Epochenkurs

01.04.2006 um 15:40 Uhr

Dr. Heinrich Hoffmann, Arzt in Frankfurt

Hoffmann war praktischer Arzt, Armenarzt, Anatom, Pathologe, schließlich Psychiater. Obwohl er für das erste deutsche psychiatrische Krankenhaus verantwortlich zeichnet, in dem die Patienten als solche behandelt, und nicht wie Vieh weggeschlossen wurden, ist Heinrich Hoffmann bis heute vor allem als Autor des "Struwwelpeter" bekannt.

Heinrich Hoffmann wurde 1809 in Frankfurt am Main geboren. Sein Vater war Architekt, der u. a. die Hauptwasserleitung von Frankfurt baute. Die Mutter starb sechs Monate nach seiner Geburt. Der Vater heiratete in 2. Ehe die Schwester seiner verstorbenen Frau. In seinen Lebenserinnerungen schreibt Hoffmann sehr liebevoll über „Tante Nettchen“ und seine beiden Stiefschwestern.

Er selbst muss ein hyperaktives Kind gewesen sein, das Schwierigkeiten mit der Schule hatte.

Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er von 1828 bis 1833 zügig Medizin. Nach der Promotion ging er 1833 - 1834 zu Studienaufenthalten in Pariser Hospitäler.

 

1834 gründeten sechs mit ihm befreundete Ärzte in Frankfurt eine Armenklinik; nach seiner Rückkehr aus Paris schloss er sich ihnen an. Die Ärztegruppe versorgte auch mittellose Kranke in den umliegenden Dörfern kostenlos:

 

1835 eröffnete Hoffmann eine Praxis als praktischer Arzt und Geburtshelfer im Stadtteil Sachsenhausen. Die Praxisräume befanden sich im Gasthaus zum Tannenbaum. Außerdem wurde er ärztlicher Betreuer des Leichenhauses in Sachsenhausen. 1844 erhielt er eine Anstellung als Anatom am Senckenberg’schen Institut in Frankfurt und versah hier den anatomischen Unterricht für Chirurgen, Lehrer und Gymnasiasten. 1845 war er Mitbegründer des Frankfurter Ärztlichen Vereins.

.

1851 fand Heinrich Hoffmann seine Lebensaufgabe. Ihm wurde die ärztliche Leitung der Frankfurter „Anstalt für Irre und Epileptische“ übertragen. Von 1851 bis 1888 war er als leitender Arzt dort tätig und erwarb sich Verdienste um die Entwicklung der Jugendpsychiatrie .

 

Dr. Hoffmann war Praktiker, kein Theoretiker. Seine psychiatrische Fachschrift Beobachtungen über Seelenstörungen und Epilepsie (1859) veröffentlichte er vor allem, um sein Projekt eines Anstaltsneubaus in Frankfurt durchsetzen.

In der Beurteilung seiner ärztlichen Verdienste um den Klinikneubau gehen die Meinungen der Biografen allerdings auseinander. Während das Frankfurter Heinrich-Hoffmann-Museum erläutert, dass Hoffmann sich beachtliche Verdienste um den Neubau einer für die damalige Zeit modellhaften psychiatrischen Klinik erworben hat, gesteht ihm die psychiatrische Universitätsklinik zwar eine gute organisatorische Leistung bei der Bewältigung des Neubaus zu, die Verdienste um eine modellhafte Erneuerung der Krankenbehandlung werden dagegen seinem Nachfolger zugeschrieben.

Allerdings beurteilt die Universitätsklinik auch den Struwwelpeter ziemlich hart: „ Seine (Hoffmanns) heutige Bekanntheit gründet im Wesentlichen in seinem pädagogisch -edukativ gemeinten Buch über den Struwwelpeter, in dem er wohl die Erstbeschreibung des hyperkinetischen Syndroms der Kinder lieferte. Wissenschaftlich ist er nicht bedeutsam hervorgetreten.“

Jedenfalls sammelte Dr. Hoffmann Spenden, besichtigte mit einem Architekten Kliniken in halb Europa und verhandelte mit der Stadt Frankfurt wegen eines Grundstücks. Nach unermüdlichen Mühen konnte Dr. Hoffmann im Jahr 1864 mit den ersten Patienten in die neue„Anstalt für Irre und Epileptische“ einziehen,. in einen damals hochmodernen Heil- und Pflegekomplex mit 200 Betten, Ärzte- und Pflegerwohnungen in mehreren Flügeln und Pavillons im „gotischen Stil“, der mit der Hilfe großzügiger Spender auf dem Affensteiner Feld erbaut worden war. .

Die Frankfurter nannten die Klinik wegen ihres prächtigen neugotischen Baustils liebevoll "Irrenschloss ". Hier wirkte und lebte Dr. Hoffmann mit seiner Familie bis zur Pensionierung 1888.

Am 20. September 1894 starb Heinrich Hoffmann in Frankfurt am Main.

 

Zum Andenken an den Autor des "Struwwelpeter", der als Leiter einer psychiatrischen Klinik in Frankfurt (Main) eine Kinderabteilung gründete, stiftete die "Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie" die "Dr.-Heinrich-Hoffmann-Medaille" für "Verdienste um das hilfebedürftige Kind". Sie wird alle vier Jahre verliehen.


Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.