Elfchenwelten

02.10.2007 um 08:21 Uhr

Mein Leben mit einem alkoholabhängigen Vater - Teil 7

von: HanneloreKunz   Kategorie: Meine Geschichte   Stichwörter: Ich, Hannelore, Kunz, meine, Geschicht, Vater, Alkohol

Stimmung: gut
Musik: keine

Ich hatte mein Ziel nicht aus den Augen verloren, der Droge Alkohol auf die Schliche kommen zu wollen. In der Zwischenzeit habe ich die Ausbildung zum Suchtberater gemacht und vieles über die Zusammenhänge erfahren.
Des weiteren absolvierte ich noch die Ausbildung zum Konfliktmediator.
Heute wünsche ich mir, den Personen die mit solchen Situationen zurecht kommen müssen, ein Wegbegleiter aus der Situation hinaus sein zu dürfen.

 

01.10.2007 um 09:07 Uhr

Mein Leben mit einem alkoholabhängigen Vater - Teil 6

von: HanneloreKunz   Kategorie: Meine Geschichte   Stichwörter: Ich, Hannelore, Kunz, meine, Geschicht, Vater, Alkohol

Stimmung: gut
Musik: keine

Mir wurde mit Hilfe von Fachleuten in stunden,- tage-, und nächtelangen Gesprächen viel erklärt, über Alkohol, seine Wirkung und die Menschen die es betraf. In der Zwischenzeit kam mein Vater aus der Klinik. Ja, er war endlich ein neuer Mann.
Es begann eine schöne aber leider zu kurze Zeit.
Mein Vater musste, als er aus der Klinik kam eine neue Arbeitsstelle antreten. Auf dieser Arbeitsstelle musste er ganz was anderes arbeiten. Er reinigte Rohre in einer Schweinefabrik mit Alkoholmetilik. Wenn man davon zuviel einatmet, kann man an inneren Verätzungen sterben.
Kurz vor meinem Vater starben zwei Männer in diesem Betrieb.
Er kam an diesem Abend nach Hause und war ziemlich müde und abgespannt. Ich glaube ich habe meinen Vater noch nie so traurig erlebt wir an diesem Abend.

Aus irgendeinem Grund entschuldigte er sich nochmal für die vielen Verletzungen die er mir zugefügt hatte oder die mir durch seine Billigung zugefügt wurden.
Heulend gestand er mir, er würde sein Leben dafür geben, wenn er dies damit ungeschehen machen könnte.
Ich glaube er spürte das er gehen musste.
Zwei Tage nach diesem Gespräch war er Tod.

Diese Geschichte und diese vergangene Zeit, werde ich nie ungeschehen machen können. Ich habe aber über die Jahre gelernt damit umzugehen. Machte dann als Erwachsene nochmal eine Therapie von fünf Jahren durch und erarbeitete mir meine Freiheit auch anhand von Arbeitsbüchern. Kurz vor Beendigung meiner Therapie wurde mir empfohlen, wenn ich doch das Gefühl hätte, das ich mit dem bisher erarbeiteten in ein neues Leben gehen kann, es doch meinem Vater in einem Brief zu schreiben und es ihm in sein Grab mitzugeben. Als Symbol für meine neuerworbene Freiheit.

Wollt ihr noch zum Schluss wissen, was aus mir geworden ist?

30.09.2007 um 09:52 Uhr

Mein Leben mit einem alkoholabhängigen Vater - Teil 5

von: HanneloreKunz   Kategorie: Meine Geschichte   Stichwörter: Ich, Hannelore, Kunz, meine, Geschicht, Vater, Alkohol

Stimmung: gut
Musik: keine

Ich glaub an diesem Tag wurden sämtliche Kräfte wach, die man als Kind in sich tragen kann. Ich vertraute mich dem Arzt und den Psychologen an, sie brachten alles ins Rollen.
Der Laden wurde geschlossen, was mit den Männern damals geschah, weiß ich nicht mehr.
Mein Vater wurde gezwungen in die geschlossene Psychiatrie zu gehen und dort eine Entziehungskur zu machen.
Ach ja, was ich vergas, einpaar Wochen nach dem Tod meiner Freundin, hatte ihr Vater den Freitod gesucht und sich im Dachboden seines Hauses erhängt.

Nun zurück zu meinem Vater.
Irgendwann fing es an, das wir ihn besuchen durften.
Ich durfte mir die Tage frei wählen und nur wenn ich auch wirklich wollte. Es war immer eine Psychologin mit dabei. In dieser Phase schrie ich ihm meinen ganzen Hass entgegen.
Er ertrug es geduldig.
Doch als Nebenefeckt von diesen ganzen Besuchen erkannte ich auch, was der Alkohol aus Menschen machen kann.
Ich erklärte ihm auch als einzige in unserer Familie, das falls er noch einmal einen Tropfen anrühren sollte, er sich meines Hasses gewiss sein kann. Ich wusste nicht, was ich zu diesem Zeitpunkt vesprach. Doch ich sagte ihm tatsächlich, ich würde einen Vater vermissen. Aber nur einen, der lieb und nett ist und nicht mehr nach Alkohol riecht und der, wenn ich ihn rief auch für mich da war. Außer von meinen Psychologen und seinem behandelnten Arzt bekam ich keine Unterstützung in meinem konsequenten Verhalten. Ich sagte ihm aber auch, das ich sein Verhalten trotzdem nie vergessen werde.
Er sprach viel mit mir über seine Gefühlswelt und wie der Alkohol sich in ihn reinfraß.
Anbei möchte ich bemerken, das ich knappe 11 Jahre alt war.

