Momentaufnahme
Einer unserer "Klienten" ist mir sehr entgegen gekommen und hat mir erlaubt, seinen PC zu benutzen. Es ist kalt in seiner Wohnung.
Ich finde heute Abend den Absprung nicht, mich oben im Assitenzzimmer ins Bett zu legen. Ich sitze hier und lasse mich durch die Zeit tragen.
Eine unserer Frauen mußte vorhin spucken. Sie lag auf dem Rücken. Es hat einen Moment gedauert bis ich kapiert habe, weshalb sie mir nicht geantwortet hat, und ich sie auf die Seite gedreht habe.
Bei unserer anderen "Klientin" hatte eine Kollegin heute ihren ersten Tag. Der Schweiß lief ihr von der Stirn, als sie mir die Tür aufmachte. Abends ist dort immer viel zu tun.

Da schafft man vielleicht schon deswegen den Absprung nicht, weil man zu aufgekratzt ist von allem.
Lasse dich durch die Zeit tragen.
Alles Liebe für dich.
sternenschein
ich arbeite nachts und dadurch erlebe ich relativ wenig mit unseren Leuten. Auf der anderen Seite empfinde ich gerade diese Zeit als sehr intim.
Demnächst will ich in den Tagdienst wechseln, dann werden die Erlebnisse mehr werden.
Gott sei Dank nehme ich Situationen aus der Arbeit gedanklich nicht oft mit nach Hause.
Im Rückblick betrachtet ist mir der Gedanke gekommen, daß mein Bewußtsein der Selbstbestimmung "unserer Leute" wohl in erster Linie durch ihre Worte geprägt wird. Durch die starken körperlichen Behinderungen können sie ihren Willen kaum anders kund tun.
Die beschriebene Klientin hatte, auf dem Rücken liegend, etwas im Mund und konnte sich deshalb nicht artikulieren. Ich wußte einen Moment lang nicht was los war, war hilflos weil mir "eine Ansage" fehlte. Diese Situation hatte mich gestern beim Schreiben dieses Beitrags noch beschäftigt.
Herzlichen Gruß
eineReisende