Nach der Übernahme seines Amtes hatte Washington politisches Neuland zu betreten, und in
seiner besonnenen Art war ihm wohl auch bewusst, dass jede seiner Handlungen
ein Präzedenzfall sein könnte. Aber dass seine Amtszeit sowohl für den Stil als
auch für die Amtsführung aller weiteren Präsidenten derart prägend. werden sollte, ob er das
voraussehen konnte?
Prägend waren insbesondere folgende seiner Handlungen:
1. Washington bemühte
sich, das Amt des Präsidenten zu stärken
und aus allen Parteikonflikten herauszuhalten. Auch dessen Abgrenzung zum Kongress
war ihm wichtig.
2. Um eine funktionierende Bundes-Exekutive aufzubauen,
führte er ein Kabinett ein, das in
dieser Form von der Verfassung eigentlich nicht vorgesehen war. Seine ersten Mitstreiter waren:
Vizepräsident John Adams 1789–1797 (der ja gewählt war)
Außenminister Thomas
Jefferson 1789–1793
Finanzminister Alexander
Hamilton 1789–1795
Kriegsminister Henry
Knox 1789–1794
Justizminister Edmund
Randolph 1789–1793
Postmeister Samuel
Osgood 1789–1791
Die erste reguläre Kabinettsitzung fand aber erst 1793 statt.
3. Washington musste widerstrebende parteipolitische Kräfte
in seine Regierung einbinden, um diese aus einem möglichen Parteienstreit
herauszuhalten. Schon damals zeichneten sich nämlich die beiden großen
Strömungen der Federalists und der Democratic-Republicans in der amerikanischen
Parteienlandschaft ab. Washington, der eine starke Führungspersönlichkeit war, löste dieses Problem geschickt, in dem er z.
B. den Föderalisten Alexander Hamilton zum Finanzminister und den Republikaner
Thomas Jefferson zum Außenminister berief und diesen weitgehend freie Hand ließ.
4. Wirtschaftspolitisch, besonders in der
Grunderwerbspolitik, förderte Washington
eher die wirtschaftlichen Eliten des Landes, was ja auch seinem Selbstverständnis als
Großgrundbesitzer entsprach. Den in der Federal-Convention ausgehandelten Kompromiss in der Sklavenfrage rührte er nicht
an. Da war er als Besitzer von 390 Sklaven selbst involviert.
5. In der Außenpolitik verfolgte Washington das Prinzip einer strikten Neutralität. Er
beharrte auch auf dieser Position, als 1793 der Krieg zwischen dem
revolutionären Frankreich und der Koalition aus Großbritannien, Preußen und
Österreich ausbrach, was ihm von Frankreich und auch von etlichen Landsleuten
ziemlich verübelt wurde. Als der damalige französische Botschafter, der Bürger Genêt , in Amerika begann,
eine Freiwilligentruppe gegen die
Spanier in Florida anzuwerben und
Freibeuterbriefe auszustellen, kam es zur Citizen Genêt-Affäre, in der
Washington seine Neutralitätspolitik energisch behauptete.
6. Washington bemühte
sich auch um bessere Beziehungen zu der früheren Kolonialmacht England. Er setzte
gegen erheblichen innenpolitischen Widerstand 1795 seine Unterschrift unter den
Jay-Vertrag , der einige Differenzen mit England bereinigte, die seit dem
Unabhängigkeitskrieg bestanden. Der Vertrag bekam seinen Namen nach John Jay, dem damaligen Vorsitzenden des Supteme
Courts, der ihn zusammen mit Alexander Hamilton in England aushandelte. Der
Vertrag war insbesondee handelspolitisch das Beste, was damals zu erreichen war. Doch war er in Amerika so
unpopulär, dass Hamiltoin sogar von Bürgern mit Steinen beworfen wurde.
7. Natürlich brauchte
die Bundesregierung für ihre Aktivitäten auch Geld, also Steuereinnahmen. 1791
führte sie eine Verbrauchssteuer auf
Whiskey ein, die im amerikanischen Grenzgebiet sehr unpopulär war. Im Juli 1794
kam es darüber in Pennsylvania zur „Whiskey-Rebellion “. Ein Bundesmarschall wurde vom Pöbel
angegriffen und das Haus eines regionalen Steuerbeamten niedergebrannt. Auch in
diesem Fall setzte sich Washington energisch durch. Einen Monat später schickte er ca. 13.000 Soldaten zur Unterdrückung der
Unruhen nach Pennsylvania.
1797 endete die Amtszeit von George Washington, der sich nun
aus der Politik zurückzog und auf sein Gut Mount Vermont zurückkehrte.
1798 wurde George
Washington noch einmal für die amerikanische Politik bedeutsam. Um Frankreich
von einem Krieg mit den USA abzuschrecken, übertrug der nunmehr amtierende Präsident John
Adams ihm nochmals den Oberbefehl über die amerikanischen Streitkräfte, den Washington
zum Glück aber nur nominell wahrnehmen musste.