verbundenen mit einem Erlebnis aus "meiner Ferienfreizeit":
Am Montag hatten wir eine sehr unschöne Situation in einer Schwimmhalle. Zwei stark betrunkene, machohaft auftretende Männer von Mitte Vierzig haben eines unserer hübschen, jungen Frauen sexuell belästigt.
Letztendlich haben wir den Bademeister gerufen, der ihnen Hausverbot erteilt hat, und es ist zu einer Anzeige bei der Polizei gekommen.
Gestern Nachmittag haben wir dieses Erlebnis aufgegriffen um, zusammen mit den Mädchen, zu überlegen wie man sich wehren kann, wenn jemand die eigenen Grenzen überschreitet. Dazu sollten sie in Kleingruppen jeweils eine selbst erfahrene Situation nachspielen.
Eine unserer Teilnehmerinnen hat uns folgende Szene erzählt. Ich möchte sie Euch, so gut ich sie in Erinnerung habe, wiedergeben:
"Ich hatte mir noch ein Brötchen geholt und kam mit meinem Rolli relativ spät an der Bushaltestelle an. Der Busfahrer war genervt und mürrisch im Ton."
Busfahrer: "Warum kommen sie so spät?"
Teilnehmerin: "Warum sind sie so schlecht gelaunt? Sie hätten nicht auf mich zu warten brauchen, wenn es ihre Zeit nicht erlaubt."
- Der Busfahrer antwortet nicht, hilft der Teilnehmerin beim Einsteigen. Zum Aussteigen mit Rollstuhl braucht sie wieder seine Hilfe.
Busfahrer: "Jetzt muß ich ihnen auch noch beim Aussteigen helfen. Eigentlich will ich das garnicht."
- Teilnehmerin kontert. Daraufhin sagt der Busfahrer: "Sie brauchen gar nicht mehr zu antworten. Ich denke, es ist alles gesagt."
- An diesem Nachmittag hat es lange gedauert, bis die junge Frau auf andere Gedanken kam. Durch unser Gespräch wurde sie an zahlreiche andere Situationen erinnert, in denen sie von dummen Menschen schlecht behandelt worden ist.
Behinderte sind von Nichtbehinderten abhängig. Dadurch entwickelt sie ein anderes Selbstbewußtsein als Menschen ohne Handicap, so ist meine Beobachtung. Zudem sind sie seelisch belasteter, weil sie tagtäglich mit den Behinderungen ihres Körpers, und den daraus entstehenden Widrigkeiten im Alltag, umgehen müssen.
Sehr oft drücken "wir Otto-Normal-Verbraucher" uns vor Verhalten, daß man als "couragiert" bezeichnen könnte. Kann ich es da von mental schwächeren Menschen verlangen? Und das viel häufiger als von Nichtbehinderten, weil sich Reaktionen dummer Menschen bei ihnen häufen?
Wie sich die anderen Fahrgäste in der beschriebenen Situation verhalten haben, habe ich unsere Teilnehmerin gefragt. Die Antwort kann sich jeder von Euch denken, nehme ich mal an.
Ich denke wir alle sollten uns in die Pflicht nehmen, die Augen offen zu halten und zu reagieren.
Jeder für sich.