 

29.09.2007 um 09:33 Uhr

Mein Leben mit einem alkoholabhängigen Vater - Teil 4

von: HanneloreKunz   Kategorie: Meine Geschichte   Stichwörter: Ich, Hannelore, Kunz, meine, Geschicht, Vater, Alkohol

Stimmung: gut
Musik: keine

An solchen Tagen hoffte ich, das es ganz schnell Abend wird um schnell nach Hause zu kommen und mit meiner besten Freundin zusammen zu sein.

Bei solchen Gelegenheiten berichteten wir uns gegenseitig über den Tag. Und heulten gemeinsam bis wir einfach keine Tränen mehr hatten. Doch irgendwann wurden wir älter und unsere Väter merkten das natürlich auch.
Tja, und dann...
Bei meiner Freundin, weiß ich es nicht mehr genau, wann sie das erste mal vergewaltigt wurde.
Aber ich weiß es noch...
Es war zwei Tage vor meiner Einschulung.
Ich wusch einem stämmigen, stinkenden Mann die Haare, er hatte eckelige Wurstfinger, eckelig blutunterlaufen.
Er besuchte das erste Mal den Friseurladen meines Vaters.
Ich sollte ihm die Haare waschen, ich weiß nicht mehr, was der ausschlaggebende Grund war, aber er wurde sauer, weil ihm irgend was beim Haarewaschen nicht gefiel.
Es gab einen Streit zuwischen ihm und meinem Vater und ein Handgemenge zwischen den beiden.
Sie waren beide betrunken.
Aber mein Vater natürlich mehr, wie immer...
Mein Vater wurde k.o. geschlagen und der andere hatte somit den Freibrief sich an mir auszulassen.
Er sagte zu mir, wenn ich mich nicht anständich verhalten würde, würde er meinen Vater umbringen.
Ich schrie nach meinem Vater um Hilfe.
Aber der war so dicht, das er sich nicht mehr rühren konnte.
In diesem Moment hasste ich alle Menschen, die nach Alkohol stanken und nicht fähig waren ihre Kinder zu beschützen!

Ein paar Tage später, erzählte ich das meiner besten Freundin.
Und sie dann ihre Geschichte mir.
Nur mit dem Unterschied, das sie von ihrem eigen Vater mehrfach missbraucht wurde.
Wir beide waren sehr verzweifelt.
Wir wussten nicht wohin mit unserer Hilflosigkeit und Angst.
Sie sagte noch kurz vor dem Verabschieden, sie wiesse nicht, wie lange sie das noch über sich ergehen lassen könnte.
Es vergingen weitere Tage und Wochen, ein halbes Jahr, ja sogar ein ganzes Jahr, immer mit unserem gleichen Alltag.
Nur mit dem Unterschied, das ich zur Prostitution freigegeben wurde.
Meine Mutter wusste angeblich nichts davon.
Die Brüder meines Vaters wollen bis heute nichts davon wissen.

Kurz vor meinem zehnten Geburtstag passierte etwas schreckliches.
Meine Freundin wurde von ihrem Vater anscheinend ziehmlich extrem missbraucht als sie dann ihren betrunkenen Vater niederschlug, in der Hoffnung sie könnte sich befreien und er trampelte auf ihr herum. Dabei wurden ihre Nieren beschädigt.
Sie kam schwerverletzt ins Krankenhaus wo ich sie regelmäßig besuchte. Da bekamen wir beide Kontakt zu einem Arzt und einer Psychologin. Mir hat dieser Kontakt noch etwas gebracht.
Meine Freundin starb aber an den Folgen ihrer Verletzungen.

 

28.09.2007 um 12:39 Uhr

Mein Leben mit einem alkoholabhängigen Vater - Teil 3

von: HanneloreKunz   Kategorie: Meine Geschichte   Stichwörter: Ich, Hannelore, Kunz, meine, Geschicht, Vater, Alkohol

Stimmung: gut
Musik: keine

Als ich dies meiner Mutter erzählte, meinte sie, man sage soetwas ja nicht in der Öffentlichkeit und das mir die Strafe Recht geschehe.
Ich saß an diesem Tag heulend in meiner Spielecke, dort schlief ich auch ein.
Als ich aufwachte, putzte mein Vater das Puppenbett.
Zu diesem Zeitpunkt war er nüchtern und entschuldigte sich total teatralisch bei mir.
Tja, ich wusste aber nicht, dass das dann auch der Beginn war, wo Tage zur Nacht wurden...
Wo Licht und Sonne nur noch Finsternis waren...
Es kam der Tag, als ich meinen Vater das erste Mal in seinen Friseurladen begleiten musste.
Ich musste bei Kunden Haare waschen, Haarwickel sauber machen, Haare aufkehrn. Das alles ging Vormittags immer recht gut, bis gegen Nachmittag sein Alkoholpegel die Spitze erreichte.
Wenn ich dann was nicht richtig machte, demütigte er mich mit Worten und prügelte mich mit seinem Rohrstecken in seinem Büro bis meine Beine ganz blutig waren.

Jetzt muss ich mal Pause machen.
Ich schreibe morgen oder Montag weiter.
lg Hannelore