21.06.2005 um 22:58 Uhr
08.06.2005 um 22:20 Uhr
Liebes Lusel !
Während du in Irland, vom Fischfang zurückgekehrt, Deine Beute bereits verzehrt haben dürftest, bin ich in Schönbrunn und lausche Tschaikowski. Jenem Klavierkonzert, das ich in Deinem Alter ich weiß nicht wie oft gekauft und verschenkt habe und heute irgendwie doch nicht selbst besitze. Wir haben das damals unentwegt gehört und uns taten die Ohren keineswegs weh von der Klassik, wie ich es so oft höre heute. Es ist mir weder bei Dir, noch bei Deinem Bruder gelungen, Euch die Freude an dieser Art Musik zu vermitteln, obwohl man sagt, bei der klassischen Musik sei es wie mit dem Essen: Die Lust liegt in der Wiederholung. Ganz zweifellos seid Ihr aufgewachsen mit diesen Dingen, aber ... nunja, es scheint aus der Mode gekommen, ebenso wie es bei uns damals in Mode war. Erst heute hatte ich den Anfang jenes Klavierkonzertes auf den Lippen; sicherlich mehr schlecht als recht. Aber es war und ist noch da. Und ich wurde von der Kollegin aus dem Nachbarzimmer erstaunt angesehen, als ich erklärte, was ich da pfeife. Ich selbst war erstaunt, noch gegenwärtig zu haben, was zunächst immer erst als Musik da ist und sich erst später personifiziert. Es scheint, als würde man erst über diese Dinge merken, daß und wie sehr man älter wird. Viele Dinge aus der Jugend treten nun wieder in den Vordergrund als seien sie nie weg gewesen. Klassik ebenso wie Triviales. Meine Kollegen hören mich zuweilen singen "Ja, das Temp´rament, das wie Feuer brennt...", aber Marikka Rökk kennen sie nicht mehr. Und daß es der unscheinbare Heinz Rühmann war, der die Herzen der stolzesten Frauen gebrochen hat, wissen sie auch nicht mehr, wenngleich das Lied zwischenzeitlich wieder einmal interessant war. Kann sein, daß all das schon beinahe vergessen ist, aber ich bereue nichts.
