erkenntnis das es so nicht weitergehen kann. Und wieder die quälenden Gedanken, die schon die bisherige Nacht in eine stille, dunkle Hölle verwandelten. Der stetig monotone Tagesablauf verschafft nur wenig Ablenkung. Immerwieder flackert das Licht auf, welches man verloschen glaubte.

Tag für Tag dasselbe Spiel: Erst die schlaflose Nacht und dann der Hindernisparcour zwischen Sehnsucht, Hoffnung und Verzweiflung.
Dann, zufällig, getrieben von der Hoffnung, zu schwach um es zu vermeiden, die direkte Konfrontation mit der Ursache. Es ist gut, es fühlt sich schön an, doch danach ist es wieder da. Dann allerdings mit voller Härte und größter Durchschlagskraft ist er wieder da, der Schmerz der Verzweiflung.