Pflegedienst, "live und in Farbe"
Ende letzter Woche war Einarbeitung für einen Nebenjob bei einem Pflegedienst.
Einsätze bei sieben Klienten.
- guten Morgen - diese Verrichtung, jene Verrichtung - nicht festqautschen lassen - "Tschüß, schönen Tag noch" und ab zum nächsten
Am Freitag habe ich eine Frau geduscht. Im Anschluß hat meine Kollegin mein Vorgehen und meine Gründlichkeit gelobt. "Aaaaber dafür ist eigentlich nur die Hälfte der von Dir benötigten Zeit eingeplant."
Wo soll ich weniger gründlich sein? Der Frau nicht allen Schaum aus den Haaren spülen? Sie nicht gründlich abtrocknen?
Es ist so wie immer wieder berichtet wird, so viel kann ich Euch jetzt sagen.
Ich habe heute im Büro angerufen und abgesagt. Klar, ich brauche einen Nebenjob sonst reicht das Geld nicht.
Würde ich mich an diesen gewöhnen hätte ich gelernt, Menschen wie Holzscheite zu behandelt, und das ist das allerletzte was ich will.
Es wird sich ein anderer Job finden. Es hat sich immer einer gefunden.

Ja, es haben sich andere Jobs gefunden. Aber ich weine diesem imer noch etwas nach, trotz allem... irgendwie fand sich doch immer die Zeit zu quatschen... am besten natürlich bei den Nachtschichten... Sie können eh meistens nicht so gut schlafen...
Lieben Gruß,
Serena
Diese System ist krank. Denn es sieht nicht den Menschen..., immer nur Geld, Geld, Geld...
Du beschreibst eine Atmosphäre die ich aus dem Heim kenne, in dem ich vor sechs Jahren gearbeitet habe. Auch meine Anstellung hat nicht lange gedauert, auch mein Menschenbild hat dort nicht hinein gepaßt.
Jeder Mensch trägt mit seinem Verhalten seinen Teil zur Gruppenatmosphäre bei. Ist sie festgefahren ist es schwer etwas zu ändern. Ab einem bestimmten Grad frage ich mich, ob ich die Energie aufbringen will und ob ich es aushalte, mich mit meinem Verhalten zur Zielscheibe zu machen. Dann gibt es für mich nur die Möglichkeit eines Wechsel. Mein Verhalten an zu passen hat bisher nicht geklappt *g. Auch wenn ich nicht reagiere merkt man meinen inneren Widerstand.
Liebes Gaensebluemchen,
ja, es ist so wie Du sagst, das ist auch meine Beobachtung.
Menschen schaffen für Menschen Bedingungen, die unwürdig sind. Die zuständigen Gesetzgeber würden unter ihnen wahrscheinlich auch nicht leben wollen.
- Womit ich gedanklich bei meinem Beitrag vom 20. September wäre. *g
Herzlichen Gruß
eineReisende
ich arbeite auch im ambulanten Pflegedienst. Stimmt an erster Stelle steht das Geld....mein Chef an damala bei meiner Einstellung einen Satz gesagt, den ich nicht vergessen habe:" Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen!"
Meine Kollegen und ich nehmen uns aber die Zeit, die für z.B. fürs Duschen brauchen! Gut wird dann aber nicht bezahlt, die Mehrarbeit. Ist der Kunde dann gut betucht und zahlt selbst....man höre und staune.....da dürfen wir uns Zeit lassen.....so wie der Kunde das gerne möchte....sicherlich auch in einem bestimmten Zeitrahmen, aber ich muss nicht ständig auf die Uhr schauen.
Unser System ist krank. Da wird für ein Frühstück..LK16 oder Mittagessen heiß machen 5 Minuten berechnet...ha ha ha.....das schaffe ich ja noch nicht einmal zu Hause. Trotzdem, wenn ich arbeite, arbeite ich immer so...das wenn ich aus der Tür gehe, mit einem gutem Gefühl gehen kann. Meistens klappt es, leider aber nicht immer. Der Mensch alt, krank, behindert ist in unserer Gesellschaft Ware die Geld einbringt!!
Vorteile sehe ich in dieser Art von Beschäftigung. Ich arbeite selbständig, bin gerne mit dem Auto unterwegs....es schaut mir nicht andauernd jemand auf die Finger...der Kunde (für meinem Chef sind es Kunden) kann in seinem häuslichem Umfeld bleiben. Die Beziehung zum Menschen ist viel intensiver als in einem Heim.
