Luselei

28.03.2005 um 12:33 Uhr

Liebes Lusel!

Als wir vor vier Wochen von einem dieser runden Geburtstage zurückkamen, die man im ganz großen Kreise feiert, warst Du erstaunt, daß Du doch eine Famile hast, noch dazu eine so große. Ganz begeistert wolltest Du von allen die Geburtstage ( damit man ´mal ´ne Karte schreiben kann ), Adressen und Telefon-Nummern wissen. Aber die habe nicht einmal ich alle. Es schien, als sei Dir plötzlich der Wert einer Familie bewußt geworden.

Und wirklich war es ja auch imponierend, all die Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen zu erleben, nach all den Jahren, die Dir früher so fern waren - des Alters wegen. Inzwischen liegen hunderte von Kilometern dazwischen; da konnte man schon vergessen, daß man - genau wie die anderen, bei denen all das zum Alltag gehört - auch eine richtig große Familie hat.

Naja, die Begeisterung währte nicht lange. Denn seit unserer Rückkehr hast Du nicht einmal bei mir angerufen. Und meine Nummer weißt Du doch. Und als vor drei Tagen jene Pseudo-Tante bei Dir anrief, um Dir zu sagen, daß sie hier ist und Dich gern sehen würde, da warst Du von den letzten Arbeitswochen so erschöpft, daß Du Dich dazu nicht imstande fühltest. Du müßtest endlich ´mal so richtig relaxen...


Die Pseudo-Tante war erstaunt, denn Ihr hattet Euch doch quasi für Ostern verabredet. Und erschöpft sind wir schließlich alle ´mal. Da ist nach einer Nacht richtigem Schlaf alles wieder in Ordnung, und man kann weitermachen. Das hat sie so nicht gesagt. Und ich hab´ auch nichts gesagt dazu, denn ich kenne sie schon, diese Anfälle von Erschöpfung, wenn es darum geht, ´mal mit der Familie zusammen zu sein, ´mal etwas für die Familie zu tun.

Nun frage ich mich aber, was Du Dir gedacht hast, damals, vor vier Wochen, als Du eine große Familie ganz schick gefunden hast. Und ich frage mich auch, wie Du Dir das vorstellst, mit so einer Familie, gar mit eigenen Kindern, wenn das Leben für Dich schon jetzt so anstrengend ist.