Ich habe super nette tolle Kollegen, wir halten alle zusammen. Wir arbeiten in Teams, ganz der Qualifikation entsprechen, haben dadurch immer die selben Kunden!
Trotzdem der STaat spart am falschen Ende. Achso wir betreuen auch Kinder, psychisch kranke Menschen, die z.B. schweere Depressionen haben. Ich gehe dann mit meiner Kundin, die nur ich betreue....spazieren in den Parkt, Kaffee trinken, gemütliches Klönen usw. Das ist so nur im Pflegedienst möglich...das Verhältnis wird sehr eng und freundschaftlich.
Gut es gibt Vorteile und Nachteile.
Alles liebe
Yelena
Hoffe zu bekommst bald einen neuen Nebenjob!
ich freue mich über Deinen langen Beitrag und darüber, daß sich mit Dir jemand zu Wort gemeldet hat, der die Arbeit im Pflegedienst länger kennt, als durch zwei Einarbeitungstage.
Ja, wir leben in einer Marktwirtschaft, deren Gesetzen sich ALLE Bereiche des Lebens unterzuordnen haben. Die Bedingungen werden überall härter, und überall leiden die betroffenen Menschen darunter.
Gerade im sozialen Bereich, der keinen andere Aufgabe als die Betreuung besonders fürsorgebedürftiger Menschen hat, finde ich die Verschärfung der Bedingungen besonders fehl am Platz.
An dieser Stelle einer Diskussion halte ich mir jedes Mal vor Augen, daß alle "Spielregeln", die das Leben auf dieser Welt bestimmen, von uns Menschen gemacht sind. Sie sind von Menschen und (unter anderem) FÜR MENSCHEN gemacht, es steht uns relativ frei sie so zu gestalten, daß alle sich wohl fühlen. Da finde ich es schwachsinnig, daß Regeln aufgestellt und Bedingungen geschaffen werden, unter denen irgendjemand zu leiden hat.
Wie ist die Einstellung unter Euch Kollegen, Eure eigene Fürsorge betreffend? Reicht die verbleibende Zeit, um gut für Euch selber zu sorgen?
Wofür steht die Abkürzung "LK16"?
Eine Kollegin von mir meinte, die Zeiten des von mir erwähnten Pflegedienstes seien noch human. Sie habe mal bei einem gearbeitet bei dem keine halbe Stunde, sondern 10 Minuten für das Duschen veranschlagt worden sind. Auch wurden den Mitarbeitern die Fahrtzeiten nicht bezahlt, die ein Drittel der Arbeitszeit in Anspruch genommen haben. Das sind Sklavereibedingungen!
Das ist auch mir das Wichtigste in der Arbeit mit Menschen. Ich bete dafür, rechtzeitig den Absprung zu schaffen (um wieder Klos putzen zu gehen *g), sollten die Bedingungen dieses gute Gefühl eines Tages unmöglich machen.
Ich finde diese Zwei-Klassen-Gesellschaft wirklich absurd. Da gibt es die Gruppe der jungen, gesunden, nicht behinderten Menschen, die die anderen zu Menschen zweiter Klasse machen, mit denen man Geld verdienen kann.
Keiner der ersteren Gruppe scheint einen Gedanken daran "zu verschwenden" wie schnell es gehen kann, zur zweiten Gruppe zu gehören. Ein Freund von mir sprach davon, 80% der Behinderten wären ohne Handicap zur Welt gekommen, hätten dieses später durch Unfall oder Krankheit bekommen. Vor sieben Jahren habe ich in einem Wohnheim für schwerstbehinderte Erwachsene gearbeitet. Der Anteil der Bewohner, die "ein Leben vor der Behinderung" hatten, bestätigt die genannte Zahl.
Ich möchte mit Dir wetten, NIEMAND der ersteren Gruppe würde unter den von ihm für die anderen geschaffenen Bedingungen leben wollen.
Die von Dir aufgezählten Vorteile kann ich verstehen.
Schöner wär's noch mit mehr Zeit für das Pflegepersonal. ;o)
Das fände ich auch sehr wichtig. Gibt es Pflegedienste, bei denen das anders ist?
Ich wußte gar nicht, daß Pflegedienste auch solchen Aufgaben nachgehen. Bisher dachte ich, dafür sei in jedem Fall "pädagogischen Personal" zuständig. Auch habe ich angenommen, daß die Freizeitgestaltung aus einem anderen Topf bezahlt wird.
Herzlichen Gruß
eineReisende
minus "ersteren"
plus "ersten"